Rotkäppchen

Rotkäppchen

Zusammenfassung: „Rotkäppchen“ in drei Sätzen

Rotkäppchen, ein junges Mädchen, bekommt von ihrer Mutter den Auftrag, ihrer kranken Großmutter Kuchen und Wein zu bringen.

Auf dem Weg durch den Wald begegnet sie einem Wolf, der sie dazu überredet, vom Pfad abzuweichen und der ihr zuvorkommt, um die Großmutter zu fressen und sich als sie zu verkleiden.

Als Rotkäppchen ankommt wird sie ebenfalls gefressen, jedoch von einem Jäger gemeinsam mit ihrer Großmutter aus dem Bauch des Wolfes gerettet.

Rotkäppchen – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 10 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen (KHM 26), ab 1812; ältere Fassung bei Charles Perrault, 1697
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
  • Zuletzt überarbeitet: 7. September 2026

Hier beginnt das Märchen

Es war einmal ein kleines Mädchen, das jeder gern hatte. Am allerliebsten aber hatte es die Großmutter, die wusste gar nicht, was sie dem Kind alles geben sollte.

Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen aus rotem Samt. Das stand ihm so gut, dass es nichts anderes mehr tragen wollte. Es trug das Käppchen beim Spielen, es trug es beim Essen, und einmal wäre es damit fast eingeschlafen. Deshalb nannten es bald alle nur noch Rotkäppchen.

Eines Morgens sagte die Mutter: „Komm her, Rotkäppchen. Hier ist ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein. Bring das der Großmutter. Sie ist krank und schwach und wird sich freuen.“

Sie gab ihr den Korb und legte noch die Hand auf die rote Kappe.

„Und jetzt hör mir gut zu. Mach dich auf den Weg, bevor es heiß wird. Geh hübsch ordentlich und lauf nicht vom Weg ab, sonst fällst du und zerbrichst die Flasche, und die Großmutter hat nichts. Und wenn du in ihre Stube kommst, vergiss nicht, guten Morgen zu sagen, und guck nicht erst in alle Ecken herum.“

„Ich will schon alles richtig machen“, sagte Rotkäppchen und gab ihr die Hand darauf.

Die Großmutter wohnte draußen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Rotkäppchen kannte den Weg gut. Es war ein schmaler Weg zwischen hohen Bäumen, mit Wurzeln darauf, über die man springen musste, und einmal ging er über einen kleinen Bach.

Als Rotkäppchen in den Wald kam, war es dort kühl und still.
Rotkäppchen Da trat der Wolf zwischen den Bäumen hervor.

Rotkäppchen wusste nicht, was für ein böses Tier er war, und fürchtete sich nicht.

„Guten Tag, Rotkäppchen“, sagte der Wolf.

„Schönen Dank, Wolf.“

„Wo willst du denn so früh hin?“

„Zur Großmutter.“

„Was trägst du unter der Schürze?“

„Kuchen und Wein. Die Großmutter ist krank, da soll sie sich etwas zugute tun.“

„Und wo wohnt deine Großmutter?“

„Noch eine gute Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei großen Eichen. Da steht ihr Haus, unten sind die Nusshecken, das weißt du ja.“

Der Wolf sagte nichts dazu. Er dachte bei sich: Das junge zarte Ding, das ist ein fetter Bissen. Und die Alte dazu. Du musst es listig anfangen, damit du beide erwischst.

Dann ging er ein Stück neben Rotkäppchen her und sagte plötzlich: „Sieh nur, wie schön die Blumen hier stehen. Warum guckst du dich gar nicht um? Ich glaube, du hörst nicht einmal, wie lieblich die Vöglein singen. Du gehst ja, als müsstest du zur Schule, und dabei ist es so lustig hier draußen.“

Rotkäppchen schlug die Augen auf.

Und wirklich: Zwischen den Bäumen tanzte das Sonnenlicht, überall standen Blumen, und die Vögel machten einen Lärm, als wäre Fest. Da dachte Rotkäppchen: Wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, freut sie sich bestimmt. Es ist noch so früh, ich komme immer noch zur rechten Zeit an.

Und lief vom Weg ab, zwischen die Bäume hinein, um Blumen zu suchen.

Und immer, wenn es eine gepflückt hatte, meinte es, weiter drüben stünde eine noch schönere. So kam es immer tiefer in den Wald hinein.

Der Wolf aber lief geradewegs zum Haus der Großmutter und klopfte an.
Rotkäppchen Als Rotkäppchen endlich so viele Blumen hatte, dass es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Großmutter wieder ein. Es lief los, so schnell es ging.

Die Haustür stand offen.

Das war seltsam. Rotkäppchen blieb einen Augenblick stehen. Und als es in die Stube trat, wurde ihm so wunderlich zumute, dass es dachte: Ei, du mein Gott, wie ängstlich wird mir heute zumute, und sonst bin ich so gerne bei der Großmutter.

Es rief: „Guten Morgen!“ Aber niemand antwortete.

Rotkäppchen ging zum Bett und zog die Vorhänge auf. Da lag die Großmutter, hatte die Haube tief ins Gesicht gezogen und sah ganz merkwürdig aus.

„Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!“

„Damit ich dich besser hören kann.“

„Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!“

„Damit ich dich besser sehen kann.“

„Ei, Großmutter, was hast du für große Hände!“

„Damit ich dich besser packen kann.“

„Aber Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!“

„Damit ich dich besser fressen kann!“

Kaum hatte der Wolf das gesagt, sprang er mit einem Satz aus dem Bett und verschluckte das arme Rotkäppchen.

Als er satt war, legte er sich wieder hin, schlief ein und fing an zu schnarchen — so laut, dass man es bis vor die Tür hörte.
Rotkäppchen Gerade ging der Jäger am Haus vorbei.

Er blieb stehen und dachte: Wie kann die alte Frau nur so schnarchen? Du musst nachsehen, ob ihr etwas fehlt.

Er trat in die Stube, und als er vor das Bett kam, sah er den Wolf darin liegen.

„Finde ich dich hier, du alter Sünder“, sagte er. „Ich habe dich lange gesucht.“

Er wollte schon die Flinte anlegen. Doch dann fiel ihm ein, dass der Wolf die Großmutter gefressen haben könnte und dass sie vielleicht noch zu retten war. Also nahm er statt der Flinte eine Schere und fing an, dem schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden.

Beim zweiten Schnitt sah er das rote Käppchen leuchten. Beim dritten sprang Rotkäppchen heraus und rief: „Ach, wie war ich erschrocken, wie war es so dunkel in dem Wolf seinem Leib!“ Und dann kam auch die alte Großmutter heraus und konnte kaum noch atmen.

Rotkäppchen aber lief hinaus und holte große schwere Steine aus dem Bach. Die legten sie dem Wolf in den Bauch, und der Jäger nähte ihn wieder zu. Als der Wolf aufwachte und weglaufen wollte, waren die Steine so schwer, dass er nicht weit kam.

Dann deckten Rotkäppchen und die Großmutter den Tisch. Sie aßen den Kuchen, tranken den Wein, und der Jäger bekam das größte Stück, weil er die beiden gerettet hatte. Die Großmutter, die noch ein wenig zitterte, wurde langsam wieder munter, und bald lachten alle drei.

Rotkäppchen aber saß still da und dachte nach. Und dann sagte es leise zu sich selbst: „Nie wieder gehe ich allein vom Weg ab, wenn die Mutter es mir verboten hat.“
Rotkäppchen Einige Wochen später packte die Mutter wieder einen Korb. „Bring der Großmutter Kuchen“, sagte sie, „und du weißt ja jetzt, wie es geht.“ Rotkäppchen nickte und ging los.
Und wirklich: Kaum war sie im Wald, trat wieder ein Wolf zwischen den Bäumen hervor. „Sieh nur“, sagte er freundlich, „dort hinten blühen die schönsten Blumen des ganzen Waldes.“
Rotkäppchen schaute ihn nur kurz an. Sie sagte gar nichts, drehte den Kopf wieder nach vorn und ging schneller. Genau in der Mitte des Weges blieb sie, bis sie an der Tür der Großmutter stand.
Drinnen erzählte sie alles. Die Großmutter hörte zu und nickte. „Gut gemacht“, sagte sie. „Dann machen wir jetzt die Tür zu – und sie bleibt zu.“
Rotkäppchen Der Wolf schlich um das Haus und tat, als wäre er längst weitergezogen. Doch die Großmutter kannte ihn besser. Vor dem Haus stand ein großer Steintrog, und darin hatte sie am Morgen Würste gekocht.
„Rotkäppchen“, sagte sie, „nimm den Eimer und gieß das Wurstwasser in den Trog.“ Rotkäppchen tat es, Eimer für Eimer. Der Duft stieg hinauf bis aufs Dach, wo der Wolf saß und schnupperte. Er reckte den Hals, immer weiter und weiter, verlor den Halt und rutschte vom Dach geradewegs in den Trog. Dort blieb er sitzen, und die beiden hatten von diesem Tag an ihre Ruhe.
Am Abend brachte der Jäger Rotkäppchen nach Hause. Sie ging genau in der Mitte des Weges, sang ein Lied und war ein bisschen stolz auf sich.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Rotkäppchen“ basiert auf der Erzählung von den Gebrüdern Grimm aus dem Jahr 1812. Sie wurde durch uns modernisiert, aber orientiert sich inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Rotkäppchen Die Moral von „Rotkäppchen“

Rotkäppchen geht nicht vom Weg ab, weil es ungehorsam ist. Es geht vom Weg ab, weil jemand Freundliches ihm gesagt hat, es solle sich doch einmal umsehen — und weil es der Großmutter etwas Schönes mitbringen wollte. Genau so passiert es meistens.

Deshalb ist der zweite Teil dieser Geschichte der wichtigere: Beim nächsten Mal kommt wieder ein Wolf, wieder mit den Blumen, wieder ganz freundlich. Und Rotkäppchen antwortet gar nicht erst. Es geht weiter, genau in der Mitte des Weges.

Das ist der Satz, den Kinder mitnehmen sollen — nicht „hab Angst vor Wölfen“, sondern: Du musst nicht antworten, wenn dich jemand vom Weg weglocken will.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Warum heißt Rotkäppchen so?

    Wegen eines roten Samtkäppchens, das ihm die Großmutter geschenkt hat. Es trägt es so gern, dass es niemand mehr anders nennt.

  2. 2Was verrät Rotkäppchen dem Wolf?

    Wo die Großmutter wohnt — eine halbe Stunde tiefer im Wald, unter den drei großen Eichbäumen. Es weiß nicht, was für ein Tier der Wolf ist, und antwortet arglos.

  3. 3Wie lenkt der Wolf Rotkäppchen vom Weg ab?

    Er weist es auf die Blumen am Wegrand hin. Je weiter Rotkäppchen pflückt, desto tiefer gerät es in den Wald — und der Wolf läuft geradewegs zum Haus der Großmutter.

  4. 4Wie befreit der Jäger die beiden?

    Er hört das laute Schnarchen, findet den Wolf im Bett und schneidet ihm — statt zu schießen — mit der Schere den Bauch auf. Danach füllen sie ihm Steine hinein, sodass er nicht weit kommt.

  5. 5Wie geht Rotkäppchen beim zweiten Wolf vor?

    Ganz anders: Es antwortet gar nicht erst und geht in der Mitte des Weges weiter. Die Großmutter lockt den zweiten Wolf mit dem Duft von Wurstwasser vom Dach in den Steintrog.

Wörter aus der Geschichte

Käppchen
eine kleine Mütze — Rotkäppchen heißt nach seiner roten Kappe
Samt
ein weicher Stoff mit kurzen, dichten Härchen
Jäger
jemand, der im Wald nach Tieren sucht — hier der Retter
Steintrog
ein großes Becken aus Stein vor dem Haus — darin landet der zweite Wolf
arglos
ohne böse Absicht und ohne Misstrauen

Zum Weitererzählen

  • Warum geht Rotkäppchen vom Weg ab, obwohl die Mutter es verboten hat?
  • Woran hätte es merken können, dass im Bett nicht die Großmutter liegt?
  • Was würdest du tun, wenn dich unterwegs ein Fremder anspricht?
  • Wie geht die Geschichte weiter, wenn der Jäger nicht vorbeikommt?
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Inhaltsangabe: Rotkäppchen kurz zusammengefasst

In einem Satz: Ein Mädchen lässt sich auf dem Weg zur kranken Großmutter vom Wolf vom Weg locken, wird mit ihr vom Jäger befreit — und macht es beim nächsten Mal anders.

Anfang

Ein Mädchen trägt so gern das rote Samtkäppchen seiner Großmutter, dass alle es nur noch Rotkäppchen nennen. Die Mutter schickt es mit Kuchen und Wein zur kranken Großmutter, die eine halbe Stunde entfernt im Wald wohnt, und schärft ihm ein, hübsch auf dem Weg zu bleiben. Im Wald spricht der Wolf es an. Rotkäppchen weiß nicht, was für ein Tier er ist, und verrät ihm arglos, wo die Großmutter wohnt.

Mitte

Der Wolf lenkt Rotkäppchen auf die Blumen am Wegrand, und je weiter es pflückt, desto tiefer gerät es in den Wald. Er selbst läuft geradewegs zum Haus der Großmutter. Als Rotkäppchen ankommt, steht die Tür offen, und in der Stube liegt jemand mit tief ins Gesicht gezogener Haube. Es folgt der bekannte Wechsel: „Was hast du für große Ohren!" — bis zum „entsetzlich großen Maul". Der Wolf verschlingt das Mädchen, legt sich hin und schnarcht so laut, dass es bis vor die Tür zu hören ist.

Ende

Ein Jäger geht vorbei, wundert sich über das Schnarchen und findet den Wolf im Bett. Statt zu schießen, schneidet er ihm den Bauch auf, und Rotkäppchen und die Großmutter kommen heraus. Sie füllen dem Wolf Steine in den Bauch, sodass er nicht weit kommt. In unserer Fassung folgt noch ein zweiter Teil: Wochen später steht wieder ein Wolf im Wald und lockt mit Blumen. Rotkäppchen antwortet gar nicht erst und geht in der Mitte des Weges weiter. Die Großmutter lockt den Wolf mit dem Duft von Wurstwasser vom Dach in den Steintrog — und danach haben die beiden ihre Ruhe.

Diese Inhaltsangabe folgt unserer Fassung für Kinder ab vier Jahren, etwa zehn Minuten Vorlesezeit. Sie geht auf die Brüder Grimm zurück (Kinder- und Hausmärchen Nr. 26, ab 1812); die ältere französische Fassung von Charles Perrault aus dem Jahr 1697 endet ohne Jäger und ohne Rettung.

Rotkäppchen vorlesen – so wird der Abend rund

Rotkäppchen ist kurz, und das ist seine Stärke: Es passt auch noch an einen Abend, an dem alle müde sind. Der Dialog am Bett – „Was hast du für große Ohren?" – gehört den Kindern; sie können die Fragen übernehmen, während du den Wolf machst. Wenn dein Kind Angst bekommt, hilft es, vor dem Vorlesen zu sagen, dass der Jäger am Ende kommt.

Woher Rotkäppchen kommt

Rotkäppchen steht als Nummer 26 in den „Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm. Eine ältere französische Fassung schrieb Charles Perrault schon 1697 auf – bei ihm gibt es keinen Jäger, und die Geschichte endet schlecht.

Der Jäger, den heute alle kennen, kam erst mit den Brüdern Grimm dazu. Unsere Fassung folgt Grimm und erzählt die Rettung so, dass sie am Abend niemandem den Schlaf verdirbt.

Wenn Rotkäppchen gefallen hat

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Häufige Fragen zu Rotkäppchen

Warum heißt Rotkäppchen Rotkäppchen?

Weil die Großmutter ihr eine rote Kappe geschenkt hat, die sie nie mehr abnehmen wollte. Der Name ist also eigentlich ein Spitzname.

Ab welchem Alter kann man Rotkäppchen vorlesen?

Ab etwa vier Jahren. Wer ein besonders empfindsames Kind hat, verrät vorher, dass am Ende der Jäger kommt – dann bleibt die Spannung, aber die Angst nicht.

Wie lange dauert Rotkäppchen zum Vorlesen?

Etwa zehn Minuten. Damit liegt es genau im Mittel der Märchen hier – die kürzesten dauern sieben, das längste fünfzehn Minuten.

Kommt in Rotkäppchen wirklich ein Jäger vor?

Bei den Brüdern Grimm ja. In der älteren Fassung von Charles Perrault aus dem Jahr 1697 gibt es ihn nicht – dort endet die Geschichte im Bauch des Wolfs.

Gibt es Rotkäppchen kostenlos als PDF?

Ja, unter der Geschichte, ohne Anmeldung zum Ausdrucken.

Was ist die Moral von Rotkäppchen?

Dass man auf dem Weg bleiben und Fremden nicht alles erzählen sollte – und dass ein Fehler nicht das Ende sein muss, wenn jemand da ist, der hilft.

Von wem stammt das Märchen Rotkäppchen?

Von den Brüdern Grimm, Kinder- und Hausmärchen Nummer 26, ab 1812. Älter ist die französische Fassung von Charles Perrault aus dem Jahr 1697 – dort gibt es keinen Jäger und kein gutes Ende.

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