Der gestiefelte Kater

Der gestiefelte Kater

Zusammenfassung: „Der gestiefelte Kater“ in drei Sätzen

Ein Müller hinterlässt seinem jüngsten Sohn nach dem Tod nur einen Kater, der sich jedoch als wertvoll erweist, indem er Stiefel trägt und durch List den König davon überzeugt, dass sein Herr der reiche Marquis von Carabas ist.

Der Kater erschwindelt Land und ein Schloss, indem er einen mächtigen Zauberer überlistet und besiegt, der sich in eine Maus verwandelt hatte.

Dank der cleveren Taten des Katers heiratet der Müllerjunge die Prinzessin und sie leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Der gestiefelte Kater – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 9 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Charles Perrault, Frankreich 1697; bei den Brüdern Grimm nur in der Erstausgabe von 1812
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
  • Zuletzt überarbeitet: 7. September 2026

Hier beginnt das Märchen

Es war einmal ein Müller, der hatte nicht viel: eine Mühle, einen Esel und einen Kater. Und er hatte drei Söhne.

Als er starb, ging alles schnell. Ein Notar wurde nicht geholt, denn was hätte der aufschreiben sollen. Der älteste Sohn bekam die Mühle. Der zweite bekam den Esel. Und der jüngste bekam den Kater.

Der Jüngste setzte sich auf die Türschwelle und war so unglücklich, wie man mit achtzehn nur sein kann.

„Meine Brüder können zusammen arbeiten und ihr Brot verdienen“, sagte er halblaut vor sich hin. „Und ich? Wenn ich meinen Kater aufgegessen und mir aus seinem Fell ein Paar Handschuhe gemacht habe, muss ich verhungern.“

Der Kater saß daneben und hörte alles. Er tat, als hätte er nichts gehört, und putzte sich in aller Ruhe eine Pfote.

Dann sagte er: „Macht Euch keine Sorgen, Herr. Gebt mir nur einen Sack und lasst mir ein Paar Stiefel machen, damit ich durch das Gestrüpp gehen kann. Dann werdet Ihr sehen, dass Ihr gar nicht so schlecht abgeschnitten habt, wie Ihr glaubt.“

Der junge Mann sah ihn an. Ein Kater, der spricht — daran musste er sich erst gewöhnen.

Aber er hatte den Kater schon oft gesehen, wenn er nach Ratten und Mäusen jagte: wie er sich tot stellte, wie er sich ins Mehl legte und wartete, ohne einen Muskel zu bewegen. Vielleicht, dachte er, ist an der Sache doch etwas dran.

Und so besorgte er ihm einen Sack und ließ ihm Stiefel machen.
Der gestiefelte Kater Der Kater zog die Stiefel an. Sie passten, als wären sie für ihn gemacht — was sie ja auch waren.

Dann hängte er sich den Sack um den Hals, nahm die Schnüre in die Vorderpfoten und ging in ein Feld, wo es viele Kaninchen gab.

Dort tat er Kleie und Kräuter in den Sack, legte sich lang daneben und stellte sich tot.

Er wartete. Katzen können das.

Es dauerte nicht lange, da kam ein junges, dummes Kaninchen und kroch in den Sack, um zu fressen. Der Kater zog die Schnüre zu und hatte es.

Ganz stolz ging er damit zum Schloss des Königs und ließ sich melden.

Man führte ihn hinauf. Er verbeugte sich tief und sagte: „Majestät, hier ist ein Kaninchen aus dem Gehege meines Herrn, des Marquis von Carabas. Er trägt mir auf, es Euch zu überbringen.“

Den Namen hatte sich der Kater gerade eben selbst ausgedacht.

„Sag deinem Herrn“, sagte der König, „dass ich mich bedanke.“

Ein paar Tage später versteckte sich der Kater in einem Kornfeld, hielt den Sack wieder offen — und fing zwei Rebhühner. Auch die brachte er dem König, und wieder ließ er den Marquis von Carabas grüßen.

So ging es zwei, drei Monate lang.

Immer wieder kam der Kater mit einem Geschenk, und immer wieder hörte der König diesen Namen. Nach und nach fing er an, sich einen Mann dazu vorzustellen — einen, der große Gehege hat, gute Jäger und offenbar auch gute Manieren.
Der gestiefelte Kater Eines Tages hörte der Kater, dass der König am Nachmittag mit seiner Tochter am Fluss entlangfahren würde.

Er lief nach Hause.

„Herr“, sagte er, „wenn Ihr meinem Rat folgt, ist Euer Glück gemacht. Ihr müsst nichts weiter tun, als in dem Fluss zu baden, an der Stelle, die ich Euch zeige. Um alles andere kümmere ich mich.“

Der Müllerssohn verstand nicht, wozu das gut sein sollte. Aber er tat es trotzdem, weil ihm ohnehin nichts Besseres einfiel.

Während er im Wasser war, versteckte der Kater seine alten Kleider unter einem großen Stein.

Dann kam die Kutsche.

Der Kater sprang auf die Straße und rief, so laut er konnte: „Zu Hilfe! Zu Hilfe! Der Herr Marquis von Carabas ertrinkt!“

Der König steckte den Kopf aus dem Fenster. Er erkannte den Kater, der ihm so oft Wild gebracht hatte, und befahl seinen Leuten sofort, dem Marquis zu helfen.

Während sie den jungen Mann aus dem Wasser zogen, trat der Kater an die Kutsche und erklärte mit betrübtem Gesicht, während sein Herr badete, seien Diebe gekommen und hätten ihm die Kleider gestohlen — er selbst habe geschrien, so laut er konnte, aber es habe nichts geholfen.

Die Wahrheit war, dass er sie unter dem Stein versteckt hatte.

Der König ließ aus seinem eigenen Kleiderschrank einen prächtigen Anzug holen. Und als der Müllerssohn ihn anzog, sah er auf einmal gar nicht mehr wie ein Müllerssohn aus, sondern gut und stattlich.

Die Königstochter schaute ihn zweimal an. Beim zweiten Mal ein bisschen länger.

Der König lud ihn ein, in der Kutsche mitzufahren.
Der gestiefelte Kater Während der junge Mann in der Kutsche des Königs saß, lief der Kater voraus. Auf einer großen Wiese mähten Bauern das Gras.
„Gleich kommt der König vorbei“, sagte der Kater. „Wenn er fragt, wem diese Wiese gehört, dann sagt: dem Marquis von Carabas.“ Die Bauern schauten den Kater in Stiefeln an, und weil noch nie ein Kater in Stiefeln mit ihnen gesprochen hatte, nickten sie.
Und wirklich: Der König ließ halten und fragte, wem die schöne Wiese gehöre. „Dem Marquis von Carabas!“, riefen die Bauern im Chor.
So ging es weiter. Beim Kornfeld dasselbe. Beim Obstgarten dasselbe. Beim Wäldchen mit den Hirschen dasselbe. Der König staunte mehr und mehr, und die Prinzessin schaute den jungen Mann neben sich immer freundlicher an.
Der Kater aber war schon lange wieder ein Stück voraus.
Der gestiefelte Kater Der Kater lief weiter, immer voraus, bis er zu einem gewaltigen Schloss kam. Dort wohnte ein Zauberer, dem all das Land gehörte, durch das der König eben gefahren war. Der Kater klopfte höflich an und ließ sich melden.
„Man hat mir erzählt“, sagte er, „Ihr könntet Euch in jedes Tier verwandeln, das Ihr wollt. In einen Löwen zum Beispiel.“ – „Nur das?“, sagte der Zauberer – und stand als Löwe vor ihm. Der Kater sprang vor Schreck auf den Schrank und blieb dort sitzen, bis der Zauberer wieder er selbst war.
„Beeindruckend“, sagte der Kater und putzte sich die Schnurrhaare. „Aber ein Löwe ist ja auch groß. Etwas ganz Kleines, eine Maus zum Beispiel – das schafft sicher niemand.“
„Niemand?“, rief der Zauberer beleidigt. „Pass auf!“ Und schon huschte eine kleine graue Maus über den Boden. Der Kater brauchte nicht lange nachzudenken. Ein Satz – und der Zauberer war für immer verschwunden.
Der gestiefelte Kater Kaum war das geschehen, hörte der Kater die Kutsche des Königs über die Brücke rollen. Er lief hinaus vor das Tor, verbeugte sich tief und rief: „Willkommen, Majestät, im Schloss des Marquis von Carabas!“
„Wie“, rief der König, „auch dieses Schloss gehört Euch, Herr Marquis?“ Der junge Mann half der Prinzessin aus dem Wagen und führte sie hinein. In der großen Halle stand ein Festessen bereit – der Zauberer hatte an diesem Tag Freunde erwartet, die sich nun aber nicht mehr hineintrauten.
Beim fünften Glas Wein sagte der König: „Herr Marquis, es liegt nur an Euch, ob Ihr mein Schwiegersohn werdet.“ Der Müllerssohn verbeugte sich, und noch am selben Tag wurde die Hochzeit beschlossen.
Der Kater aber wurde ein großer Herr. Er bekam ein eigenes Kissen am Kamin und musste nie wieder Mäuse fangen – außer zum Vergnügen, und das auch nur sonntags.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Hinweis: „Der gestiefelte Kater“ wurde 1697 von Charles Perrault in Frankreich aufgeschrieben. Bei den Brüdern Grimm stand das Märchen nur in der Erstausgabe von 1812 und wurde später wieder herausgenommen. Diese Fassung wurde durch uns modernisiert, orientiert sich aber inhaltlich am Original.
Der gestiefelte Kater Die Moral von „Der gestiefelte Kater“

Man kann dieses Märchen kaum vorlesen, ohne zu merken, dass der Held ein Betrüger ist. Der Kater erfindet einen Adligen, den es nicht gibt, bringt Bauern dazu, den König anzulügen, und bringt zuletzt einen Zauberer um, indem er seine Eitelkeit ausnutzt.

Trotzdem ist er seit dreihundert Jahren die Lieblingsfigur dieser Geschichte, und das hat einen Grund: Er ist der Einzige, der sich für jemand anderen anstrengt. Sein Herr hat ihn geerbt wie einen Gegenstand und überlegt am Anfang laut, ob er ihn essen soll. Der Kater könnte gehen. Er bleibt.

Und wenn Kinder fragen, ob das Lügen in Ordnung war: Es ist eine gute Frage, und man muss sie nicht auflösen. Perrault selbst hat unter das Märchen zwei verschiedene Lehren geschrieben, weil ihm eine offenbar nicht genügte.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was erben die drei Söhne des Müllers?

    Der älteste die Mühle, der zweite den Esel, der jüngste den Kater. Der Jüngste rechnet laut vor, dass er den Kater wohl essen und sich aus dem Fell Handschuhe machen muss.

  2. 2Was verlangt der Kater als Erstes?

    Einen Sack und ein Paar Stiefel, damit er durch das Gestrüpp gehen kann. Mit dem Sack fängt er Kaninchen und Rebhühner, die er dem König bringt.

  3. 3Woher kommt der Name „Marquis von Carabas“?

    Den hat sich der Kater selbst ausgedacht — genau in dem Moment, als er dem König das erste Kaninchen überreicht. Sein Herr weiß davon zunächst gar nichts.

  4. 4Wie kommt der Müllerssohn in die Kutsche des Königs?

    Der Kater schickt ihn im Fluss baden, versteckt seine alten Kleider unter einem Stein und ruft dann, der Marquis ertrinke und Diebe hätten ihm die Kleider gestohlen. Der König lässt einen prächtigen Anzug bringen.

  5. 5Wie wird der Kater den Zauberer los?

    Er lobt dessen Verwandlungskunst und behauptet, in etwas ganz Kleines — eine Maus zum Beispiel — könne sich sicher niemand verwandeln. Der beleidigte Zauberer tut es sofort. Ein Satz des Katers genügt.

Wörter aus der Geschichte

Müller
jemand, der in einer Mühle Korn zu Mehl mahlt
Erbe
das, was jemand nach seinem Tod hinterlässt
Marquis
ein Adelstitel — der Kater erfindet ihn für seinen Herrn
Kleie
die Reste vom Mahlen des Korns — damit lockt der Kater die Kaninchen
Rebhuhn
ein kleiner Feldvogel, der früher gejagt und gegessen wurde

Zum Weitererzählen

  • Warum will der Kater ausgerechnet Stiefel?
  • Ist es in Ordnung, dass der Kater den König anlügt?
  • Wie bringt der Kater den Zauberer dazu, sich in eine Maus zu verwandeln?
  • Was hätte der jüngste Sohn ohne den Kater gemacht?
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Inhaltsangabe: „Der gestiefelte Kater“ kurz zusammengefasst

In einem Satz: Der jüngste Müllerssohn erbt nichts als einen Kater — der sich Stiefel machen lässt, einen Marquis von Carabas erfindet und seinen Herrn mit List und Frechheit bis zur Königstochter bringt.

Anfang

Ein Müller hinterlässt drei Söhnen eine Mühle, einen Esel und einen Kater. Der Jüngste bekommt den Kater und rechnet laut vor, dass er ihn wohl essen und sich aus dem Fell Handschuhe machen muss. Der Kater hört alles mit, putzt sich in Ruhe eine Pfote und bittet nur um zwei Dinge: einen Sack und ein Paar Stiefel, um durchs Gestrüpp gehen zu können. Der junge Mann besorgt beides. Der Kater legt Kleie und Kräuter in den Sack, stellt sich tot und fängt ein Kaninchen. Damit geht er zum König und überbringt es im Namen seines Herrn, des Marquis von Carabas — ein Name, den er sich gerade eben ausgedacht hat.

Mitte

Zwei, drei Monate lang bringt er immer wieder Wild, und der König gewöhnt sich an den Namen und stellt sich einen Mann mit großen Gehegen und guten Manieren dazu vor. Als der Kater hört, dass der König mit seiner Tochter am Fluss entlangfahren wird, schickt er seinen Herrn dort baden und versteckt dessen alte Kleider unter einem Stein. Dann ruft er die Kutsche an: Der Marquis von Carabas ertrinke, und Diebe hätten ihm die Kleider gestohlen. Der König lässt einen prächtigen Anzug bringen, und plötzlich sieht der Müllerssohn gar nicht mehr wie ein Müllerssohn aus. Die Prinzessin schaut ihn zweimal an, beim zweiten Mal etwas länger. Der Kater läuft der Kutsche voraus und bringt Mäher, Schnitter und Hirten dazu, Wiese, Kornfeld, Obstgarten und Wäldchen dem Marquis zuzuschreiben.

Ende

Zuletzt erreicht der Kater das Schloss eines Zauberers, dem all dieses Land wirklich gehört. Höflich lässt er sich melden und lobt dessen Verwandlungskunst: In einen Löwen, ja — aber etwas ganz Kleines, eine Maus zum Beispiel, das schaffe sicher niemand. Der beleidigte Zauberer huscht als graue Maus über den Boden, und ein Satz des Katers genügt. Als die Kutsche über die Brücke rollt, steht der Kater im Tor und heißt den König im Schloss des Marquis von Carabas willkommen. Drinnen wartet das Festessen, das der Zauberer für Gäste hatte richten lassen. Beim fünften Glas Wein bietet der König dem jungen Mann seine Tochter an. Der Kater wird ein großer Herr, bekommt ein Kissen am Kamin und fängt Mäuse nur noch zum Vergnügen — und das auch nur sonntags.

Unsere Fassung folgt dem Märchen von Charles Perrault (1697) in moderner, vorlesefreundlicher Sprache.

Der gestiefelte Kater vorlesen – so wird der Abend rund

Der Kater lügt die ganze Geschichte hindurch – und gewinnt. Das ist beim Vorlesen der interessanteste Punkt, und man muss ihn nicht wegerklären. Kinder merken es selbst und fragen nach. Die dankbarste Stelle ist der Zauberer, der sich in eine Maus verwandelt: Das kommt jedes Kind vorher kommen und ruft es mit.

Woher Der gestiefelte Kater kommt

Charles Perrault veröffentlichte „Le Maître chat ou le Chat botté" 1697 in Frankreich. Bei den Brüdern Grimm stand das Märchen nur in der Erstausgabe von 1812 – sie nahmen es später wieder heraus, weil sie es als französisch und nicht als deutsches Volksgut ansahen.

Noch älter ist eine italienische Fassung von Giovanni Francesco Straparola aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Der Kern ist überall gleich: Ein Tier ohne Besitz verschafft seinem armen Herrn ein Königreich – allein mit Frechheit und Geistesgegenwart.

Wenn Der gestiefelte Kater gefallen hat

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Häufige Fragen zu Der gestiefelte Kater

Von wem stammt Der gestiefelte Kater?

Von Charles Perrault, Frankreich 1697. Bei den Brüdern Grimm stand er nur in der Erstausgabe von 1812.

Warum will der Kater Stiefel?

Weil er damit auftreten kann wie ein Mensch – die Stiefel sind sein Auftritt, nicht sein Werkzeug.

Ab welchem Alter eignet sich das Märchen?

Ab etwa vier Jahren. Es kommt ohne bedrohliche Szenen aus; der Menschenfresser wird überlistet, nicht bekämpft.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Etwa neun Minuten.

Ist es schlimm, dass der Kater lügt?

Das ist die beste Frage nach dem Vorlesen. Im Märchen wird er belohnt – ob das gerecht ist, darf jedes Kind selbst entscheiden.

Gibt es das Märchen als PDF?

Ja, kostenlos unter der Geschichte, ohne Anmeldung.

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