Die Gans, die nicht mitspielen wollte

Die Gans, die nicht mitspielen wollte

Zusammenfassung: „Die Gans, die nicht mitspielen wollte" in drei Sätzen

Die Leute von Tours wollen Martin unbedingt zum Bischof machen, und Martin will das nicht.

Er versteckt sich im Gänsestall, weil dort niemand nachschaut.

Er hat allerdings nicht mit den Gänsen gerechnet.

Die Gans, die nicht mitspielen wollte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Martin war inzwischen kein Soldat mehr.

Er lebte in einer kleinen Hütte, hackte Holz, half Leuten und wollte in Ruhe gelassen werden.

Das Problem war, dass er darin ziemlich gut war. Wenn jemand Hilfe brauchte, kam er. Wenn jemand Streit hatte, hörte er zu. Wenn jemand nichts hatte, teilte er.

So etwas spricht sich herum.

In der Stadt Tours war der Bischof gestorben, und die Leute suchten einen neuen. Ein Bischof ist der Kirchenmann, der für eine ganze Gegend zuständig ist — das ist ein wichtiges Amt, mit einem großen Haus und einem Stuhl vorne in der Kirche.

Die Leute von Tours waren sich einig: Sie wollten Martin.

Martin wollte nicht.
Martin hackt Holz vor seiner Hütte Man kann sich das schwer vorstellen, weil heute alle alles werden wollen.

Aber Martin hatte schon einmal ein Amt gehabt, bei der Armee, mit Rangabzeichen und Befehlen und einem Quartier, und er wusste, wie sich das anfühlt.

Er sagte also: Nein, danke.

Die Leute von Tours sagten: Doch.

Er sagte: Nein.

Sie sagten: Wir kommen und holen dich.

Dazwischen lagen mehrere Wochen und, so wie es überliefert ist, mindestens ein Brief, in dem jemand schwer krank gewesen sein soll, was sich hinterher als Vorwand herausstellte.

Man muss dazusagen: Die Leute von Tours waren freundlich. Sie wollten ihm nichts Böses. Sie wollten ihn nur haben, und das ist manchmal dasselbe Problem.

Und dann kamen sie tatsächlich, eine ganze Abordnung, den Weg von Tours herauf, und Martin sah sie von Weitem kommen und tat, was jeder tut, der nicht gefunden werden will.

Er versteckte sich.
Die Abordnung aus Tours kommt den Weg herauf Er versteckte sich im Gänsestall.

Das war nicht dumm gedacht. In einen Gänsestall geht keiner freiwillig hinein. Gänse sind laut, Gänse sind zackig, Gänse zwicken, und der Boden ist so, wie der Boden in einem Gänsestall eben ist.

Martin machte die Tür hinter sich zu, ging in die hinterste Ecke, setzte sich hin und war still.

Die Gänse waren nicht still.

Sie waren im Gegenteil ausgesprochen unstill. Eine Gans, in deren Stall sich jemand setzt, hält das für eine Nachricht, die alle sofort erfahren müssen.

Sie schnatterten. Sie flatterten. Sie stellten die Hälse lang und machten das Geräusch, das Gänse machen, wenn etwas nicht stimmt, und das hört man über einen halben Hof hinweg.

Die Abordnung aus Tours blieb stehen, schaute sich an und ging zum Stall.

Und da saß er.
In den Gänsestall geht keiner freiwillig Martin ist dann Bischof geworden.

Nicht, weil er wollte, sondern weil er keine Ausrede mehr hatte, und weil hinter ihm dreißig Gänse standen und ihn ansahen.

Er ist ein guter Bischof geworden, sagen die Leute. Er hat weiter Holz gehackt und weiter in seiner Hütte gewohnt und das große Haus nicht besonders benutzt.

Die Gänse haben von der Sache nie erfahren, wie wichtig sie waren.

Deshalb steht in vielen Bilderbüchern eine Gans neben Sankt Martin, und deshalb gibt es am 11. November in manchen Gegenden Gänsebraten.

Was, wenn man ehrlich ist, ein merkwürdiger Dank ist.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schnattern sie noch heute jeden November.
Gänse halten das für eine Nachricht für alle Und da saß er Die Gänse haben nie erfahren, wie wichtig sie waren Die Moral von „Die Gans, die nicht mitspielen wollte"

Martin versteckt sich nicht, weil er faul ist. Er versteckt sich, weil er das Amt kennt und weiß, dass es ihn verändern würde.

Dass er es am Ende trotzdem übernimmt, macht die Geschichte gut. Er ist nicht begeistert hineingegangen, sondern widerwillig — und hat es dann ordentlich gemacht.

Es gibt Aufgaben, die genau die Leute bekommen sollten, die sie nicht haben wollen.
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten, in denen niemand in Gefahr ist. Die Aufregung besteht aus dreißig schnatternden Gänsen, und am Ende sitzt jemand ertappt in einer Ecke.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Bischof – ein Kirchenmann, der für eine ganze Gegend zuständig ist
  • Amt – eine Aufgabe mit Verantwortung, die einem übertragen wird
  • Abordnung – eine Gruppe, die im Auftrag von vielen anderen unterwegs ist
  • schnattern – das laute Geräusch, das Gänse und Enten machen
  • Gänsebraten – gebratene Gans; in manchen Gegenden isst man sie am 11. November

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum will Martin nicht Bischof werden?
  • Die Gänse verraten ihn, ohne es zu merken. Kennst du so etwas?
  • Gibt es eine Aufgabe, vor der du dich drückst — und wärst du vielleicht gut darin?

Warum „Die Gans, die nicht mitspielen wollte" zum Einschlafen passt

Diese Geschichte ist eine Legende, kein Bericht. Dass Martin Bischof von Tours wurde und das Amt zunächst ablehnte, steht in alten Quellen; die Gänse sind eine spätere Zutat, die erklärt, warum an Martini traditionell Gans gegessen wird.

Für Kinder, die Tiere mögen, ist das der beste Einstieg in den 11. November — die Mantelgeschichte kann am nächsten Abend folgen.

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Häufige Fragen zu Die Gans, die nicht mitspielen wollte

Worum geht es in „Die Gans, die nicht mitspielen wollte"?

Die Leute von Tours wollen Martin zum Bischof machen. Er versteckt sich im Gänsestall – und die Gänse verraten ihn.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Warum gehört eine Gans zu Sankt Martin?

Wegen dieser Legende. Sie erklärt auch, warum es in manchen Gegenden am 11. November Gänsebraten gibt.

Ist die Geschichte wahr?

Sie ist eine Legende. Belegt ist, dass Martin Bischof von Tours wurde und das Amt zuerst nicht wollte. Die Gänse kamen später dazu.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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