Dornröschen

Dornröschen

Zusammenfassung: „Dornröschen“ in drei Sätzen

Dornröschen fiel an ihrem fünfzehnten Geburtstag in einen tiefen Schlaf, nachdem sie sich an einer verfluchten Spindel stach.

Der ganze Palast fiel mit ihr in den Schlaf, umgeben von einer undurchdringlichen Dornenhecke.

Nach hundert Jahren erweckte ein mutiger Prinz Dornröschen mit einem Kuss zum Leben, brach den Fluch und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Dornröschen – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 9 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen (KHM 50), ab 1812
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war einmal ein König und eine Königin, die wünschten sich nichts sehnlicher als ein Kind. Eines Tages ging dieser Wunsch in Erfüllung und sie bekamen eine wunderschöne Tochter. Zum Fest der Taufe luden sie zwölf weise Frauen des Königreichs ein, damit sie der Prinzessin gute Gaben schenken. Doch sie vergaßen, die dreizehnte weise Frau einzuladen, denn sie hatten nur zwölf goldene Teller für die Gäste. Diese dreizehnte weise Frau, gekränkt, dass sie nicht eingeladen wurde, kam dennoch und sprach einen Fluch über das Kind: An ihrem fünfzehnten Geburtstag sollte sie sich an einer Spindel stechen und tot umfallen. Dornröschen Eine der zwölf weisen Frauen, die ihren Wunsch noch nicht geäußert hatte, milderte den Fluch. Sie sagte, Dornröschen werde nicht sterben, sondern in einen tiefen Schlaf fallen, aus dem sie nach hundert Jahren durch den Kuss der wahren Liebe geweckt werden könne. Um seine Tochter zu schützen, befahl der König, dass alle Spindeln im Königreich verbrannt werden sollten. Dornröschen Die Jahre vergingen, und Dornröschen wuchs zu einer schönen und gütigen Prinzessin heran. An ihrem fünfzehnten Geburtstag waren der König und die Königin nicht im Schloss. Dornröschen ging allein durch die Zimmer und Säle, bis sie zu einem alten Turm kam.
Sie stieg die enge Wendeltreppe hinauf und stand vor einer kleinen Tür. Im Schloss steckte ein verrosteter Schlüssel. Dornröschen drehte ihn um, die Tür sprang auf – und drinnen saß eine alte Frau und spann ihren Flachs.
„Guten Tag“, sagte Dornröschen. „Was machst du da?“ – „Ich spinne“, sagte die Alte und nickte mit dem Kopf. „Und was ist das für ein Ding, das so lustig herumspringt?“, fragte Dornröschen und griff nach der Spindel.
Kaum hatte sie die Spindel angefasst, stach sie sich in den Finger. Im selben Augenblick sank sie auf das Bett, das dort stand, und lag in tiefem Schlaf.
Und mit ihr schlief das ganze Schloss ein. Der König und die Königin, die gerade heimgekommen waren, schliefen im großen Saal ein, und der ganze Hofstaat mit ihnen. Die Pferde im Stall schliefen, die Hunde im Hof, die Tauben auf dem Dach und sogar die Fliegen an der Wand.
Das Feuer in der Küche hörte auf zu flackern, der Braten hörte auf zu brutzeln. Der Koch, der dem Küchenjungen gerade eine Ohrfeige geben wollte, blieb mit erhobener Hand stehen. Die Magd schlief vor dem Huhn ein, das sie rüpfen wollte. Und draußen legte sich der Wind, sodass sich kein Blättchen mehr rührte.
Rings um das Schloss aber fing eine Dornenhecke an zu wachsen. Jedes Jahr wurde sie höher, bis sie zuletzt das ganze Schloss umzog und darüber hinaus, sodass nicht einmal mehr die Fahne auf dem Dach zu sehen war.
Dornröschen Bald ging die Geschichte von dem schlafenden Mädchen durch das ganze Land. Die Leute nannten es nur noch Dornröschen, weil es hinter den Dornen lag.
Immer wieder kamen Königssöhne und wollten sich durch die Hecke schlagen. Doch die Dornen hielten fest zusammen wie Hände, die einander greifen, und keiner kam hindurch.
Nach vielen, vielen Jahren kam wieder ein Königssohn in das Land. Ein alter Mann erzählte ihm von der Hecke und von dem Schloss dahinter, in dem alles schlief. „Schon mein Großvater hat mir davon erzählt“, sagte er. „Versuch es lieber nicht.“
Aber der Königssohn sagte: „Ich fürchte mich nicht. Ich will hin und das schöne Dornröschen sehen.“ Und er machte sich auf den Weg.
Dornröschen An dem Tag, an dem der junge Königssohn zur Hecke kam, waren die hundert Jahre gerade um. Und als er hinsah, war die Hecke voller großer, weißer Blüten. Sie tat sich von selbst auseinander und ließ ihn hindurch, ohne ihn zu verletzen. Hinter ihm schloss sie sich wieder.
Im Hof lagen die Pferde und die gefleckten Jagdhunde und schliefen. Auf dem Dach saßen die Tauben und hatten die Köpfchen unter die Flügel gesteckt. Kein einziges Blatt bewegte sich.
Im Haus schliefen die Fliegen an der Wand. In der Küche hielt der Koch noch immer die Hand in der Luft, als wollte er dem Küchenjungen eine Ohrfeige geben, und die Magd saß vor dem schwarzen Huhn, das sie gerade rüpfen wollte.
Der Königssohn ging weiter, immer weiter, bis er zu dem alten Turm kam. Er stieg die Wendeltreppe hinauf, öffnete die kleine Tür – und da lag Dornröschen und schlief.
Dornröschen Sie war so schön, dass der Königssohn die Augen nicht von ihr lassen konnte. Er bückte sich und gab ihr einen Kuss.
Kaum hatte er sie berührt, schlug Dornröschen die Augen auf, sah ihn an und lächelte. „Wie lange habe ich geschlafen?“, fragte sie. „Hundert Jahre“, sagte der Königssohn. Da richtete sie sich auf und sagte: „Dann wird es höchste Zeit, dass jemand aufsteht.“
Und in diesem Augenblick wachte das ganze Schloss auf.
Der König und die Königin standen auf und sahen sich verwundert um. Die Pferde im Hof schüttelten die Mähnen, die Hunde sprangen und wedelten, die Tauben auf dem Dach zogen die Köpfe unter den Flügeln hervor und flogen ins Feld.
In der Küche flackerte das Feuer wieder auf, und der Braten fing an zu brutzeln. Der Koch gab dem Küchenjungen endlich die Ohrfeige, die seit hundert Jahren in der Luft gehangen hatte, sodass der Junge laut aufschrie. Die Magd rüpfte das Huhn fertig, als wäre nichts gewesen. Draußen strich der Wind wieder über die Bäume, und die Fliegen an der Wand krabbelten weiter.
Dann wurde die Hochzeit von Dornröschen und dem Königssohn gefeiert. Und weil im Schloss hundert Jahre lang niemand etwas gefeiert hatte, dauerte das Fest besonders lang.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Dornröschen“ basiert auf der Erzählung von den Gebrüdern Grimm aus dem Jahr 1812. Sie wurde durch uns modernisiert, aber orientiert sich inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Dornröschen Die Moral von „Dornröschen“

Die Geschichte von Dornröschen zeigt, dass wahre Liebe und Güte mächtiger sind als das größte Unheil oder der stärkste Fluch. Trotz der besten Absichten der Eltern und der Vorsichtsmaßnahmen, die sie trafen, um ihr Kind zu schützen geht das Schicksal oft seinen eigenen Weg. Doch am Ende kann eine Aktion, die von einem reinen Herzen wahrer Liebe lebt – wie der Kuss des Prinzen – selbst die tiefsten Wunden heilen und den finstersten Zauberspruch brechen. Die Geschichte betont die Kraft der Geduld und des Durchhaltens. Selbst hundert Jahre Wartezeit können überwunden werden, wenn am Ende die Hoffnung und die Liebe triumphieren.

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