Der längste Dezember

Der längste Dezember

Zusammenfassung: „Der längste Dezember" in drei Sätzen

Im Jahr, in dem Mattea zwölf wird, dauert der Dezember gefühlt neun Wochen.

Es liegt daran, dass ihr Vater seit August in einer anderen Stadt arbeitet und erst am 23. kommt.

Die dreiundzwanzig Tage bis dahin bestehen aus Schule, Schnee, einem kaputten Rollladen und siebenundzwanzig Telefonaten.

Der längste Dezember – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 6 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Er war nicht weg im Sinne von weg.

Er hatte eine Stelle in einer Stadt angenommen, die zweihundertsechzig Kilometer entfernt liegt, weil es die Stelle war, die es gab. Er kam alle zwei bis drei Wochen für ein Wochenende.

Das ist eine Sache, über die niemand gern spricht, weil sie weder dramatisch noch schön ist. Sie ist einfach anstrengend.

Im Dezember kam er nicht, weil im Dezember viel zu tun war.

Er sagte, er komme am 23. abends.

Mattea hat den 23. in ihren Kalender geschrieben, mit Kugelschreiber, und danach angefangen, rückwärts zu zählen.
Den 23. mit Kugelschreiber eingetragen Am 1. Dezember waren es dreiundzwanzig Tage.

Am 3. waren es einundzwanzig, und Mattea hat festgestellt, dass Rückwärtszählen die Zeit nicht schneller macht, sondern langsamer, weil man jeden Tag daran erinnert wird, wie viele noch übrig sind.

Sie hat trotzdem weitergezählt.

Am 6. war Nikolaus, und in ihrem Stiefel lag ein Zettel von ihrem Vater, den ihre Mutter hineingelegt hatte. Darauf stand: „Siebzehn."

Das fand Mattea gleichzeitig gut und schlecht.

Gut, weil er also auch zählte.

Schlecht, weil siebzehn immer noch siebzehn ist.
Im Stiefel liegt ein Zettel mit einer Zahl Am 9. Dezember ging der Rollladen im Wohnzimmer kaputt.

Er ist heruntergefahren und dann nicht mehr hochgekommen, und im Wohnzimmer war es ab neun Uhr morgens dunkel wie um sechs.

Ihre Mutter hat einen Handwerker angerufen, der zwischen Weihnachten und Neujahr Zeit hatte.

Sie haben also zwei Wochen mit heruntergelassenem Rollladen gelebt, mit Licht an, den ganzen Tag.

Es war überraschend nicht schlimm.

Mattea hat später gesagt, das Wohnzimmer sei in diesen zwei Wochen der gemütlichste Raum der Wohnung gewesen, und ihre Mutter hat gesagt, sie habe fast täglich geweint, aber nicht deswegen.

Das haben sie beide erst Jahre später voneinander erfahren.
Zwei Wochen mit heruntergelassenem Rollladen Sie haben in diesen dreiundzwanzig Tagen siebenundzwanzig Mal telefoniert.

Mattea hat mitgezählt, weil sie in dieser Zeit alles mitgezählt hat.

Die Telefonate waren größtenteils langweilig. Ihr Vater fragte, wie es in der Schule sei, und Mattea sagte, gut. Er erzählte, was er gegessen hatte. Sie erzählte, dass der Rollladen immer noch unten war.

Zwei Telefonate waren nicht langweilig.

Das eine war am 14., als Mattea eine schlechte Arbeit zurückbekommen hatte und geweint hat, und ihr Vater war der Einzige, dem sie das gesagt hat, weil man am Telefon nicht gesehen wird.

Das andere war am 20., als er gesagt hat, es könne sein, dass es der 24. wird statt der 23.

Sie hat aufgelegt.

Zehn Minuten später hat sie zurückgerufen und sich entschuldigt, und er hat gesagt, sie müsse sich nicht entschuldigen, und dass es der 23. bleibe, er habe das inzwischen geklärt.
Siebenundzwanzig Telefonate, zwei davon wichtig Was danach passiert ist, ist nichts Besonderes.

Er hat gesagt: „Du bist ja noch wach."

Sie hat gesagt: „Ja."

Sie haben in der Küche gesessen, alle drei, um halb zwölf nachts, und er hat ein Brot gegessen, weil er seit Kassel nichts gehabt hatte.

Es gab kein Gespräch, das man aufschreiben könnte.

Mattea hat später gesagt, das sei der beste Moment des ganzen Jahres gewesen, und dass sie nicht erklären könne, warum, weil ja nichts passiert sei.

Um halb eins ist sie ins Bett gegangen und sofort eingeschlafen.

Am 24. war Weihnachten, und Weihnachten war, wie Weihnachten eben ist: kürzer als der Dezember davor.
Am 23. fällt der Zug aus Im März darauf hat ihr Vater eine Stelle in der Nähe gefunden, die schlechter bezahlt war.

Er hat sie genommen.

Der Rollladen wurde am 3. Januar repariert und funktioniert seitdem.

Mattea zählt nicht mehr rückwärts. Sie hat es sich in dem Dezember so gründlich abgewöhnt, dass sie heute nicht einmal mehr weiß, wie viele Tage bis zu ihrem Geburtstag sind.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzen sie noch heute manchmal um halb zwölf in der Küche.
Um acht ins Bett und nicht eingeschlafen Am 23. Dezember ist der Zug ausgefallen.

Nicht verspätet. Ausgefallen, wegen einer Weichenstörung, und der nächste ging zwei Stunden später und war voll.

Er hat um 18 Uhr angerufen und gesagt, es werde halb zwölf.

Mattea hat gesagt, das sei in Ordnung, und es war nicht in Ordnung, aber sie hat es trotzdem gesagt, was mit zwölf eine ziemliche Leistung ist.

Sie ist um acht ins Bett gegangen und nicht eingeschlafen.

Um zwanzig nach elf hat sie die Haustür gehört.

Sie ist nicht sofort aufgestanden.

Sie hat gehört, wie er die Jacke ausgezogen hat, wie er mit ihrer Mutter gesprochen hat, leise, wie Wasser gelaufen ist.

Dann ist sie in den Flur gegangen.
Halb zwölf nachts in der Küche Am 3. Januar ist der Rollladen repariert
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Sieben ruhige Minuten. Es gibt keine Gefahr — nur Warten, ein kaputter Rollladen und ein ausgefallener Zug. Der Schluss ist eine Küche um halb zwölf nachts.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Rollladen – die Jalousie vor dem Fenster, die man hoch- und herunterfährt
  • Weichenstörung – wenn eine Weiche im Gleis kaputt ist und keine Züge durchkönnen
  • Handwerker – jemand, der Kaputtes repariert
  • Beiwerk – Sachen, die man für unwichtig hält
  • sich abgewöhnen – aufhören, etwas zu tun, was man lange getan hat

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum macht Rückwärtszählen die Zeit länger?
  • Warum sagt Mattea am Telefon „das ist in Ordnung", obwohl es das nicht ist?
  • Auf wen wartet ihr manchmal — und was macht ihr in der Zeit?

Warum „Der längste Dezember" zum Einschlafen passt

Diese Geschichte eignet sich für Familien, in denen jemand unter der Woche oder länger weg ist. Sie macht daraus kein Drama und kein Problem, das gelöst werden muss — sie beschreibt nur, wie es sich anzieht.

Der Vater kommt am Ende zurück und wechselt im Frühjahr die Stelle. Wenn das bei Ihnen nicht so ist, lässt sich der Schluss beim Vorlesen gut offenlassen: „Bei denen hat es geklappt."

Die Stelle mit der schlechten Arbeit und dem Weinen am Telefon ist absichtlich drin. Kinder erzählen manches leichter, wenn sie dabei nicht angeschaut werden — das gilt auch im Auto oder beim Spazierengehen.

Wenn „Der längste Dezember" gefallen hat

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Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Der längste Dezember

Worum geht es in „Der längste Dezember"?

Matteas Vater arbeitet zweihundertsechzig Kilometer entfernt und kommt erst am 23. Dezember. Die dreiundzwanzig Tage davor sind der längste Monat ihres Lebens.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund sieben Minuten.

Ist die Geschichte traurig?

Sie ist ruhig, nicht traurig. Der Vater kommt an, wenn auch spät, und findet im Frühjahr eine Stelle in der Nähe.

Passt sie, wenn bei uns jemand oft weg ist?

Dafür ist sie gemacht. Sie macht daraus kein Drama und verspricht auch keine Lösung – der Schluss lässt sich beim Vorlesen offenlassen.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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