Der Zauberer von Oz

Der Zauberer von Oz

Zusammenfassung: „Der Zauberer von Oz" in drei Sätzen

Ein Wirbelsturm trägt Dorothy und ihren Hund Toto aus dem grauen Kansas in das bunte Land Oz, wo ihr Haus versehentlich die böse Hexe des Ostens erschlägt und sie deren silberne Schuhe erbt.

Auf der Straße aus gelben Ziegelsteinen schließen sich ihr eine Vogelscheuche ohne Verstand, ein Blechmann ohne Herz und ein Löwe ohne Mut an, und der große Oz verspricht allen vier ihren Wunsch – wenn sie zuvor die böse Hexe des Westens besiegen.

Sie schaffen es, entlarven den mächtigen Zauberer als freundlichen Schwindler und erfahren am Ende von der guten Hexe Glinda, dass Verstand, Herz, Mut und der Weg nach Hause die ganze Zeit schon da waren.

Der Zauberer von Oz – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 17 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: L. Frank Baum, USA 1900
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Mitten in der weiten Prärie von Kansas stand ein kleines Haus mit nur einem einzigen Zimmer. Darin wohnte Dorothy bei Onkel Henry, der Bauer war, und bei Tante Em, seiner Frau. Rundherum war alles grau: Das Gras war grau, der Himmel war grau, und selbst Tante Ems Wangen waren grau geworden von Sonne und Wind. Nur eines war bunt in diesem Haus, und das war Toto, der kleine schwarze Hund mit den lustigen Augen und der winzigen Nase. Toto brachte Dorothy zum Lachen, und darum liebte sie ihn von Herzen.

Eines Tages kam von Norden her ein langes, klagendes Heulen über die Prärie gezogen. Onkel Henry sprang auf und schaute zum Himmel. „Ein Wirbelsturm!", rief er und lief hinaus zu den Tieren. Tante Em riss die Falltür im Fußboden auf und kletterte hinunter in den Sturmkeller. „Schnell, Dorothy!", rief sie.

Dorothy wollte ihr folgen. Da riss sich Toto los und verkroch sich unter dem Bett. Dorothy lief zurück, um ihn zu holen, und in diesem Augenblick packte der Wind das Haus. Es drehte sich zweimal im Kreis, hob sich langsam vom Boden und stieg auf wie ein Ballon.

Draußen heulte der Sturm, aber im Haus war es ganz still. Dorothy hielt Toto fest im Arm und schaute durch das Loch im Fußboden hinaus. Stundenlang trug der Wind sie durch die Luft. Schließlich wurde sie müde, legte sich auf ihr Bett und schlief ein.
Der Zauberer von Oz Ein Rums weckte sie. Das Haus stand still. Dorothy nahm Toto auf den Arm, öffnete die Tür – und blieb staunend stehen. Vor ihr lag ein Land voller Blumen in allen Farben, mit klaren Bächen und mit Vögeln, wie sie noch nie welche gesehen hatte.

Auf sie zu kamen drei kleine Männer in blauen Hüten mit Glöckchen am Rand und eine winzige alte Frau ganz in Weiß. „Sei willkommen, edle Zauberin", sagte die alte Frau und verbeugte sich. „Wir danken dir, dass du die böse Hexe des Ostens getötet hast."

Dorothy erschrak. „Aber ich habe doch niemanden getötet!" Die Frau zeigte auf die Ecke des Hauses. Darunter schauten zwei Füße hervor, und an ihnen steckten silberne Schuhe mit spitzen Kappen. „Dein Haus ist auf sie gefallen", sagte die alte Frau. „Nun sind die Munchkins frei, die sie viele Jahre lang geknechtet hat."

Die alte Frau war die gute Hexe des Nordens. Von der bösen Hexe blieb nichts übrig als die silbernen Schuhe; die zog Dorothy an, denn ihre eigenen waren durchgelaufen.

„Ich möchte nichts weiter, als nach Kansas zurück", sagte Dorothy. „Zu Onkel Henry und Tante Em. Sie werden sich schrecklich sorgen."

„Das kann ich nicht", sagte die gute Hexe. „Aber geh in die Smaragdstadt. Dort wohnt der große Oz, und er ist mächtiger als wir alle." Sie küsste Dorothy auf die Stirn, und wo der Kuss saß, blieb ein leuchtendes Zeichen zurück. „Niemand wird es wagen, ein Kind anzurühren, das die gute Hexe des Nordens geküsst hat."

Dann zeigte sie auf eine Straße, die aus lauter gelben Ziegelsteinen gepflastert war. Dorothy nahm einen Korb mit Brot, setzte Toto neben sich und machte sich auf den Weg.
Der Zauberer von Oz Am ersten Tag kam Dorothy an einem großen Maisfeld vorbei. Mitten darin hing eine Vogelscheuche auf einer Stange, mit einem Kopf aus einem ausgestopften Sack und einem spitzen blauen Hut. Und plötzlich zwinkerte die Vogelscheuche ihr zu.

Dorothy hob sie von der Stange herunter. Die Vogelscheuche reckte sich und seufzte: „Ich bin nur aus Stroh. Ich habe kein Gehirn im Kopf, und deshalb hält mich jeder für dumm. Meinst du, der große Oz gibt mir eins?" – „Komm mit", sagte Dorothy, „fragen kostet nichts."

Im Wald hörten sie bald darauf ein tiefes Ächzen. Zwischen den Bäumen stand ein Mann, der ganz aus Blech war, die Axt erhoben, vollkommen unbeweglich. Der Regen hatte ihn eingerostet. Dorothy fand in seiner Hütte eine Ölkanne und ölte ihm Kiefer, Arme und Beine, bis er sich wieder rühren konnte.

„Ich danke euch", sagte der Blechmann. „Ein ganzes Jahr habe ich so dagestanden. Und wisst ihr, was mir am meisten fehlt? Ein Herz. Ohne Herz kann man nicht lieben, und ohne Liebe ist alles Blech nichts wert." Auch er ging mit.

Tiefer im Wald sprang ihnen mit einem Brüllen, dass die Blätter zitterten, ein großer Löwe entgegen. Er schlug mit der Tatze nach Toto – da lief Dorothy dazwischen und gab ihm einen Klaps auf die Nase. „Schäm dich! Ein so großes Tier, das einen kleinen Hund beißen will!"

Der Löwe senkte den Kopf, und dicke Tränen liefen ihm durch das Fell. „Ich weiß", schluchzte er. „Alle nennen mich den König der Tiere, aber in Wahrheit fürchte ich mich vor allem. Ich bin ein Feigling." – „Dann komm auch mit", sagte Dorothy.

So zogen sie zu viert die gelbe Straße entlang: das Mädchen, das nach Hause wollte, der Strohmann ohne Verstand, der Blechmann ohne Herz und der Löwe ohne Mut.
Der Zauberer von Oz Der Weg war nicht leicht. Sie überquerten eine tiefe Schlucht auf einem Baum, den der Blechmann fällte, und entkamen zwei zottigen Kalidas mit Bärenkörpern und Tigerköpfen. Sie bauten ein Floß und trieben über einen reißenden Fluss.

Dann kamen sie an ein Feld voll leuchtend roter Mohnblumen, das sich bis zum Horizont zog. Der Duft war süß und schwer, und wer zu lange darin blieb, schlief ein und wachte nie wieder auf. Dorothy wurden die Augen zu, sie sank ins Gras, Toto neben sie, und auch der große Löwe brach nieder. Die Vogelscheuche und der Blechmann aber konnten nicht einschlafen, denn Stroh wird nicht müde und Blech auch nicht. Sie trugen Dorothy und Toto ins Freie. Für den schweren Löwen bauten sie einen Karren, und tausend Feldmäuse zogen ihn aus den Blumen heraus – weil der Blechmann kurz zuvor ihre Königin gerettet hatte.

Endlich blitzte am Ende der gelben Straße etwas Grünes auf. Die Smaragdstadt! Am Tor gab ihnen der Wächter grüne Brillen und schloss sie hinten am Kopf ab. „Ohne die", sagte er, „würde euch der Glanz die Augen verbrennen." Und wirklich: Alles in der Stadt schimmerte grün – die Häuser, die Fenster, die Kleider, die Bonbons, sogar die Zitronen in den Auslagen.

Der große Oz empfing sie einzeln, einen nach dem anderen. Dorothy sah einen riesigen Kopf ohne Körper. Die Vogelscheuche sah eine wunderschöne Dame mit Flügeln. Der Blechmann sah ein schreckliches Untier mit fünf Armen. Der Löwe sah eine Kugel aus Feuer.

Doch alle vier hörten dieselbe Stimme, und die Stimme sagte dasselbe: „Ich erfülle euch euren Wunsch. Zuerst aber müsst ihr die böse Hexe des Westens besiegen."
Der Zauberer von Oz Traurig zogen die vier nach Westen. Die böse Hexe des Westens hatte nur ein einziges Auge, aber das sah so scharf wie ein Fernrohr, und schon von Weitem entdeckte sie die Wanderer.

Sie schickte ein Rudel grauer Wölfe – der Blechmann stellte sich mit seiner Axt vor die anderen, und kein Wolf kam durch. Sie schickte einen Schwarm wilder Krähen – die Vogelscheuche breitete die Arme aus, und die Krähen trauten sich nicht heran. Sie schickte schwarze Bienen – die zerbrachen ihre Stachel am harten Blech. Sie schickte ihre Soldaten, die Winkies – die liefen davon, als der Löwe sie anbrüllte.

Da holte die Hexe ihre goldene Kappe hervor. Wer sie besaß, durfte dreimal die geflügelten Affen rufen, und zweimal hatte sie den Wunsch schon gebraucht. Nun sprach sie die Zauberworte zum dritten Mal.

Die Affen kamen wie eine dunkle Wolke über die Hügel. Sie warfen den Blechmann in eine steinige Schlucht, zogen der Vogelscheuche das Stroh aus Rock und Ärmeln und banden den Löwen mit Stricken. Dorothy aber wagten sie nicht anzurühren, denn auf ihrer Stirn leuchtete das Zeichen des Kusses. Also trugen sie das Mädchen behutsam zur Hexe.

Dorothy musste in der Küche arbeiten, Töpfe scheuern und Feuer machen. Die Hexe aber sann Tag und Nacht darüber nach, wie sie ihr die silbernen Schuhe abnehmen könnte, denn in ihnen steckte eine große Zauberkraft. Weil sie sich vor dem Wasser fürchtete, kam sie nie nahe genug heran, wenn Dorothy sich wusch.

Eines Tages legte sie ihr heimlich eine Eisenstange in den Weg. Dorothy stolperte, und ein silberner Schuh flog der Hexe vor die Füße. „Der gehört jetzt mir!", lachte sie und zog ihn an.

Da wurde Dorothy zornig, wie sie noch nie zornig gewesen war. Sie griff nach dem Eimer, der neben ihr stand, und schüttete der Hexe das Wasser über den Kopf. Die Hexe schrie auf. „Sieh nur, was du getan hast! Ich schmelze!" Und wie brauner Zucker in heißem Wasser wurde sie kleiner und kleiner, bis auf dem Boden nichts mehr übrig war. Dorothy hob ihren Schuh auf und wusch die Dielen sauber.
Der Zauberer von Oz Die Winkies, die die Hexe so lange geknechtet hatte, jubelten vor Freude. Sie halfen Dorothy, den Blechmann aus der Schlucht zu holen, klopften ihn wieder gerade und polierten ihn blank, und sie stopften die Vogelscheuche mit frischem, sauberem Stroh. Dann fand Dorothy im Schrank der Hexe die goldene Kappe, setzte sie auf und rief die geflügelten Affen. Die trugen die vier Freunde über Berge und Flüsse zurück in die Smaragdstadt.

„Wir haben die Hexe des Westens besiegt", sagte Dorothy im Thronsaal. „Nun halte dein Wort." Die große Stimme wollte sie auf morgen vertrösten – da schnüffelte Toto in einer Ecke herum und stieß mit der Nase einen Wandschirm um. Dahinter stand ein kleiner, kahlköpfiger alter Mann mit einem runzligen Gesicht und sah sie erschrocken an.

„Bist du der große Oz?" – „Leider ja", sagte er kleinlaut. „Aber ich bin gar kein Zauberer. Ich war Bauchredner beim Zirkus und bin mit einem Ballon hierher verweht worden. Die Leute hielten mich für einen mächtigen Magier, und seitdem tue ich so. Bitte verratet mich nicht."

Böse war er nicht, nur ein Schwindler. Der Vogelscheuche füllte er den Kopf mit Kleie und Stecknadeln, damit sie scharfsinnig sei. Dem Blechmann setzte er ein Herz aus Seide und Sägemehl in die Brust. Dem Löwen gab er einen Becher, den der bis auf den Grund austrank. Und siehe da: Die drei glaubten daran – und darum wirkte es.

Für Dorothy nähte der alte Mann aus Seidenbahnen einen großen Ballon; gemeinsam wollten sie über die Wüste nach Hause fahren. Doch als der Ballon startete, riss sich Toto los und lief einer Katze nach, Dorothy hinterher – und die Seile rissen. Der Ballon stieg auf und war bald nur noch ein Punkt am Himmel.

Da wusste Dorothy nicht mehr weiter. Die Vogelscheuche blieb als Herrscher der Smaragdstadt zurück, der Blechmann ging später zu den Winkies, der Löwe wurde König der Tiere im großen Wald. Erst aber begleiteten sie Dorothy noch einmal, weit nach Süden, zu Glinda, der guten Hexe des Südens.

Glinda hörte alles an und lächelte. „Deine silbernen Schuhe hätten dich schon am ersten Tag nach Hause tragen können. Schlag die Absätze dreimal zusammen und sage ihnen, wohin du willst."

Dorothy umarmte ihre Freunde, den Löwen zuletzt und am längsten. Dann nahm sie Toto fest in den Arm, schlug die Absätze zusammen und sagte: „Bringt mich heim zu Tante Em!" Dreimal wirbelte sie durch die Luft – und dann saß sie im Gras der Prärie von Kansas, vor einem neu gebauten Farmhaus. Tante Em kam gerade aus der Tür, um die Kohlpflanzen zu gießen. Sie ließ die Kanne fallen und breitete die Arme aus. „Mein liebes, liebes Kind!", rief sie. „Wo in aller Welt bist du gewesen?"
Der Zauberer von Oz Die Moral von „Der Zauberer von Oz"

Dorothy zog los, um bei einem großen Zauberer zu holen, was ihren Freunden fehlte. Am Ende stellte sich heraus: Der Verstand, das Herz und der Mut waren die ganze Zeit schon da. Die Vogelscheuche hatte längst die klugen Einfälle gehabt, der Blechmann hatte längst geweint, wenn er aus Versehen einen Käfer zertrat, und der Löwe war jeder Gefahr entgegengetreten – auch wenn ihm dabei die Knie zitterten. Sie mussten nur einmal gebraucht werden, damit man sie sah.

Und Dorothy lernte noch etwas: Der schönste Ort der Welt ist nicht der glitzerndste. Er ist der, an dem jemand auf einen wartet.

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