Klein Zaches genannt Zinnober

Klein Zaches genannt Zinnober

Zusammenfassung: „Klein Zaches genannt Zinnober" in drei Sätzen

Eine Fee hat Mitleid mit dem winzigen, verwachsenen Klein Zaches und kämmt ihm drei feuerrote Zauberhaare ins Haar – von da an schreiben alle Leute ihm zu, was andere Kluges und Schönes tun.

Der Student Balthasar verliert dadurch sein Gedicht, seinen Beifall und beinahe seine Candida an den kleinen Zinnober, der es sogar bis zum Minister bringt.

Erst als Balthasar die drei Haare ausreißt und verbrennt, sehen alle wieder klar – und Zaches darf endlich einfach das Kind seiner Mutter sein.

Klein Zaches genannt Zinnober – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 9 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: E. T. A. Hoffmann, 1819
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
  • Zuletzt überarbeitet: 7. September 2026

Hier beginnt das Märchen

Es war einmal ein kleines Fürstentum, in dem alles seine Ordnung hatte. An einem heißen Sommertag saß dort am Wegrand eine arme Bauersfrau namens Liese und ruhte sich aus. Neben ihr im Gras lag ihr Kind. Es war ein winziges, verwachsenes Ding mit einem viel zu großen Kopf und struppigem Haar, kaum größer als ein Kohlkopf. Sprechen konnte es nicht, nur fauchen und murren. Die Leute im Dorf nannten es Klein Zaches, und keiner von ihnen mochte es besonders.

Da kam eine vornehme Dame den Weg entlang, Fräulein von Rosenschön aus dem Stift. In Wahrheit war sie eine Fee, aber davon wusste in diesem aufgeklärten Fürstentum niemand mehr etwas. Sie sah das schlafende Kind, und es tat ihr leid. Sie nahm einen goldenen Kamm aus der Tasche und kämmte dem Kleinen ganz behutsam das verfilzte Haar. Dabei strich sie ihm drei feine, feuerrot leuchtende Haare mitten auf dem Kopf glatt und kämmte sie so geschickt in die Locken hinein, dass sie kein Mensch mehr sehen konnte.

„So", sagte sie leise. „Nun wird die Welt dich endlich freundlich ansehen." Dann ging sie weiter und ahnte nicht, was für ein Unheil sie damit angerichtet hatte.
Klein Zaches genannt Zinnober Denn der Zauber der drei Haare war ein besonderer. Von nun an geschah Folgendes: Wenn irgendwo in der Nähe von Klein Zaches jemand etwas Kluges sagte, etwas Schönes spielte oder etwas Gutes tat, dann waren alle überzeugt, Klein Zaches habe es getan. Und wenn Klein Zaches selbst etwas Dummes anstellte, schoben es alle auf einen anderen.

In der Stadt lebte ein Student namens Balthasar. Er schrieb Gedichte, wanderte gern durch den Wald und war in Candida verliebt, die Tochter von Professor Mosch Terpin. Eines Abends las Balthasar in Terpins Haus sein neuestes Gedicht vor. Er las gut, mit warmer Stimme, und als der letzte Vers verklungen war, brach großer Beifall los.

Nur klatschte niemand ihm zu. Alle drängten sich um ein winziges Männchen im goldbestickten Rock, das auf einem Stuhl in der Ecke saß und die Beinchen baumeln ließ. „Welch ein Dichter!", riefen sie. „Herr Zinnober, Sie sind ein Genie!" Denn so nannten sie Klein Zaches jetzt: Zinnober.

Balthasar stand da, sein Blatt Papier noch in der Hand, und begriff die Welt nicht mehr.
Klein Zaches genannt Zinnober Es wurde immer schlimmer. Ein berühmter Geiger gab ein Konzert und spielte so schön, dass die Zuhörer die Augen schlossen. Als der letzte Ton verklungen war, hob man Zinnober auf die Schultern. Balthasars Freund Fabian rief laut, das sei doch Unsinn – und wurde dafür ausgelacht. Auf dem Heimweg merkte Fabian, dass die Ärmel seines Rocks immer kürzer wurden, bis sie ihm an den Ellenbogen endeten, und alle zeigten mit dem Finger auf ihn.

Zinnober aber stieg und stieg. Der Fürst machte ihn zum Minister und hängte ihm den Orden des grün gefleckten Tigers um, mit zwanzig Knöpfen. Der Hofschneider verzweifelte beinahe, denn auf Zinnobers winzigem Brüstchen war für zwanzig Knöpfe gar kein Platz.

Und Candida, die Balthasar so gern gehabt hatte, sah nur noch Zinnober an und lächelte ihn an, als wäre er der schönste Mensch der Welt.

Da wurde Balthasar so traurig, dass er in den Wald hinauslief, sich unter einen Baum setzte und nicht mehr wusste, was er tun sollte.
Klein Zaches genannt Zinnober Dort fand ihn ein alter Herr, der in einem Häuschen am Waldrand wohnte und sich Doktor Prosper Alpanus nannte. Auch er war in Wahrheit ein Zauberer, aber auch das wusste niemand.

Er führte Balthasar in sein Zimmer, stellte eine glatte, glänzende Schale voll Wasser auf den Tisch und sagte: „Sieh hinein." Balthasar sah hinein – und im Wasser stand kein gefeierter Minister. Da zappelte ein winziges Wesen mit einem viel zu großen Kopf und ruderte mit den Ärmchen, während ringsherum die Leute klatschten und riefen.

„Er kann nichts dafür", sagte Prosper Alpanus. „Auf seinem Kopf wachsen drei feuerrote Haare. Solange sie dort sitzen, gehört ihm alles, was andere Gutes tun. Reiß sie heraus und wirf sie ins Feuer, dann ist der Spuk vorbei. Aber du musst schnell sein – sind sie erst einmal draußen, kann sie kein Mensch wieder einsetzen."

Balthasar bedankte sich, lief zurück in die Stadt und holte Fabian. Am nächsten Abend war im Haus des Professors ein großes Fest: Zinnober und Candida sollten Verlobung feiern.
Klein Zaches genannt Zinnober Die Kerzen brannten, die Gläser klangen, und mitten im Saal stand Zinnober auf einem Schemel, damit man ihn überhaupt sehen konnte. Balthasar und Fabian drängten sich zwischen den Gästen hindurch. Fabian packte den Kleinen von hinten, Balthasar fuhr ihm mit beiden Händen in die Locken – und riss die drei feuerroten Haare heraus.

Es zischte, als hätte jemand Wasser auf eine heiße Herdplatte gegossen. Balthasar warf die Haare in den Kamin, wo sie mit einem kleinen blauen Blitz verbrannten.

Im selben Augenblick wurde es still im Saal. Die Gäste sahen sich um, sahen einander an und sahen dann auf den Schemel. Dort stand kein bewunderter Minister mehr. Dort stand ein winziges, erschrockenes Männchen in einem viel zu großen Rock mit zwanzig Knöpfen.

„Wer ist denn das?", fragte jemand. Und dann lachte die ganze Gesellschaft. Zinnober sprang vom Schemel, huschte zwischen den Beinen der Gäste hindurch und war zur Tür hinaus.
Klein Zaches genannt Zinnober Er lief und lief, bis die Häuser hinter ihm klein wurden. Am Wegrand aber saß seine Mutter Liese, die ihn schon lange gesucht hatte. Sie hob ihn auf den Arm und trug ihn nach Hause, und zum ersten Mal seit langer Zeit war er nicht Minister und nicht Genie, sondern einfach nur ihr Kind.

Fräulein von Rosenschön hörte davon und kam noch einmal vorbei. Zaubern wollte sie nicht mehr, das hatte sie gelernt. Stattdessen schenkte sie der Mutter einen Sack Zwiebeln, die so süß und so golden waren, dass sie auf jedem Markt sofort verkauft waren. Von da an mussten die beiden nicht mehr hungern.

Balthasar aber bekam sein Gedicht zurück, seinen Beifall – und Candida dazu. Sie heirateten im Sommer, und Doktor Prosper Alpanus schenkte ihnen ein Häuschen, in dem der Kohl auch ohne Gießen wuchs und die Suppe von selbst nicht anbrannte. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wohnen sie noch heute darin.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Klein Zaches genannt Zinnober" basiert auf der Erzählung von E. T. A. Hoffmann aus dem Jahr 1819. Sie wurde durch uns modernisiert, orientiert sich aber inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Klein Zaches genannt Zinnober Moral des Märchens

Die Geschichte von Klein Zaches, auch Zinnober genannt, lehrt uns, dass echte Anerkennung und Bewunderung durch eigene Anstrengungen und wahre Taten verdient werden müssen, nicht durch Tricks oder Zauberei. Es zeigt uns auch, wie wichtig es ist, ehrlich und mutig zu sein, um die Wahrheit aufzudecken, selbst wenn es schwierig ist. Am Ende lernen alle, dass wahre Talente und gute Taten von einem selbst kommen müssen und wie wertvoll Ehrlichkeit und Authentizität sind.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was schenkt die Fee dem Kind am Wegrand?

    Sie kämmt ihm mit einem goldenen Kamm das verfilzte Haar und streicht dabei drei feuerrote Haare so geschickt in die Locken, dass kein Mensch sie mehr sieht. „Nun wird die Welt dich endlich freundlich ansehen.“

  2. 2Wie wirkt der Zauber der drei Haare?

    Sagt jemand in seiner Nähe etwas Kluges, spielt etwas Schönes oder tut etwas Gutes, sind alle überzeugt, Zinnober habe es getan. Stellt er selbst etwas Dummes an, schieben es alle auf einen anderen.

  3. 3Was passiert Balthasar bei der Lesung?

    Er liest sein Gedicht mit warmer Stimme vor, und als der letzte Vers verklungen ist, bricht großer Beifall los — aber alle drängen sich um ein winziges Männchen im goldbestickten Rock und rufen: „Herr Zinnober, Sie sind ein Genie!“

  4. 4Was zeigt Prosper Alpanus dem Studenten in der Wasserschale?

    Keinen gefeierten Minister, sondern ein winziges Wesen mit viel zu großem Kopf, das mit den Ärmchen rudert, während ringsherum die Leute klatschen. Und er verrät, dass drei feuerrote Haare schuld sind.

  5. 5Wie endet der Zauber?

    Beim Verlobungsfest hält Fabian den Kleinen von hinten fest, und Balthasar reißt ihm die drei Haare aus und wirft sie ins Kaminfeuer. Es zischt, ein blauer Blitz — und im stillen Saal steht nur noch ein erschrockenes Männchen im viel zu großen Rock.

Wörter aus der Geschichte

Zinnober
ein leuchtend rotes Farbpulver — hier der neue Name des Kleinen
Fee
ein Zauberwesen; diese hier hat Mitleid und meint es gut
Minister
ein hoher Beamter, der einem Fürsten beim Regieren hilft
Orden
ein Ehrenzeichen zum Anstecken — Zinnober bekommt eines mit zwanzig Knöpfen
Genie
jemand mit einer außergewöhnlichen Begabung

Zum Weitererzählen

  • Warum merkt niemand, dass Zinnober die Sachen gar nicht gemacht hat?
  • War es freundlich von der Fee, ihm die drei Haare zu schenken?
  • Kennst du das, dass jemand anderes für etwas gelobt wird, das du gemacht hast?
  • Was müsste passieren, damit alle es merken?
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Inhaltsangabe: „Klein Zaches genannt Zinnober“ kurz zusammengefasst

In einem Satz: Eine Fee schenkt einem verwachsenen Kind drei unsichtbare Zauberhaare, die ihm alles Gute zuschreiben, das andere tun — bis der Student Balthasar sie ihm mitten im Verlobungsfest ausreißt.

Anfang

In einem kleinen, aufgeklärten Fürstentum sitzt die arme Bauersfrau Liese am Wegrand, neben ihr im Gras ihr Kind: ein winziges, verwachsenes Ding mit viel zu großem Kopf, das nicht sprechen, nur fauchen und murren kann. Die Leute nennen es Klein Zaches, und keiner mag es. Da kommt Fräulein von Rosenschön vorbei — in Wahrheit eine Fee, aber daran glaubt hier niemand mehr. Das schlafende Kind tut ihr leid. Sie kämmt ihm mit einem goldenen Kamm das verfilzte Haar und streicht dabei drei feuerrote Haare mitten auf dem Kopf so geschickt in die Locken, dass sie kein Mensch mehr sieht. „Nun wird die Welt dich endlich freundlich ansehen“, sagt sie — und ahnt nicht, was sie angerichtet hat.

Mitte

Der Zauber wirkt so: Sagt jemand in der Nähe des Kleinen etwas Kluges, spielt etwas Schönes oder tut etwas Gutes, sind alle überzeugt, Klein Zaches habe es getan. Und stellt er selbst etwas Dummes an, schieben es alle auf einen anderen. Der Student Balthasar liest im Haus von Professor Mosch Terpin sein Gedicht vor — und der Beifall gilt einem winzigen Männchen im goldbestickten Rock, das man jetzt Zinnober nennt. Ein berühmter Geiger spielt, und Zinnober wird auf die Schultern gehoben. Wer widerspricht, wird ausgelacht: Balthasars Freund Fabian bemerkt auf dem Heimweg, dass seine Ärmel immer kürzer werden. Der Fürst macht Zinnober zum Minister und hängt ihm den Orden des grün gefleckten Tigers mit zwanzig Knöpfen um. Und Candida, die Balthasar so gern hatte, lächelt nur noch Zinnober an.

Ende

Im Wald findet Doktor Prosper Alpanus den verzweifelten Balthasar — ebenfalls ein Zauberer, von dem niemand etwas weiß. Er stellt eine Schale Wasser auf den Tisch: Darin zappelt kein gefeierter Minister, sondern ein winziges Wesen mit viel zu großem Kopf, während ringsherum die Leute klatschen. Drei feuerrote Haare seien schuld; wer sie ausreißt und ins Feuer wirft, beendet den Spuk. Am Abend des Verlobungsfests hält Fabian den Kleinen fest, und Balthasar fährt ihm in die Locken. Es zischt, die Haare verbrennen mit einem blauen Blitz — und im stillen Saal steht auf dem Schemel nur noch ein erschrockenes Männchen in einem viel zu großen Rock. Zinnober flieht, und am Wegrand hebt ihn seine Mutter auf den Arm: zum ersten Mal seit langem weder Minister noch Genie, sondern einfach ihr Kind.

Unsere Fassung folgt der Erzählung von E. T. A. Hoffmann (1819) in moderner, vorlesefreundlicher Sprache.

Klein Zaches genannt Zinnober vorlesen – so wird der Abend rund

Hoffmanns Geschichte ist die frechste in dieser Sammlung: Ein winziger, hässlicher Wicht bekommt drei goldene Haare geschenkt, und von da an schreibt jeder ihm zu, was andere geleistet haben. Kinder ab sechs finden das ungeheuer komisch und ungeheuer ungerecht – beides gleichzeitig. Beim Vorlesen lohnt es sich, an den Stellen zu pausieren, an denen wieder jemand Zinnober lobt: Das Kind protestiert von selbst.

Woher Klein Zaches kommt

E. T. A. Hoffmann veröffentlichte „Klein Zaches genannt Zinnober" 1819. Es ist ein Kunstmärchen der Romantik und zugleich eine Satire: Hoffmann zielte auf eine Gesellschaft, in der Ansehen mehr zählt als Leistung.

Für Kinder funktioniert das auch ohne den historischen Hintergrund, weil sie das Grundgefühl genau kennen – aus Kindergarten und Schule. Unsere Fassung erzählt die Handlung nach und lässt die politischen Spitzen weg, die heute niemand mehr versteht.

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Weiter mit Das fremde Kind und Der Nussknacker und der Mäusekönig, beide von E. T. A. Hoffmann, sowie Das hässliche Entlein. Danach: Gute-Nacht-Geschichten. Alles Weitere: alle 274 Kindergeschichten.

Häufige Fragen zu Klein Zaches genannt Zinnober

Worum geht es in Klein Zaches?

Eine Fee schenkt einem winzigen, verwachsenen Kind drei goldene Haare. Von da an schreibt jeder ihm zu, was andere geleistet haben – bis jemand die Haare entdeckt.

Ab welchem Alter eignet sich die Geschichte?

Ab etwa sechs Jahren. Der Witz liegt in der Ungerechtigkeit, und die muss man verstehen können.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Etwa neun Minuten.

Von wem stammt Klein Zaches?

Von E. T. A. Hoffmann, 1819.

Was bedeutet der Name Zinnober?

Zinnober ist ein leuchtend rotes Farbpulver. Als Spottname steht er hier für etwas, das grell wirkt und wenig dahinter hat.

Was ist die Moral der Geschichte?

Dass Ansehen und Leistung nicht dasselbe sind – und dass eine Menge Leute mitmachen müssen, damit eine Täuschung so lange hält.

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