Warten ist ein Beruf

Warten ist ein Beruf

Zusammenfassung: „Warten ist ein Beruf" in drei Sätzen

Am 2. Dezember erklärt Jost, dass Warten das Schlimmste sei, was es gibt.

Sein Onkel, der bei der Bahn arbeitet, widerspricht ihm.

Er zeigt ihm etwas, das Jost danach vier Wochen lang ausprobiert.

Warten ist ein Beruf – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Jost war acht und in der schlimmsten Phase des Jahres.

Der Dezember hat für Kinder eine merkwürdige Eigenschaft: Er ist der einzige Monat, dessen Ende von vornherein feststeht und von dem aus man rückwärts zählen kann. Das macht ihn zum längsten.

Am 2. Dezember hat Jost gesagt, dass Warten das Schlimmste sei.

Sein Onkel Tarek war da, hat Kaffee getrunken und gesagt: „Ich warte beruflich."

Tarek arbeitet als Fahrdienstleiter bei der Bahn. Er sitzt in einem Stellwerk und sorgt dafür, dass Züge in der richtigen Reihenfolge fahren.

Jost hat gesagt, das sei kein Warten, das sei Arbeiten.

Tarek hat gesagt, das sei genau der Punkt.
Der Dezember ist der längste Monat Dann hat er erklärt, was er meint.

Es gibt zwei Sorten Warten. Bei der ersten sitzt man da und beobachtet, wie die Zeit nicht vergeht. Das ist die schlimme.

Bei der zweiten wartet man auf etwas Bestimmtes und macht in der Zwischenzeit etwas, das damit zu tun hat.

Ein Fahrdienstleiter wartet auf einen Zug, der in elf Minuten kommt. In diesen elf Minuten stellt er Weichen, prüft Signale, schaut auf den Plan und weiß die ganze Zeit genau, wo dieser Zug gerade ist.

Er sitzt nicht da und wartet. Er ist mit dem Zug beschäftigt, bevor der Zug da ist.

„Und das kann man mit Weihnachten machen?"

„Das kann man mit allem machen."

Jost hat das erst mal nicht geglaubt.
Tarek arbeitet im Stellwerk Jost hat es ausprobiert, und es hat nicht sofort funktioniert.

Die ersten Tage hat er versucht, sich einfach abzulenken, was das Gegenteil ist und nicht wirkt, weil Ablenkung nur die Zeit füllt, aber nichts mit der Sache zu tun hat, auf die man wartet.

Ab dem 8. Dezember hat er umgestellt.

Er hat angefangen, Geschenke zu machen statt zu kaufen: für seine Mutter ein Vogelfutterhaus aus einer Milchtüte, das schief war; für seinen Vater eine Liste mit sechzehn Sachen, die er an ihm gut findet, was drei Abende gedauert hat; für seine Schwester ein Hörspiel auf dem Handy aufgenommen, achtzehn Minuten, mit drei Rollen, alle von ihm.

Der Dezember ist danach schneller gegangen.

Nicht weil er weniger gewartet hätte. Sondern weil er die ganze Zeit mit Weihnachten beschäftigt war, ohne dass Weihnachten schon da sein musste.
Er weiß immer, wo der Zug gerade ist Am 24. hat Tarek gefragt, wie es gelaufen sei.

Jost hat gesagt, es habe funktioniert, aber es sei anstrengender als Warten.

Tarek hat gesagt, ja.

Er hat außerdem gesagt, dass er selbst am 24. Dezember Dienst habe, von vierzehn bis zweiundzwanzig Uhr, und dass am Heiligabend erstaunlich viele Züge fahren, weil erstaunlich viele Menschen noch irgendwohin müssen.

Jost fand das zuerst traurig und dann interessant.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzt Tarek noch heute jeden Heiligabend im Stellwerk.
Ein Vogelfutterhaus aus einer Milchtüte Achtzehn Minuten Hörspiel mit drei Rollen Am Heiligabend fahren erstaunlich viele Züge Die Moral von „Warten ist ein Beruf"

Ablenkung und Beschäftigung sehen von außen gleich aus und wirken völlig verschieden.

Wer sich ablenkt, wartet trotzdem — nur mit etwas anderem daneben. Wer sich mit der Sache beschäftigt, auf die er wartet, wartet nicht mehr richtig.

Das ist anstrengender. Es ist aber die einzige Methode, die im Dezember hilft.
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Diese Geschichte Anfang Dezember vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr. Es geht um eine Idee, die man ausprobieren kann, und es kommt niemand in Schwierigkeiten.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Fahrdienstleiter – die Person, die entscheidet, welcher Zug wann wo fährt
  • Stellwerk – das Gebäude, von dem aus Weichen und Signale gestellt werden
  • Weiche – die bewegliche Stelle im Gleis, an der ein Zug abbiegen kann
  • Signal – das Zeichen an der Strecke, das einem Zug sagt, ob er fahren darf
  • Ablenkung – etwas anderes machen, damit man nicht an die Sache denkt

Fragen zum Weitererzählen

  • Was ist der Unterschied zwischen Ablenkung und Beschäftigung?
  • Was könntest du machen, das mit Weihnachten zu tun hat, ohne dass Weihnachten da ist?
  • Findest du es traurig, dass Tarek am Heiligabend arbeitet?

Warum „Warten ist ein Beruf" zum Einschlafen passt

Der Unterschied zwischen Ablenkung und Beschäftigung ist psychologisch gut belegt und für Kinder erstaunlich gut nachvollziehbar. Wer im Dezember mit dem Zählen kämpft, kann die drei Geschenkideen aus der Geschichte direkt übernehmen.

Die Geschichte erwähnt am Rand, dass manche Menschen an Heiligabend arbeiten. Das lässt sich gut weiterspinnen: Krankenhaus, Feuerwehr, Bahn, Bäckerei.

Wenn „Warten ist ein Beruf" gefallen hat

Mehr davon unter Adventsgeschichten und Weihnachtsgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Warten ist ein Beruf

Worum geht es in „Warten ist ein Beruf"?

Jost findet Warten schlimm. Sein Onkel, Fahrdienstleiter bei der Bahn, zeigt ihm den Unterschied zwischen Ablenkung und Beschäftigung.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Hilft die Geschichte gegen Adventsungeduld?

Sie liefert eine Methode: sich mit der Sache beschäftigen, auf die man wartet, statt sich davon abzulenken. Drei konkrete Ideen stehen darin.

Was macht ein Fahrdienstleiter?

Er sitzt im Stellwerk und sorgt dafür, dass Züge in der richtigen Reihenfolge fahren – Weichen stellen, Signale prüfen, den Plan im Blick behalten.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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