Die Schneekönigin

Die Schneekönigin

Zusammenfassung: „Die Schneekönigin“ in vier Sätzen

Kay wird von Splittern des Zauberspiegels getroffen, die sein Herz vereisen und seine Sicht verzerren, woraufhin ihn die Schneekönigin in ihr Reich entführt.

Gerda macht sich auf eine lange, abenteuerliche Reise, um ihren Freund Kay zu finden und trifft dabei auf viele Helfer, aber auch Hindernisse.

Im Schloss der Schneekönigin findet Gerda den frierende Kay, dessen Herz und Verstand von den Spiegelsplittern und der Kälte der Schneekönigin eingefroren sind.

Gerdas Tränen der Liebe schmelzen die Splitter und Kays Herz und gemeinsam kehren sie als Erwachsene in ihre Heimat zurück.

Die Schneekönigin – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 11 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Hans Christian Andersen, Dänemark 1844
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war einmal ein böser Troll, der einen Zauberspiegel erschaffen hatte. Dieser Spiegel ließ alles Gute und Schöne ganz klein und hässlich erscheinen. Eines Tages zerbrach der Spiegel in tausend Stücke und die Scherben verteilten sich in der ganzen Welt.

In einer großen Stadt lebten zwei Kinder, Kay und Gerda, die sich sehr lieb hatten. Sie verbrachten jede freie Minute zusammen, spielten im Garten und bewunderten die Rosen, die dort wuchsen. Doch eines Tages, als die ersten Schneeflocken vom Himmel fielen, bekam Kay einen Splitter des Zauberspiegels ins Auge und ins Herz. Von da an sah er alles verzerrt und fand nichts mehr schön, nicht einmal die Rosen oder Gerdas fröhliche Lieder. „Ach, das taugt doch alles nichts!", sagte er nur noch mürrisch.
Die Schneekönigin Später fuhr Kay alleine mit seinem Schlitten hinaus in den Schnee, immer weiter und weiter von zu Hause weg. Da erblickte er plötzlich eine wunderschöne Frau in einem weißen Pelzmantel – es war die Schneekönigin! Sie war von Kays Kälte und Gleichgültigkeit so angetan, dass sie beschloss, ihn mitzunehmen. In ihrem prächtigen Schlitten, der von weißen Schneehühnern gezogen wurde, brachte sie Kay in ihr eisiges Schloss im hohen Norden. Dort wurde sein Herz zu einem Klumpen Eis und er vergaß alles, was ihm einst lieb und teuer war. Die Schneekönigin Als Kay nicht zurückkehrte, wurde Gerda sehr traurig. Doch sie gab nicht auf. Im Frühling zog sie ihre neuen roten Schuhe an, ging hinunter zum Fluss und rief: „Ich schenke dir meine roten Schuhe, wenn du mir Kay wiedergibst!" Sie warf die Schuhe ins Wasser, doch die Wellen trugen sie nur zurück ans Ufer. Da stieg Gerda in ein Boot, und der Fluss nahm es mit und trug sie fort.

Das Boot legte an einem Garten an, in dem eine alte Frau wohnte, die ein wenig zaubern konnte. Sie kämmte Gerdas Haar mit einem goldenen Kamm, und dabei vergaß Gerda alles: Kay, ihr Zuhause, sogar ihren eigenen Namen. Damit sie nicht an ihren Freund erinnert wurde, ließ die alte Frau alle Rosen im Garten in der Erde versinken. Doch eines Tages entdeckte Gerda eine gemalte Rose auf dem Hut der Alten. Da fiel ihr alles wieder ein, und sie lief weinend davon.

Draußen war es längst Herbst geworden. Ein Rabe kam ihr entgegen. „Ich weiß vielleicht, wo dein Kay ist", krächzte er. „Im Schloss hat eine kluge Prinzessin einen Jungen gefunden." Der Rabe führte Gerda in der Nacht durch die Hintertreppen des Schlosses bis an das Bett des Prinzen. Aber als sie die Lampe hob, war es nicht Kay. Der Prinz und die Prinzessin waren gute Menschen: Sie gaben Gerda warme Kleider, Stiefel, einen Muff und eine Kutsche ganz aus Gold.

Doch die goldene Kutsche glänzte im dunklen Wald wie ein Stück Sonne, und Räuber überfielen sie. Eine wilde Räubertochter, so groß wie Gerda, packte sie am Arm. „Die wird meine Freundin", sagte sie. In der Räuberburg zeigte sie Gerda ihre Tauben und ihr altes Rentier. Und die Tauben gurrten: „Wir haben Kay gesehen. Er saß im Schlitten der Schneekönigin, hoch oben über dem Wald, auf dem Weg nach Lappland."
Die Schneekönigin Am nächsten Morgen schnitt die Räubertochter dem Rentier die Fessel durch. „Lauf", sagte sie, „und bring das Mädchen zum Schloss der Schneekönigin." Gerda setzte sich auf den Rücken des Rentiers, und fort ging es über Schnee und Moos, Tag und Nacht, bis die Nordlichter grün und rot am Himmel brannten.

Bei einer alten Lappländerin machten sie halt, und danach bei einer weisen Finnin, die in einer winzigen, heißen Stube wohnte. „Kannst du Gerda nicht eine Zauberkraft geben?", bat das Rentier. Die Finnin schüttelte den Kopf. „Stärker, als sie schon ist, kann ich sie nicht machen. Ihre Kraft sitzt in ihrem Herzen."

Das Rentier trug Gerda bis zu einem großen roten Busch am Rand der weiten Schneewüste. Dort setzte es sie ab, denn weiter durfte es nicht. Gerda stand allein im Schnee, ohne Schuhe, ohne Handschuhe. Da kam ihr der Schneesturm der Königin entgegen: Schneeflocken, die zu Igeln, zu Schlangen und zu Bären wurden. Gerda blieb stehen und sprach leise ein Gebet vor sich hin. Ihr Atem stieg auf und wurde in der eisigen Luft zu kleinen leuchtenden Gestalten, die vor ihr hermarschierten und die Schneetiere zerstoben ließen. So kam Gerda durch.

Im Schloss der Schneekönigin war es leer und still. Mitten in einem riesigen zugefrorenen See saß Kay. Er war blau vor Kälte und spürte es nicht. Vor ihm lagen flache Eisstücke, die schob er hin und her wie ein Puzzle. „Wenn ich daraus das Wort Ewigkeit lege", hatte die Schneekönigin gesagt, „dann bist du dein eigener Herr, und ich schenke dir die ganze Welt." Aber er schaffte es nicht. Und als Gerda vor ihm stand und seinen Namen rief, sah er sie nur an und erkannte sie nicht.
Die Schneekönigin Da weinte Gerda. Ihre heißen Tränen fielen auf Kays Brust, drangen bis in sein Herz und schmolzen das Eis darin. Kay sah sie an, und plötzlich erkannte er sie. „Gerda, liebe Gerda!", rief er. „Wo warst du nur so lange? Und wo bin ich gewesen?" Dann fing er selbst an zu weinen, und mit den Tränen spülte er den Spiegelsplitter aus seinem Auge.

Gerda küsste ihm die Wangen, und sie wurden wieder rot. Sie küsste ihm die Augen, und sie leuchteten wieder. Sie küsste ihm die Hände und die Füße, und er war wieder gesund und stark. Die beiden fassten sich an den Händen und liefen über den großen Eissee, und die flachen Eisstücke tanzten hinter ihnen her. Als sie liegen blieben, lagen sie so, dass sie das Wort bildeten, nach dem Kay so lange gesucht hatte: Ewigkeit.

Die Schneekönigin war weit fort in einem anderen Land. So gingen Kay und Gerda einfach zur Tür hinaus, und niemand hielt sie auf. Draußen wartete das Rentier und trug sie den ganzen langen Weg zurück bis an die Grenze des grünen Landes, wo die ersten Blätter sprossen.
Die Schneekönigin Unterwegs trafen sie die Räubertochter wieder, die inzwischen zu Pferd durch die Welt ritt. Sie erkannte Kay sofort. „Du bist mir ja ein schöner Herumtreiber", lachte sie und wollte alles wissen. Dann winkte sie ihnen nach und ritt weiter.

Hand in Hand gingen Kay und Gerda den letzten Weg nach Hause. Überall, wo sie vorbeikamen, schmolz der Schnee, Blumen sprossen aus der Erde und die Vögel begrüßten sie mit ihrem Gesang. Und als sie durch die vertraute Haustür traten und die Treppe hinaufstiegen, merkten sie, dass alles genau so war wie früher – nur sie selbst waren größer geworden.

Im warmen Sonnenschein saßen sie in ihrem Rosengarten, und die Rosen blühten bis ans offene Fenster hinauf. Es war Sommer, warmer, herrlicher Sommer. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzen sie noch heute dort und lesen sich Geschichten vor.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Die Schneekönigin" basiert auf dem Kunstmärchen von Hans Christian Andersen aus dem Jahr 1844. Sie wurde durch uns in eine zeitgemäße Sprache übertragen und kindgerecht angepasst, orientiert sich aber inhaltlich weitgehend am Original. Daher kann sie in Teilen Wertvorstellungen und Rollenbilder enthalten, die nicht mehr unserer heutigen Auffassung entsprechen.
Die Schneekönigin Die Moral von „Die Schneekönigin“

Gerda zeigt uns, dass man mit Mut, Entschlossenheit und einem reinen Herzen jedes Hindernis überwinden kann. Ihre bedingungslose Liebe zu Kay lässt sie nicht aufgeben, auch wenn der Weg schwierig und einsam ist. Am Ende schmilzt ihre Träne das Eis in Kays Herz und befreit ihn. Die Botschaft ist klar: Liebe ist die stärkste Macht von allen und hält auch den härtesten Prüfungen stand. Mit Mitgefühl und Güte finden wir immer einen Weg.

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