Der Rattenfänger von Hameln

Der Rattenfänger von Hameln

Zusammenfassung: „Der Rattenfänger von Hameln“ in drei Sätzen

Ein Rattenfänger versprach, Hameln von einer schlimmen Rattenplage zu befreien, indem er sie mit seiner Flöte in einen Fluss lockte, wo sie ertranken.

Nachdem er die Ratten entfernt hatte, weigerten sich die Stadtoberen, ihm den versprochenen Lohn zu zahlen, weil sie dachten, er könne ihnen nichts mehr tun.

Der Rattenfänger kehrte zurück und lockte mit seiner Flöte alle Kinder der Stadt in einen Berg, der sich hinter ihnen schloss, als Strafe dafür, dass er nicht bezahlt wurde.

Der Rattenfänger von Hameln – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 8 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Deutsche Sage aus Hameln, von den Brüdern Grimm 1816 in den Deutschen Sagen aufgezeichnet
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
  • Zuletzt überarbeitet: 7. September 2026

Hier beginnt das Märchen

Vor sehr langer Zeit lag an der Weser eine Stadt namens Hameln. Es war eine reiche Stadt. In den Speichern lag Korn bis unter das Dach, auf dem Markt wurde gehandelt, und den Leuten ging es gut.

Dann kamen die Ratten.

Niemand wusste, woher. Zuerst sah man nur eine oder zwei am Ufer. Dann waren es zehn. Dann waren es so viele, dass man sie nicht mehr zählen konnte.

Sie fraßen sich durch die Kornsäcke in den Speichern. Sie liefen den Katzen davon und bissen die Hunde in die Nase. Sie saßen am hellen Tag auf dem Marktplatz und ließen sich nicht verscheuchen.

Und nachts war es am schlimmsten. Dann hörte man sie in den Wänden, ein Rascheln und Trippeln, das nicht aufhörte, und die Kinder wollten das Licht anlassen.

Die Leute stellten Fallen auf. Sie holten Katzen aus anderen Städten. Sie streuten Gift. Es half alles nichts, denn für jede Ratte, die verschwand, kamen zwei nach.

Der Rat der Stadt saß Abend für Abend zusammen und wusste nichts.

Und dann, an einem Morgen im Juni, stand ein Fremder auf dem Markt.
Der Rattenfänger von Hameln Er war groß und dünn und trug einen Mantel aus vielen bunten Flicken, rot und gelb und grün durcheinander. Deshalb nannten ihn die Leute später den Bundting — den Buntgekleideten.

An seinem Gürtel hing eine Flöte.

Er ging geradewegs zum Rathaus, verbeugte sich vor dem Bürgermeister und sagte: „Ich habe gehört, dass ihr ein Problem mit Ratten habt. Ich kann euch davon befreien. Alle, bis auf die letzte. Was ist euch das wert?“

Der Bürgermeister sah ihn an. Er sah den Flickenmantel an. Er sah die Flöte an.

„Wenn du das schaffst“, sagte er, „bekommst du tausend Gulden.“

Tausend Gulden waren mehr Geld, als in der ganzen Stadtkasse lag. Aber der Bürgermeister sagte es trotzdem, denn er glaubte kein Wort.

„Abgemacht“, sagte der Fremde.

Die Ratsherren nickten. Ein paar lachten. Einer sagte hinterher, für tausend Gulden würde er selbst pfeifen.

Der Fremde ging hinaus auf die Straße, stellte sich in die Mitte, hob die Flöte an die Lippen — und fing an zu spielen.

Es war keine Melodie, die jemand kannte. Sie war leise und hell, und sie ging weiter, ohne zu einem Ende zu kommen.

Zuerst geschah nichts.

Dann kam ein Rascheln aus den Häusern.
Der Rattenfänger von Hameln Erst kamen sie einzeln. Dann zu zweit und zu dritt. Dann strömten sie aus jeder Tür, aus jedem Keller, aus jedem Loch in der Mauer.

Große und kleine, magere und dicke, braune und graue und schwarze. Sie kamen aus den Speichern, aus den Ställen, aus den Kirchen und aus den Betten, in denen sie sich eingenistet hatten.

Und alle liefen auf den Mann im bunten Mantel zu.

Der aber ging langsam weiter, immer weiter, ohne sich umzudrehen, und spielte dabei ohne Pause. Er ging durch die Bäckerstraße, an der Kirche vorbei, durch das Weserto, und hinter ihm her rauschte es wie ein Fluss.

Die Leute standen an den Fenstern und trauten sich nicht heraus.

Unten am Ufer ging der Mann bis ans Wasser und dann hinein. Die Ratten gingen hinterher. Eine nach der anderen, ohne stehen zu bleiben, bis zur letzten.

Und dann war es still in Hameln, so still wie seit Monaten nicht mehr.

Am Nachmittag kam der Fremde zurück ins Rathaus, klopfte an und sagte: „Es ist erledigt. Meine tausend Gulden.“

Da sahen sich die Ratsherren an.

„Tausend Gulden?“, sagte der Bürgermeister. „Für ein bisschen Flötenspiel? Sei froh, wenn du fünfzig bekommst. Und sei still, sonst bekommst du gar nichts.“

Der Fremde sagte nichts dazu. Er sah den Bürgermeister an, ziemlich lange.

Dann drehte er sich um und ging.
Der Rattenfänger von Hameln Wenige Tage später kehrte der Rattenfänger zurück. Es war der 26. Juni, ein Sonntagmorgen, und alle Erwachsenen saßen in der Kirche.
Diesmal trug er keinen bunten Mantel, sondern die Kleidung eines Jägers und einen roten Hut. Er stellte sich mitten auf die Straße und spielte wieder auf seiner Flöte – aber eine andere Melodie als beim ersten Mal.
Da kamen die Kinder aus allen Häusern gelaufen, hundertdreißig an der Zahl. Sie lachten, sie hüpften, sie hielten sich an den Händen. Der Rattenfänger ging voran, aus der Stadt hinaus durch das Ostertor, und die Kinder gingen hinterher.
Draußen vor der Stadt liegt ein Hügel, den die Leute den Koppenberg nennen. Dort blieb der Zug stehen. Der Berg tat sich auf, der Rattenfänger ging hinein, und die Kinder gingen ihm nach. Dann schloss sich der Berg, als wäre nie etwas gewesen.
Als die Eltern aus der Kirche kamen, war die Stadt still. Kein Rufen, kein Lachen, kein einziges Kind auf der Straße.
Der Rattenfänger von Hameln Zwei Kinder aber kamen zurück. Sie waren zurückgeblieben, weil sie nicht so schnell laufen konnten wie die anderen.
Das eine von ihnen war blind. Es hatte alles gehört, den Weg gespürt und wusste noch, wie die Luft am Berg gerochen hatte – aber es konnte niemandem zeigen, wo die Stelle war.
Das andere Kind konnte nicht sprechen. Es hätte die Stelle finden können, denn es hatte den Berg mit eigenen Augen gesehen. Aber wenn die Leute es fragten, konnte es nur mit dem Finger in die Ferne zeigen und den Kopf schütteln.
Die Eltern liefen tagelang über den Koppenberg und suchten. Sie klopften auf die Felsen, sie riefen die Namen ihrer Kinder, sie legten das Ohr an den Stein. Der Berg blieb still. Am Abend gingen die Mütter langsam die Straße zurück, auf der ihre Kinder am Morgen noch gelacht hatten.
Der Rattenfänger von Hameln In Hameln gibt es bis heute eine Straße, durch die die Kinder damals gezogen sind. Sie heißt die Bungelosenstraße – die Straße ohne Trommel. Wer dort entlanggeht, darf nicht singen, nicht musizieren und nicht tanzen. Auch bei Hochzeiten wird der Zug still, wenn er diese Straße erreicht, und fängt erst dahinter wieder an zu spielen.
An einem alten Haus in der Stadt steht in Stein gehauen, an welchem Tag es geschah: am 26. Juni 1284. Und in den Büchern der Stadt schrieben die Ratsherren viele Jahre lang nicht die gewöhnliche Jahreszahl, sondern zählten anders: im soundsovielten Jahr, nachdem unsere Kinder fortgegangen sind.
Und wenn heute jemand in Hameln fragt, was hinter dem Berg liegt, dann zucken die Leute mit den Schultern. Manche sagen, die Kinder seien weit fort in ein anderes Land gekommen und hätten dort eine neue Stadt gebaut. Sicher weiß es niemand. Nur eines weiß jeder in Hameln: Ein Versprechen hält man. Auch dann, wenn die Ratten schon fort sind.

Hinweis: „Der Rattenfänger von Hameln“ ist kein Märchen, sondern eine deutsche Sage. Die Brüder Grimm haben sie 1816 in ihren „Deutschen Sagen“ aufgeschrieben. Sie wurde durch uns modernisiert und für Kinder erzählt, folgt aber den überlieferten Angaben – einschließlich des Datums und der Bungelosenstraße, die es in Hameln wirklich gibt.
Der Rattenfänger von Hameln Die Moral von „Der Rattenfänger von Hameln“

Diese Geschichte hat keinen bösen Zauberer und keine Hexe. Sie hat einen Bürgermeister, der ein Versprechen gibt, weil er nicht glaubt, dass er es je halten muss.

Das ist der ganze Anfang des Unglücks. Nicht Habgier im großen Stil, sondern ein Satz, den jemand leichthin sagt, weil er ihn für folgenlos hält.

Und deshalb endet die Geschichte auch nicht versöhnlich. Die Kinder kommen nicht zurück. Das ist hart, und man muss es beim Vorlesen nicht wegerklären — Kinder halten das aus, wenn man danach das Licht anlässt und noch eine Weile sitzen bleibt.

Übrigens ist das die einzige Geschichte in dieser Sammlung, hinter der etwas Wirkliches steckt. In Hameln steht bis heute ein Haus mit einer Inschrift, und darin ist ein Datum genannt: der 26. Juni 1284.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Woran erkennt man den Fremden, als er nach Hameln kommt?

    Er ist groß und dünn und trägt einen Mantel aus bunten Flicken, mit einer Flöte am Gürtel. Später kommt er ein zweites Mal — dann in Jägerkleidung und mit rotem Hut.

  2. 2Wie wird die Stadt die Ratten los?

    Der Fremde spielt eine Melodie, die niemand kennt. Aus jeder Tür, jedem Keller und jedem Loch in der Mauer strömen die Ratten und laufen ihm nach — durch die Bäckerstraße, aus dem Tor hinaus und in die Weser.

  3. 3Warum bekommt er seinen Lohn nicht?

    Der Bürgermeister hatte tausend Gulden versprochen — mehr, als in der ganzen Stadtkasse lag —, weil er kein Wort geglaubt hatte. Danach lacht er den Fremden aus und bietet fünfzig.

  4. 4Wann kommt der Rattenfänger zurück?

    Am 26. Juni, an einem Sonntagmorgen, als alle Erwachsenen in der Kirche sind. Er spielt eine andere Melodie, und hundertdreißig Kinder laufen ihm lachend nach, zum Koppenberg hinaus.

  5. 5Welche zwei Kinder bleiben zurück?

    Eines, das blind ist und den Ort nicht zeigen kann, und eines, das nicht sprechen kann. In Hameln darf in der Bungelosenstraße bis heute nicht musiziert werden.

Wörter aus der Geschichte

Rattenfänger
jemand, der beruflich Ratten aus einer Stadt vertreibt
Plage
sehr viele Tiere oder Schädlinge auf einmal — hier Ratten
Weser
der Fluss, der bei Hameln vorbeifließt
Gulden
eine alte Münze — tausend davon waren eine sehr große Summe
Sage
eine alte Erzählung, die an einen wirklichen Ort geknüpft ist

Zum Weitererzählen

  • Warum will der Rat dem Rattenfänger seinen Lohn nicht zahlen?
  • War die Rache des Rattenfängers gerecht?
  • Was hättest du als Bürgermeister von Hameln getan?
  • Wohin sind die Kinder gegangen – was denkst du?
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Inhaltsangabe: Der Rattenfänger von Hameln kurz zusammengefasst

In einem Satz: Ein Fremder befreit Hameln mit seiner Flöte von den Ratten, wird um seinen Lohn betrogen — und holt sich mit derselben Flöte die Kinder der Stadt.

Anfang

Hameln an der Weser ist eine reiche Stadt, bis die Ratten kommen. Sie fressen sich durch die Kornsäcke, sitzen am hellen Tag auf dem Markt und rascheln nachts in den Wänden. Fallen, Katzen und Gift helfen nichts. An einem Morgen im Juni steht ein großer, dünner Fremder in einem Mantel aus bunten Flicken auf dem Markt, eine Flöte am Gürtel. Er bietet an, die Stadt von allen Ratten zu befreien. Der Bürgermeister verspricht ihm tausend Gulden — mehr, als in der ganzen Stadtkasse liegt, denn er glaubt kein Wort.

Mitte

Der Fremde stellt sich auf die Straße und spielt eine Melodie, die niemand kennt. Aus jeder Tür, jedem Keller, jedem Loch in der Mauer strömen die Ratten, und alle laufen ihm nach. Er geht durch die Bäckerstraße, am Weserto hinaus, hinunter ans Ufer und ins Wasser — die Ratten hinterher, bis zur letzten. Am Nachmittag verlangt er seinen Lohn. Der Bürgermeister lacht ihn aus: fünfzig Gulden, und sei still, sonst gar nichts. Der Fremde sagt nichts, sieht ihn lange an und geht.

Ende

Am 26. Juni, einem Sonntagmorgen, als alle Erwachsenen in der Kirche sind, kommt er zurück — diesmal in Jägerkleidung und mit rotem Hut — und spielt eine andere Melodie. Hundertdreißig Kinder laufen ihm lachend nach, aus dem Ostertor hinaus zum Koppenberg. Der Berg tut sich auf, sie gehen hinein, und er schließt sich wieder. Nur zwei Kinder kehren zurück: eines, das blind ist und den Ort nicht zeigen kann, und eines, das nicht sprechen kann. Die Kinder kommen nicht wieder. In Hameln darf in der Bungelosenstraße bis heute nicht musiziert werden, und an einem alten Haus steht das Datum: 26. Juni 1284.

Diese Inhaltsangabe folgt unserer Fassung für Kinder ab vier Jahren, etwa acht Minuten Vorlesezeit. Der Rattenfänger ist kein Märchen, sondern eine deutsche Sage; die Brüder Grimm haben sie 1816 in den „Deutschen Sagen" aufgeschrieben.

Der Rattenfänger von Hameln vorlesen – so wird der Abend rund

Das ist keine Geschichte mit gutem Ausgang, und das sollte man wissen, bevor man sie abends vorliest. Am Ende sind die Kinder fort. Für Kinder ab etwa sechs ist genau das der Reiz: eine Geschichte, die nicht aufgelöst wird. Für jüngere empfiehlt sich ein Nachmittag statt der Bettkante. Beim Vorlesen wirkt die Flöte am besten, wenn man sie leise erwähnt und nicht ausschmückt.

Woher Der Rattenfänger von Hameln kommt

Anders als die meisten Geschichten hier ist das kein Märchen, sondern eine Sage: Sie ist an einen bestimmten Ort und ein bestimmtes Datum gebunden. Die Brüder Grimm nahmen sie 1816 in ihre „Deutschen Sagen" auf; überliefert ist der 26. Juni 1284 als Tag, an dem 130 Kinder aus Hameln verschwanden.

Was damals tatsächlich geschah, weiß niemand. Es gibt Vermutungen von Auswanderung über Krankheit bis zu einem Unglück. Genau diese Unklarheit hält die Sage seit siebenhundert Jahren lebendig – und macht sie zur besten Gutenachtfrage, die man einem Kind stellen kann.

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Häufige Fragen zu Der Rattenfänger von Hameln

Ist der Rattenfänger von Hameln ein Märchen?

Nein, eine Sage. Sie ist an einen realen Ort und ein überliefertes Datum gebunden – den 26. Juni 1284.

Ab welchem Alter eignet sich die Geschichte?

Ab etwa sechs Jahren. Das Ende bleibt offen und die Kinder kehren nicht zurück – für jüngere Kinder abends oft zu viel.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Etwa acht Minuten.

Was ist mit den Kindern von Hameln passiert?

Das weiß niemand. Es gibt Vermutungen von Auswanderung bis zu einem Unglück; belegt ist nichts.

Wer hat die Sage aufgeschrieben?

Die Brüder Grimm nahmen sie 1816 in ihre Sammlung „Deutsche Sagen" auf.

Was ist die Moral der Geschichte?

Dass ein gegebenes Versprechen gilt – auch gegenüber jemandem, den man nicht mag. Der Rat von Hameln zahlt für den Wortbruch einen Preis, den er nicht erwartet hat.

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