Der kleine Däumling

Der kleine Däumling

Zusammenfassung: „Der kleine Däumling“ in drei Sätzen

Der kleine Däumling und seine Brüder wurden von ihren Eltern im Wald ausgesetzt, weil Not herrschte, aber Däumling benutzte Kieselsteine und später Brotkrumen, um den Weg zurück zu finden.

Nachdem sie sich verirrten, trickste Däumling einen Oger aus, indem er die Mützen tauschte, so dass der Oger seine eigenen Töchter fraß, wodurch die Brüder entkommen konnten.

Sie entkamen dem Oger, fanden sein Gold und kehrten sicher nach Hause zurück, wo sie fortan glücklich und sorgenfrei lebten.

Der kleine Däumling – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 9 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Charles Perrault, Frankreich 1697
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
  • Zuletzt überarbeitet: 7. September 2026

Hier beginnt das Märchen

Es war einmal ein Holzfäller und seine Frau, die hatten sieben Kinder, alles Jungen.

Sie waren arm. Der Holzfäller ging jeden Tag in den Wald und schlug Holz, und was er dafür bekam, reichte gerade eben — solange nichts dazwischenkam.

Der Jüngste machte ihnen Sorgen. Er war bei der Geburt kaum größer gewesen als ein Daumen, und er wuchs auch später fast nicht. Deshalb nannten ihn alle nur den Däumling.

Er bekam die Schuld für alles, was im Haus schiefging. Wenn etwas fehlte, war er es gewesen. Wenn jemand über etwas gestolpert war, war er es gewesen. Dabei war er der Klügste von den sieben — er redete nur wenig und hörte dafür sehr genau zu.

Dann kam ein Jahr, in dem nichts wuchs.

Der Sommer war zu trocken, der Herbst zu nass, und im Winter gab es im ganzen Land nichts mehr zu kaufen. In vielen Häusern wurde gehungert, und im Haus des Holzfällers auch.

An einem Abend saßen die Eltern beim letzten Rest Feuer, als die Kinder schon im Bett lagen.

„Es geht nicht mehr“, sagte der Mann. Seine Stimme war ganz leise. „Wir müssen sie morgen mit in den Wald nehmen und dort lassen. Vielleicht findet sie jemand.“

Die Frau weinte und sagte nein und sagte es immer wieder. Aber sie wusste auch keinen anderen Rat, und am Ende sagte sie nichts mehr.

Der Däumling lag wach und hörte jedes Wort.
Der kleine Däumling Er schlief in dieser Nacht nicht.

Als es ganz still war, stand er auf, zog sich an und ging leise hinaus. Der Mond stand hoch, und am Bach glänzten die kleinen weißen Kiesel wie Silber.

Er sammelte, so viele er tragen konnte, und stopfte sich beide Hosentaschen voll. Dann ging er zurück ins Bett und sagte seinen Brüdern kein Wort.

Am Morgen gingen sie los.

Der Vater ging voran, die Mutter blieb zu Hause und drehte sich nicht um. Die sieben Jungen liefen hinterher, und weil sie nicht wussten, was los war, waren sie sogar guter Dinge.

Der Däumling blieb immer wieder ein wenig zurück. Und jedes Mal, wenn er zurückblieb, ließ er einen Kiesel fallen.

Sie gingen weit, weiter als je zuvor, bis die Bäume so dicht standen, dass man den Himmel kaum noch sah.

Dort sagte der Vater: „Bleibt hier, ich schlage nur ein paar Äste, dann komme ich wieder.“

Er ging um einen Baum herum und kam nicht wieder.

Als die Brüder merkten, dass sie allein waren, fingen sie an zu schreien. Sie riefen und liefen durcheinander und weinten alle sechs.

Nur der Däumling weinte nicht.

„Seid ruhig“, sagte er. „Ich bringe euch nach Hause.“

Und als es dunkel wurde und der Mond kam, lagen die Kiesel da wie eine Kette aus kleinen Lichtern, und der Däumling ging ihnen nach, und seine sechs Brüder gingen hinter ihm her.
Der kleine Däumling Als die Eltern ihre sieben Söhne am Morgen vor der Tür stehen sahen, waren sie erstaunt und erleichtert zugleich. Die Mutter weinte und lachte durcheinander, und den ganzen Tag über war es im Haus so laut wie lange nicht mehr.

Doch die Hungersnot dauerte an. Nach einiger Zeit saßen die Eltern wieder abends am Feuer und fassten denselben Entschluss noch einmal.

Der Däumling hörte auch dieses Gespräch. In der Nacht wollte er wieder hinaus zum Bach, aber die Tür war abgeschlossen. Da nahm er sein Stück Brot vom Abendessen und steckte es ein, um unterwegs Krümel zu streuen.

Er streute sie sorgfältig, den ganzen Weg lang. Doch als er sie am Abend suchte, war kein einziger mehr da — die Vögel waren gekommen und hatten alles aufgepickt. Diesmal gab es keinen Weg zurück. Die sieben Brüder irrten durch den dunklen Wald, und diesmal weinte auch der Däumling ein wenig, aber er ließ es die anderen nicht sehen.

Nach langem Umherlaufen sahen sie zwischen den Bäumen ein Licht und kamen zu einem großen Haus. Der Däumling klopfte an. Es öffnete eine Frau, und hinter ihr im Zimmer saß ein riesiger Mann: ein Oger, vor dem sich im ganzen Wald jeder fürchtete.
Der kleine Däumling Die Frau des Ogers versteckte die sieben Brüder unter dem Bett. Doch als der Oger heimkam, schnupperte er und brummte: „Hier riecht es nach Menschenkindern.“ Sie redete auf ihn ein, bis er endlich sagte: „Gut. Morgen früh.“ Dann ging er schlafen.
Im Zimmer nebenan schliefen die sieben Töchter des Ogers. Jede von ihnen trug im Schlaf ein goldenes Krönchen auf dem Kopf, so war es bei Ogern üblich. Die sieben Brüder dagegen hatten schlichte Zipfelmützen bekommen.
Däumling konnte nicht einschlafen. Mitten in der Nacht stand er auf, schlich hinüber und tauschte: Er nahm den Mädchen leise die Krönchen ab und setzte ihnen die Zipfelmützen auf. Die Krönchen setzte er seinen Brüdern auf den Kopf. Dann legte er sich wieder hin.
Und wirklich: Noch vor Sonnenaufgang kam der Oger die Treppe herauf. Es war stockdunkel, und er tastete nur nach den Köpfen. Wo er Gold spürte, ging er weiter. Wo er Wolle spürte, blieb er stehen – und stand vor den Betten seiner eigenen Töchter.
„Das hätte ins Auge gehen können“, brummte er, kratzte sich am Kopf und ging wieder hinunter, um sich erst einmal einen Kaffee zu kochen. In diesem Augenblick waren die sieben Brüder schon aus dem Fenster und rannten, so schnell sie konnten, in den Wald hinein.
Der kleine Däumling Als der Oger am Morgen merkte, dass die sieben Brüder fort waren, wurde er fürchterlich wild. Er ging an den Schrank und holte seine Siebenmeilenstiefel heraus – mit einem einzigen Schritt kam er damit sieben Meilen weit.
Die Brüder hörten es donnern und sahen den Oger über die Hügel setzen. Däumling zog sie schnell unter einen hohlen Felsen und legte den Finger auf die Lippen. Sieben Brüder, kein einziger Atemzug.
Der Oger kam genau bis zu diesem Felsen. Er war müde von den vielen Meilen, setzte sich obendrauf, grübelte ein wenig – und schlief ein. Bald schnarchte er so laut, dass die Steine wackelten.
„Lauft nach Hause“, flüsterte Däumling seinen Brüdern zu. „Ich komme nach.“ Dann kletterte er ganz vorsichtig hinauf und zog dem schlafenden Oger die Stiefel von den Füßen, einen nach dem anderen.
Der kleine Däumling Die Stiefel waren riesig – doch kaum hatte Däumling hineingeschlüpft, zogen sie sich zusammen, bis sie ihm passten wie angemessen. So sind Siebenmeilenstiefel: Sie werden immer genau so groß wie der Fuß, der in ihnen steckt.
Ein Schritt – und Däumling stand am Waldrand. Noch ein Schritt – und er stand vor dem Elternhaus. Seine Brüder kamen erst eine Stunde später außer Atem hinterher.
Von diesem Tag an brauchte kein Bote im ganzen Königreich mehr ein Pferd. Däumling brachte Nachrichten von einem Ende des Landes zum anderen, schneller als der Wind, und der König bezahlte ihn gut dafür. Sein Vater musste nie wieder Holz schlagen, und Brot gab es jeden Tag.
Und wenn abends alle sieben Brüder um den Tisch saßen, dann sagte die Mutter manchmal leise: „Der Kleinste hat uns alle gerettet.“ Däumling hörte es und sagte nichts dazu. Aber er ließ die Stiefel neben seinem Bett stehen – für alle Fälle.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Hinweis: „Der kleine Däumling“ wurde 1697 von Charles Perrault in Frankreich aufgeschrieben. Diese Fassung wurde durch uns modernisiert und für Kinder entschärft; das Original ist an einigen Stellen deutlich düsterer und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Der kleine Däumling Die Moral von „Der kleine Däumling“

Der Däumling ist der Kleinste, der Schwächste und der, dem im Haus alles in die Schuhe geschoben wird. Und er ist der Einzige, der zuhört.

Genau darum geht es in diesem Märchen. Nicht darum, dass er besonders mutig wäre — er hat große Angst, das steht ausdrücklich da. Sondern darum, dass er in der Nacht wach liegt, das Gespräch am Feuer mitbekommt und schon einen Plan hat, während die anderen noch schlafen.

Kinder lieben diese Figur, weil sie sich in ihr wiedererkennen: klein sein, unterschätzt werden, mehr mitbekommen, als die Erwachsenen denken.

Und dann sind da noch die Eltern. Perrault verurteilt sie nicht. Er beschreibt nur genau, wie ein Vater seine Kinder im Wald zurücklässt und wie er sich dabei anhört. Das ist unangenehm — und der Grund, warum die Geschichte seit dreihundert Jahren bleibt.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Woher weiß der Däumling, dass die Eltern die Kinder aussetzen wollen?

    Er liegt nachts wach und hört das Gespräch am letzten Rest Feuer mit. Er redet wenig und hört dafür sehr genau zu — deshalb hat er schon einen Plan, während die anderen noch schlafen.

  2. 2Womit markiert er den Weg nach Hause?

    Beim ersten Mal mit weißen Kieseln vom Bach, die im Mondlicht wie Silber glänzen. Beim zweiten Mal ist die Tür abgeschlossen — da muss er Brotkrumen streuen, und die picken die Vögel auf.

  3. 3Was vertauscht der Däumling in der Nacht beim Oger?

    Die Kopfbedeckungen. Die sieben Töchter des Ogers tragen im Schlaf goldene Krönchen, die Brüder schlichte Zipfelmützen. Der Däumling tauscht beides — Krönchen für die Brüder, Mützen für die Mädchen.

  4. 4Warum hilft ihm das?

    Weil der Oger im Stockdunkeln nur nach den Köpfen tastet. Wo er Gold spürt, geht er weiter; wo er Wolle spürt, bleibt er stehen — und steht vor den Betten seiner eigenen Töchter.

  5. 5Was sind Siebenmeilenstiefel?

    Stiefel, mit denen man mit einem Schritt sieben Meilen weit kommt. Sie werden immer genau so groß wie der Fuß, der in ihnen steckt — deshalb passen sie auch dem Däumling.

Wörter aus der Geschichte

Däumling
ein Kind, so klein wie ein Daumen
Oger
ein Riese aus dem Märchen, der Menschen frisst — hier wird er überlistet
Holzfäller
jemand, der im Wald Bäume fällt — der Vater der sieben Brüder
Siebenmeilenstiefel
Stiefel, mit denen man sieben Meilen auf einen Schritt geht
Meile
ein altes Längenmaß — je nach Gegend etwa vier bis acht Kilometer

Zum Weitererzählen

  • Warum funktionieren Kieselsteine besser als Brotkrumen?
  • Wie schafft es der Kleinste, dass alle sieben entkommen?
  • Was würdest du mit Siebenmeilenstiefeln als Erstes tun?
  • Warum setzen die Eltern die Kinder aus – und war das ihre einzige Möglichkeit?
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Inhaltsangabe: „Der kleine Däumling“ kurz zusammengefasst

In einem Satz: Der jüngste und kleinste von sieben Brüdern hört nachts, dass die Eltern die Kinder im Wald zurücklassen wollen — und rettet sie zweimal, überlistet einen Oger und stiehlt ihm zuletzt die Siebenmeilenstiefel.

Anfang

Ein Holzfäller und seine Frau haben sieben Söhne und gerade genug zum Leben, solange nichts dazwischenkommt. Der Jüngste war bei der Geburt kaum größer als ein Daumen und wächst fast nicht — alle nennen ihn nur den Däumling, und er bekommt für alles die Schuld. Dabei ist er der Klügste: Er redet wenig und hört sehr genau zu. Dann kommt ein Jahr, in dem nichts wächst. Abends am letzten Rest Feuer sagt der Vater, es gehe nicht mehr, sie müssten die Kinder morgen im Wald lassen. Der Däumling liegt wach und hört jedes Wort. Nachts sammelt er am Bach weiße Kiesel, die im Mond wie Silber glänzen, und stopft sich beide Hosentaschen voll.

Mitte

Am Morgen bleibt er unterwegs immer wieder ein wenig zurück und lässt jedes Mal einen Kiesel fallen. Als der Vater um einen Baum herumgeht und nicht wiederkommt, weinen die sechs Brüder — der Däumling nicht. Im Mondlicht liegen die Kiesel da wie eine Kette kleiner Lichter, und er führt alle nach Hause. Beim zweiten Mal gibt es keine Kiesel mehr, nur Brotkrumen, und die picken die Vögel auf. Nun sind die sieben wirklich verirrt. Sie finden ein großes Haus, in dem ein Oger wohnt, und der Däumling redet ihn dazu, sie für die Nacht aufzunehmen. Nebenan schlafen die sieben Töchter des Ogers mit goldenen Krönchen auf dem Kopf, die Brüder tragen schlichte Zipfelmützen.

Ende

Mitten in der Nacht schleicht der Däumling hinüber und tauscht: Krönchen für die Brüder, Zipfelmützen für die Mädchen. Noch vor Sonnenaufgang tastet der Oger im Dunkeln nach den Köpfen — wo er Gold spürt, geht er weiter, wo er Wolle spürt, bleibt er stehen. In diesem Augenblick sind die Brüder schon aus dem Fenster. Am Morgen holt der Oger seine Siebenmeilenstiefel, mit denen er sieben Meilen auf einen Schritt macht. Die Brüder verstecken sich unter einem hohlen Felsen, auf den sich der müde Oger setzt und einschläft. Der Däumling zieht ihm die Stiefel von den Füßen; sie schrumpfen, bis sie passen. Zwei Schritte, und er steht vor dem Elternhaus. Von da an ist er der schnellste Bote des Königreichs, der Vater muss nie wieder Holz schlagen — und die Stiefel stehen neben seinem Bett, für alle Fälle.

Unsere Fassung folgt dem Märchen von Charles Perrault (1697) in moderner, vorlesefreundlicher Sprache und ist an einigen Stellen behutsam entschärft.

Der kleine Däumling vorlesen – so wird der Abend rund

Sieben Brüder werden im Wald ausgesetzt, und der Kleinste rettet alle. Das ist die kürzeste Zusammenfassung und zugleich der Grund, warum Kinder die Geschichte mögen. Die heikelste Stelle ist der Menschenfresser; er wird überlistet, nicht getötet, und unsere Fassung bleibt dabei knapp. Wer ein besonders empfindsames Kind hat, kündigt vorher an, dass alle sieben zurückkommen.

Woher Der kleine Däumling kommt

Charles Perrault veröffentlichte „Le Petit Poucet" 1697 in Frankreich, im selben Band wie Rotkäppchen, Aschenputtel und Der gestiefelte Kater. Er ist nicht zu verwechseln mit Daumesdick der Brüder Grimm – dort geht es um ein Einzelkind ohne Menschenfresser.

Auffällig ist die Ähnlichkeit zu Hänsel und Gretel: Kinder werden im Wald zurückgelassen, markieren den Weg, geraten an ein menschenfressendes Wesen und retten sich selbst. Beide Märchen entstanden in Zeiten, in denen Hunger für viele Familien Alltag war.

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Häufige Fragen zu Der kleine Däumling

Was ist der Unterschied zwischen dem kleinen Däumling und Daumesdick?

Der kleine Däumling stammt von Charles Perrault und handelt von sieben Brüdern und einem Menschenfresser. Daumesdick ist ein Grimm-Märchen über ein Einzelkind.

Ab welchem Alter eignet sich das Märchen?

Ab etwa fünf Jahren. Der Menschenfresser und das Aussetzen im Wald wiegen für jüngere Kinder oft schwer.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Etwa zehn Minuten.

Von wem stammt Der kleine Däumling?

Von Charles Perrault, Frankreich 1697.

Was sind Siebenmeilenstiefel?

Zauberstiefel, mit denen man bei jedem Schritt sieben Meilen zurücklegt. Däumling nimmt sie dem Menschenfresser ab.

Gibt es das Märchen als PDF?

Ja, kostenlos unter der Geschichte, ohne Anmeldung.

Download als PDF

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