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Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.
Sie kämmt ihm mit einem goldenen Kamm das verfilzte Haar und streicht dabei drei feuerrote Haare so geschickt in die Locken, dass kein Mensch sie mehr sieht. „Nun wird die Welt dich endlich freundlich ansehen.“
Sagt jemand in seiner Nähe etwas Kluges, spielt etwas Schönes oder tut etwas Gutes, sind alle überzeugt, Zinnober habe es getan. Stellt er selbst etwas Dummes an, schieben es alle auf einen anderen.
Er liest sein Gedicht mit warmer Stimme vor, und als der letzte Vers verklungen ist, bricht großer Beifall los — aber alle drängen sich um ein winziges Männchen im goldbestickten Rock und rufen: „Herr Zinnober, Sie sind ein Genie!“
Keinen gefeierten Minister, sondern ein winziges Wesen mit viel zu großem Kopf, das mit den Ärmchen rudert, während ringsherum die Leute klatschen. Und er verrät, dass drei feuerrote Haare schuld sind.
Beim Verlobungsfest hält Fabian den Kleinen von hinten fest, und Balthasar reißt ihm die drei Haare aus und wirft sie ins Kaminfeuer. Es zischt, ein blauer Blitz — und im stillen Saal steht nur noch ein erschrockenes Männchen im viel zu großen Rock.
Band 1 – Die magische Rüstung der Drachenfelsen
Ritter Emil und Zauberer Henry sind Brüder: der eine geht voran, der andere denkt nach. In Band 1 finden sie an den Drachenfelsen eine Rüstung, die nur trägt, wer sie sich verdient hat. Der Einstieg in die Reihe.
Oder gleich alle sechs Bände: 79,00 € statt 90,00 €In einem Satz: Eine Fee schenkt einem verwachsenen Kind drei unsichtbare Zauberhaare, die ihm alles Gute zuschreiben, das andere tun — bis der Student Balthasar sie ihm mitten im Verlobungsfest ausreißt.
In einem kleinen, aufgeklärten Fürstentum sitzt die arme Bauersfrau Liese am Wegrand, neben ihr im Gras ihr Kind: ein winziges, verwachsenes Ding mit viel zu großem Kopf, das nicht sprechen, nur fauchen und murren kann. Die Leute nennen es Klein Zaches, und keiner mag es. Da kommt Fräulein von Rosenschön vorbei — in Wahrheit eine Fee, aber daran glaubt hier niemand mehr. Das schlafende Kind tut ihr leid. Sie kämmt ihm mit einem goldenen Kamm das verfilzte Haar und streicht dabei drei feuerrote Haare mitten auf dem Kopf so geschickt in die Locken, dass sie kein Mensch mehr sieht. „Nun wird die Welt dich endlich freundlich ansehen“, sagt sie — und ahnt nicht, was sie angerichtet hat.
Der Zauber wirkt so: Sagt jemand in der Nähe des Kleinen etwas Kluges, spielt etwas Schönes oder tut etwas Gutes, sind alle überzeugt, Klein Zaches habe es getan. Und stellt er selbst etwas Dummes an, schieben es alle auf einen anderen. Der Student Balthasar liest im Haus von Professor Mosch Terpin sein Gedicht vor — und der Beifall gilt einem winzigen Männchen im goldbestickten Rock, das man jetzt Zinnober nennt. Ein berühmter Geiger spielt, und Zinnober wird auf die Schultern gehoben. Wer widerspricht, wird ausgelacht: Balthasars Freund Fabian bemerkt auf dem Heimweg, dass seine Ärmel immer kürzer werden. Der Fürst macht Zinnober zum Minister und hängt ihm den Orden des grün gefleckten Tigers mit zwanzig Knöpfen um. Und Candida, die Balthasar so gern hatte, lächelt nur noch Zinnober an.
Im Wald findet Doktor Prosper Alpanus den verzweifelten Balthasar — ebenfalls ein Zauberer, von dem niemand etwas weiß. Er stellt eine Schale Wasser auf den Tisch: Darin zappelt kein gefeierter Minister, sondern ein winziges Wesen mit viel zu großem Kopf, während ringsherum die Leute klatschen. Drei feuerrote Haare seien schuld; wer sie ausreißt und ins Feuer wirft, beendet den Spuk. Am Abend des Verlobungsfests hält Fabian den Kleinen fest, und Balthasar fährt ihm in die Locken. Es zischt, die Haare verbrennen mit einem blauen Blitz — und im stillen Saal steht auf dem Schemel nur noch ein erschrockenes Männchen in einem viel zu großen Rock. Zinnober flieht, und am Wegrand hebt ihn seine Mutter auf den Arm: zum ersten Mal seit langem weder Minister noch Genie, sondern einfach ihr Kind.
Unsere Fassung folgt der Erzählung von E. T. A. Hoffmann (1819) in moderner, vorlesefreundlicher Sprache.
Hoffmanns Geschichte ist die frechste in dieser Sammlung: Ein winziger, hässlicher Wicht bekommt drei goldene Haare geschenkt, und von da an schreibt jeder ihm zu, was andere geleistet haben. Kinder ab sechs finden das ungeheuer komisch und ungeheuer ungerecht – beides gleichzeitig. Beim Vorlesen lohnt es sich, an den Stellen zu pausieren, an denen wieder jemand Zinnober lobt: Das Kind protestiert von selbst.
E. T. A. Hoffmann veröffentlichte „Klein Zaches genannt Zinnober" 1819. Es ist ein Kunstmärchen der Romantik und zugleich eine Satire: Hoffmann zielte auf eine Gesellschaft, in der Ansehen mehr zählt als Leistung.
Für Kinder funktioniert das auch ohne den historischen Hintergrund, weil sie das Grundgefühl genau kennen – aus Kindergarten und Schule. Unsere Fassung erzählt die Handlung nach und lässt die politischen Spitzen weg, die heute niemand mehr versteht.
Weiter mit Das fremde Kind und Der Nussknacker und der Mäusekönig, beide von E. T. A. Hoffmann, sowie Das hässliche Entlein. Danach: Gute-Nacht-Geschichten. Alles Weitere: alle 274 Kindergeschichten.
Eine Fee schenkt einem winzigen, verwachsenen Kind drei goldene Haare. Von da an schreibt jeder ihm zu, was andere geleistet haben – bis jemand die Haare entdeckt.
Ab etwa sechs Jahren. Der Witz liegt in der Ungerechtigkeit, und die muss man verstehen können.
Etwa neun Minuten.
Von E. T. A. Hoffmann, 1819.
Zinnober ist ein leuchtend rotes Farbpulver. Als Spottname steht er hier für etwas, das grell wirkt und wenig dahinter hat.
Dass Ansehen und Leistung nicht dasselbe sind – und dass eine Menge Leute mitmachen müssen, damit eine Täuschung so lange hält.