Die Schöne und das Biest

Die Schöne und das Biest

Zusammenfassung: „Die Schöne und das Biest" in drei Sätzen:

Als der Vater der Schönen auf der Heimreise eine einzige Rose aus einem verwunschenen Schlossgarten pflückt, verlangt das Biest dafür ein Leben – und die Schöne geht freiwillig an seiner Stelle.

Abend für Abend fragt das Biest sie: „Schöne, wollt Ihr meine Frau werden?", und Abend für Abend sagt sie Nein – bis sie merkt, dass sie sich auf diese Abende freut.

Erst als sie zu lange bei ihrer Familie bleibt und das Biest darüber fast stirbt, sagt sie Ja – und der Zauber bricht.

Die Schöne und das Biest – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 10 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Jeanne-Marie Leprince de Beaumont, Frankreich 1756
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war einmal ein reicher Kaufmann, der hatte drei Töchter. Die beiden älteren dachten den ganzen Tag an Kleider und Bälle. Die jüngste aber war so freundlich zu allen, dass die Leute sie nur die Schöne nannten.

Dann kam ein schlimmes Jahr. Die Schiffe des Kaufmanns gingen im Sturm verloren, das große Haus musste verkauft werden, und die Familie zog in ein kleines Häuschen weit draußen auf dem Land. Die älteren Schwestern jammerten von morgens bis abends. Die Schöne aber stand als Erste auf, machte Feuer, kochte und sang dabei.

Eines Tages kam Nachricht: Eines der verschollenen Schiffe war doch noch in den Hafen zurückgekehrt. Der Kaufmann machte sich sofort auf den Weg. „Was soll ich euch mitbringen?", fragte er. Die älteste wünschte sich ein Seidenkleid, die zweite eine Kette aus Perlen. „Und du, Schöne?" – „Bring mir eine Rose mit", sagte sie. „Hier draußen wächst keine einzige."
Die Schöne und das Biest In der Stadt aber war nichts zu holen. Das Schiff lag zwar im Hafen, doch fremde Leute hatten die Ladung längst an sich gebracht, und der Kaufmann machte sich ärmer auf den Heimweg, als er gekommen war.

Unterwegs überfiel ihn ein Schneesturm. Er verirrte sich im Wald, hörte Wölfe heulen und dachte schon, es sei um ihn geschehen. Da sah er zwischen den Bäumen ein Licht. Vor ihm lag ein Schloss mit offenem Tor. Im Saal brannte ein Feuer, auf dem Tisch stand ein warmes Essen, und im Stall fand sein Pferd Hafer und Stroh. Nur Menschen sah er keine. Er rief, er klopfte an Türen – nichts. Also aß er und legte sich schlafen.

Am Morgen lag frische Kleidung für ihn bereit, und die Sonne schien. Als er über den Hof ging, kam er an einer Rosenhecke vorbei, die mitten im Winter blühte. Da fiel ihm der Wunsch seiner jüngsten Tochter ein, und er brach eine einzige Rose ab.

Im selben Augenblick krachte es hinter ihm. Vor ihm stand ein Wesen, groß wie ein Bär und so furchtbar anzusehen, dass ihm die Rose aus der Hand fiel. „Undankbarer!", brüllte das Biest. „Ich habe dir das Leben gerettet, und du stiehlst mir meine Rosen." Zitternd erzählte der Kaufmann von seiner Tochter. Das Biest hörte zu und wurde ruhiger. „Gut. Du darfst nach Hause. Aber in drei Monaten kommst du zurück – oder eine deiner Töchter kommt an deiner Stelle, und zwar freiwillig. Und nimm die Truhe mit, die in deiner Kammer steht."

In der Truhe lag Gold.
Die Schöne und das Biest Zu Hause erzählte der Kaufmann alles. Die älteren Schwestern schrien und sagten, an allem sei die Schöne schuld mit ihrer albernen Rose. Die Schöne aber packte am nächsten Morgen ihre Sachen. „Ich gehe", sagte sie ruhig, „und niemand hält mich auf."

Im Schloss war ein Zimmer für sie hergerichtet. Über der Tür stand in goldenen Buchstaben: Zimmer der Schönen. Drinnen fand sie ein Regal voller Bücher, ein Klavier und einen großen Spiegel.

Am Abend um neun kam das Biest und setzte sich zu ihr an den Tisch, während sie aß. Es sprach langsam und freundlich, fragte, wie ihr Tag gewesen sei, und hörte wirklich zu. Und als sie fertig war, sagte es: „Schöne, wollt Ihr meine Frau werden?"

„Nein, Biest", sagte sie leise.

„Gute Nacht, Schöne", sagte das Biest und ging.

So ging es Abend für Abend. Und nach ein paar Wochen merkte die Schöne, dass sie sich auf neun Uhr freute.
Die Schöne und das Biest Eines Tages sah sie im großen Spiegel ihr Zuhause: Ihr Vater lag krank im Bett, und niemand kümmerte sich um ihn. Da bat sie das Biest, nach Hause zu dürfen.

Das Biest wurde ganz still. „Wenn du gehst, sterbe ich vor Kummer", sagte es. „Aber halten kann ich dich nicht. Hier ist ein Ring. Dreh ihn an deinem Finger, dann bist du zu Hause. Legst du ihn abends auf den Tisch, bist du am Morgen wieder hier. Bleib acht Tage, länger nicht."

Zu Hause wurde der Vater gesund, sobald er sie sah. Die Schwestern aber wurden gelb vor Neid, als sie das schöne Kleid und die Truhe voll Gold sahen. Sie beschlossen, die Schöne aufzuhalten, damit das Biest zornig würde. Heimlich rieben sie sich Zwiebeln in die Augen, weinten und hängten sich ihr an den Hals: „Nur noch einen Tag! Nur noch einen einzigen!"

Und die Schöne blieb. Einen Tag. Und noch einen. In der zehnten Nacht träumte sie vom Schlossgarten. Dort lag das Biest im Gras am Bach, rührte sich nicht und sah sie nur an.
Die Schöne und das Biest Die Schöne fuhr aus dem Schlaf, legte den Ring auf den Tisch – und stand im nächsten Augenblick im Schloss. Sie lief durch alle Säle und rief. Keine Antwort. Sie lief in den Garten hinunter, zum Bach – und dort lag es, genau wie im Traum.

Sie kniete nieder, schöpfte mit den Händen Wasser und benetzte ihm die Stirn. „Wach auf", weinte sie. „Wach auf, ich bin ja da." Das Biest schlug mühsam die Augen auf. „Du hast dein Wort vergessen", sagte es ganz leise. „Nun ist es gut. Ich sehe dich noch einmal."

„Du darfst nicht sterben!", rief die Schöne. „Erst hier habe ich gemerkt, wie sehr ich dich mag. Biest – ich will deine Frau werden."

Kaum hatte sie es gesagt, wurde der ganze Garten hell. Aus allen Fenstern des Schlosses schossen Lichter in den Himmel, Musik setzte ein, und wo eben noch das Biest gelegen hatte, richtete sich ein junger Mann auf und sah sie an.

„Du hast mich erlöst", sagte er. „Eine Fee hatte mich verwandelt, weil ich hochmütig war. Erst wenn jemand mich um meiner selbst willen liebt, sollte der Zauber brechen. Alle sahen nur mein Gesicht. Du hast zugehört."
Die Schöne und das Biest Im Schloss war plötzlich alles voller Menschen. Der Kaufmann kam, und auch die beiden Schwestern kamen. Da trat eine Fee aus dem Licht und sah die beiden lange an.

„Ihr habt eure Schwester belogen und aufgehalten", sagte sie. „Also sollt ihr am Tor stehen und zusehen, wie glücklich sie ist. Steinbilder sollt ihr bleiben, bis ihr selbst begreift, was ihr getan habt. Ich hoffe, das dauert nicht ewig."

Die Hochzeit wurde im Schlosshof gefeiert, mit Musik bis in die Nacht, und der Kaufmann tanzte mit seiner jüngsten Tochter, als wäre er wieder dreißig.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann blühen die Rosen dort noch heute, mitten im Winter.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Die Schöne und das Biest" folgt der bekannten Kurzfassung von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont aus dem Jahr 1756, die ihrerseits auf die weit längere Urfassung von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve von 1740 zurückgeht. Sie wurde durch uns modernisiert, orientiert sich aber inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Die Schöne und das Biest Die Moral des Märchens

„Die Schöne und das Biest“ lehrt uns, dass wahre Schönheit und Wert nicht in äußerlichen Erscheinungen zu finden sind, sondern im Herzen und Charakter eines Menschen. Es verdeutlicht die Bedeutung von Mitgefühl, Liebe und der Fähigkeit, über Vorurteile hinauszublicken. Die Geschichte ermutigt dazu, Güte und Liebe über das Äußere zu stellen und zeigt, wie solche Tugenden das Böse überwinden und sogar verzauberte Flüche brechen können. Dadurch wird das Leben aller Beteiligten bereichert und verwandelt.

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