Peter Pan

Peter Pan

Zusammenfassung: „Peter Pan" in drei Sätzen

Peter Pan verliert bei den Darlings in London seinen Schatten, Wendy näht ihn ihm wieder an – und zum Dank nimmt er sie und ihre Brüder John und Michael mit ins Nimmerland.

Dort werden sie die Familie der verlorenen Jungs und überstehen die Eifersucht der Fee Glöckchen, die Lagune der Meerjungfrauen und den Piratenkapitän Hook, den am Ende das tickende Krokodil holt.

Wendy kehrt nach London zurück und wird erwachsen, während Peter für immer ein Junge bleibt und Jahr für Jahr ans Fenster kommt – erst zu Wendy, dann zu ihrer Tochter Jane, dann zu deren Tochter Margaret.

Peter Pan – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 15 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: J. M. Barrie, 1904 als Theaterstück, 1911 als Roman
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
In einem Haus in London, Nummer 14, wohnten drei Kinder: Wendy, John und Michael Darling. Ihr Kindermädchen war kein Mensch, sondern eine große Neufundländerhündin namens Nana. Nana ließ das Badewasser ein, trug die Medizin im Maul herbei und schlief in einer Hütte im Kinderzimmer – denn für ein richtiges Kindermädchen hatten die Darlings kein Geld.

Mrs. Darling hatte einen Kuss im rechten Mundwinkel, den nie jemand bekam, so sehr man sich auch bemühte. Und wenn sie abends in den Köpfen ihrer Kinder aufräumte – das tun alle guten Mütter –, fand sie in letzter Zeit immer wieder ein Wort, das dort gar nicht hingehörte: Peter.

Eines Nachts stand das Fenster offen. Ein Junge in einem Anzug aus Blättern kam herein und suchte etwas, das er verloren hatte: seinen Schatten. Nana hatte ihn beim letzten Mal fast erwischt, und dabei war der Schatten abgerissen. Peter fand ihn in einer Schublade, aber er ließ sich nicht wieder ankleben, so viel Seife er auch nahm. Da setzte er sich auf den Boden und weinte.

Vom Weinen wachte Wendy auf. „Junge", sagte sie, „warum weinst du?" Sie holte Nadel und Faden und nähte ihm den Schatten ordentlich an die Fußsohlen. Peter war so stolz darauf, dass er im Zimmer herumflog wie ein Kreisel.

Er erzählte vom Nimmerland und von den verlorenen Jungs – Kindern, die aus dem Kinderwagen gefallen waren, als das Kindermädchen gerade wegsah, und die niemand innerhalb von sieben Tagen abgeholt hatte. „Sie haben keine Mutter", sagte Peter. „Und niemanden, der ihnen Geschichten erzählt."

Da war es um Wendy geschehen. Peter streute Feenstaub über die drei, sie dachten an etwas wunderbar Schönes – und schon hoben ihre Füße vom Teppich ab. „Zweiter Stern rechts", rief Peter aus dem Fenster, „und dann immer geradeaus bis zum Morgen!"
Peter Pan Das Nimmerland sieht in jedem Kinderkopf ein bisschen anders aus. Aber immer gibt es Lagunen, Höhlen, ein Piratenschiff und eine Reihe kleiner Hütten. Und ganz unten, unter der Erde, wohnen die verlorenen Jungs in einem Haus, in das man durch hohle Bäume hineinrutscht.

Glöckchen aber, Peters Fee, war eifersüchtig auf Wendy. Feen sind so klein, dass immer nur ein einziges Gefühl auf einmal in sie hineinpasst, und in Glöckchen passte gerade nur Ärger. Sie flog voraus und rief den verlorenen Jungs zu, Peter wünsche, dass sie den großen weißen Vogel abschießen, der da am Himmel komme.

Tootles, der braveste und deshalb unglücklichste der Jungs, spannte den Bogen. Der Pfeil traf Wendy, und sie fiel wie ein Stein. Als die Jungs sich über sie beugten, war sie nicht tot: Der Pfeil war an einer Eichel abgeprallt, die Peter ihr unterwegs als Knopf um den Hals gehängt hatte.

Peter verbannte Glöckchen für eine ganze Woche. Und weil man eine Dame nicht einfach so herumliegen lässt, Wendy aber nicht bewegt werden durfte, bauten die Jungs kurzerhand ein Haus um sie herum: ein Dach aus Zweigen, ein Schornstein aus einem alten Hut und Rosen an den Wänden.

Als Wendy die Augen aufschlug, standen sechs Jungen um sie herum, die Mützen in den Händen.

„Wendy", sagte Peter, „willst du unsere Mutter sein?"

Wendy überlegte pflichtschuldig. „Ich habe überhaupt keine Erfahrung", sagte sie. Und dann sagte sie ja.
Peter Pan Unter der Erde ging es zu wie in einem sehr großen, sehr unordentlichen Haushalt. Wendy stopfte Strümpfe, teilte Medizin aus (die in Wahrheit nur Wasser war), erzählte jeden Abend eine Geschichte und schickte alle rechtzeitig ins Bett. Michael schlief in einem Korb, der von der Decke hing.

Draußen drehten sich alle im Kreis: Die verlorenen Jungs suchten die Piraten, die Piraten suchten die Jungs, der Stamm von Tiger Lily suchte die Piraten – und das Krokodil suchte Kapitän Hook. Das Krokodil hatte nämlich vor langer Zeit Hooks Hand verschluckt, und mit ihr einen Wecker. Weil der Wecker in seinem Bauch immer noch tickte, hörte Hook es rechtzeitig kommen. Das war das Einzige, was ihn rettete – und das Einzige, wovor er sich fürchtete.

Eines Abends ruderten zwei Piraten mit einer Gefangenen zur Lagune der Meerjungfrauen: Tiger Lily, die Tochter des Häuptlings. Sie sollte auf dem großen Felsen zurückgelassen werden, über dem bei Flut das Wasser zusammenschlägt. Da klang über das dunkle Wasser die Stimme des Kapitäns: „Lasst sie frei!" Die Piraten gehorchten – und merkten erst hinterher, dass es Peter gewesen war, der Hooks Stimme so gut nachmachen konnte.

In dem Kampf, der darauf folgte, blieben Peter und Wendy auf dem Felsen zurück, und das Wasser stieg. Peter war verletzt und konnte nicht fliegen. „Wendy", sagte er, „da oben treibt ein Drachen. Halt dich am Schwanz fest, er trägt dich fort." – „Nur zusammen!" Aber der Drachen trug nur einen. Peter band ihr den Schwanz um die Taille und ließ los.

Dann stand er allein auf dem Felsen, und das Wasser lief ihm schon über die Füße. Ein Zittern lief über ihn, wie es über das Meer läuft. Dann richtete er sich auf und sagte laut: „Sterben wird ein großes Abenteuer sein."

Doch dann kam ein Nimmervogel angeschwommen und schob ihm ihr Nest hin, damit er darin davonrudern konnte. Sie selbst setzte sich mit ihren Eiern in Hooks alten Hut, der vorbeitrieb, und segelte davon.
Peter Pan Der Sommer verging, und Wendy fing an, an ihre Mutter zu denken. Sie fürchtete, das Fenster zu Hause könnte eines Tages geschlossen sein. „Wir gehen heim", sagte sie eines Morgens, „und wer will, kommt mit." Alle verlorenen Jungs wollten mit – nur Peter nicht. „Ich will nie ein Mann werden", sagte er und tat sehr beschäftigt. „Ich will immer ein kleiner Junge sein und Spaß haben."

Kapitän Hook aber hatte den Eingang zum unterirdischen Haus gefunden. Als die Kinder nacheinander aus den hohlen Bäumen kletterten, standen die Piraten schon da. Einer nach dem anderen wurde gepackt und zum Schiff getragen. Wendy zuletzt.

Peter schlief ahnungslos unten weiter. Hook stieg selbst hinunter. Ein schlafendes Kind anzurühren brachte er nicht über sich – das gehörte sich nicht, fand er, das wäre schlechter Stil. Also träufelte er fünf Tropfen eines schrecklichen Giftes in Peters Medizinbecher und stieg wieder hinauf.

Glöckchen hatte alles gesehen. Als Peter aufwachte und nach dem Becher griff, warf sie sich dazwischen und trank ihn in einem Zug leer.

„Warum, Glöckchen?" Ihr Licht wurde schwächer und schwächer. Ganz leise sagte sie, sie könnte wieder gesund werden, wenn die Kinder an Feen glaubten.

Da stellte sich Peter mitten im Zimmer auf, streckte die Arme zu allen Kindern aus, die gerade irgendwo auf der Welt vom Nimmerland träumten, und rief so laut er konnte: „Glaubt ihr an Feen? Wenn ihr an Feen glaubt, dann klatscht in die Hände! Klatscht, damit Glöckchen nicht stirbt!"

Und aus allen Richtungen kam ein Klatschen. Glöckchens Licht flackerte, wurde heller, wurde wieder ein Stern. Sie schoss quicklebendig durchs Zimmer, und Peter griff nach seinem Dolch. „Und jetzt", sagte er, „zu Hook."
Peter Pan Auf der Jolly Roger saßen die Gefangenen an Deck, und Hook ließ ein Brett über die Reling schieben. „Wer möchte zuerst?"

Da hörte man aus dem Dunkel ein Geräusch, bei dem allen Piraten das Blut in den Adern stockte: tick, tack, tick, tack. Hook fiel auf die Knie. „Verbergt mich!", keuchte er, und seine Männer stellten sich vor ihn.

Es war nicht das Krokodil. Es war Peter, der das Ticken nachmachte. Während alle in die falsche Richtung starrten, kletterte er an Bord und schlüpfte in die Kajüte.

Dann ging es sehr schnell. Ein Pirat wurde in die Kajüte geschickt und kam nicht wieder. Ein zweiter ging und kam nicht wieder. Den übrigen wurde es unheimlich. Wendy stand am Mast, und als Hook sich umdrehte, stand vor ihm kein Pirat mehr, sondern ein Junge mit den Händen in den Hüften.

„Peter Pan", sagte Hook, „wer bist du?"

„Ich bin die Jugend, ich bin die Freude", rief Peter. „Ich bin ein kleiner Vogel, der eben aus dem Ei geschlüpft ist."

Die verlorenen Jungs hatten sich längst befreit, und auf dem Deck wurde gekämpft, bis Kapitän Hook allein an der Reling stand. Peter hätte ihn stoßen können. Stattdessen machte er eine höfliche, einladende Handbewegung – und genau das ertrug Hook nicht. Mit einem letzten Blick auf den Jungen stieg er selbst über die Reling.

Unten wartete das Krokodil. Der Wecker in seinem Bauch war längst abgelaufen und tickte nicht mehr. So bekam Kapitän Hook doch noch, was er sein Leben lang gesucht hatte: einen wirklich guten Abgang.
Peter Pan Die Kinder segelten die Jolly Roger nach Hause. In London aber saß Mrs. Darling seit vielen Wochen im Kinderzimmer und hielt das Fenster offen, Tag und Nacht, obwohl es zog.

Peter war vorausgeflogen. Er wollte den Riegel vorlegen, damit Wendy denken würde, ihre Mutter habe sie vergessen, und mit ihm zurückfliegen würde. Dann sah er Mrs. Darling am Bett sitzen und weinen. Peter mochte sie nicht besonders. Aber er machte das Fenster wieder auf.

So fanden Wendy, John und Michael in derselben Nacht ihre Betten wieder. Die sechs verlorenen Jungs standen unten im Flur in einer Reihe, die Mützen in den Händen. Mrs. Darling zählte sie durch und sagte, es werde schon gehen. Mr. Darling fand das auch, und weil er ein Versprechen zu halten hatte, wohnte er von da an in Nanas Hütte.

Nur Peter blieb draußen auf dem Fensterbrett sitzen. „Wendy", sagte er, „erwarte nicht, dass ich hereinkomme." Aber er versprach: „Ich hole dich jedes Frühjahr, zum großen Frühjahrsputz im Nimmerland."

Im ersten Jahr kam er. Im zweiten vergaß er es. Im dritten kam er wieder und wusste nichts mehr von Kapitän Hook. „Wer ist Glöckchen?", fragte er.

Und Wendy wurde groß. Sie wurde eine erwachsene Frau mit einem eigenen Kind, einem Mädchen namens Jane. Eines Abends stand Peter wieder am Fenster, keinen Tag älter, und wollte Wendy zum Frühjahrsputz abholen. Als er begriff, dass die große Frau im Sessel Wendy war, setzte er sich auf den Boden und weinte. Und sein Weinen weckte Jane.

„Junge", sagte Jane, „warum weinst du?"

Und so flog Jane mit ins Nimmerland. Und später Janes Tochter Margaret. Und so wird es immer weitergehen, solange Kinder fröhlich und arglos sind.
Peter Pan Die Moral von „Peter Pan"

Peter Pan bekommt, was sich fast jedes Kind einmal wünscht: nie erwachsen werden zu müssen. Barrie erzählt ehrlich, was das kostet. Peter vergisst – seine Abenteuer, seine Feinde, am Ende sogar seine Freunde. Und er sitzt jedes Mal draußen auf dem Fensterbrett, während drinnen jemand ein Zuhause hat.

Wendy geht heim, und sie verliert dabei nichts. Sie darf beides haben: das Fliegen und den Kuss im Mundwinkel ihrer Mutter, das Nimmerland und ein Kinderzimmer, in dem jemand das Fenster offen lässt.

Und der Schluss macht Mut: Erwachsenwerden heißt nicht, dass das Nimmerland verschwindet. Es heißt nur, dass irgendwann jemand anderes dorthin fliegt – und dass man ihm das Fenster aufmacht.

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