Das fremde Kind

Das fremde Kind

Zusammenfassung: „Das fremde Kind" in drei Sätzen:

Felix und Christlieb bekommen von reichen Verwandten teures Spielzeug geschenkt, das schon nach zwei Tagen kaputt ist – im Wald aber treffen sie ein fremdes Kind, das aus Moos, Kieseln und Sonnenlicht die schönsten Spiele macht.

Das fremde Kind erzählt ihnen von seiner Mutter, der Königin, und von deren Feind Pepser, dem Gnomenkönig, der sich in eine große Fliege verwandeln kann.

Als der neue Hauslehrer Magister Tinte ins Haus kommt, erkennen die Kinder in ihm den Gnomen und vertreiben ihn – das fremde Kind muss zwar fortgehen, kommt aber noch einmal wieder, als die Geschwister es am nötigsten brauchen.

Das fremde Kind – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 7 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: E. T. A. Hoffmann, 1817
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
  • Zuletzt überarbeitet: 7. September 2026

Hier beginnt das Märchen

Es war einmal ein Edelmann, der hieß Herr von Brakel und wohnte mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in dem kleinen Dorf Brakelheim. Reich waren sie nicht. Das Haus war klein, das Dach war alt, und wenn es regnete, stellte die Mutter einen Topf unter die Stelle, an der es durchtropfte.

Aber hinter dem Haus fing der Wald an, und der gehörte Felix und Christlieb ganz allein. Dort kannten sie jeden Baum, jeden Ameisenhaufen und jede Stelle, an der die Erdbeeren zuerst rot wurden. Von morgens bis abends waren sie draußen, und abends kamen sie mit zerkratzten Knien und voller Geschichten nach Hause.
Das fremde Kind Eines Tages kam Besuch: der reiche Vetter aus der Stadt mit seiner Frau und seinen beiden feinen Kindern. Sie brachten eine große Kiste voller Spielzeug mit. Darin lagen ein Jäger, der mit dem Kopf nickte, eine Dame, die auf einer Harfe spielte, wenn man sie aufzog, ein Männchen, das sich verbeugte, und ein ganzer Garten aus lackiertem Holz.

„Aber nicht zu fest anfassen", sagte der Vetter. „Und auf keinen Fall mit hinaus in den Dreck."

Felix und Christlieb gaben sich ehrlich Mühe. Doch der Jäger konnte nicht laufen, die Dame konnte nur ein einziges Lied, und schon am zweiten Tag war der Harfe die Saite gerissen und dem Männchen der Arm abgefallen. Da packten die Kinder alles wieder in die Kiste, stellten sie in die Ecke und liefen hinaus in den Wald.

Und dort, mitten auf einer sonnigen Lichtung, saß ein Kind, das sie noch nie gesehen hatten.
Das fremde Kind Das fremde Kind war schöner als alles, was sie kannten. Sein Kleid sah aus, als wäre es aus Licht und Blättern gewebt, und niemand hätte sagen können, ob es ein Junge oder ein Mädchen war.

„Warum seid ihr traurig?", fragte es. „Ihr habt doch alles." Dann zeigte es ihnen, was es meinte. Aus Moos baute es ein Schloss mit Zinnen und Toren. Aus Kieseln machte es Spielsteine, die funkelten wie Edelsteine. Aus zwei Grashalmen wurde eine Flöte. Es rief, und die Rehe kamen aus dem Dickicht. Es sang, und die Vögel setzten sich ihm auf die Hand. Ein Schwarm goldener Käfer hob Christlieb hoch und trug sie über die Wiese, dass sie vor Lachen kaum Luft bekam.

Von diesem Tag an kam das fremde Kind jeden Morgen. „Wo wohnst du?", fragte Felix einmal.

„Weit fort", sagte das Kind. „Meine Mutter ist eine Königin. Aber ich darf nicht nach Hause, solange ihr Feind frei herumläuft."

„Wer ist ihr Feind?", fragte Christlieb.

„Pepser, der Gnomenkönig", sagte das fremde Kind leise. „Er war einmal Minister am Hof meiner Mutter, und sie hat ihn davongejagt. Seitdem sucht er mich. Und er kann sich verwandeln – am liebsten in eine große, dicke Fliege."
Das fremde Kind Nicht lange danach brachte der Vater einen Hauslehrer mit nach Hause. Magister Tinte hieß er, und schon als er zur Tür hereinkam, wurde es im Zimmer kühl. Er war klein und dick, trug einen schwarzen Rock, und seine Augen standen ein wenig zu weit auseinander.

Von nun an war es vorbei mit dem Wald. Von morgens bis mittags mussten Felix und Christlieb Buchstaben malen und Sätze nachsprechen, die keinen Sinn ergaben. Und wenn sie doch einmal hinausdurften, war Magister Tinte immer schon da. Er saß auf einem Ast. Er hockte im Gras. Er summte hinter ihnen her.

Das fremde Kind kam immer seltener. „Er ist es", flüsterte es zuletzt. „Aber solange ihr keine Angst vor ihm habt, kann er euch nichts tun."

Am nächsten Morgen stand Magister Tinte im Garten und schnappte nach den Bienen. Da fasste Felix sich ein Herz, stellte sich vor ihn hin und rief so laut er konnte: „Ich kenne dich, Pepser!"
Das fremde Kind Im selben Augenblick war der Magister nicht mehr da. Auf dem Gartentisch saß eine riesige, schillernde Fliege, so groß wie eine Katze, und surrte vor Wut. Christlieb schrie nicht, sondern nahm den Besen und schlug nach ihr. Die Fliege schoss über den Zaun, brummte noch einmal böse über den Bäumen und war fort. Man hat sie nie wieder gesehen.

Die Kinder rannten in den Wald, um es dem fremden Kind zu erzählen. Doch es saß blass auf seinem Stein. Sein Kleid war zerrissen, und sein Gesicht war so weiß wie Birkenrinde.

„Er hat mich getroffen, bevor er ging", sagte es. „Ich muss heim zu meiner Mutter. Aber weint nicht. Ich bin nicht wirklich fort. Ich bin überall dort, wo ihr genau hinschaut."

Es küsste die beiden auf die Stirn. Dann ging ein Rauschen durch die Wipfel, und die Lichtung war leer.
Das fremde Kind Der Herbst kam, und mit ihm kam Kummer. Der Vater wurde krank und stand nicht wieder auf. Das kleine Haus in Brakelheim mussten sie verlassen, und die Mutter zog mit Felix und Christlieb zu Verwandten in die Stadt.

Am Abend vor der Abreise gingen die Kinder noch einmal in den Wald. Sie setzten sich auf den Stein und sagten kein Wort. Da fiel plötzlich ein warmer Lichtstreifen zwischen die Stämme, und mitten darin stand das fremde Kind, ganz heil und ganz hell, und lächelte ihnen zu.

„Ihr habt mich nicht vergessen", sagte es. „Dann habt ihr auch nichts verloren."

Felix und Christlieb wurden groß und wurden alt, und sie haben nie wieder etwas besessen, das so viel wert war wie das, was sie damals hatten: einen Wald und einen Freund. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann erzählen sie noch heute davon.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Das fremde Kind" basiert auf der Erzählung von E. T. A. Hoffmann aus dem Jahr 1817. Sie wurde durch uns modernisiert, orientiert sich aber inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Das fremde Kind Die Moral des Märchens

Die Geschichte von "Das fremde Kind" lehrt uns, dass Magie und Wunder überall um uns herum sind, wenn wir nur mit offenem Herzen und wachen Augen durch die Welt gehen. Felix und Christlieb lernten, dass wahre Freundschaft und die Freude am Entdecken wichtiger sind als Angst und Zweifel. Es zeigt uns auch, dass wir mutig sein und an das Gute glauben sollten, auch wenn andere uns etwas anderes sagen. So können wir die Welt zu einem magischeren Ort machen.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Warum legen Felix und Christlieb das teure Spielzeug beiseite?

    Weil es nichts kann. Der Jäger nickt nur, die Dame spielt ein einziges Lied, und schon am zweiten Tag ist die Harfensaite gerissen und dem Männchen der Arm abgefallen. Da packen sie alles zurück in die Kiste und laufen in den Wald.

  2. 2Was macht das fremde Kind aus Moos, Kieseln und Gras?

    Aus Moos baut es ein Schloss mit Zinnen und Toren, aus Kieseln macht es Spielsteine, die wie Edelsteine funkeln, und aus zwei Grashalmen eine Flöte. Es ruft, und die Rehe kommen; es singt, und die Vögel setzen sich ihm auf die Hand.

  3. 3Warum darf das fremde Kind nicht nach Hause?

    Weil der Feind seiner Mutter frei herumläuft: Pepser, der Gnomenkönig. Er war einmal Minister am Hof der Königin und wurde davongejagt — seitdem sucht er das Kind.

  4. 4In was verwandelt sich Pepser am liebsten?

    In eine große, dicke Fliege. Als Hauslehrer Magister Tinte sitzt er im Wald auf einem Ast und summt hinter den Kindern her — und im Garten schnappt er nach Bienen.

  5. 5Wie vertreiben die Kinder den Gnomenkönig?

    Felix stellt sich vor ihn hin und ruft so laut er kann: „Ich kenne dich, Pepser!“ Im selben Augenblick sitzt statt des Lehrers eine katzengroße Fliege auf dem Gartentisch. Christlieb schlägt mit dem Besen nach ihr — und sie ist für immer fort.

Wörter aus der Geschichte

Gnom
ein kleines, oft missgünstiges Wesen aus dem Märchen
Lichtung
eine freie, offene Stelle mitten im Wald
Hauslehrer
früher ein Lehrer, der ins Haus kam und die Kinder dort unterrichtete
Vetter
ein Cousin — hier der reiche Verwandte aus der Stadt
Zinnen
die gezackte Mauerkrone einer Burg — das fremde Kind baut sie aus Moos

Zum Weitererzählen

  • Warum finden Felix und Christlieb das teure Spielzeug langweilig?
  • Wer ist das fremde Kind – ein Junge, ein Mädchen, oder ist das egal?
  • Warum bemerken die Erwachsenen das Kind nicht?
  • Was ist das beste Spielzeug, das du je draußen gefunden hast?
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Inhaltsangabe: „Das fremde Kind“ kurz zusammengefasst

In einem Satz: Zwei arme Geschwister finden im Wald hinter ihrem Haus ein geheimnisvolles Kind, das aus Moos und Kieseln Wunder macht — und müssen es verteidigen, als sich der Gnomenkönig Pepser als ihr Hauslehrer bei ihnen einschleicht.

Anfang

Felix und Christlieb wachsen in einem kleinen, undichten Haus in Brakelheim auf. Reich sind ihre Eltern nicht, aber hinter dem Haus fängt der Wald an, und der gehört den beiden ganz allein. Eines Tages kommt der reiche Vetter aus der Stadt zu Besuch und bringt eine Kiste voller feinem Spielzeug mit: einen nickenden Jäger, eine Dame mit Harfe, ein sich verbeugendes Männchen. Nur anfassen dürfen die Kinder es kaum. Schon am zweiten Tag ist die Harfensaite gerissen und dem Männchen der Arm abgefallen. Da packen sie alles zurück in die Kiste und laufen hinaus — und finden auf einer sonnigen Lichtung ein Kind, das sie noch nie gesehen haben.

Mitte

Das fremde Kind baut aus Moos ein Schloss mit Zinnen, macht aus Kieseln funkelnde Spielsteine und aus zwei Grashalmen eine Flöte. Es ruft, und die Rehe kommen; es singt, und die Vögel setzen sich ihm auf die Hand; ein Schwarm goldener Käfer hebt Christlieb hoch und trägt sie über die Wiese. Von da an kommt es jeden Morgen. Seine Mutter sei eine Königin, erzählt es, aber heim dürfe es nicht, solange ihr Feind frei herumläuft: Pepser, der Gnomenkönig, der sich am liebsten in eine große Fliege verwandelt. Kurz darauf bringt der Vater einen Hauslehrer ins Haus — Magister Tinte, klein, dick, schwarz gekleidet. Der Wald ist vorbei, und wenn die Kinder doch hinausdürfen, sitzt er schon auf einem Ast und summt hinter ihnen her.

Ende

„Solange ihr keine Angst vor ihm habt, kann er euch nichts tun“, flüstert das fremde Kind. Am nächsten Morgen schnappt der Magister im Garten nach Bienen — da stellt Felix sich vor ihn hin und ruft: „Ich kenne dich, Pepser!“ Sofort sitzt statt des Lehrers eine katzengroße Fliege auf dem Gartentisch, Christlieb schlägt mit dem Besen nach ihr, und sie ist für immer fort. Doch das fremde Kind ist getroffen worden und muss heim zu seiner Mutter. Im Herbst stirbt der Vater, das Haus geht verloren, und die Familie zieht in die Stadt. Am letzten Abend erscheint das Kind noch einmal hell zwischen den Stämmen: „Ihr habt mich nicht vergessen. Dann habt ihr auch nichts verloren.“

Unsere Fassung folgt der Erzählung von E. T. A. Hoffmann (1817) in moderner, vorlesefreundlicher Sprache.

Das fremde Kind vorlesen – so wird der Abend rund

Hoffmanns Geschichte ist leiser als die meisten Märchen: Es gibt keinen Kampf und keine Rettung in letzter Sekunde, sondern zwei Kinder, die im Wald etwas finden, das die Erwachsenen nicht sehen. Genau das macht sie beim Vorlesen so gut – man muss nichts steigern. Die schönste Stelle ist die mit dem teuren Spielzeug, das kaputtgeht: Kinder verstehen sofort, warum das nicht schlimm ist.

Woher Das fremde Kind kommt

E. T. A. Hoffmann veröffentlichte „Das fremde Kind" 1817 als Teil seiner Sammlung „Die Serapionsbrüder". Hoffmann war Jurist, Komponist und Zeichner – und schrieb nebenbei die unheimlichsten und zugleich wärmsten Kindergeschichten seiner Zeit.

Wie „Der Nussknacker und der Mäusekönig", das ein Jahr früher erschien, gehört sie zu den Kunstmärchen der Romantik: erfunden, nicht gesammelt, und mit einem deutlichen Standpunkt – hier dem, dass Fantasie mehr wert ist als gekauftes Spielzeug.

Wenn Das fremde Kind gefallen hat

Weiter mit Der Nussknacker und der Mäusekönig und Klein Zaches genannt Zinnober, beide ebenfalls von E. T. A. Hoffmann. Für den Abend danach: Gute-Nacht-Geschichten. Alles Weitere: alle 274 Kindergeschichten.

Häufige Fragen zu Das fremde Kind

Worum geht es in Das fremde Kind?

Zwei Geschwister bekommen von reichen Verwandten teures Spielzeug, das schnell kaputtgeht – und finden im Wald ein Kind, mit dem sich alles in Spiel verwandeln lässt.

Von wem stammt Das fremde Kind?

Von E. T. A. Hoffmann, 1817 erschienen in der Sammlung „Die Serapionsbrüder".

Ab welchem Alter ist die Geschichte geeignet?

Ab etwa vier Jahren. Sie kommt ohne Schreckmomente aus und eignet sich gut für ruhige Abende.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Etwa sieben Minuten.

Ist das ein Weihnachtsmärchen?

Nein, obwohl es oft in einem Atemzug mit dem Nussknacker genannt wird. Es spielt im Sommer, draußen im Wald.

Gibt es die Geschichte kostenlos als PDF?

Ja, unter der Geschichte, ohne Anmeldung zum Ausdrucken.

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