Die Meerjungfrau und die stille Muschel

Die Meerjungfrau und die stille Muschel

Zusammenfassung: Die Meerjungfrau Suvi sammelt Geräusche in Muscheln. Nur eine rosa Muschel bleibt seit Jahren still — bis Suvi eines Abends weiter hinaufschwimmt als sonst.

Die Meerjungfrau und die stille Muschel – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 3 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Tief unten, wo das Wasser dunkelgrün wird und die Fische Laternen tragen, wohnte eine junge Meerjungfrau namens Suvi.

Suvi sammelte Geräusche.

Das klingt seltsam, aber unter Wasser ist es das Normalste der Welt. Man nimmt eine leere Muschel, hält sie an eine Stelle, wo etwas passiert, und wenn man sie schnell genug zuklappt, bleibt das Geräusch darin. Suvi hatte schon vieles: das Knirschen von Sand. Das Klopfen eines Walherzens. Das Zischen, das entsteht, wenn eine Welle oben bricht. Aber die schönste Muschel in ihrer Sammlung war leer.

Sie war rosa und innen glatt wie Seide, und Suvi hatte sie vor drei Jahren gefunden. Seitdem hielt sie sie überallhin. An das Riff. An den Strudel. An die Stelle, wo die Delfine spielen.

Nichts blieb darin. Die Muschel blieb still.
Gemütliche Unterwasserhöhle mit der Muschelsammlung einer Meerjungfrau „Sie ist kaputt“, sagte ihre Freundin Nio, ein Fisch mit einem schiefen Maul. „Sie ist nicht kaputt“, sagte Suvi. „Sie ist wählerisch.“ Blick von tief unten nach oben auf die Silhouette eines Bootes An einem Abend schwamm Suvi weiter hinauf als sonst. So weit, dass sie das Licht von oben sehen konnte, weich und golden.

Und dann hörte sie etwas.

Es kam von einem Boot. Jemand sang. Keine besonders gute Sängerin, ehrlich gesagt — sie traf zwei Töne nicht. Aber sie sang für ein Baby, das im Arm lag, und sie sang leise, und sie hörte nicht auf, obwohl sie die Töne nicht traf.
Junge Meerjungfrau schläft auf weichem Sand am Meeresgrund Suvi hielt die rosa Muschel ins Wasser hinauf, ganz nah an die Oberfläche. Und die Muschel klappte von selbst zu.

Suvi schwamm nach Hause, so schnell sie konnte. Unten in ihrer Höhle öffnete sie die Muschel einen kleinen Spalt und hielt das Ohr daran. Da war es. Das Lied. Mit den zwei falschen Tönen und allem.

Nio kam vorbei. „Und?“

„Hör selbst.“

Nio hörte. Dann sagte er lange nichts.
„Was ist das?“, fragte er schließlich.

„Ich glaube“, sagte Suvi, „das ist jemand, der jemanden ins Bett bringt.“ Von diesem Abend an hatte Suvi eine neue Gewohnheit. Wenn es Zeit war zu schlafen, öffnete sie die rosa Muschel einen kleinen Spalt und legte sie neben sich in den Sand.

Und dann schlief sie ein, mit den zwei falschen Tönen im Ohr.

Sie sind übrigens immer noch falsch. Suvi würde es nicht anders wollen.

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