Der Junge, der nicht teilen wollte

Der Junge, der nicht teilen wollte

Zusammenfassung: „Der Junge, der nicht teilen wollte" in drei Sätzen

Nach dem Umzug bekommt jedes Kind eine Martinsbrezel, und Tarik bekommt keine, weil sie ausgegangen sind.

Neben ihm steht Lasse mit einer Brezel in der Hand und weiß genau, was jetzt von ihm erwartet wird.

Er will nicht.

Der Junge, der nicht teilen wollte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Man muss dazusagen, dass Lasse den ganzen Abend auf diese Brezel gewartet hatte.

Nicht auf irgendeine Brezel. Auf die vom Martinsfeuer, die es nur einmal im Jahr gibt, die ein Bäcker aus dem Ort backt, die außen hart und innen weich ist und an der Stelle, wo sie sich kreuzt, ganz dick.

Er hatte zwei Stunden lang eine Laterne getragen, war eine Runde um den Teich gelaufen, hatte gefroren und hatte nichts gegessen, weil es ja gleich die Brezel gab.

Jetzt hatte er sie.

Und neben ihm stand Tarik aus der Parallelklasse, der keine hatte, weil die Kiste leer war, und der so tat, als würde ihm das nichts ausmachen.

Das Tun-als-ob war das Schlimmste.
Die Kiste mit den Martinsbrezeln am Feuer Lasse wusste genau, was jetzt kommen sollte.

Er wusste es so genau, dass es fast schon wieder ärgerlich war. Zwanzig Minuten vorher hatte ein Mann im roten Umhang auf einem Pferd gesessen und einen Mantel zerschnitten, alle hatten geklatscht, und jetzt stand er hier mit einer Brezel und einem Jungen daneben.

Es war so offensichtlich, dass es sich falsch anfühlte, es zu tun.

Er dachte: Ich habe die ganze Zeit gewartet.

Er dachte: Warum ich.

Er dachte: Es gucken bestimmt Leute.

Und dann hielt er die Brezel fest und guckte in eine andere Richtung, und Tarik guckte auch in eine andere Richtung, und so standen sie ungefähr eine Minute nebeneinander, was sehr lange ist.
Zwei Stunden Laterne getragen, jetzt die Brezel Was ihn dann umgestimmt hat, war nichts Großes.

Es war die Stelle, wo die Brezel sich kreuzt. Da ist sie am dicksten, und Lasse hatte immer schon gefunden, dass das eigentlich zwei Bissen sind, die nur zufällig zusammenhängen.

Er brach sie an genau dieser Stelle durch.

Nicht in der Mitte — die Hälften waren ungleich, und die größere behielt er.

Dann hielt er Tarik die kleinere hin und sagte: „Die Stelle ist die beste."

Tarik nahm sie und sagte danke, und dann aßen sie, und es war nicht feierlich.

Später auf dem Heimweg hat Lasses Vater gesagt, das sei sehr nett gewesen, und Lasse hat gesagt, er habe eigentlich gar nicht gewollt.

Sein Vater hat gesagt, das mache es besser, nicht schlechter.
Eine Minute nebeneinander, beide gucken weg Am nächsten Tag saß Tarik in der Pause auf derselben Mauer wie Lasse.

Sie haben nicht über die Brezel geredet.

Sie haben über etwas anderes geredet, was ich nicht mehr weiß, und im Frühjahr waren sie in derselben Fußballmannschaft, und im Sommer haben sie zusammen ein Floß gebaut, das nicht schwamm.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzen sie noch heute auf der Mauer.
Gebrochen an der dicksten Stelle, ungleich Es war nicht feierlich Am nächsten Tag auf derselben Mauer Die Moral von „Der Junge, der nicht teilen wollte"

Die meisten Geschichten zum 11. November erzählen vom Teilen, als wäre es ein schöner Impuls. Bei Martin war es das vielleicht. Bei Kindern ist es das selten.

Lasse teilt widerwillig, ungleich und mit einer Verzögerung von einer Minute. Er teilt trotzdem.

Genau das ist die schwierigere Version und die häufigere. Wer nur teilt, wenn es leichtfällt, hat es nie ausprobiert.
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr. Der Konflikt ist innerlich, er wird aufgelöst, und der Schluss ist eine Mauer im Sonnenschein.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Martinsbrezel – ein großes Hefegebäck, das es rund um den 11. November gibt
  • Parallelklasse – die andere Klasse desselben Jahrgangs
  • Umhang – ein weiter Mantel ohne Ärmel, der über die Schultern gelegt wird
  • widerwillig – etwas tun, obwohl man eigentlich nicht will
  • Floß – ein flaches Gefährt aus zusammengebundenem Holz, das schwimmen soll

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum fällt es Lasse so schwer, obwohl er weiß, was richtig wäre?
  • Er behält die größere Hälfte. Findest du das in Ordnung?
  • Wann hast du zuletzt etwas geteilt, obwohl du nicht wolltest?

Warum „Der Junge, der nicht teilen wollte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte macht das Teilen absichtlich nicht schön. Kinder merken sofort, wenn eine Erzählung so tut, als sei Großzügigkeit ein angenehmes Gefühl — sie kennen es anders.

Der Satz des Vaters am Ende ist der Kern: Dass es schwerfiel, macht die Sache größer, nicht kleiner. Wer mag, kann an dieser Stelle beim Vorlesen kurz anhalten.

Wenn „Der Junge, der nicht teilen wollte" gefallen hat

Mehr davon unter Sankt-Martin-Geschichten und Mutgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Der Junge, der nicht teilen wollte

Worum geht es in „Der Junge, der nicht teilen wollte"?

Nach dem Laternenumzug sind die Martinsbrezeln ausgegangen. Lasse hat eine, Tarik nicht – und Lasse will sie nicht hergeben.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Ist das nicht eine unfreundliche Sankt-Martin-Geschichte?

Sie ist ehrlich. Lasse teilt am Ende – aber widerwillig und ungleich. Genau das kennen Kinder aus ihrem eigenen Alltag.

Passt die Geschichte in den November?

Ja, sie spielt direkt nach dem Martinsumzug.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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