Rapunzel

Rapunzel

Zusammenfassung: „Rapunzel“ in drei Sätzen

Ein Ehepaar, das sich sehnlichst ein Kind wünscht, gerät in die Fänge einer Zauberin, die das Neugeborene als Gegenleistung für gestohlene Rapunzeln an sich nimmt und das Mädchen, Rapunzel genannt, in einen hohen Turm sperrt.

Jahre später verliebt sich ein Prinz in Rapunzel und plant mit ihr die Flucht, doch die Zauberin entdeckt sie, schneidet Rapunzels Haare ab und verbannt sie, während der Prinz erblindet.

Schließlich finden der Prinz und Rapunzel zueinander zurück, seine Sehkraft wird durch ihre Tränen geheilt und sie leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Rapunzel – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 7 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen (KHM 12), ab 1812
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war einmal ein Mann und eine Frau, die sich sehnlichst ein Kind wünschten. Neben ihrem kleinen Häuschen befand sich ein wunderschöner Garten, der einer mächtigen Zauberin gehörte. In diesem Garten wuchs eine Pflanze, die Rapunzel genannt wurde und die Frau hatte ein großes Verlangen, davon zu essen. Eines Tages konnte der Mann dem Wunsch seiner Frau nicht widerstehen und stieg über die Mauer in den Garten der Zauberin, um für seine Frau Rapunzel zu pflücken. Doch als er es ein zweites Mal versuchte, wurde er von der Zauberin erwischt. In ihrer Wut forderte sie das Kind, das geboren werden sollte, als Gegenleistung für das Leben des Mannes und die gestohlenen Rapunzeln. Der Mann stimmte zu, getrieben von der Angst und dem Wunsch, seine Frau zu retten. Rapunzel Als das Kind, ein wunderschönes Mädchen, geboren wurde, nahm die Zauberin es an sich und nannte es Rapunzel. Sie sperrte Rapunzel in einen hohen Turm im Wald, der neben einem kleinen Fenster weder Türen noch Treppen hatte. Rapunzels Haare wuchsen lang und golden und wenn die Zauberin sie besuchen wollte, rief sie: „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ und stieg an ihnen hinauf. Rapunzel Jahre vergingen, bis eines Tages ein Prinz durch den Wald ritt und Rapunzels Gesang hörte. Er verliebte sich auf der Stelle in die Stimme und suchte nach einem Weg, in den Turm zu gelangen. Als er sah, wie die Zauberin den Turm betrat, erkannte er den Trick mit dem Haar und beschloss, es selbst zu versuchen. „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!“, rief er, und Rapunzel, die noch nie zuvor einen Mann gesehen hatte, ließ ihr Haar hinunter und der Prinz stieg hinauf. Rapunzel Die beiden verliebten sich und planten ihre Flucht. Jedes Mal, wenn der Prinz kam, brachte er einen Strang Seide mit, und Rapunzel flocht daraus heimlich eine Leiter. Bald, so dachten sie, würde sie lang genug sein, um bis hinunter auf den weichen Waldboden zu reichen.
Doch eines Abends verplapperte sich Rapunzel. „Sagt mir doch, Frau Gothel“, fragte sie ohne nachzudenken, „wie kommt es, dass Ihr so viel schwerer heraufzuziehen seid als der junge Prinz? Der ist in einem Augenblick bei mir.“
Da wurde das Gesicht der Zauberin hart wie Stein. Sie griff nach der Schere, schnitt Rapunzels langes goldenes Haar ab und brachte das Mädchen noch in derselben Nacht weit fort in eine karge Wüste, in der nichts wuchs als Dornen und Disteln.
Am Abend darauf rief der Prinz wie immer: „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter!“ Und das Haar fiel herab – doch oben am Fenster saß die Zauberin und hielt es fest. Als der Prinz das leere Zimmer sah, sprang er in seiner Verzweiflung aus dem Fenster. Die Dornen unten fingen ihn auf, aber sie nahmen ihm sein Augenlicht.
Rapunzel Von diesem Tag an wanderte der Prinz blind durch die Welt. Er tastete sich an Baumstämmen entlang, schlief unter Hecken und aß, was gute Menschen ihm in die Hand legten. Jeden, dem er begegnete, fragte er dasselbe: „Habt ihr ein Mädchen gesehen mit Haaren wie Sonnenlicht?“ Doch niemand hatte sie gesehen.
Rapunzel lebte unterdessen in der Wüste. Sie baute sich ein kleines Haus aus Lehm und Zweigen, fand eine Quelle zwischen den Steinen und lernte, welche Wurzeln man essen kann. Abends, wenn die Sonne rot über dem Sand unterging, sang sie. Sie sang, damit die Stille nicht so groß war – und ein bisschen sang sie auch für den Prinzen, falls er irgendwo da draußen zuhörte.
Ein Jahr verging. Dann noch eines. Und dann noch eines.
Rapunzel Eines Abends trug der Wind eine Stimme über die Dünen. Der Prinz blieb stehen. Er kannte diese Stimme, auch nach all den Jahren, besser als jede andere auf der Welt. Er ging ihr nach, Schritt für Schritt, stolperte, stand wieder auf und ging weiter, bis ihn zwei Arme festhielten.
Rapunzel weinte vor Glück. Zwei ihrer Tränen fielen dem Prinzen in die Augen – und auf einmal wurde es hell. Er sah den Sand, er sah den roten Abendhimmel, und er sah Rapunzel, die vor ihm stand und lachte und weinte zur gleichen Zeit.
Gemeinsam machten sie sich auf den langen Weg zurück in sein Königreich. Als sie am Tor ankamen, standen die Leute an der Straße und winkten, und niemand fragte, wo die beiden so lange gewesen waren.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Rapunzel“ basiert auf der Erzählung von den Gebrüdern Grimm aus dem Jahr 1812. Sie wurde durch uns modernisiert, aber orientiert sich inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Rapunzel Die Moral von „Rapunzel“

Die Geschichte von Rapunzel zeigt uns, dass Mut und Liebe selbst die dunkelsten Zeiten erhellen können. Egal, wie schwierig oder aussichtslos eine Situation erscheint, die Bereitschaft, für die eigene Freiheit und für die Liebe zu kämpfen, führt letztendlich zum Sieg über Unterdrückung und Verzweiflung. Es lehrt uns auch die Bedeutung von Hoffnung und Ausdauer – dass selbst nach langem Leid und Trennung ein glückliches Ende möglich ist, wenn man nicht aufgibt.

Noch mehr Geschichten für heute Abend

Diese Geschichte ist eine von 75 kostenlosen Gute-Nacht-Geschichten auf emhema.de – alle zum Vorlesen und als PDF zum Ausdrucken.