Der Rattenfänger von Hameln

Der Rattenfänger von Hameln

Zusammenfassung: „Der Rattenfänger von Hameln“ in drei Sätzen

Ein Rattenfänger versprach, Hameln von einer schlimmen Rattenplage zu befreien, indem er sie mit seiner Flöte in einen Fluss lockte, wo sie ertranken.

Nachdem er die Ratten entfernt hatte, weigerten sich die Stadtoberen, ihm den versprochenen Lohn zu zahlen, weil sie dachten, er könne ihnen nichts mehr tun.

Der Rattenfänger kehrte zurück und lockte mit seiner Flöte alle Kinder der Stadt in einen Berg, der sich hinter ihnen schloss, als Strafe dafür, dass er nicht bezahlt wurde.

Der Rattenfänger von Hameln – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 8 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Deutsche Sage aus Hameln, von den Brüdern Grimm 1816 in den Deutschen Sagen aufgezeichnet
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war einmal eine kleine Stadt namens Hameln, die von einer schlimmen Rattenplage heimgesucht wurde. Überall wimmelte es von Ratten: Sie liefen durch die Küchen, die Vorratskammern und sogar durch die Schlafzimmer. Nichts war vor ihnen sicher, sie fraßen das Getreide, das Brot und alles, was sie finden konnten. Die Bewohner von Hameln waren verzweifelt und wussten nicht, was sie tun sollten, da die unermüdliche Plage ihr tägliches Leben störte und große Angst und Unruhe in der gesamten Gemeinschaft verbreitete. Der Rattenfänger von Hameln Eines Tages kam ein geheimnisvoller Mann in die Stadt. Keiner der Bewohner von Hameln kannte ihn oder hatte ihn je zuvor gesehen. Er trug einen bunten Mantel und hatte eine Flöte bei sich. Er stellte sich den Stadtoberen als der Rattenfänger von Hameln vor und versprach, die Stadt gegen eine gewisse Bezahlung von allen Ratten zu befreien. Die Bürgermeister der Stadt, müde von dem Unheil, das die Ratten anrichteten, stimmten schnell zu und versprachen ihm eine große Summe Geld, wenn er sein Versprechen halten konnte. Seine geheimnisvolle Erscheinung und das Versprechen wirkten verlockend, und so weckte er die Hoffnung der geplagten Stadtbewohner auf Rettung. Der Rattenfänger von Hameln Der Rattenfänger zog seine Flöte und begann eine süße, eingängige Melodie zu spielen. Wie durch Zauber angelockt, kamen die Ratten aus allen Ecken und Winkeln der Stadt und folgten dem Klang seiner Musik. Er führte sie aus der Stadt hinaus zum Fluss Weser, wo er weiterspielte, bis jede einzelne Ratte in den Fluss sprang und ertrank. Dieses seltsame Schauspiel zog die Aufmerksamkeit der Stadtbewohner an, die mit Erstaunen und Erleichterung zusahen, wie ihre Plage mit jeder Note, die der Rattenfänger spielte, weiter verschwand.

Als der Rattenfänger zurückkehrte, um seine Belohnung einzufordern, änderten die Stadtoberen jedoch ihre Meinung. Sie weigerten sich, das versprochene Geld zu zahlen, überzeugt davon, dass nun, da die Ratten verschwunden waren, der Rattenfänger keine Macht mehr über sie hatte. Betrübt und zornig über das gebrochene Versprechen der Stadtoberen, schwor der Rattenfänger Rache. Sein Blick wurde düster, und seine Worte kalt und ernst, als er den Verrat der Stadtoberen verfluchte und ankündigte, dass ihr Betrug nicht ohne Folgen bleiben würde.
Der Rattenfänger von Hameln Wenige Tage später kehrte der Rattenfänger zurück. Es war der 26. Juni, ein Sonntagmorgen, und alle Erwachsenen saßen in der Kirche.
Diesmal trug er keinen bunten Mantel, sondern die Kleidung eines Jägers und einen roten Hut. Er stellte sich mitten auf die Straße und spielte wieder auf seiner Flöte – aber eine andere Melodie als beim ersten Mal.
Da kamen die Kinder aus allen Häusern gelaufen, hundertdreißig an der Zahl. Sie lachten, sie hüpften, sie hielten sich an den Händen. Der Rattenfänger ging voran, aus der Stadt hinaus durch das Ostertor, und die Kinder gingen hinterher.
Draußen vor der Stadt liegt ein Hügel, den die Leute den Koppenberg nennen. Dort blieb der Zug stehen. Der Berg tat sich auf, der Rattenfänger ging hinein, und die Kinder gingen ihm nach. Dann schloss sich der Berg, als wäre nie etwas gewesen.
Als die Eltern aus der Kirche kamen, war die Stadt still. Kein Rufen, kein Lachen, kein einziges Kind auf der Straße.
Der Rattenfänger von Hameln Zwei Kinder aber kamen zurück. Sie waren zurückgeblieben, weil sie nicht so schnell laufen konnten wie die anderen.
Das eine von ihnen war blind. Es hatte alles gehört, den Weg gespürt und wusste noch, wie die Luft am Berg gerochen hatte – aber es konnte niemandem zeigen, wo die Stelle war.
Das andere Kind konnte nicht sprechen. Es hätte die Stelle finden können, denn es hatte den Berg mit eigenen Augen gesehen. Aber wenn die Leute es fragten, konnte es nur mit dem Finger in die Ferne zeigen und den Kopf schütteln.
Die Eltern liefen tagelang über den Koppenberg und suchten. Sie klopften auf die Felsen, sie riefen die Namen ihrer Kinder, sie legten das Ohr an den Stein. Der Berg blieb still. Am Abend gingen die Mütter langsam die Straße zurück, auf der ihre Kinder am Morgen noch gelacht hatten.
Der Rattenfänger von Hameln In Hameln gibt es bis heute eine Straße, durch die die Kinder damals gezogen sind. Sie heißt die Bungelosenstraße – die Straße ohne Trommel. Wer dort entlanggeht, darf nicht singen, nicht musizieren und nicht tanzen. Auch bei Hochzeiten wird der Zug still, wenn er diese Straße erreicht, und fängt erst dahinter wieder an zu spielen.
An einem alten Haus in der Stadt steht in Stein gehauen, an welchem Tag es geschah: am 26. Juni 1284. Und in den Büchern der Stadt schrieben die Ratsherren viele Jahre lang nicht die gewöhnliche Jahreszahl, sondern zählten anders: im soundsovielten Jahr, nachdem unsere Kinder fortgegangen sind.
Und wenn heute jemand in Hameln fragt, was hinter dem Berg liegt, dann zucken die Leute mit den Schultern. Manche sagen, die Kinder seien weit fort in ein anderes Land gekommen und hätten dort eine neue Stadt gebaut. Sicher weiß es niemand. Nur eines weiß jeder in Hameln: Ein Versprechen hält man. Auch dann, wenn die Ratten schon fort sind.

Hinweis: „Der Rattenfänger von Hameln“ ist kein Märchen, sondern eine deutsche Sage. Die Brüder Grimm haben sie 1816 in ihren „Deutschen Sagen“ aufgeschrieben. Sie wurde durch uns modernisiert und für Kinder erzählt, folgt aber den überlieferten Angaben – einschließlich des Datums und der Bungelosenstraße, die es in Hameln wirklich gibt.
Der Rattenfänger von Hameln Die Moral des Märchens

Die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln lehrt uns, wie wichtig es ist, Versprechen zu halten und anderen gegenüber gerecht zu handeln. Die Stadtoberen von Hameln bezahlten den Rattenfänger nicht für seine Arbeit, und als Ergebnis verloren sie etwas viel Wertvolleres: ihre Kinder. Die Geschichte zeigt, dass es immer besser ist, ehrlich zu sein und sich an Abmachungen zu halten, damit niemand verletzt wird und wir alle in Frieden miteinander leben können.

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