Pinocchio

Pinocchio

Zusammenfassung: „Pinocchio" in drei Sätzen

Der arme Holzschnitzer Geppetto schnitzt sich aus einem sprechenden Holzscheit einen Sohn – und die Puppe Pinocchio läuft ihm schon am ersten Tag davon.

Statt zur Schule zu gehen, fällt Pinocchio auf den Fuchs und den Kater herein, wird von der Fee mit den blauen Haaren gerettet und lässt sich von seinem Freund Kerzendocht ins Spielzeugland locken, wo er eines Morgens mit Eselsohren aufwacht.

Erst als er seinen Vater im Bauch eines riesigen Meeresungeheuers wiederfindet, ihn Tag für Tag pflegt und schließlich sein ganzes Erspartes hergibt, um einem anderen zu helfen, wird aus der Holzpuppe ein richtiger Junge.

Pinocchio – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 16 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Carlo Collodi, Italien, 1883 als Buch
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war einmal ein Stück Holz. Kein besonderes Stück – nur ein Scheit, wie man es im Winter in den Ofen legt. Meister Kirsche, der Tischler, wollte gerade ein Tischbein daraus machen, da rief das Holz mit einem dünnen Stimmchen: „Nicht so fest, das tut weh!"

Meister Kirsche bekam einen solchen Schreck, dass er das Scheit gleich seinem Nachbarn Geppetto schenkte. Geppetto war ein armer alter Mann mit einer gelben Perücke, und weil er sich nichts sehnlicher wünschte als ein Kind, schnitzte er sich aus dem Holz eine Puppe. Er gab ihr den Namen Pinocchio.

Kaum war die Nase fertig, wuchs sie von selbst weiter, bis Geppetto sie stutzte. Kaum hatte die Puppe einen Mund, lachte sie ihn aus. Und kaum hatte sie Beine, sprang sie von der Werkbank, riss die Tür auf und rannte auf die Straße hinaus. Geppetto hinterher! Die Leute lachten über den keuchenden alten Mann, ein Wachtmeister fing die Puppe ein – und am Ende steckten sie den armen Geppetto ins Gefängnis.

Als Geppetto wieder frei war, war er nicht böse. Er briet Pinocchio drei Birnen zum Frühstück und aß selbst nur die Schalen. Er machte ihm ein Jäckchen aus Blumenpapier, ein Paar Schuhe aus Baumrinde und eine Mütze aus Brotteig. Und weil Pinocchio zur Schule gehen sollte, ging Geppetto mitten im Winter hinaus und verkaufte seinen einzigen Mantel, um eine Fibel dafür zu kaufen.

In der Ecke der Werkstatt saß eine uralte sprechende Grille. „Wehe den Kindern, die ihren Eltern davonlaufen", sagte sie. „Sie werden es eines Tages bitter bereuen." Pinocchio warf einen Holzhammer nach ihr und lachte.

Am nächsten Morgen ging er los, die Fibel unter dem Arm – und den Kopf voller Flausen.
Pinocchio Auf dem Weg zur Schule hörte Pinocchio Pfeifen und Trommeln. Am Ende der Gasse stand ein buntes Zelt, und darüber hing ein Schild: Großes Puppentheater. Der Eintritt kostete vier Soldi. Pinocchio hatte keine vier Soldi – aber er hatte eine funkelnagelneue Fibel. Er verkaufte sie einem Trödler und ging hinein.

Auf der Bühne spielten Harlekin und Pulcinella. Als sie den Neuen im Zuschauerraum entdeckten, unterbrachen sie mitten im Satz. „Ein Bruder!", riefen sie. „Ein Bruder aus Holz!" Sie zogen ihn auf die Bühne, umarmten ihn, und die ganze Vorstellung fiel ins Wasser.

Da kam der Theaterbesitzer hinter dem Vorhang hervor: Feuerfresser, ein Riese mit einem schwarzen Bart, der bis auf den Boden reichte, und einer Stimme wie ein Gewitter. „Was soll die Unordnung? Werft die neue Puppe ins Feuer, mein Hammelbraten ist noch roh!"

Pinocchio weinte und bat um sein Leben. Und da begann Feuerfresser zu niesen – so ging es ihm immer, wenn er gerührt war. Beim fünften Niesen ließ er nicht nur Pinocchio am Leben, sondern auch den armen Harlekin.

Dann fragte er nach Pinocchios Vater. Als er hörte, dass Geppetto mitten im Winter seinen Mantel verkauft hatte, um eine Fibel zu bezahlen, wischte er sich mit dem Bartärmel über die Augen und drückte Pinocchio fünf Goldstücke in die Hand. „Bring sie ihm. Und grüß ihn von mir."

Pinocchio bedankte sich und lief los. Fünf Goldstücke! Davon konnte Geppetto sich einen Mantel kaufen, und er selbst hundert neue Fibeln.
Pinocchio Er war noch keine halbe Stunde unterwegs, da traten ihm zwei Gestalten in den Weg: ein Fuchs, der auf einem Bein hinkte, und ein Kater, der blind zu sein vorgab. In Wahrheit waren beide kerngesund und beide gleich faul.

„Fünf Goldstücke?", schnurrte der Kater. „Willst du nicht lieber zweitausend?" – „Im Land der Narren", sagte der Fuchs, „gibt es das Wunderfeld. Man gräbt ein Löchlein, legt sein Geld hinein, gießt Wasser darüber und streut eine Prise Salz darauf. Über Nacht wächst ein Baum daraus, voller Goldstücke wie ein Kirschbaum voller Kirschen."

Pinocchio hätte an die Grille denken können. Er dachte an den Baum. Sie wanderten bis in die Nacht, kehrten im Gasthaus „Zum Roten Krebs" ein – und am Morgen waren Fuchs und Kater verschwunden, das Essen nicht bezahlt.

Im dunklen Wald stellten sich ihm dann zwei Räuber in Kohlensäcken in den Weg. Pinocchio hielt die Goldstücke fest im Mund und rannte, so schnell seine Holzbeine ihn trugen. Am Ende fingen sie ihn doch, banden ihn hoch in die Äste einer großen Eiche und setzten sich darunter, um zu warten, bis er den Mund aufmachte.

Aus einem weißen Häuschen zwischen den Bäumen aber sah ein Mädchen mit himmelblauen Haaren zu. Sie schickte einen Falken, der den Strick durchbiss, und einen Pudel mit einer Kutsche, und sie legte Pinocchio in ihr eigenes Bett. Drei Ärzte kamen ans Krankenlager: eine Krähe, ein Käuzchen und die sprechende Grille.

Als es Pinocchio besser ging, fragte ihn die Fee nach den Goldstücken. „Ich habe sie verloren", log Pinocchio. Da wurde seine Nase um zwei Finger länger. „Nein – ich habe sie verschluckt." Die Nase wuchs weiter. Bei der dritten Lüge war sie so lang, dass er sich im Zimmer nicht mehr umdrehen konnte, und ein Schwarm Spechte musste sie ihm Stück für Stück wieder zurechthacken.

„Sieh mal an", sagte die Fee und lachte. „Es gibt zwei Sorten von Lügen. Die einen haben kurze Beine, die anderen eine lange Nase. Deine gehören leider zur zweiten Sorte."
Pinocchio Pinocchio versprach, von nun an brav zu sein, und die Fee versprach ihm etwas viel Größeres: „Wenn du ein Jahr lang zur Schule gehst und fleißig bist, sollst du kein Holz mehr sein. Dann wirst du ein richtiger Junge."

Und wirklich, es ging gut. Pinocchio saß in der ersten Reihe, lernte Lesen, Schreiben und Rechnen und war bald der Beste der Klasse. Am Vorabend seines großen Tages – die Fee wollte ein Fest geben und hatte schon zweihundert Tassen Milchkaffee bestellt – traf er Kerzendocht, den faulsten Jungen der ganzen Schule.

Kerzendocht stand am Straßenrand und wartete auf einen Wagen. „Um Mitternacht fahre ich ins Spielzeugland", flüsterte er. „Dort gibt es keine Schule, keine Bücher, keine Lehrer. Die Woche hat sechs Donnerstage und einen Sonntag, und die Ferien fangen am ersten Januar an und hören am einunddreißigsten Dezember auf. Kommst du mit?"

Pinocchio sagte zuerst nein. Dann sagte er vielleicht. Dann saß er auf dem Wagen. Zwölf Eselchen zogen ihn, alle mit weißen Lederstiefelchen an den Hufen, und auf dem Bock saß ein kleiner, runder Kutscher, der lächelte wie eine Butterschnitte.

Fünf Monate lang war es herrlich. Pinocchio spielte Ball, ritt Steckenpferde, tobte von morgens bis abends durch die Straßen und schlug kein einziges Buch auf. Dann wachte er eines Morgens auf, fuhr sich über den Kopf – und fand zwei prachtvolle Eselsohren.

Ein Murmeltier erklärte es ihm: „Das ist das Eselsfieber. Jeder Junge, der nur spielt und nie lernt, wird früher oder später ein Esel. Dagegen hilft kein Arzt." Pinocchio lief zu Kerzendocht – der hatte seine Mütze tief in die Stirn gezogen, und darunter guckten dieselben Ohren hervor. Die beiden sahen sich an und wollten lachen. Aber es kam nur ein lautes „I-a!" heraus.

Am selben Abend führte sie der freundliche Kutscher auf den Markt und verkaufte sie.
Pinocchio Ein Zirkusdirektor kaufte den Esel Pinocchio und brachte ihm bei, durch Reifen zu springen und im Kreis zu tanzen. Bei einer Vorstellung stürzte er und blieb lahm. Ein lahmer Zirkusesel nützt niemandem, also verkaufte ihn der Direktor weiter an einen Mann, der eine Trommel bauen wollte und dafür ein Eselsfell brauchte.

Der Mann band ihm einen Stein an den Hals und ließ ihn ins Meer hinab. Doch unter Wasser kamen tausend kleine Fische geschwommen, die die Fee geschickt hatte, und knabberten das Eselsfell ab, bis darunter etwas zum Vorschein kam, was kein Fisch fressen mag: Holz. Als der Mann das Seil einholte, zappelte an seinem Ende eine quicklebendige Holzpuppe, die ihm aus den Händen rutschte und davonschwamm.

Pinocchio schwamm und schwamm. Da hob sich vor ihm das Wasser wie ein Berg, und ein riesiges Meeresungeheuer mit einem Rachen so breit wie ein Scheunentor verschluckte ihn mit Haut und Haaren.

Im Bauch war es dunkel wie in einem Tintenfass. Pinocchio tastete sich vorwärts, und ganz weit hinten sah er ein Licht flackern. Er ging darauf zu, immer weiter – und da saß an einem winzigen gedeckten Tischchen ein kleiner alter Mann, weiß wie Schnee, und aß gerade seine letzten lebenden Fischchen.

„Vater!"

„Pinocchio!"

Geppetto erzählte, wie er ein Boot gebaut hatte, um seinen Sohn über das Meer zu suchen, und wie der Sturm ihn samt Boot demselben Ungeheuer in den Rachen getrieben hatte. Zwei Jahre lang hatte er hier unten gesessen.

„Wir gehen", sagte Pinocchio. Er nahm den Vater huckepack, kletterte die große Zunge hinauf, und weil das Ungeheuer im Schlaf mit offenem Maul atmete, sprangen sie hinaus ins Wasser. Geppetto konnte nicht schwimmen und wurde schnell schwer. Da tauchte ein freundlicher Thunfisch neben ihnen auf, der auf demselben Weg entkommen war. „Steigt auf", sagte er. Und er trug die beiden bis ans Ufer.
Pinocchio Am Strand fanden sie eine Hütte aus Stroh. Geppetto war krank und schwach von den zwei Jahren im Dunkeln und konnte nicht arbeiten. Also arbeitete Pinocchio.

Er ging zu einem Gärtner in der Nähe und drehte hundert Eimer Wasser aus dem Brunnen; dafür bekam er jeden Tag ein Glas Milch für seinen Vater. Er lernte, Körbe aus Binsen zu flechten, und verkaufte sie auf dem Markt. Er stand jeden Morgen vor Sonnenaufgang auf. Und abends, wenn Geppetto schlief, buchstabierte er sich bei einer Kerze aus einem alten Buch das Lesen und Schreiben bei.

Fünf Monate lang ging das so. Nach und nach legte er vierzig Soldi zurück – genug für einen richtigen Anzug, den ersten seines Lebens. Er war schon auf dem Weg in die Stadt, als ihm eine Schnecke begegnete, die er von früher kannte. Sie brachte eine traurige Nachricht: Die Fee mit den blauen Haaren liege krank darnieder und habe nicht einmal Geld für ein Stück Brot.

Pinocchio sah auf seine vierzig Soldi in der Hand. Er sah sie lange an. Dann legte er sie der Schnecke hin. „Bring sie ihr. Ich brauche keinen neuen Anzug." Und er ging nach Hause und flocht in dieser Nacht doppelt so viele Körbe wie sonst.

In der Nacht träumte er von der Fee. Sie lächelte, küsste ihn auf die Stirn und sagte: „Braver Pinocchio. Kindern, die ihren Eltern in der Not beistehen, verzeiht man vieles."

Als er aufwachte, war er kein Holz mehr. Er hatte Hände aus Haut, braune Haare und Beine, die müde werden konnten – ein richtiger Junge. Aus der Strohhütte war eine hübsche kleine Wohnung geworden, seine vierzig Soldi lagen wieder auf dem Tisch, und aus der Kammer nebenan kam ein Pfeifen: Da saß Geppetto, kerngesund und aufrecht, und schnitzte einen Bilderrahmen.

In der Ecke aber lehnte eine große Holzpuppe, den Kopf zur Seite geneigt, die Arme baumelnd, die Beine übereinandergeschlagen. Pinocchio betrachtete sie lange. „Wie komisch ich war, als ich noch eine Holzpuppe war", sagte er. „Und wie froh ich bin, dass ich jetzt ein richtiger Junge geworden bin."
Pinocchio Die Moral von „Pinocchio"

Pinocchio bekommt seine Chancen nicht, weil er ein besonderes Kind wäre, sondern weil ihn jemand liebt: Geppetto, der mitten im Winter seinen Mantel verkauft, damit sein Sohn eine Fibel hat. Und die Fee, die ihn immer wieder aufliest, so oft er auch danebengreift.

Aus der Holzpuppe wird nicht in dem Moment ein Junge, in dem sie aufhört zu lügen. Sondern in dem Moment, in dem sie zum ersten Mal an einen anderen denkt statt an sich selbst – als Pinocchio seine vierzig mühsam gesparten Soldi hergibt, obwohl er sich so sehr einen neuen Anzug gewünscht hat.

Und die lange Nase ist eigentlich ein Geschenk. Die meisten Lügen sieht man nämlich nicht so schnell. Man merkt sie erst, wenn der Schaden schon angerichtet ist.

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