Zwölf Stiefel vor einer Tür

Zwölf Stiefel vor einer Tür

Zusammenfassung: „Zwölf Stiefel vor einer Tür" in drei Sätzen

In einem Haus mit zwölf Wohnungen stellen am 5. Dezember alle Kinder ihre Stiefel ins Treppenhaus.

Vor einer Tür steht kein Stiefel, weil dort niemand wohnt, der klein ist.

Am Morgen steht dort trotzdem einer.

Zwölf Stiefel vor einer Tür – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Das Haus hat drei Aufgänge und in jedem Aufgang vier Wohnungen.

Am Abend des 5. Dezember sieht ein Treppenhaus in so einem Haus ungefähr so aus: sieben Paar Stiefel, alle vor der eigenen Tür, alle geputzt, unterschiedlich gut.

Sieben, weil in fünf Wohnungen keine Kinder wohnen.

In einer davon wohnte Herr Pawlicki, der zweiundachtzig war und seit vier Jahren allein.

Er ging jeden Tag um halb elf einkaufen, mit einem Rollator, und wieder herauf, was zwanzig Minuten dauerte, und er sagte guten Tag, wenn ihm jemand begegnete.

Mehr wusste eigentlich niemand über ihn.
Sieben Paar Stiefel im Treppenhaus Die Idee kam von den drei Kindern aus dem zweiten Stock, und sie war nicht besonders durchdacht.

Sie fanden, dass vor jeder Tür ein Stiefel stehen sollte.

Ihre Mutter sagte, dass Herr Pawlicki vielleicht gar keinen Nikolaus wolle und dass alte Leute manchmal nicht wollen, dass man sie bemitleidet.

Das war ein guter Einwand, und die Kinder haben ihn eine halbe Stunde lang ernst genommen und dann trotzdem gemacht.

Sie haben aber etwas geändert: Sie haben keinen Stiefel vor seine Tür gestellt.

Sie haben ihm einen gegeben.
Herr Pawlicki kommt vom Einkaufen herauf Sie haben geklingelt, zu dritt, und gefragt, ob er mitmacht.

Nicht: ob er etwas haben will. Ob er mitmacht.

Herr Pawlicki hat gesagt, er habe keine Kinderstiefel.

Der Mittlere hat gesagt, es gehe auch mit Erwachsenenschuhen, das mache sein Vater auch.

Also hat Herr Pawlicki einen braunen Halbschuh geputzt, was fünf Minuten gedauert hat und in einem Flur passiert ist, in dem drei Kinder danebenstanden und zugeschaut haben, und hat ihn vor die Tür gestellt.

In der Nacht haben acht verschiedene Leute etwas hineingetan.

Das war nicht abgesprochen. Es hat sich einfach über den Abend im Haus herumgesprochen, so wie sich das in Häusern herumspricht.

Am Morgen war der Halbschuh voll und stand schief, weil eine Flasche darin lag.
Nicht: willst du was. Sondern: machst du mit Was drin war: zwei Mandarinen, Nüsse, ein Schokoladenweihnachtsmann, ein Lebkuchen, eine kleine Flasche Eierlikör von Frau Ott aus dem Erdgeschoss, ein Feuerzeug — das war ein Versehen, jemand hatte es in der Tasche gehabt —, ein Zettel von den Kindern mit einer Zeichnung, und zehn Euro von jemandem, der nicht dazugeschrieben hat, wer.

Die zehn Euro fand Herr Pawlicki zu viel, und er hat versucht herauszufinden, von wem sie waren, und es ist ihm nicht gelungen.

Im Jahr darauf hat er selbst mitgemacht, auf der anderen Seite.

Er stand am 5. Dezember um halb elf abends im Treppenhaus, mit einer Tüte Nüsse, und hat in sieben Stiefel eine Handvoll getan.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann stehen die Stiefel noch heute jeden Dezember im Treppenhaus.
Ein brauner Halbschuh wird geputzt Am Morgen steht er schief, weil eine Flasche drin liegt Im Jahr darauf steht er selbst im Treppenhaus Die Moral von „Zwölf Stiefel vor einer Tür"

Der Unterschied liegt in einem einzigen Wort.

„Willst du auch etwas?" macht den anderen zum Empfänger. „Machst du mit?" macht ihn zum Beteiligten.

Die Kinder haben das nicht durchdacht — sie haben es zufällig richtig gemacht. Aber es ist der Grund, warum Herr Pawlicki im Jahr darauf um halb elf abends im Treppenhaus stand.
Passend zu dieser Geschichte

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Diese Geschichte am 5. Dezember vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr. Es geht um einen alten Nachbarn, und es wird ausdrücklich nicht gejammert — er macht am Ende selbst mit.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Rollator – eine Gehhilfe auf Rädern, an der man sich festhält
  • Aufgang – ein Treppenhaus in einem Mietshaus; große Häuser haben mehrere
  • Halbschuh – ein normaler Schuh, der nicht über den Knöchel geht
  • Eierlikör – ein süßes Getränk für Erwachsene
  • bemitleiden – jemanden bedauern — was sich oft schlechter anfühlt, als es gemeint ist

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum sagt die Mutter erst, das sei vielleicht keine gute Idee?
  • Was ist der Unterschied zwischen „willst du auch etwas" und „machst du mit"?
  • Wen kennt ihr im Haus oder in der Straße, den ihr fragen könntet?

Warum „Zwölf Stiefel vor einer Tür" zum Einschlafen passt

Der Einwand der Mutter wird in der Geschichte nicht abgetan, sondern ernst genommen und dann anders gelöst. Wer mit Kindern eine ähnliche Aktion plant, kann genau daran anknüpfen: Beteiligung statt Zuwendung.

Eine gute Geschichte für Kinder, die ältere Nachbarn eher meiden — hier passiert nichts Peinliches und niemand muss trösten.

Wenn „Zwölf Stiefel vor einer Tür" gefallen hat

Mehr davon unter Nikolausgeschichten und Weihnachtsgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Zwölf Stiefel vor einer Tür

Worum geht es in „Zwölf Stiefel vor einer Tür"?

Im Treppenhaus stehen am 5. Dezember sieben Kinderstiefel. Vor einer Tür steht keiner – bis drei Kinder klingeln und fragen, ob der alte Nachbar mitmacht.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Ist die Geschichte traurig?

Nein. Herr Pawlicki wird nicht bemitleidet, sondern gefragt – und im Jahr darauf macht er selbst mit.

Passt die Geschichte in den Dezember?

Ja, sie spielt am Abend des 5. Dezember.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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