Die kleine Meerjungfrau

Die kleine Meerjungfrau

Zusammenfassung: „Die kleine Meerjungfrau“ in drei Sätzen

Die kleine Meerjungfrau rettet einen Prinzen vor dem Ertrinken und verliebt sich in ihn.

Die Meerhexe gibt der kleinen Meerjungfrau Beine im Tausch gegen ihre wunderschöne Stimme.

Obwohl der Prinz die Meerjungfrau mag, heiratet er eine andere.

Die kleine Meerjungfrau – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 8 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Hans Christian Andersen, Dänemark 1837
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war einmal eine wunderschöne Meerjungfrau, die in einem prächtigen Schloss tief unten auf dem Meeresgrund lebte. Sie hatte eine bezaubernde Stimme und träumte davon, eines Tages die Welt über dem Wasser zu entdecken. Oft schwamm sie hinauf zur Oberfläche und lauschte den Geschichten ihrer Schwestern über die Menschen und ihre seltsamen Bräuche.

An ihrem 15. Geburtstag durfte die kleine Meerjungfrau endlich selbst auftauchen. Aufgeregt schwamm sie zur Oberfläche und sah zum ersten Mal den Himmel und die funkelnden Sterne. In der Ferne sah sie ein großes Schiff, auf dem eine rauschende Feier stattfand. Neugierig näherte sie sich dem Schiff und beobachtete fasziniert die tanzenden Menschen an Bord. Vor allem der gut aussehende Prinz, der seinen Geburtstag feierte, zog die Meerjungfrau in ihren Bann. Sie konnte ihre Augen nicht von ihm abwenden.
Die kleine Meerjungfrau Doch plötzlich zog ein gewaltiger Sturm auf und brachte das Schiff zum Kentern. Blitze zuckten über den Himmel und der Prinz stürzte in die tosenden Wellen. Ohne zu zögern, tauchte die mutige Meerjungfrau ihm hinterher und rettete ihn vor dem sicheren Ertrinken. Sie brachte den bewusstlosen Prinzen an den Strand, wo er kurz darauf von einem hübschen Mädchen gefunden wurde. Traurig verschwand die Meerjungfrau wieder in den Tiefen des Meeres.

Von nun an konnte die kleine Meerjungfrau nur noch an den Prinzen denken. Tag und Nacht sehnte sie sich danach, bei ihm zu sein. Sie wollte unbedingt ein Mensch werden, um an seiner Seite leben zu können. In ihrer Verzweiflung suchte sie schließlich die gefürchtete Meerhexe auf. „Ich werde dir Beine geben", versprach die Hexe mit einem hinterlistigen Lächeln, „aber jeder Schritt wird sich anfühlen, als ob du auf Messern läufst. Und wenn der Prinz eine andere heiratet, wirst du am nächsten Morgen zu Schaum auf dem Meer." Im Gegenzug für den Zaubertrank musste die Meerjungfrau der Hexe ihre wundervolle Stimme geben.
Die kleine Meerjungfrau Voller Hoffnung trank die Meerjungfrau den Trank und verwandelte sich in einen Menschen. Mit unsicheren Schritten ging sie an Land und fand den Prinzen, der von ihrer Anmut und Schönheit begeistert war. Obwohl sie stumm war, nahm er sie mit in sein prächtiges Schloss. Sie tanzten zusammen, lachten und wurden die besten Freunde. Doch der Prinz liebte ein anderes Mädchen, das er bald heiraten wollte. Die Hochzeit wurde verkündet und das ganze Königreich freute sich.

In der Nacht vor der Hochzeit tauchten plötzlich die Schwestern der Meerjungfrau auf und gaben ihr ein verzaubertes Messer. „Wenn du den Prinzen damit tötest, kannst du wieder eine Meerjungfrau werden", erklärten sie. Aber die Meerjungfrau brachte es nicht übers Herz, ihren geliebten Prinzen zu töten, obwohl er eine andere liebte. Sie warf das Messer ins Meer und stürzte sich hinterher.
Die kleine Meerjungfrau In der Nacht vor der Hochzeit stand die kleine Meerjungfrau allein an der Reling des Schiffes und schaute aufs Wasser. Da tauchten ihre fünf Schwestern aus den Wellen auf. Ihre langen Haare waren abgeschnitten.
„Wir haben unser Haar der Meerhexe gegeben“, sagten sie, „damit sie uns hilft.“ Und sie reichten ihr ein Messer. „Wenn du damit den Prinzen berührst, ehe die Sonne aufgeht, wirst du wieder eine Meerjungfrau und kannst zu uns zurückkommen. Beeil dich. Bevor die Sonne kommt.“
Die kleine Meerjungfrau nahm das Messer und ging leise zu dem Zelt, in dem der Prinz und seine Braut schliefen. Sie schob den Vorhang ein Stück beiseite. Der Prinz lächelte im Schlaf.
Sie stand lange da. Dann ließ sie die Hand sinken und ging wieder hinaus. Es gab Dinge, die sie nicht tun konnte – auch dann nicht, wenn es sie alles kostete.
Die kleine Meerjungfrau Als die Sonne über dem Meer aufging, ging die kleine Meerjungfrau an die Reling. Sie warf das Messer weit hinaus in die Wellen, sah ihm nach, wie es im Wasser rot aufblitzte – und dann sprang sie hinterher.
Sie spürte, wie ihr Körper leichter wurde. Nicht schwer, nicht kalt, nur leichter und leichter, so wie Nebel am Morgen leichter wird, wenn die Sonne darauf scheint.
Doch sie wurde nicht zu Schaum. Statt zu sinken, hob sie sich. Die Sonne wärmte ihr Gesicht, und um sie herum schwebten hunderte durchsichtige, wunderschöne Gestalten. Sie konnte sie sehen, aber die Menschen auf dem Schiff konnten es nicht.
„Wo bin ich?“, fragte die kleine Meerjungfrau – und erschrak, denn sie hörte ihre eigene Stimme. Nach all den Jahren des Schweigens konnte sie wieder sprechen.
Die kleine Meerjungfrau „Wer seid ihr?“, fragte die kleine Meerjungfrau. „Wir sind die Töchter der Luft“, antworteten sie. „Wir haben keine Flügel, aber wir können fliegen. Wir tragen den Dürren den Regen und den Kranken den Duft der Blumen ans Fenster.“
„Und warum darf ich zu euch?“ – „Weil du mit deinem ganzen Herzen etwas Gutes gewollt und dafür gelitten hast. Wer das tut, wird eine von uns.“
Die kleine Meerjungfrau flog höher. Unter ihr wurde das Schiff kleiner und kleiner. Sie sah den Prinzen und seine Braut noch einmal an, und diesmal tat es nicht mehr weh. Dann strich sie im Vorbeifliegen über ihre Stirn, ganz leicht, wie ein warmer Windhauch – und flog weiter, hinauf in die rosafarbenen Wolken.
Wenn ihr also einmal an einem Sommerabend einen warmen Wind spürt, der von nirgendwoher kommt: Vielleicht ist es sie.

Hinweis: „Die kleine Meerjungfrau“ wurde 1837 von Hans Christian Andersen in Dänemark geschrieben. Diese Fassung wurde durch uns modernisiert und für Kinder erzählt, folgt aber Andersens eigenem Schluss mit den Töchtern der Luft – nicht dem später erfundenen Happy End.
Die kleine Meerjungfrau Die Moral von „Die kleine Meerjungfrau“

Die kleine Meerjungfrau lehrt uns, dass wahre Liebe manchmal bedeutet, loszulassen. Auch wenn sie den Prinzen nicht für sich gewinnen konnte, rettete sie ihn selbstlos und fand ihr eigenes Glück. Ihre Güte und ihr reines Herz wurden belohnt: Sie wurde zu einem Luftgeist, der Gutes tun kann. Die Geschichte zeigt, dass Opferbereitschaft, Mut und Mitgefühl am Ende belohnt werden. Wenn wir anderen helfen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, finden wir wahre Erfüllung und inneren Frieden.

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