Der gestiefelte Kater

Der gestiefelte Kater

Zusammenfassung: „Der gestiefelte Kater“ in drei Sätzen

Ein Müller hinterlässt seinem jüngsten Sohn nach dem Tod nur einen Kater, der sich jedoch als wertvoll erweist, indem er Stiefel trägt und durch List den König davon überzeugt, dass sein Herr der reiche Marquis von Carabas ist.

Der Kater erschwindelt Land und ein Schloss, indem er einen mächtigen Zauberer überlistet und besiegt, der sich in eine Maus verwandelt hatte.

Dank der cleveren Taten des Katers heiratet der Müllerjunge die Prinzessin und sie leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Der gestiefelte Kater – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 8 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Charles Perrault, Frankreich 1697; bei den Brüdern Grimm nur in der Erstausgabe von 1812
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war einmal ein Müller, der hatte drei Söhne, eine Mühle, einen Esel und einen Kater. Als der Müller starb, hinterließ er dem ältesten Sohn die Mühle, dem zweiten den Esel und dem jüngsten den Kater. Der jüngste Sohn war traurig, da er glaubte, das Schlechteste geerbt zu haben. Doch der Kater war kein gewöhnliches Tier. Er sprach: „Gib mir einen Sack und ein Paar Stiefel und du wirst sehen, dass du nicht so schlecht weggekommen bist, wie du denkst.“ Der gestiefelte Kater Der junge Mann gab diesem, was er verlangte. Der Kater zog die Stiefel an, nahm den Sack über die Schulter und ging hinaus in die weite Welt. Der gestiefelte Kater fing mit List und Geschick einige Hasen und Rebhühner, brachte sie dem König und sagte, sie seien ein Geschenk seines Herrn, des Marquis von Carabas. Der König war beeindruckt und dankte dem Marquis, ohne zu ahnen, dass es ihn gar nicht gab. Der gestiefelte Kater Der Kater setzte seine klugen Pläne fort und überredete seinen Herrn, sich in einen Fluss zu werfen, gerade als der König vorbeikam. Der Kater rief um Hilfe und erklärte, der Marquis von Carabas wäre beim Baden beinahe ertrunken und Räuber hätten seine Kleider gestohlen. Der König, gerührt von der Geschichte, bot dem jungen Mann Kleidung aus seiner eigenen Kutsche an und lud ihn ein, mit ihnen zu fahren. Der Kater eilte voraus, überzeugte die Bauern entlang des Weges, dem König zu sagen, das Land gehöre dem Marquis von Carabas, und bedrohte sie mit schlimmen Konsequenzen, sollten sie die Wahrheit sagen.

Schließlich erreichte der Kater ein prächtiges Schloss, bewohnt von einem grausamen Zauberer, der sich in alle möglichen Tiere und sogar in einen Löwen verwandeln konnte. Der Kater bat um eine Audienz und forderte den Zauberer heraus, sich in eine Maus zu verwandeln. Als der Zauberer dies tat, schnappte der Kater zu und fraß ihn auf. Als der König mit dem jungen Mann und seiner Tochter am Schloss ankam, erklärte der Kater, dass dies die Residenz seines Herrn, des Marquis von Carabas, sei.
Der gestiefelte Kater Während der junge Mann in der Kutsche des Königs saß, lief der Kater voraus. Auf einer großen Wiese mähten Bauern das Gras.
„Gleich kommt der König vorbei“, sagte der Kater. „Wenn er fragt, wem diese Wiese gehört, dann sagt: dem Marquis von Carabas.“ Die Bauern schauten den Kater in Stiefeln an, und weil noch nie ein Kater in Stiefeln mit ihnen gesprochen hatte, nickten sie.
Und wirklich: Der König ließ halten und fragte, wem die schöne Wiese gehöre. „Dem Marquis von Carabas!“, riefen die Bauern im Chor.
So ging es weiter. Beim Kornfeld dasselbe. Beim Obstgarten dasselbe. Beim Wäldchen mit den Hirschen dasselbe. Der König staunte mehr und mehr, und die Prinzessin schaute den jungen Mann neben sich immer freundlicher an.
Der Kater aber war schon lange wieder ein Stück voraus.
Der gestiefelte Kater Der Kater lief weiter, immer voraus, bis er zu einem gewaltigen Schloss kam. Dort wohnte ein Zauberer, dem all das Land gehörte, durch das der König eben gefahren war. Der Kater klopfte höflich an und ließ sich melden.
„Man hat mir erzählt“, sagte er, „Ihr könntet Euch in jedes Tier verwandeln, das Ihr wollt. In einen Löwen zum Beispiel.“ – „Nur das?“, sagte der Zauberer – und stand als Löwe vor ihm. Der Kater sprang vor Schreck auf den Schrank und blieb dort sitzen, bis der Zauberer wieder er selbst war.
„Beeindruckend“, sagte der Kater und putzte sich die Schnurrhaare. „Aber ein Löwe ist ja auch groß. Etwas ganz Kleines, eine Maus zum Beispiel – das schafft sicher niemand.“
„Niemand?“, rief der Zauberer beleidigt. „Pass auf!“ Und schon huschte eine kleine graue Maus über den Boden. Der Kater brauchte nicht lange nachzudenken. Ein Satz – und der Zauberer war für immer verschwunden.
Der gestiefelte Kater Kaum war das geschehen, hörte der Kater die Kutsche des Königs über die Brücke rollen. Er lief hinaus vor das Tor, verbeugte sich tief und rief: „Willkommen, Majestät, im Schloss des Marquis von Carabas!“
„Wie“, rief der König, „auch dieses Schloss gehört Euch, Herr Marquis?“ Der junge Mann half der Prinzessin aus dem Wagen und führte sie hinein. In der großen Halle stand ein Festessen bereit – der Zauberer hatte an diesem Tag Freunde erwartet, die sich nun aber nicht mehr hineintrauten.
Beim fünften Glas Wein sagte der König: „Herr Marquis, es liegt nur an Euch, ob Ihr mein Schwiegersohn werdet.“ Der Müllerssohn verbeugte sich, und noch am selben Tag wurde die Hochzeit beschlossen.
Der Kater aber wurde ein großer Herr. Er bekam ein eigenes Kissen am Kamin und musste nie wieder Mäuse fangen – außer zum Vergnügen, und das auch nur sonntags.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Hinweis: „Der gestiefelte Kater“ wurde 1697 von Charles Perrault in Frankreich aufgeschrieben. Bei den Brüdern Grimm stand das Märchen nur in der Erstausgabe von 1812 und wurde später wieder herausgenommen. Diese Fassung wurde durch uns modernisiert, orientiert sich aber inhaltlich am Original.
Der gestiefelte Kater Die Moral von „Der gestiefelte Kater“

Das Märchen vom gestiefelten Kater zeigt uns, dass clever zu sein und kreativ zu denken meistens wichtiger ist als reich oder adelig geboren zu werden. Der Kater beweist, dass man mit Schlauheit, Courage und einem guten Plan sogar das schier Unmögliche schaffen kann. Er zeigt, dass jeder seine Lage verbessern kann, indem er besonnen handelt, egal wie aussichtslos alles zu Beginn scheint. Außerdem erinnert uns die Geschichte daran, dass Treue und Ehrlichkeit ihren Lohn finden und anderen zu helfen einem selbst auf dem Weg zum Erfolg helfen kann.

Noch mehr Geschichten für heute Abend

Diese Geschichte ist eine von 75 kostenlosen Gute-Nacht-Geschichten auf emhema.de – alle zum Vorlesen und als PDF zum Ausdrucken.