Der standhafte Zinnsoldat

Der standhafte Zinnsoldat

Zusammenfassung: „Der standhafte Zinnsoldat“ in drei Sätzen

Ein einbeiniger Zinnsoldat verliebt sich in eine Papiertänzerin.

Nach vielen Abenteuern, wie dem Sturz aus dem Fenster und einer Reise im Bauch eines Fisches, kehrt er zu ihr zurück.

Durch einen bösen Kobold landen beide im Kaminfeuer, wo die Tänzerin verbrennt und der Soldat zu einem Zinnherz schmilzt.

Der standhafte Zinnsoldat – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 9 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Hans Christian Andersen, Dänemark 1838
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
  • Zuletzt überarbeitet: 7. September 2026

Hier beginnt das Märchen

Es waren einmal fünfundzwanzig Zinnsoldaten. Sie waren alle Brüder, denn sie waren aus demselben alten Zinnlöffel gegossen worden.

Sie hielten das Gewehr im Arm, das Gesicht geradeaus, und ihre Uniform war rot und blau und wunderschön.

Das Allererste, was sie in dieser Welt hörten, als der Deckel von der Schachtel genommen wurde, war das Wort: „Zinnsoldaten!“ Das rief ein kleiner Junge und klatschte in die Hände. Er hatte sie zum Geburtstag bekommen, und nun stellte er sie auf dem Tisch auf.

Ein Soldat glich dem anderen aufs Haar. Nur ein einziger war ein wenig anders: Er hatte nur ein Bein, denn er war zuletzt gegossen worden, und da hatte das Zinn nicht mehr gereicht.

Aber er stand auf seinem einen Bein genauso fest wie die anderen auf ihren zweien. Und gerade er ist es, dem hier etwas Merkwürdiges widerfährt.

Auf dem Tisch standen noch viele andere Spielsachen. Das Schönste aber war ein Schloss aus Papier. Durch die kleinen Fenster konnte man in die Säle hineinsehen. Davor standen kleine Bäume um einen Spiegel, der einen See vorstellen sollte, und auf dem See schwammen Schwäne aus Wachs.

Das war alles sehr hübsch. Am hübschsten aber war eine kleine Dame, die mitten in der offenen Schlosstür stand.
Der standhafte Zinnsoldat Sie war auch aus Papier ausgeschnitten. Sie trug einen Rock aus feinstem Batist und ein schmales blaues Band über der Schulter, und auf dem Band saß eine Paillette, so groß wie ihr ganzes Gesicht.

Die kleine Dame hielt beide Arme in die Höhe, denn sie war eine Tänzerin. Und sie hatte das eine Bein so hoch gehoben, dass der Zinnsoldat es gar nicht sehen konnte und deshalb glaubte, sie habe nur ein Bein — genau wie er.

Die wäre eine Frau für mich, dachte er. Aber sie ist sehr vornehm. Sie wohnt in einem Schloss, und ich habe nur eine Schachtel, in der wir zu fünfundzwanzig sind. Das ist kein Platz für sie. Trotzdem — ich muss versuchen, ihre Bekanntschaft zu machen.

Und dann legte er sich der Länge nach hinter eine Schnupftabaksdose, die auf dem Tisch stand. Von dort konnte er die kleine Dame gut sehen, die immerfort auf einem Bein stand, ohne umzufallen.

Als es Abend wurde, kamen die anderen Zinnsoldaten in ihre Schachtel, und die Menschen im Haus gingen schlafen. Nun fing das Spielzeug an zu spielen — Besuch zu machen, Krieg zu führen und Ball zu geben. Nur die beiden rührten sich nicht vom Fleck: sie auf der Zehenspitze, er stramm auf seinem einen Bein, und keinen Augenblick ließ er sie aus den Augen.

Am nächsten Morgen stellte jemand den Zinnsoldaten ans offene Fenster.

Und ob es nun der Wind war oder der Kobold aus der Schnupftabaksdose — plötzlich flog das Fenster auf, und der Soldat stürzte kopfüber vom dritten Stock hinunter auf das Pflaster.

Er landete so unglücklich, dass er auf dem Helm stand, mit dem Bein in der Luft und dem Bajonett zwischen den Pflastersteinen.

Der Junge und das Dienstmädchen liefen sofort hinunter, um ihn zu suchen. Beinahe wären sie auf ihn getreten — aber rufen konnte er nicht. Er hielt es nicht für passend, in Uniform laut zu schreien.

Dann fing es an zu regnen, und danach kamen zwei Straßenjungen vorbei.

„Sieh mal", sagte der eine, „ein Zinnsoldat! Der soll segeln." Sie falteten aus einem Stück Zeitung ein Boot, setzten den Soldaten mitten hinein und ließen ihn im Rinnstein davontreiben. Beide liefen ein Stück nebenher und klatschten in die Hände. Das Wasser lief schnell, und bald waren sie zurückgeblieben.
Der standhafte Zinnsoldat Der Rinnstein führte in einen dunklen Tunnel unter dem Pflaster, und dort saß eine große Wasserratte. „Halt!", quiekte sie. „Zeig deinen Pass! Hier kommt keiner ohne Pass vorbei!" Doch die Strömung war schneller als die Ratte. Das Papierschiff schoss davon, und die Ratte schwamm hinterher und schimpfte und knirschte mit den Zähnen: „Haltet ihn auf! Haltet ihn auf! Er hat keinen Zoll bezahlt!" Der Zinnsoldat rührte sich nicht. Er stand fest, hielt sein Gewehr im Arm und schaute geradeaus.

Dann wurde es plötzlich hell. Vor ihm stürzte das Wasser aus dem Kanal hinaus in einen breiten Graben, laut wie ein Wasserfall. Das Schiffchen drehte sich, das Papier wurde weich, das Wasser stieg dem Soldaten bis an die Schultern – und in diesem Moment schnappte etwas Großes zu. Ein gieriger Fisch verschluckte das Papierschiff, mitsamt dem Zinnsoldaten.

Wie dunkel und eng es im Bauch des Fisches war! Der arme Soldat wurde hin und her geworfen, aber er verlor nicht den Mut. Tapfer hielt er sein Gewehr im Arm und dachte an die wunderschöne Tänzerin, die er wahrscheinlich nie wiedersehen würde.

Wie es der Zufall wollte, wurde der Fisch von einem Fischer gefangen und landete ausgerechnet in der Küche des Hauses, in dem der kleine Junge mit seinen Zinnsoldaten wohnte. Als die Köchin den Fisch für das Mittagessen zubereitete und aufschnitt – welch eine freudige Überraschung! Da lag der verloren geglaubte Zinnsoldat, heil und unversehrt!
Der standhafte Zinnsoldat Überglücklich stellte der Junge den Soldaten zurück auf den Tisch im Kinderzimmer, direkt neben seine geliebte Ballerina. Endlich waren sie wieder vereint! Der Zinnsoldat strahlte vor Freude, und die Tänzerin lächelte sanft und stand noch immer auf einem Bein, so leicht, als könnte der kleinste Windhauch sie forttragen.

Doch die Freude währte nicht lange. In einer alten Schnupftabaksdose auf dem Tisch wohnte ein böser Kobold, und der wurde eifersüchtig auf das Glück der beiden. „Zinnsoldat!", zischte er aus seiner Dose. „Halt deine Augen im Zaum!" Der Zinnsoldat tat, als höre er nichts, und schaute weiter zu seiner Tänzerin hinüber. Da wurde der Kobold noch böser. In einem unbemerkten Moment stieß er den Soldaten vom Tisch – und der fiel und fiel und landete mitten im lodernden Kaminfeuer.
Der standhafte Zinnsoldat Im Feuer war es heiß, heißer, als der Zinnsoldat es je erlebt hatte. Das Zinn begann zu glühen, erst dunkelrot, dann hell wie eine kleine Sonne. Ob die Hitze vom Feuer kam oder von seiner Liebe, das wusste er selbst nicht. Seine Farben waren fort, die rote Uniform war fort – aber er stand. Er stand auf seinem einen Bein, hielt sein Gewehr im Arm und schaute geradeaus zu seiner Tänzerin hinüber, so fest, wie er immer gestanden hatte.

Da ging die Tür auf. Ein Luftzug fuhr durch das Zimmer, packte die Papiertänzerin und trug sie leicht wie eine Feder über den Boden, über die Kaminkante, mitten in die Flammen hinein zu ihrem Soldaten. Einen einzigen Augenblick lang standen die beiden nebeneinander im Feuer. Dann flammte sie auf und war fort, und der Zinnsoldat schmolz langsam zu einem kleinen Klumpen zusammen.
Der standhafte Zinnsoldat Am nächsten Morgen holte das Dienstmädchen die Asche aus dem Kamin. Zwischen den grauen Flocken fand sie etwas Kleines, Blankes: ein Zinnherz. Das war alles, was von dem standhaften Zinnsoldaten übrig geblieben war. Und gleich daneben lag der Paillettenstern der Ballerina, schwarz gebrannt wie ein Stückchen Kohle.

Das Dienstmädchen wischte beides sauber und legte es nebeneinander auf die Fensterbank in die Morgensonne. Dort blieben sie liegen, das Herz und der Stern, ganz nah beieinander, und wenn sie niemand fortgeweht hat, dann liegen sie dort noch heute.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Der standhafte Zinnsoldat" basiert auf dem Kunstmärchen von Hans Christian Andersen aus dem Jahr 1838. Sie wurde durch uns sprachlich modernisiert, orientiert sich aber inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Der standhafte Zinnsoldat Die Moral von „Der standhafte Zinnsoldat“

Der Zinnsoldat tut in der ganzen Geschichte fast nichts. Er wird aus dem Fenster geweht, in ein Papierschiff gesetzt, von einer Ratte verfolgt, von einem Fisch verschluckt und am Ende in den Kamin gestoßen. Er sucht sich nichts davon aus.

Was er tut, ist: Er bleibt stehen. Er hält sein Gewehr im Arm und schaut geradeaus — im Rinnstein, im Fischbauch und im Feuer.

Das ist eine andere Art von Mut als die, die sonst in Märchen vorkommt. Der Zinnsoldat besiegt niemanden. Er hält nur aus, ohne sich zu verbiegen, und er hört nicht auf, zu der kleinen Tänzerin hinüberzusehen.

Andersen hat kein glückliches Ende dafür geschrieben, sondern ein Zinnherz in der Asche und daneben den verbrannten Stern. Das ist traurig — und Kinder finden es meistens weniger schlimm als Erwachsene. Sie sehen vor allem, dass die beiden am Ende nebeneinander liegen.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Warum hat der Zinnsoldat nur ein Bein?

    Weil er als Letzter von fünfundzwanzig gegossen wurde und das Zinn nicht mehr reichte. Auf dem einen Bein steht er genauso fest wie die anderen auf ihren zweien.

  2. 2Warum glaubt er, die Tänzerin habe auch nur ein Bein?

    Weil sie eine Tänzerin ist und das eine Bein so hoch gehoben hat, dass er es gar nicht sehen kann. Deshalb hält er sie für seinesgleichen.

  3. 3Was verlangt die Wasserratte im Kanal?

    Seinen Pass. „Hier kommt keiner ohne Pass vorbei!“ Doch die Strömung ist schneller als die Ratte, und sie schwimmt schimpfend hinterher.

  4. 4Wie kommt der Zinnsoldat aus dem Fischbauch wieder heraus?

    Der Fisch wird gefangen und landet ausgerechnet in der Küche desselben Hauses. Als die Köchin ihn aufschneidet, liegt der Soldat heil darin.

  5. 5Was bleibt am Ende von den beiden übrig?

    Ein kleines Zinnherz in der Asche und daneben der schwarz gebrannte Paillettenstern der Tänzerin. Das Dienstmädchen legt beides nebeneinander auf die Fensterbank in die Morgensonne.

Wörter aus der Geschichte

Zinn
ein weiches, silbriges Metall — daraus goss man früher Spielzeugsoldaten
standhaft
jemand, der aushält und nicht umfällt
Rinnstein
die Rinne am Straßenrand, in der Regenwasser abfließt
Schnupftabaksdose
eine kleine Dose für Tabak — in dieser wohnt der eifersüchtige Kobold
Paillette
ein glitzerndes Plättchen zum Aufnähen — die Tänzerin trägt eines am Band

Zum Weitererzählen

  • Warum sagt der Soldat die ganze Geschichte über fast nichts?
  • Was hättest du getan, als du im Papierschiff durch den Rinnstein getrieben bist?
  • Ist das Ende traurig oder schön – oder beides?
  • Kennst du jemanden, der einfach stehen bleibt, wenn es schwierig wird?
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Inhaltsangabe: „Der standhafte Zinnsoldat“ kurz zusammengefasst

In einem Satz: Ein Zinnsoldat mit nur einem Bein verliebt sich in eine Papiertänzerin, wird aus dem Fenster geweht und treibt durch Rinnstein und Fischbauch nach Hause zurück — und hält auch im Kaminfeuer noch die Haltung.

Anfang

Fünfundzwanzig Zinnsoldaten werden aus demselben alten Zinnlöffel gegossen und als Geburtstagsgeschenk auf den Tisch gestellt. Einer gleicht dem anderen aufs Haar — nur der letzte hat bloß ein Bein, weil das Zinn nicht mehr reichte. Er steht darauf so fest wie die anderen auf zweien. Auf dem Tisch steht ein Schloss aus Papier mit Bäumen, einem Spiegel als See und Schwänen aus Wachs. In der offenen Schlosstür steht eine kleine Papiertänzerin, die ein Bein so hoch gehoben hat, dass der Soldat glaubt, sie habe wie er nur eines. Er legt sich hinter eine Schnupftabaksdose, um sie im Blick zu behalten. Nachts spielt das Spielzeug, nur die beiden rühren sich nicht.

Mitte

Am nächsten Morgen steht der Soldat am offenen Fenster — und ob es der Wind war oder der Kobold aus der Schnupftabaksdose: Er stürzt aus dem dritten Stock und landet kopfüber zwischen den Pflastersteinen. Rufen mag er nicht, das schickt sich in Uniform nicht. Es regnet, Straßenjungen finden ihn, und bald treibt er im Rinnstein. Im dunklen Tunnel unter dem Pflaster verlangt eine große Wasserratte seinen Pass und schwimmt schimpfend hinterher. Am Ende des Kanals stürzt das Wasser wie ein Wasserfall in einen Graben, das Papier wird weich — und ein gieriger Fisch verschluckt alles. Im Fischbauch wird der Soldat hin und her geworfen, hält aber sein Gewehr im Arm und denkt an die Tänzerin.

Ende

Der Fisch wird gefangen und landet ausgerechnet in der Küche desselben Hauses. Als die Köchin ihn aufschneidet, kommt der Zinnsoldat heil zum Vorschein und darf zurück auf den Tisch, neben seine Tänzerin. Doch der eifersüchtige Kobold in der Schnupftabaksdose zischt ihn an, er solle die Augen im Zaum halten — und stößt ihn in einem unbemerkten Moment mitten ins Kaminfeuer. Das Zinn glüht, die Farben verschwinden, aber der Soldat steht und schaut geradeaus zu ihr hinüber. Da geht die Tür auf, ein Luftzug trägt die Papiertänzerin über die Kaminkante zu ihm. Einen Augenblick stehen die beiden nebeneinander in den Flammen. Am Morgen findet das Dienstmädchen in der Asche ein kleines Zinnherz und daneben den schwarz gebrannten Paillettenstern und legt beides nebeneinander in die Morgensonne.

Unsere Fassung folgt dem Kunstmärchen von Hans Christian Andersen (1838) in moderner, vorlesefreundlicher Sprache.

Der standhafte Zinnsoldat vorlesen – so wird der Abend rund

Der Zinnsoldat tut fast nichts. Er fällt aus dem Fenster, treibt in einem Papierboot durch die Gosse, wird von einem Fisch verschluckt – und bleibt dabei aufrecht. Genau das ist die Geschichte. Kinder verstehen sie sofort, weil sie selbst oft in Lagen sind, in denen sie nichts entscheiden können. Das Ende ist traurig; erzählen Sie es ruhig und ohne Beschönigung, es hält stand.

Woher Der standhafte Zinnsoldat kommt

Hans Christian Andersen veröffentlichte „Den standhaftige tinsoldat" 1838 in Dänemark. Es ist eines seiner Kunstmärchen: erfunden, nicht gesammelt, und mit einem Ende, das kein Volksmärchen so erzählt hätte.

Auffällig ist, wie wenig der Held handelt. Andersen erzählt von Haltung, nicht von Taten – und traut Kindern zu, dass sie den Unterschied verstehen. Unsere Fassung folgt ihm darin und erfindet kein Happy End dazu.

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Häufige Fragen zu Der standhafte Zinnsoldat

Warum hat der Zinnsoldat nur ein Bein?

Weil beim Gießen das Zinn nicht mehr reichte – er war der letzte von fünfundzwanzig Soldaten.

Wie endet Der standhafte Zinnsoldat?

Er landet im Feuer und schmilzt; übrig bleibt ein kleines Zinnherz. Das Ende ist traurig, aber ruhig erzählt.

Ab welchem Alter eignet sich die Geschichte?

Ab etwa fünf Jahren. Jüngere Kinder brauchen ein Gespräch danach – das traurige Ende beschäftigt sie.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Etwa neun Minuten.

Von wem stammt Der standhafte Zinnsoldat?

Von Hans Christian Andersen, Dänemark 1838.

Was bedeutet standhaft?

Aushalten, ohne umzufallen – im Wortsinn und im übertragenen Sinn. Der Soldat bleibt in jeder Lage aufrecht.

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