Der Stiefel, den jemand geputzt hatte

Der Stiefel, den jemand geputzt hatte

Zusammenfassung: „Der Stiefel, den jemand geputzt hatte" in drei Sätzen

Am 5. Dezember hat Runja keine Lust, ihren Stiefel zu putzen, und stellt ihn dreckig hinaus.

Am Morgen ist er sauber, und darin liegt weniger als in den Jahren davor.

Wer ihn geputzt hat und warum weniger drin ist, hängt zusammen.

Der Stiefel, den jemand geputzt hatte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Der Stiefel war wirklich dreckig.

Er war am Nachmittag auf einem Bolzplatz gewesen, bei vier Grad und Regen, und danach hatte ihn niemand angefasst. Der Matsch war getrocknet und saß in den Rillen der Sohle und an der Seite bis zum Schaft.

Runjas Mutter hatte zweimal gesagt, sie solle ihn putzen.

Runja war elf und hatte gesagt, das sei Quatsch, weil der Nikolaus ja sowieso ihr Vater sei.

Sie hat das nicht gemein gesagt. Sie hat es einfach gesagt, so wie man mit elf Sachen ausspricht, die stimmen, ohne zu prüfen, ob das gerade dran ist.

Ihre Mutter hat nichts geantwortet.
Der Stiefel war wirklich dreckig Runja hat den Stiefel hinausgestellt, dreckig, aus Prinzip.

Am Morgen war er sauber.

Nicht abgewischt — geputzt. Die Rillen der Sohle waren mit etwas Spitzem ausgekratzt, das Leder war eingecremt, und die Schnürsenkel waren neu eingefädelt, weil einer gerissen gewesen war.

Darin lag: eine Mandarine, sechs Walnüsse, ein Schokoladenweihnachtsmann.

In den Jahren davor war deutlich mehr drin gewesen.

Runja hat eine Weile im Flur gestanden.

Dann ist sie in die Küche gegangen und hat gefragt, wer den Stiefel geputzt hat, und ihr Vater hat gesagt: er.
Nachts um elf im Flur Und dann hat er den Rest auch gesagt, ohne dass sie danach gefragt hätte.

Dass in diesem Jahr weniger drin sei, weil in diesem Jahr weniger da sei. Dass in der Firma etwas passiert sei, worüber sie nicht am Frühstückstisch reden müssten. Dass sie sich darüber keine Sorgen machen solle, weil es nichts sei, was sie ändern könne.

Und dass er den Stiefel geputzt habe, weil er nachts um elf im Flur gestanden habe und ein dreckiger Stiefel dagestanden habe und er nun mal gerade wach gewesen sei.

Runja hat gesagt, das tue ihr leid.

Ihr Vater hat gesagt, das müsse ihr nicht leidtun, und dass er das mit dem Nikolaus schon seit zwei Jahren wisse.

Dann haben sie gefrühstückt.
Am Morgen geputzt, mit neuen Schnürsenkeln Im Jahr darauf hat Runja am 5. Dezember um acht Uhr abends zwei Stiefel geputzt.

Ihren eigenen und den von ihrem Vater, der einen braunen Lederstiefel hat, den er zur Arbeit anzieht, und der seit Jahren nicht gecremt worden war.

Sie hat ihn nicht vor die Tür gestellt, sondern in den Flur, damit es nicht albern aussieht.

Ihr Vater hat am Morgen nichts dazu gesagt.

Er hat den Stiefel angezogen und ist zur Arbeit gefahren, und am Abend hat er beim Essen gesagt, der sitze jetzt wieder besser.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann werden noch heute jeden Dezember zwei Stiefel geputzt.
Runja steht eine Weile im Flur Dann haben sie gefrühstückt Im Jahr darauf putzt sie zwei Die Moral von „Der Stiefel, den jemand geputzt hatte"

Runja hat etwas Wahres gesagt, das an dieser Stelle nichts genützt hat. Es gibt viele solcher Sätze.

Was sie umgestimmt hat, war kein Gegenargument. Es war ein Stiefel, der nachts um elf von jemandem geputzt worden ist, der genau wusste, dass sie nicht daran glaubt.

Dinge, die man für jemanden tut, der es nicht erwartet, wirken stärker als alles, was man sagt.
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr. Es gibt eine unangenehme Stelle am Frühstückstisch, und danach wird es ruhig.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Bolzplatz – ein einfacher Platz zum Fußballspielen
  • Schaft – der obere Teil eines Stiefels, der um das Bein geht
  • einfädeln – die Schnürsenkel wieder durch die Löcher ziehen
  • aus Prinzip – etwas tun, um zu zeigen, dass man recht hat
  • cremen – Leder mit Fett einreiben, damit es weich bleibt

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum putzt der Vater den Stiefel, obwohl Runja nicht mehr glaubt?
  • Warum sagt er ihr von der Firma?
  • Was könntest du für jemanden tun, der es gar nicht erwartet?

Warum „Der Stiefel, den jemand geputzt hatte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte spricht Geldsorgen an, ohne sie auszubreiten: Der Vater sagt ausdrücklich, dass es nichts ist, was das Kind ändern kann. Wer das Thema zu Hause hat, findet hier eine Formulierung, die weder verschweigt noch belastet.

Geeignet für ältere Kinder, die schon Bescheid wissen und das gern aussprechen. Runja wird für ihren Satz nicht bestraft — es passiert einfach etwas anderes.

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Häufige Fragen zu Der Stiefel, den jemand geputzt hatte

Worum geht es in „Der Stiefel, den jemand geputzt hatte"?

Runja stellt ihren Stiefel dreckig raus, weil sie weiß, wer der Nikolaus ist. Am Morgen ist er geputzt – und weniger drin als sonst.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Geht es in der Geschichte um Geldsorgen?

Am Rande. Der Vater sagt, dass in diesem Jahr weniger da ist, und ausdrücklich, dass das Kind sich darum keine Sorgen machen soll.

Passt sie für Kinder, die nicht mehr an den Nikolaus glauben?

Ja, genau für die. Runja weiß Bescheid und sagt es auch – und die Geschichte gibt ihr dafür keinen Rüffel.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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