Dornröschen

Dornröschen

Zusammenfassung: „Dornröschen“ in drei Sätzen

Dornröschen fiel an ihrem fünfzehnten Geburtstag in einen tiefen Schlaf, nachdem sie sich an einer verfluchten Spindel stach.

Der ganze Palast fiel mit ihr in den Schlaf, umgeben von einer undurchdringlichen Dornenhecke.

Nach hundert Jahren erweckte ein mutiger Prinz Dornröschen mit einem Kuss zum Leben, brach den Fluch und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Dornröschen – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 10 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen (KHM 50), ab 1812
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
  • Zuletzt überarbeitet: 7. September 2026

Hier beginnt das Märchen

Es war einmal ein König und eine Königin, die wünschten sich jeden Tag ein Kind und bekamen keines. Sie warteten ein Jahr, sie warteten zehn, und irgendwann hörten sie auf, davon zu sprechen.

Da geschah es, dass die Königin einmal im Bade saß und ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch. Er sagte zu ihr: „Dein Wunsch wird erfüllt werden. Ehe ein Jahr vergeht, wirst du eine Tochter zur Welt bringen.“

Und so kam es.

Als das Kind geboren war, war der König so froh, dass er ein großes Fest gab. Er lud alle ein: seine Verwandten, seine Freunde, die Nachbarn — und die weisen Frauen des Landes, damit sie dem Kind gute Gaben schenkten.

Es waren dreizehn weise Frauen im Königreich. Aber der König hatte nur zwölf goldene Teller, von denen sie essen konnten. Also blieb eine zu Hause.

Das Fest war wunderschön. Als es zu Ende ging, traten die weisen Frauen an die Wiege und beschenkten das Kind: die erste mit Tugend, die zweite mit Schönheit, die dritte mit Reichtum, und so ging es weiter, mit allem, was man sich auf der Welt nur wünschen kann.

Elf hatten gesprochen. Da ging plötzlich die Tür auf.

Herein kam die dreizehnte. Sie hatte sich nicht angezogen für das Fest. Sie ging bis zur Wiege, sah das Kind an und sagte, ohne die Stimme zu heben:

„Die Königstochter soll sich in ihrem fünfzehnten Jahr an einer Spindel stechen und tot hinfallen.“

Mehr sagte sie nicht. Sie drehte sich um und ging aus dem Saal, und niemand hielt sie auf.
Dornröschen Alle standen da und wussten nichts zu sagen.

Da trat die zwölfte weise Frau vor. Sie hatte ihren Wunsch noch nicht gesagt.

Aufheben konnte sie den bösen Spruch nicht — so etwas kann niemand rückgängig machen, nicht einmal die Weisen. Aber sie konnte ihn mildern.

„Es soll kein Tod sein“, sagte sie, „sondern ein tiefer Schlaf von hundert Jahren, in den die Königstochter fällt.“

Der König wollte sein Kind retten. Noch am selben Abend gab er den Befehl, dass jede Spindel im ganzen Königreich verbrannt werden solle. Die Boten ritten in alle Dörfer, und drei Tage lang brannten überall die Feuer. Danach gab es im ganzen Land keine Spindel mehr.

Und weil die Gaben der weisen Frauen wirkten, wuchs das Mädchen heran und war schön und freundlich und klug, und wer sie ansah, musste sie liebhaben.
Dornröschen Die Jahre vergingen, und Dornröschen wuchs zu einer schönen und gütigen Prinzessin heran. An ihrem fünfzehnten Geburtstag waren der König und die Königin nicht im Schloss. Dornröschen ging allein durch die Zimmer und Säle, bis sie zu einem alten Turm kam.
Sie stieg die enge Wendeltreppe hinauf und stand vor einer kleinen Tür. Im Schloss steckte ein verrosteter Schlüssel. Dornröschen drehte ihn um, die Tür sprang auf – und drinnen saß eine alte Frau und spann ihren Flachs.
„Guten Tag“, sagte Dornröschen. „Was machst du da?“ – „Ich spinne“, sagte die Alte und nickte mit dem Kopf. „Und was ist das für ein Ding, das so lustig herumspringt?“, fragte Dornröschen und griff nach der Spindel.
Kaum hatte sie die Spindel angefasst, stach sie sich in den Finger. Im selben Augenblick sank sie auf das Bett, das dort stand, und lag in tiefem Schlaf.
Und mit ihr schlief das ganze Schloss ein. Der König und die Königin, die gerade heimgekommen waren, schliefen im großen Saal ein, und der ganze Hofstaat mit ihnen. Die Pferde im Stall schliefen, die Hunde im Hof, die Tauben auf dem Dach und sogar die Fliegen an der Wand.
Das Feuer in der Küche hörte auf zu flackern, der Braten hörte auf zu brutzeln. Der Koch, der dem Küchenjungen gerade eine Ohrfeige geben wollte, blieb mit erhobener Hand stehen. Die Magd schlief vor dem Huhn ein, das sie rüpfen wollte. Und draußen legte sich der Wind, sodass sich kein Blättchen mehr rührte.
Rings um das Schloss aber fing eine Dornenhecke an zu wachsen. Jedes Jahr wurde sie höher, bis sie zuletzt das ganze Schloss umzog und darüber hinaus, sodass nicht einmal mehr die Fahne auf dem Dach zu sehen war.
Dornröschen Bald ging die Geschichte von dem schlafenden Mädchen durch das ganze Land. Die Leute nannten es nur noch Dornröschen, weil es hinter den Dornen lag.

Immer wieder kamen Königssöhne und wollten sich durch die Hecke schlagen. Doch die Dornen hielten fest zusammen wie Hände, die einander greifen, und keiner kam hindurch. Manche versuchten es mit dem Schwert, manche mit Feuer. Es half nichts. Die Hecke war stärker, und wer sich zu weit hineinwagte, blieb hängen und kam nicht mehr los.

Nach vielen, vielen Jahren kam wieder ein Königssohn in das Land. Ein alter Mann erzählte ihm von der Hecke und von dem Schloss dahinter, in dem alles schlief.

„Schon mein Großvater hat mir davon erzählt“, sagte er. „Und der hatte es von seinem Großvater. Es sind viele dorthin gegangen. Zurückgekommen ist keiner. Versuch es lieber nicht.“

Aber der Königssohn sagte: „Ich fürchte mich nicht. Ich will hin und das schöne Dornröschen sehen.“

Der Alte redete noch eine Weile auf ihn ein. Doch der Königssohn hörte gar nicht mehr zu. Er nahm sein Pferd und machte sich auf den Weg.
Dornröschen An dem Tag, an dem der junge Königssohn zur Hecke kam, waren die hundert Jahre gerade um. Und als er hinsah, war die Hecke voller großer, weißer Blüten. Sie tat sich von selbst auseinander und ließ ihn hindurch, ohne ihn zu verletzen. Hinter ihm schloss sie sich wieder.
Im Hof lagen die Pferde und die gefleckten Jagdhunde und schliefen. Auf dem Dach saßen die Tauben und hatten die Köpfchen unter die Flügel gesteckt. Kein einziges Blatt bewegte sich.
Im Haus schliefen die Fliegen an der Wand. In der Küche hielt der Koch noch immer die Hand in der Luft, als wollte er dem Küchenjungen eine Ohrfeige geben, und die Magd saß vor dem schwarzen Huhn, das sie gerade rüpfen wollte.
Der Königssohn ging weiter, immer weiter, bis er zu dem alten Turm kam. Er stieg die Wendeltreppe hinauf, öffnete die kleine Tür – und da lag Dornröschen und schlief.
Dornröschen Sie war so schön, dass der Königssohn die Augen nicht von ihr lassen konnte. Er bückte sich und gab ihr einen Kuss.
Kaum hatte er sie berührt, schlug Dornröschen die Augen auf, sah ihn an und lächelte. „Wie lange habe ich geschlafen?“, fragte sie. „Hundert Jahre“, sagte der Königssohn. Da richtete sie sich auf und sagte: „Dann wird es höchste Zeit, dass jemand aufsteht.“
Und in diesem Augenblick wachte das ganze Schloss auf.
Der König und die Königin standen auf und sahen sich verwundert um. Die Pferde im Hof schüttelten die Mähnen, die Hunde sprangen und wedelten, die Tauben auf dem Dach zogen die Köpfe unter den Flügeln hervor und flogen ins Feld.
In der Küche flackerte das Feuer wieder auf, und der Braten fing an zu brutzeln. Der Koch gab dem Küchenjungen endlich die Ohrfeige, die seit hundert Jahren in der Luft gehangen hatte, sodass der Junge laut aufschrie. Die Magd rüpfte das Huhn fertig, als wäre nichts gewesen. Draußen strich der Wind wieder über die Bäume, und die Fliegen an der Wand krabbelten weiter.
Dann wurde die Hochzeit von Dornröschen und dem Königssohn gefeiert. Und weil im Schloss hundert Jahre lang niemand etwas gefeiert hatte, dauerte das Fest besonders lang.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Dornröschen“ basiert auf der Erzählung von den Gebrüdern Grimm aus dem Jahr 1812. Sie wurde durch uns modernisiert, aber orientiert sich inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Dornröschen Die Moral von „Dornröschen“

Der König verbrennt jede Spindel im Land. Er tut alles, was ein Vater tun kann — und die eine Spindel, die er vergisst, steht ganz oben in einem Turm, an den seit Jahren niemand mehr gedacht hat.

Das ist der ehrlichste Satz dieses Märchens, und Eltern hören ihn anders als Kinder: Man kann nicht alles wegräumen. Irgendwo bleibt immer eine Tür, die offen steht.

Das Schöne ist, wie die Geschichte damit umgeht. Sie lässt das Unglück geschehen und danach die Welt einfach warten — hundert Jahre lang, mit der Hand des Kochs in der Luft und den Tauben mit dem Kopf unterm Flügel. Und dann geht es weiter, genau da, wo es aufgehört hat. Das ist ein tröstlicher Gedanke für ein Kind: Nicht alles, was schiefgeht, ist damit für immer vorbei.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Warum wird die dreizehnte weise Frau nicht eingeladen?

    Weil der König nur zwölf goldene Teller hat. Eine musste zu Hause bleiben — und ausgerechnet sie kommt trotzdem und spricht den Fluch aus.

  2. 2Wie lautet der Fluch, und wie wird er gemildert?

    Mit fünfzehn soll sich die Königstochter an einer Spindel stechen und tot hinfallen. Die zwölfte weise Frau hat ihre Gabe noch übrig: Sie kann den Spruch nicht aufheben, nur mildern — aus dem Tod wird ein Schlaf von hundert Jahren.

  3. 3Wo findet Dornröschen die Spindel?

    In einem alten Turm. Sie steigt die enge Wendeltreppe hinauf und öffnet mit einem verrosteten Schlüssel eine kleine Tür. Drinnen sitzt eine alte Frau und spinnt Flachs.

  4. 4Wer schläft alles mit ein?

    Das ganze Schloss: der König und die Königin, der Hofstaat, die Pferde im Stall, die Tauben auf dem Dach, sogar die Fliegen an der Wand. Das Feuer hört auf zu flackern, und der Koch bleibt mit erhobener Hand stehen.

  5. 5Warum kommt gerade dieser Königssohn durch die Hecke?

    Weil an genau diesem Tag die hundert Jahre um sind. Vor ihm sind viele in den Dornen hängen geblieben; für ihn steht die Hecke in weißen Blüten und öffnet sich von selbst.

Wörter aus der Geschichte

Spindel
der spitze Stab am Spinnrad, auf den der Faden gewickelt wird
weise Frauen
Feen — sie heißen so, weil sie in die Zukunft sehen können
Hofstaat
alle Menschen, die am Hof eines Königs leben und arbeiten
Wendeltreppe
eine Treppe, die sich nach oben dreht — meist in einem Turm
Dornenhecke
eine dichte Wand aus stacheligen Sträuchern

Zum Weitererzählen

  • Warum wurde die dreizehnte weise Frau nicht eingeladen – und war das gerecht?
  • Was hättest du gemacht, wenn du im Turm die alte Frau am Spinnrad gesehen hättest?
  • Wie sieht ein Schloss aus, in dem hundert Jahre lang niemand aufgeräumt hat?
  • Was macht der Koch, als alle wieder aufwachen?
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Inhaltsangabe: Dornröschen kurz zusammengefasst

In einem Satz: Eine Königstochter sticht sich an ihrem fünfzehnten Geburtstag an einer Spindel, fällt mit dem ganzen Schloss in einen hundertjährigen Schlaf und wird von einem Königssohn geweckt.

Anfang

Ein Königspaar wünscht sich jahrelang vergeblich ein Kind. Ein Frosch sagt der Königin die Geburt einer Tochter voraus. Zum Fest lädt der König die weisen Frauen des Landes ein — aber er hat nur zwölf goldene Teller, und so bleibt die dreizehnte zu Hause. Elf haben ihre guten Gaben verschenkt, da tritt die Übergangene herein und verflucht das Kind: Mit fünfzehn soll es sich an einer Spindel stechen und tot hinfallen. Die zwölfte weise Frau kann den Spruch nicht aufheben, nur mildern — aus dem Tod wird ein Schlaf von hundert Jahren. Der König lässt jede Spindel im Land verbrennen.

Mitte

An ihrem fünfzehnten Geburtstag ist Dornröschen allein im Schloss. Sie geht durch die Zimmer, findet einen alten Turm, steigt die Wendeltreppe hinauf und öffnet mit einem verrosteten Schlüssel eine kleine Tür. Drinnen sitzt eine alte Frau und spinnt. Dornröschen greift nach der Spindel, sticht sich und sinkt in den Schlaf — und mit ihr schläft das ganze Schloss ein: der Hofstaat, die Pferde, die Tauben auf dem Dach, sogar die Fliegen an der Wand. Der Koch bleibt mit erhobener Hand stehen. Um das Schloss wächst eine Dornenhecke, bis nicht einmal mehr die Fahne zu sehen ist. Viele Königssöhne versuchen hindurchzukommen und bleiben in den Dornen hängen.

Ende

Nach hundert Jahren kommt ein Königssohn ins Land. Ein alter Mann warnt ihn, doch er reitet los — und ausgerechnet an diesem Tag sind die hundert Jahre um. Die Hecke steht in weißen Blüten, öffnet sich von selbst und lässt ihn unverletzt hindurch. Er geht durch das schlafende Schloss bis in den Turm, findet Dornröschen und küsst sie. Sie schlägt die Augen auf, und im selben Augenblick erwacht alles: die Pferde schütteln die Mähnen, das Feuer flackert auf, der Koch gibt endlich die Ohrfeige, die hundert Jahre in der Luft hing. Die Hochzeit wird gefeiert.

Diese Inhaltsangabe folgt unserer Fassung für Kinder ab vier Jahren, etwa zehn Minuten Vorlesezeit. Sie geht auf die Brüder Grimm zurück (Kinder- und Hausmärchen Nr. 50, ab 1812); eine ältere französische Fassung schrieb Charles Perrault 1697 auf.

Dornröschen vorlesen – so wird der Abend rund

Dornröschen lebt vom Warten. Hundert Jahre lang passiert nichts, und genau das macht den Moment so groß, in dem die Hecke aufgeht. Beim Vorlesen lohnt es sich, an der Stelle mit dem Spinnrad langsamer zu werden und vor dem Kuss eine kleine Pause zu lassen – Kinder halten dort von selbst die Luft an. Für Kinder ab vier Jahren ist die Geschichte gut zu ertragen, weil die böse Fee schnell wieder verschwindet und danach nur noch geschlafen wird.

Woher Dornröschen kommt

Dornröschen steht als Nummer 50 in den „Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm, die ab 1812 erschienen. Ältere Verwandte gibt es aber schon vorher: Charles Perrault erzählte 1697 „La Belle au bois dormant", und noch früher, 1634, schrieb Giambattista Basile eine deutlich rauere Fassung auf.

Bei Grimm sind es zwölf weise Frauen, weil der König nur zwölf goldene Teller hat – ein Detail, das Kinder oft besser behalten als den Fluch selbst. Unsere Fassung folgt den Brüdern Grimm, ist aber sprachlich für heutige Vorleseabende geglättet.

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Häufige Fragen zu Dornröschen

Wie alt ist Dornröschen, als sie einschläft?

An ihrem fünfzehnten Geburtstag sticht sie sich an der Spindel. Sie schläft dann hundert Jahre – aufwachen tut sie, ohne einen Tag älter geworden zu sein.

Ab welchem Alter eignet sich Dornröschen zum Vorlesen?

Ab etwa vier Jahren. Zum Selberlesen ist die Geschichte ab ungefähr sieben Jahren gut geeignet.

Wie lange dauert das Vorlesen von Dornröschen?

Unsere Fassung dauert vorgelesen etwa zehn Minuten. Mit Pausen für Fragen und die Bilder werden daraus schnell fünfzehn.

Kann ich Dornröschen kostenlos ausdrucken?

Ja. Unter der Geschichte findest du einen Button für das PDF – kostenlos, ohne Anmeldung, zum Ausdrucken oder Mitnehmen.

Was ist die Moral von Dornröschen?

Dass sich Unglück nicht durch Verbote aus der Welt schaffen lässt: Der König lässt alle Spindeln im Land verbrennen – und trotzdem findet Dornröschen eine. Und dass manche Dinge einfach ihre Zeit brauchen.

Von wem stammt das Märchen Dornröschen?

Von den Brüdern Grimm, Kinder- und Hausmärchen Nummer 50, ab 1812. Eine ältere französische Fassung schrieb Charles Perrault 1697 auf.

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