Der standhafte Zinnsoldat

Der standhafte Zinnsoldat

Zusammenfassung: „Der standhafte Zinnsoldat“ in drei Sätzen

Ein einbeiniger Zinnsoldat verliebt sich in eine Papiertänzerin.

Nach vielen Abenteuern, wie dem Sturz aus dem Fenster und einer Reise im Bauch eines Fisches, kehrt er zu ihr zurück.

Durch einen bösen Kobold landen beide im Kaminfeuer, wo die Tänzerin verbrennt und der Soldat zu einem Zinnherz schmilzt.

Der standhafte Zinnsoldat – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 8 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Hans Christian Andersen, Dänemark 1838
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war einmal ein kleiner Junge, der zum Geburtstag eine Schachtel mit 25 Zinnsoldaten geschenkt bekam. Die Zinnsoldaten waren alle aus demselben alten Zinnlöffel gegossen worden und sahen sich zum Verwechseln ähnlich. Sie trugen rote und blaue Uniformen, hielten ihre Gewehre im Arm und blickten geradeaus mit einem ernsten Gesichtsausdruck.

Nur einer der Soldaten war etwas anders – ihm fehlte ein Bein, weil für ihn das Zinn nicht mehr gereicht hatte, als er gegossen wurde. Doch auf seinem einem Bein stand er genauso beharrlich und tapfer wie seine Kameraden auf ihren zwei Beinen. Der kleine Junge stellte die Zinnsoldaten nebeneinander auf dem Tisch im Kinderzimmer auf.
Der standhafte Zinnsoldat Unter dem vielen Spielzeug entdeckte der einbeinige Zinnsoldat eine wunderschöne Ballerina aus Papier. Sie trug ein weißes Kleid mit Rüschen, hatte lange dunkle Haare und stand, auf einem Bein, so anmutig und leicht, dass der Soldat dachte, sie wäre wie er. Er verliebte sich auf den ersten Blick in die schöne Tänzerin und konnte seine Augen nicht mehr von ihr abwenden. Am liebsten hätte er sie angesprochen, aber er war schüchtern und traute sich nicht.

Doch dann passierte etwas Schreckliches: Ein Windstoß fegte den Zinnsoldaten aus dem offenen Fenster und er fiel drei Stockwerke tief hinunter auf die gepflasterte Straße. Zwei Lausbuben, die gerade vorbeikamen, fanden den Soldaten. Sie bastelten ein Papierschiffchen, setzten ihn hinein und ließen es in der Regenrinne davonsegeln. Das kleine Schiff mit dem Zinnsoldaten fuhr den Rinnstein hinab, immer schneller und schneller, bis es schließlich in einen dunklen, unterirdischen Kanal mündete. Mutig und standhaft ertrug der Soldat alle Gefahren der stürmischen Fahrt, denn in Gedanken war er die ganze Zeit bei seiner geliebten Ballerina.
Der standhafte Zinnsoldat Der Rinnstein führte in einen dunklen Tunnel unter dem Pflaster, und dort saß eine große Wasserratte. „Halt!", quiekte sie. „Zeig deinen Pass! Hier kommt keiner ohne Pass vorbei!" Doch die Strömung war schneller als die Ratte. Das Papierschiff schoss davon, und die Ratte schwamm hinterher und schimpfte und knirschte mit den Zähnen: „Haltet ihn auf! Haltet ihn auf! Er hat keinen Zoll bezahlt!" Der Zinnsoldat rührte sich nicht. Er stand fest, hielt sein Gewehr im Arm und schaute geradeaus.

Dann wurde es plötzlich hell. Vor ihm stürzte das Wasser aus dem Kanal hinaus in einen breiten Graben, laut wie ein Wasserfall. Das Schiffchen drehte sich, das Papier wurde weich, das Wasser stieg dem Soldaten bis an die Schultern – und in diesem Moment schnappte etwas Großes zu. Ein gieriger Fisch verschluckte das Papierschiff, mitsamt dem Zinnsoldaten.

Wie dunkel und eng es im Bauch des Fisches war! Der arme Soldat wurde hin und her geworfen, aber er verlor nicht den Mut. Tapfer hielt er sein Gewehr im Arm und dachte an die wunderschöne Tänzerin, die er wahrscheinlich nie wiedersehen würde.

Wie es der Zufall wollte, wurde der Fisch von einem Fischer gefangen und landete ausgerechnet in der Küche des Hauses, in dem der kleine Junge mit seinen Zinnsoldaten wohnte. Als die Köchin den Fisch für das Mittagessen zubereitete und aufschnitt – welch eine freudige Überraschung! Da lag der verloren geglaubte Zinnsoldat, heil und unversehrt!
Der standhafte Zinnsoldat Überglücklich stellte der Junge den Soldaten zurück auf den Tisch im Kinderzimmer, direkt neben seine geliebte Ballerina. Endlich waren sie wieder vereint! Der Zinnsoldat strahlte vor Freude, und die Tänzerin lächelte sanft und stand noch immer auf einem Bein, so leicht, als könnte der kleinste Windhauch sie forttragen.

Doch die Freude währte nicht lange. In einer alten Schnupftabaksdose auf dem Tisch wohnte ein böser Kobold, und der wurde eifersüchtig auf das Glück der beiden. „Zinnsoldat!", zischte er aus seiner Dose. „Halt deine Augen im Zaum!" Der Zinnsoldat tat, als höre er nichts, und schaute weiter zu seiner Tänzerin hinüber. Da wurde der Kobold noch böser. In einem unbemerkten Moment stieß er den Soldaten vom Tisch – und der fiel und fiel und landete mitten im lodernden Kaminfeuer.
Der standhafte Zinnsoldat Im Feuer war es heiß, heißer, als der Zinnsoldat es je erlebt hatte. Das Zinn begann zu glühen, erst dunkelrot, dann hell wie eine kleine Sonne. Ob die Hitze vom Feuer kam oder von seiner Liebe, das wusste er selbst nicht. Seine Farben waren fort, die rote Uniform war fort – aber er stand. Er stand auf seinem einen Bein, hielt sein Gewehr im Arm und schaute geradeaus zu seiner Tänzerin hinüber, so fest, wie er immer gestanden hatte.

Da ging die Tür auf. Ein Luftzug fuhr durch das Zimmer, packte die Papiertänzerin und trug sie leicht wie eine Feder über den Boden, über die Kaminkante, mitten in die Flammen hinein zu ihrem Soldaten. Einen einzigen Augenblick lang standen die beiden nebeneinander im Feuer. Dann flammte sie auf und war fort, und der Zinnsoldat schmolz langsam zu einem kleinen Klumpen zusammen.
Der standhafte Zinnsoldat Am nächsten Morgen holte das Dienstmädchen die Asche aus dem Kamin. Zwischen den grauen Flocken fand sie etwas Kleines, Blankes: ein Zinnherz. Das war alles, was von dem standhaften Zinnsoldaten übrig geblieben war. Und gleich daneben lag der Paillettenstern der Ballerina, schwarz gebrannt wie ein Stückchen Kohle.

Das Dienstmädchen wischte beides sauber und legte es nebeneinander auf die Fensterbank in die Morgensonne. Dort blieben sie liegen, das Herz und der Stern, ganz nah beieinander, und wenn sie niemand fortgeweht hat, dann liegen sie dort noch heute.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Der standhafte Zinnsoldat" basiert auf dem Kunstmärchen von Hans Christian Andersen aus dem Jahr 1838. Sie wurde durch uns sprachlich modernisiert, orientiert sich aber inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Der standhafte Zinnsoldat Die Moral von „Der standhafte Zinnsoldat“

Das Märchen vom standhaften Zinnsoldaten erzählt auf zauberhafte Weise von Liebe und Treue. Es zeigt, dass man an seinen Träumen festhalten und für sie kämpfen sollte, auch wenn einem Hindernisse im Weg stehen. Mit Mut und Beharrlichkeit kann man sein Glück finden, so wie der einbeinige Zinnsoldat, der am Ende für immer mit seiner geliebten Ballerina vereint ist.

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