Rumpelstilzchen

Rumpelstilzchen

Zusammenfassung: „Rumpelstilzchen“ in drei Sätzen

Ein Müller behauptet fälschlicherweise, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen, woraufhin der König sie zwingt, diese Aufgabe zu erfüllen, um ihr Leben zu retten.

Ein mysteriöses Männchen hilft ihr nach drei Malen im Austausch für ihr erstes Kind, das sie behalten kann, wenn sie seinen Namen errät.

Nachdem die Königin seinen Namen – Rumpelstilzchen – herausfindet, gerät das Männchen in solche Wut, dass es sich selbst zerreißt und die Königin behält ihr Kind.

Rumpelstilzchen – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 9 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen (KHM 55), ab 1812
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
  • Zuletzt überarbeitet: 7. September 2026

Hier beginnt das Märchen

Es war einmal ein Müller, der war arm, aber er hatte eine schöne Tochter.

Nun traf es sich, dass er einmal mit dem König ins Gespräch kam. Und weil er wichtig erscheinen wollte, sagte er einen Satz, den er besser nicht gesagt hätte:

„Ich habe eine Tochter, die kann Stroh zu Gold spinnen.“

Der König sagte: „Das ist eine Kunst, die mir gefällt. Wenn deine Tochter so geschickt ist, wie du sagst, dann bring sie morgen in mein Schloss. Da will ich sie auf die Probe stellen.“

Am nächsten Morgen wurde das Mädchen zum König gebracht. Er führte es in eine Kammer, die ganz voll Stroh lag, gab ihm ein Spinnrad und einen Haspel und sagte:

„Jetzt mach dich an die Arbeit. Wenn du diese Nacht durch bis morgen früh dieses Stroh nicht zu Gold gesponnen hast, so musst du sterben.“

Dann schloss er die Kammer zu, und das Mädchen war allein.

Da saß nun die arme Müllerstochter und wusste um ihr Leben keinen Rat. Sie verstand nichts vom Goldspinnen — sie verstand überhaupt nichts vom Spinnen. Sie ging um den Strohhaufen herum, setzte sich auf den Schemel und fing an zu weinen.

Auf einmal ging die Tür auf.

Herein trat ein kleines Männchen. Es war nicht größer als ein Kind, hatte einen viel zu großen Hut auf und schaute sich in der Kammer um, als wäre es hier zu Hause.

„Guten Abend, Jungfer Müllerin“, sagte es. „Warum weinst du so sehr?“

„Ach“, sagte das Mädchen, „ich soll Stroh zu Gold spinnen, und ich verstehe das nicht.“

Da sagte das Männchen: „Was gibst du mir, wenn ich es für dich spinne?“

„Mein Halsband“, sagte das Mädchen.

Das Männchen nahm das Halsband, setzte sich vor das Rädchen und — schnurr, schnurr, schnurr — dreimal gezogen, und die Spule war voll Gold. Dann steckte es die nächste auf, und schnurr, schnurr, schnurr, dreimal gezogen, war auch die zweite voll.

So ging es fort bis zum Morgen. Da war alles Stroh versponnen, und alle Spulen waren voll Gold.
Rumpelstilzchen Bei Sonnenaufgang kam der König. Als er das Gold sah, staunte er und freute sich — aber sein Herz wurde nur noch gieriger.

Er ließ die Müllerstochter in eine andere Kammer bringen, die war größer und noch voller Stroh, und befahl ihr, auch das in einer Nacht zu spinnen, wenn ihr das Leben lieb sei.

Das Mädchen wusste sich wieder nicht zu helfen und weinte. Da ging die Tür auf, und das kleine Männchen stand da.

„Was gibst du mir, wenn ich dir das Stroh zu Gold spinne?“

„Meinen Ring von dem Finger“, sagte das Mädchen.

Das Männchen nahm den Ring, fing wieder an zu schnurren mit dem Rad und hatte bis zum Morgen alles Stroh zu glänzendem Gold gesponnen.

Der König freute sich über die Maßen bei dem Anblick, war aber noch immer nicht satt. Er ließ das Mädchen in eine noch größere Kammer voll Stroh bringen und sagte:

„Die musst du noch in dieser Nacht verspinnen. Gelingt es dir, so sollst du meine Frau werden.“

Und er dachte dabei: Auch wenn sie nur eine Müllerstochter ist — eine reichere Frau finde ich in der ganzen Welt nicht.

Als das Mädchen allein war, kam das Männchen zum dritten Mal.

„Was gibst du mir, wenn ich dir noch diesmal das Stroh spinne?“

„Ich habe nichts mehr, das ich geben könnte“, sagte das Mädchen.

Das Männchen schwieg einen Augenblick. Dann sagte es: „So versprich mir, wenn du Königin wirst, dein erstes Kind.“

Wer weiß, wie das noch kommt, dachte die Müllerstochter. Und weil sie sich in ihrer Not nicht anders zu helfen wusste, versprach sie es.

Das Männchen spann noch einmal das Stroh zu Gold. Und als am Morgen der König kam und alles fand, wie er es gewünscht hatte, hielt er Hochzeit mit ihr, und die schöne Müllerstochter wurde eine Königin.
Rumpelstilzchen Über ein Jahr brachte sie ein schönes Kind zur Welt und dachte gar nicht mehr an das Männchen.

Da trat es plötzlich in ihre Kammer.

„Nun gib mir, was du versprochen hast.“

Die Königin erschrak so sehr, dass ihr das Herz stehenblieb. Sie bot dem Männchen alle Reichtümer des Königreichs an, wenn es ihr nur das Kind ließe. Sie bot ihm Gold, sie bot ihm Land, sie bot ihm alles, was ein Mensch sich vorstellen kann.

Aber das Männchen sagte: „Nein. Etwas Lebendiges ist mir lieber als alle Schätze der Welt.“

Da fing die Königin so bitterlich an zu weinen, dass es dem Männchen doch leidtat.

„Gut“, sagte es. „Drei Tage will ich dir Zeit lassen. Wenn du bis dahin meinen Namen weißt, dann sollst du dein Kind behalten.“

Es sagte das ganz freundlich. Und trotzdem klang es, als wüsste es genau, dass sie ihn nicht herausbekommen würde.
Rumpelstilzchen Am ersten Tag zählte die Königin alle Namen auf, die sie kannte. „Heißt du Kaspar? Melchior? Balzer?“ Doch das Männchen schüttelte jedes Mal den Kopf: „So heiß ich nicht.“
In der Nacht schickte sie einen Boten los, der im ganzen Land herumfragen sollte, was es sonst noch für Namen gäbe.
Am zweiten Tag probierte sie die seltsamsten Namen, die der Bote mitgebracht hatte. „Heißt du vielleicht Rippenbiest? Hammelswade? Schnürbein?“ Aber das Männchen antwortete immer dasselbe: „So heiß ich nicht.“
Es lachte dabei, und sein Lachen klang, als würde jemand mit einem Stock über einen Gartenzaun fahren. Der Königin wurde immer banger, denn nun blieb nur noch ein einziger Tag.
Rumpelstilzchen Am dritten Tag kam der Bote endlich zurück. „Königin“, sagte er, „neue Namen habe ich keine gefunden. Aber als ich um einen hohen Berg herum in den Wald kam, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, da sah ich ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer.“
„Um das Feuer sprang ein ganz lächerliches Männchen. Es hüpfte auf einem Bein und sang dabei:“
„Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!“
Da könnt ihr euch denken, wie froh die Königin war, als sie diesen Namen hörte. Sie sagte ihn niemandem, sondern setzte sich hin, nahm ihr Kind auf den Arm und wartete auf den Abend.
Rumpelstilzchen Am dritten Tag kam das Männchen zum letzten Mal. Die Königin ließ sich Zeit.
„Heißt du vielleicht Kunz?“ – „So heiß ich nicht.“
„Heißt du Heinz?“ – „So heiß ich nicht.“
Das Männchen rieb sich schon die Hände. Da sagte die Königin ganz ruhig: „Heißt du etwa – Rumpelstilzchen?“
„Das hat dir der Teufel gesagt! Das hat dir der Teufel gesagt!“ schrie das Männchen. Vor Wut stampfte es mit dem rechten Fuß so fest auf, dass es bis zum Bauch in den Boden fuhr. Und als es sich herauszuziehen versuchte, verschwand es mit einem Knall, der die Fenster klirren ließ, und wurde nie wieder gesehen.
So behielt die Königin ihr Kind. Und wenn sie später von jemandem hörte, der zu viel versprach, dann dachte sie an ihren Vater, den Müller, und sagte gar nichts dazu.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Rumpelstilzchen“ basiert auf der Erzählung von den Gebrüdern Grimm aus dem Jahr 1812. Sie wurde durch uns modernisiert, aber orientiert sich inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Rumpelstilzchen Die Moral von „Rumpelstilzchen“

Am Anfang steht ein einziger Satz, den ein Vater sagt, um vor dem König besser dazustehen. Er kostet ihn nichts. Seine Tochter kostet er beinahe das Leben.

Kinder verstehen an dieser Stelle sofort etwas, das schwer zu erklären ist: Angeben ist nicht harmlos, wenn jemand anderes es ausbaden muss.

Und dann ist da noch der König, über den in diesem Märchen erstaunlich wenig gesagt wird. Er sperrt ein Mädchen dreimal in eine Kammer und droht ihm mit dem Tod — und am Ende heiratet er es, weil es Gold bringt. Rumpelstilzchen ist unheimlich, aber es hält sein Wort. Das kann man vom König nicht behaupten.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Warum kommt die Müllerstochter überhaupt ins Schloss?

    Weil ihr Vater vor dem König angeben wollte und behauptet hat, sie könne Stroh zu Gold spinnen. Der König stellt sie sofort auf die Probe.

  2. 2Was verlangt das Männchen in den drei Nächten?

    In der ersten Nacht ihr Halsband, in der zweiten den Ring vom Finger. In der dritten hat sie nichts mehr — da verlangt es ihr erstes Kind, wenn sie Königin wird.

  3. 3Was bietet die Königin an, um ihr Kind zu behalten?

    Alle Reichtümer des Königreichs: Gold, Land, alles, was ein Mensch sich vorstellen kann. Das Männchen lehnt ab: „Etwas Lebendiges ist mir lieber als alle Schätze der Welt.“

  4. 4Wie erfährt sie den Namen?

    Ihr Bote sieht hinter einem hohen Berg, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, ein Männchen um ein Feuer springen. Es hüpft auf einem Bein und singt, wie gut es sei, dass niemand wisse, dass es Rumpelstilzchen heiße.

  5. 5Was passiert, als sie den Namen ausspricht?

    Das Männchen schreit, das habe ihr der Teufel gesagt, und stampft vor Wut mit dem rechten Fuß so fest auf, dass es bis zum Bauch in den Boden fährt. Beim Herausziehen verschwindet es mit einem Knall.

Wörter aus der Geschichte

spinnen
Fäden aus Wolle oder Flachs drehen — hier soll aus Stroh Gold werden
Stroh
die trockenen Halme, die nach der Getreideernte übrig bleiben
Haspel
ein Gerät, auf das der gesponnene Faden aufgewickelt wird
Bote
jemand, der Nachrichten überbringt und dafür durchs Land reist
Erstgeborenes
das erste Kind — das, was Rumpelstilzchen als Preis verlangt

Zum Weitererzählen

  • Warum erzählt der Müller dem König etwas, das nicht stimmt?
  • Was hätte die Müllerstochter tun können, statt ihr Kind zu versprechen?
  • Warum verrät Rumpelstilzchen seinen Namen ausgerechnet im Wald?
  • Wenn du dir einen Namen ausdenken müsstest, den niemand errät – wie hieße er?
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Inhaltsangabe: „Rumpelstilzchen“ kurz zusammengefasst

In einem Satz: Weil ein Müller vor dem König angibt, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen, muss sie drei Nächte lang um ihr Leben spinnen — und verspricht dem Männchen, das ihr hilft, ihr erstes Kind.

Anfang

Ein armer Müller will vor dem König wichtig erscheinen und sagt einen Satz, den er besser nicht gesagt hätte: Seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen. Am nächsten Morgen wird das Mädchen ins Schloss gebracht, in eine Kammer voller Stroh gesperrt und vor die Wahl gestellt: bis zum Morgen Gold — oder sterben. Sie versteht nichts vom Goldspinnen, überhaupt nichts vom Spinnen, und fängt an zu weinen. Da geht die Tür auf, und ein kleines Männchen mit viel zu großem Hut tritt herein, als wäre es hier zu Hause. „Was gibst du mir, wenn ich es für dich spinne?“ Für ihr Halsband schnurrt es das ganze Stroh zu Gold.

Mitte

Der König freut sich — und wird nur gieriger. In der zweiten, größeren Kammer kostet die Hilfe den Ring vom Finger. In der dritten verspricht er ihr sogar die Ehe, wenn sie es schafft. Diesmal hat das Mädchen nichts mehr zu geben. Das Männchen schweigt einen Augenblick und verlangt dann: ihr erstes Kind, wenn sie Königin wird. Wer weiß, wie das noch kommt, denkt sie in ihrer Not — und verspricht es. Am Morgen hält der König Hochzeit, und die Müllerstochter wird Königin. Ein Jahr später bringt sie ein Kind zur Welt und hat das Männchen längst vergessen. Da steht es plötzlich in ihrer Kammer und fordert, was versprochen wurde. Alle Reichtümer des Königreichs schlägt es aus: „Etwas Lebendiges ist mir lieber als alle Schätze der Welt.“ Erst als sie bitterlich weint, gewährt es ihr drei Tage — wenn sie seinen Namen errät.

Ende

Am ersten Tag zählt die Königin alle Namen auf, die sie kennt, am zweiten die seltsamsten, die ihr Bote im Land aufgetrieben hat: Rippenbiest, Hammelswade, Schnürbein. Jedes Mal dasselbe: „So heiß ich nicht.“ Am dritten Tag kommt der Bote ohne neue Namen zurück — dafür mit einer Beobachtung: Hinter einem hohen Berg, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, sprang vor einem kleinen Haus ein lächerliches Männchen um ein Feuer, hüpfte auf einem Bein und sang, wie gut es sei, dass niemand wisse, dass es Rumpelstilzchen heiße. Am Abend lässt sich die Königin Zeit: Kunz? Heinz? Und dann ganz ruhig: „Heißt du etwa — Rumpelstilzchen?“ Vor Wut stampft das Männchen bis zum Bauch in den Boden und verschwindet mit einem Knall, der die Fenster klirren lässt.

Unsere Fassung folgt der Erzählung der Brüder Grimm (1812) in moderner, vorlesefreundlicher Sprache.

Rumpelstilzchen vorlesen – so wird der Abend rund

Rumpelstilzchen ist ein Rätselmärchen, und Kinder lieben Rätsel. Wenn die Königin anfängt, Namen zu raten, lohnt es sich, kurz stehen zu bleiben und die eigenen Kinder raten zu lassen – „Kaspar? Melchior? Balzer?" Der Moment, in dem der Bote das Männlein am Feuer singen hört, ist der Höhepunkt; danach geht alles ganz schnell.

Woher Rumpelstilzchen kommt

Rumpelstilzchen ist Nummer 55 in den „Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm, ab 1812. Der Name selbst ist älter: Ein „Rumpelstilt" war ein Poltergeist, der nachts Lärm macht.

Das Motiv – ein Wesen hilft und verlangt dafür etwas Unbezahlbares, verliert aber seine Macht, sobald man seinen Namen kennt – findet sich in vielen Ländern. Unsere Fassung behält das bekannte Ende, erzählt es aber ohne die drastische Selbstzerreißung des Männleins.

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Häufige Fragen zu Rumpelstilzchen

Wie heißt Rumpelstilzchen wirklich?

Rumpelstilzchen – genau das ist der Name, den die Königin erraten muss. Ihr Bote hört ihn, als das Männlein im Wald vor seinem Feuer tanzt und singt.

Wie geht der Vers von Rumpelstilzchen?

„Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind; ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!"

Ab welchem Alter kann man Rumpelstilzchen vorlesen?

Ab etwa vier Jahren. Das Rätsel um den Namen trägt die Geschichte, gruselig wird sie nicht.

Wie lange dauert Rumpelstilzchen zum Vorlesen?

Etwa neun Minuten – eines der kürzeren Grimm-Märchen.

Gibt es Rumpelstilzchen kostenlos als PDF?

Ja, direkt unter der Geschichte, ohne Anmeldung.

Was ist die Moral von Rumpelstilzchen?

Dass große Versprechen gefährlich werden, wenn man sie in der Not gibt – und dass ein Name Macht hat.

Von wem stammt das Märchen Rumpelstilzchen?

Von den Brüdern Grimm, Kinder- und Hausmärchen Nummer 55, ab 1812. Geschichten, in denen ein Name erraten werden muss, kennt man aus vielen Ländern Europas.

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