Die Nacht vom fünften auf den sechsten

Die Nacht vom fünften auf den sechsten

Zusammenfassung: „Die Nacht vom fünften auf den sechsten" in drei Sätzen

Zwischen elf Uhr abends und halb eins nachts passiert in einem Haus mit vier Kindern eine ganze Menge.

Es geht dabei kein einziges Mal um den Nikolaus.

Es geht um eine Tüte, die verlegt wurde, eine Katze, ein knarrendes Brett und die Frage, wer eigentlich noch wach ist.

Die Nacht vom fünften auf den sechsten – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 6 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Um zehn nach elf war das letzte Kind eingeschlafen.

Das war Bruno, sechs, der zweimal wieder herausgekommen war: einmal wegen Durst und einmal wegen einer Frage, die lautete, ob der Nikolaus auch in Wohnungen kommt, in denen ein Hund ist. Sie haben keinen Hund. Die Frage war trotzdem wichtig.

Um Viertel nach elf standen Ilka und Sören in der Küche und waren beide zu müde für das, was jetzt kam.

Vier Stiefel standen vor der Wohnungstür, im Treppenhaus, in einer Reihe nach Größe.

Die Tüte mit den Sachen war nicht da, wo sie sein sollte.
Bruno kommt zum zweiten Mal heraus Sie sollte oben im Schlafzimmerschrank sein, hinter den Handtüchern, und sie war es nicht.

Es folgte die Sorte Suche, die man nur nachts macht: leise, mit Handy-Taschenlampe, ohne Schranktüren richtig aufzumachen, mit gedämpften Zurufen aus zwei Zimmern.

Nicht im Schrank. Nicht im Keller. Nicht im Auto.

Sören hatte sie am Dienstag gekauft und war sich sicher, dass er sie hochgetragen hatte.

Ilka fand sie um zwanzig vor zwölf, in der Waschküche, hinter dem Trockner, wo Sören sie hingestellt hatte, als er die Wäsche geholt hatte, weil er sonst keine Hand frei gehabt hätte.

Er hat sich daran erinnert, sobald sie es sagte, und das ist immer das Ärgerliche.
Vier Stiefel nach Größe im Treppenhaus Um zehn vor zwölf fing das Aufteilen an.

Vier Stiefel, sehr unterschiedliche Kinder, und ein ungeschriebenes Gesetz: Alle bekommen gleich viel, aber nicht dasselbe.

Bruno, sechs: Schokolade, Mandarine, Nüsse, ein kleines Auto.

Fenja, neun: dasselbe ohne Auto, dafür Haargummis, weil sie ständig welche verliert.

Malte, zwölf: dasselbe, dazu Batterien für die Fahrradlampe, was langweilig klingt und genau richtig war.

Und Karla, fünfzehn.

Bei Karla haben sie zwei Minuten diskutiert, weil Karla im November gesagt hatte, das mit den Stiefeln sei „so ein Kinderding", und dann trotzdem einen hinausgestellt hatte, kommentarlos, als Erste von allen vieren.

Sie haben ihr dasselbe hineingetan wie den anderen und zusätzlich einen Zettel mit dem Satz, dass sie den Stiefel bemerkt hätten.
Suchen mit der Handy-Taschenlampe Um zwölf Uhr fünf kam die Katze.

Die Katze heißt Ziege, aus Gründen, die niemand mehr rekonstruieren kann, und sie hat ein Verhältnis zu Papiertüten, das man nur als Sucht bezeichnen kann.

Sie ist in die Tüte gestiegen, während die Tüte noch halb voll war, und hat sich hingesetzt.

Eine Katze, die in einer Tüte sitzt, kann man nicht herausheben. Man kann warten oder die Tüte opfern.

Sie haben gewartet.

In diesen vier Minuten haben sie in der Küche gesessen und nichts gesagt, und Ilka hat später erzählt, das sei der schönste Teil des Abends gewesen: halb zwölf durch, alles doof gelaufen, eine Katze in einer Tüte, und man kann gerade nichts machen.
Die Tüte stand hinter dem Trockner Um halb eins waren die Stiefel voll und die beiden im Bett.

Am Morgen um kurz nach sieben ging es los: Bruno zuerst, dann Fenja, dann Malte, alle im Flur, alle laut.

Karla kam als Letzte.

Sie hat ihren Stiefel genommen, den Zettel gelesen, nichts gesagt und die Mandarine sofort gegessen.

Später am Frühstückstisch hat sie zu ihrer Mutter gesagt: „Das Brett müsstet ihr mal festschrauben."

Ihre Mutter hat gesagt: „Ja, müssten wir."

Mehr ist dazu nie gesagt worden.

Im Jahr darauf hat Karla ihren Stiefel wieder hinausgestellt, und im Jahr darauf auch, und irgendwann hat sie angefangen, abends um elf in der Küche mitzuhelfen, ohne dass das jemand vorgeschlagen hätte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann knarrt das Brett noch heute jeden Dezember.
Alle gleich viel, aber nicht dasselbe Die Moral von „Die Nacht vom fünften auf den sechsten"

Kinder finden irgendwann heraus, wer die Stiefel füllt. Das lässt sich nicht verhindern und muss auch nicht.

Was danach passiert, ist die eigentliche Frage. Karla hätte die Tür aufmachen und etwas sagen können. Sie hat sie zugemacht.

Damit hat sie nicht mitgespielt, um ihre Eltern zu schonen. Sie hat sich entschieden, auf die andere Seite zu wechseln — und dort ist es, wie sich herausstellt, mindestens genauso interessant.
Eine Katze in einer Tüte kann man nicht herausheben Um zwölf Uhr zwanzig ging es ins Treppenhaus, und da war das Brett.

Zwischen Wohnungstür und Treppenabsatz liegt ein Dielenbrett, das knarrt, und zwar nicht leise, sondern wie ein Tier.

Sie kennen das Brett seit elf Jahren. Sie treten normalerweise darüber.

Sören ist an diesem Abend darauf getreten, weil er zwei Hände voll hatte und nach unten nicht sehen konnte.

Oben ging eine Tür.

Es war Karla, die noch wach gewesen war, weil Fünfzehnjährige um halb eins wach sind, und die im Türspalt stand und genau sah, was los war.

Sie hat drei Sekunden geguckt.

Dann hat sie leise die Tür wieder zugemacht.
Das Brett knarrt wie ein Tier Karla guckt drei Sekunden und macht die Tür zu
Passend zu dieser Geschichte

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Sechs ruhige Minuten. Es gibt keine Gefahr, nur eine verlegte Tüte, eine Katze und ein knarrendes Brett — und am Ende schlafen alle.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Treppenabsatz – die kleine ebene Fläche zwischen zwei Treppenläufen
  • Dielenbrett – eines der langen Holzbretter, aus denen ein Fußboden besteht
  • Waschküche – der Raum, meist im Keller, in dem Waschmaschine und Trockner stehen
  • rekonstruieren – herausfinden, wie etwas früher einmal war
  • Türspalt – der schmale Spalt, wenn eine Tür nur ein kleines Stück offen ist

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum macht Karla die Tür wieder zu?
  • Warum bekommen alle gleich viel, aber nicht dasselbe?
  • Was ist bei euch schon mal verlegt worden und tauchte an einem komischen Ort wieder auf?

Warum „Die Nacht vom fünften auf den sechsten" zum Einschlafen passt

Diese Geschichte ist ausdrücklich für Familien, in denen die Großen schon Bescheid wissen. Sie erzählt aus der Sicht der Eltern und nimmt keinem jüngeren Kind etwas weg, weil der Nikolaus darin schlicht nicht vorkommt.

Der Satz „alle bekommen gleich viel, aber nicht dasselbe" ist bei mehreren Kindern die brauchbarste Regel — er beugt dem Vergleichen vor, ohne alles gleichmachen zu müssen.

Wenn ältere Geschwister anfangen, sich zu langweilen: In dieser Geschichte wechselt eine Fünfzehnjährige die Seite, ohne dass jemand sie dazu auffordert.

Wenn „Die Nacht vom fünften auf den sechsten" gefallen hat

Mehr davon unter Nikolausgeschichten und Weihnachtsgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Die Nacht vom fünften auf den sechsten

Worum geht es in „Die Nacht vom fünften auf den sechsten"?

Zwischen elf Uhr abends und halb eins nachts füllen zwei Eltern vier Stiefel. Eine Tüte ist verlegt, die Katze sitzt darin, und ein Dielenbrett knarrt zur falschen Zeit.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund sechs Minuten.

Verrät die Geschichte, wer die Stiefel füllt?

Ja, sie erzählt aus Sicht der Eltern. Für Kinder, die noch fest daran glauben, ist sie deshalb nicht gedacht.

Passt sie für Familien mit mehreren Kindern?

Besonders. Sie handelt genau davon, wie man vier sehr verschiedene Stiefel gerecht füllt.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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