Rumpelstilzchen

Rumpelstilzchen

Zusammenfassung: „Rumpelstilzchen“ in drei Sätzen

Ein Müller behauptet fälschlicherweise, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen, woraufhin der König sie zwingt, diese Aufgabe zu erfüllen, um ihr Leben zu retten.

Ein mysteriöses Männchen hilft ihr nach drei Malen im Austausch für ihr erstes Kind, das sie behalten kann, wenn sie seinen Namen errät.

Nachdem die Königin seinen Namen – Rumpelstilzchen – herausfindet, gerät das Männchen in solche Wut, dass es sich selbst zerreißt und die Königin behält ihr Kind.

Rumpelstilzchen – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 7 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab 4 Jahren, zum Selberlesen ab etwa 7
  • Herkunft: Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen (KHM 55), ab 1812
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war einmal ein Müller, der prahlte, seine Tochter könne Stroh zu Gold spinnen. Dieses Gerücht erreichte den König, der das Mädchen in eine Kammer voll Stroh brachte und ihr befahl, alles über Nacht zu Gold zu spinnen, wenn sie ihr Leben lieb war. Verzweifelt und allein weinte die Müllerstochter, bis plötzlich ein kleines, seltsames Männchen erschien und ihr anbot, das Stroh zu Gold zu spinnen, im Austausch für ihr Halskettchen. Rumpelstilzchen In der folgenden Nacht forderte der König, dass das Mädchen noch mehr Stroh zu Gold spinne, in einer größeren Kammer. Wieder erschien das Männchen und half ihr, diesmal für ihren Ring. Am dritten Tag stellte der König sie vor die größte Herausforderung: ein noch größerer Raum voll Stroh, mit dem Versprechen, sie zur Frau zu nehmen, sollte sie erfolgreich sein. Als das Männchen zum dritten Mal erschien, hatte sie nichts mehr zu geben, also versprach sie ihm das erste Kind, sollte sie Königin werden. Rumpelstilzchen Das Männchen spann auch das dritte Zimmer voller Stroh zu Gold. Der König hielt Wort und machte die Müllerstochter zu seiner Königin.
Ein Jahr später bekam sie ihr erstes Kind. An das Männchen hatte sie längst nicht mehr gedacht – bis es eines Abends plötzlich in ihrer Kammer stand und sagte: „Nun gib mir, was du versprochen hast.“
Die Königin erschrak so sehr, dass ihr das Herz stehenblieb. Sie bot dem Männchen alle Schätze des Königreichs an, wenn es ihr nur das Kind ließe. Aber das Männchen sagte: „Nein. Etwas Lebendiges ist mir lieber als alle Schätze der Welt.“
Da fing die Königin so bitterlich an zu weinen, dass es dem Männchen doch leidtat. „Gut“, sagte es, „drei Tage will ich dir Zeit lassen. Wenn du bis dahin meinen Namen weißt, sollst du dein Kind behalten.“
Rumpelstilzchen Am ersten Tag zählte die Königin alle Namen auf, die sie kannte. „Heißt du Kaspar? Melchior? Balzer?“ Doch das Männchen schüttelte jedes Mal den Kopf: „So heiß ich nicht.“
In der Nacht schickte sie einen Boten los, der im ganzen Land herumfragen sollte, was es sonst noch für Namen gäbe.
Am zweiten Tag probierte sie die seltsamsten Namen, die der Bote mitgebracht hatte. „Heißt du vielleicht Rippenbiest? Hammelswade? Schnürbein?“ Aber das Männchen antwortete immer dasselbe: „So heiß ich nicht.“
Es lachte dabei, und sein Lachen klang, als würde jemand mit einem Stock über einen Gartenzaun fahren. Der Königin wurde immer banger, denn nun blieb nur noch ein einziger Tag.
Rumpelstilzchen Am dritten Tag kam der Bote endlich zurück. „Königin“, sagte er, „neue Namen habe ich keine gefunden. Aber als ich um einen hohen Berg herum in den Wald kam, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, da sah ich ein kleines Haus, und vor dem Haus brannte ein Feuer.“
„Um das Feuer sprang ein ganz lächerliches Männchen. Es hüpfte auf einem Bein und sang dabei:“
„Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!“
Da könnt ihr euch denken, wie froh die Königin war, als sie diesen Namen hörte. Sie sagte ihn niemandem, sondern setzte sich hin, nahm ihr Kind auf den Arm und wartete auf den Abend.
Rumpelstilzchen Am dritten Tag kam das Männchen zum letzten Mal. Die Königin ließ sich Zeit.
„Heißt du vielleicht Kunz?“ – „So heiß ich nicht.“
„Heißt du Heinz?“ – „So heiß ich nicht.“
Das Männchen rieb sich schon die Hände. Da sagte die Königin ganz ruhig: „Heißt du etwa – Rumpelstilzchen?“
„Das hat dir der Teufel gesagt! Das hat dir der Teufel gesagt!“ schrie das Männchen. Vor Wut stampfte es mit dem rechten Fuß so fest auf, dass es bis zum Bauch in den Boden fuhr. Dann packte es sich vor Zorn am linken Fuß und riss sich mitten entzwei.
So behielt die Königin ihr Kind. Und wenn sie später von jemandem hörte, der zu viel versprach, dann dachte sie an ihren Vater, den Müller, und sagte gar nichts dazu.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Hinweis: Diese moderne Variante des Märchens „Rumpelstilzchen“ basiert auf der Erzählung von den Gebrüdern Grimm aus dem Jahr 1812. Sie wurde durch uns modernisiert, aber orientiert sich inhaltlich am Original und spiegelt in Teilen nicht die Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts wider.
Rumpelstilzchen Die Moral von „Rumpelstilzchen“

Die Geschichte von Rumpelstilzchen lehrt uns, dass Ehrlichkeit und Zusammenhalt wichtiger sind als Gier und Betrug. Sie zeigt auch, dass durch Beharrlichkeit und Klugheit selbst die scheinbar ausweglosesten Situationen überwunden werden können. Letztlich erinnert uns das Märchen daran, dass die Macht von Worten und Namen nicht unterschätzt werden sollte und dass wahre Stärke oft in der Fähigkeit liegt, Hilfe zu suchen und anzunehmen, wenn wir sie am meisten brauchen.

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