Nikolaus von Myra und die drei Beutel

Nikolaus von Myra und die drei Beutel

Zusammenfassung: „Nikolaus von Myra und die drei Beutel" in drei Sätzen

In der Stadt Myra lebt ein Mann, der drei Töchter hat und kein Geld mehr.

Dreimal liegt am Morgen ein Beutel mit Gold im Haus, und niemand weiß, woher.

Beim dritten Mal bleibt der Vater wach.

Nikolaus von Myra und die drei Beutel – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Myra lag an der Küste, dort, wo heute die Türkei ist, und war eine ganz normale Stadt: Hafen, Markt, Fischer, Händler.

Nikolaus war dort Bischof, also der Kirchenmann, der für die ganze Gegend zuständig war. Er hatte Geld geerbt und tat damit etwas, das damals wie heute ungewöhnlich war: Er gab es weg, aber ohne dass jemand davon erfuhr.

Im selben Ort wohnte ein Mann, dem es schlecht ging. Er hatte einmal etwas besessen und dann nicht mehr, und er hatte drei Töchter.

Damals war das ein doppeltes Problem. Wer heiraten wollte, brauchte eine Mitgift — Geld oder Sachen, die die Familie der Braut mitgab. Ohne Mitgift keine Heirat, und ohne Heirat gab es für die Töchter kaum eine Möglichkeit, sich selbst zu ernähren.

Der Mann wusste nicht weiter, und was er darüber nachdachte, ist in den alten Erzählungen so unangenehm, dass wir es hier nicht ausbreiten.
Myra war eine ganz normale Hafenstadt Eines Morgens lag im Haus ein Beutel.

Nicht vor der Tür, sondern drinnen — durch das Fenster geworfen, in der Nacht, von jemandem, der nicht gesehen werden wollte.

Darin war Gold, genug für die älteste Tochter.

Der Mann fragte im Ort herum. Niemand wusste etwas.

Ein Jahr später, ungefähr, lag wieder einer da. Genug für die zweite.

Wieder fragte er, und wieder wusste niemand etwas, und langsam wurde die Sache im Ort zum Gespräch. Es gab Vermutungen. Es gab auch falsche.

Beim dritten Mal legte der Vater sich nachts unter das Fenster und wartete.
Drei Töchter und kein Geld für die Mitgift Er hörte Schritte, dann etwas, das über die Fensterbank kam, dann einen dumpfen Aufschlag.

Er lief hinaus und bekam den Mann am Mantel zu fassen.

Es war Nikolaus.

Und jetzt kommt der Teil der Geschichte, der eigentlich der wichtigste ist und den fast niemand erzählt: Nikolaus hat ihn gebeten, es nicht weiterzusagen.

Nicht aus Bescheidenheit als Geste, sondern weil ein Geschenk, von dem alle wissen, wer es gegeben hat, kein Geschenk mehr ist, sondern eine Verpflichtung. Der Vater hätte danach jedes Mal Danke sagen müssen, wenn er Nikolaus auf der Straße begegnet, sein Leben lang.

Der Vater hat es trotzdem weitererzählt.

Deshalb kennen wir die Geschichte.
Am Morgen liegt ein Beutel auf dem Boden Nikolaus ist am 6. Dezember gestorben, ungefähr im Jahr 343.

Deshalb ist der Nikolaustag der 6. Dezember, und deshalb wird an diesem Tag heimlich etwas hingestellt: in einen Stiefel, vor eine Tür, auf eine Fensterbank.

Das Heimliche ist nicht Beiwerk. Es ist der Kern.

Wer am 5. Dezember abends einen Stiefel putzt und ihn hinausstellt, macht genau das nach, was in Myra passiert sein soll: etwas geben, ohne dabei gesehen zu werden.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann stehen die Stiefel noch heute jeden Dezember vor den Türen.
Jemand, der nicht gesehen werden will Beim dritten Mal wartet der Vater Deshalb stehen heute Stiefel vor den Türen Die Moral von „Nikolaus von Myra und die drei Beutel"

Nikolaus wirft das Gold durch ein Fenster und läuft weg. Er will nicht erwischt werden.

Das ist ungewöhnlich. Die meisten Menschen geben gern und lassen sich dabei gern sehen, und das ist auch in Ordnung.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen einem Geschenk, das jemanden freier macht, und einem, das ihn zum Dankeschön verpflichtet. Nikolaus hat den Unterschied gekannt.
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Diese Geschichte vor dem 6. Dezember vorlesen

Vier Minuten. Es gibt keine Gefahr und keinen Bösewicht — es geht um jemanden, der nicht erwischt werden will, und am Ende steht ein Stiefel vor einer Tür.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Myra – eine Hafenstadt an der Küste der heutigen Türkei
  • Bischof – ein Kirchenmann, der für eine ganze Gegend zuständig ist
  • Mitgift – Geld oder Sachen, die eine Familie der Braut bei der Hochzeit mitgab
  • Beutel – ein kleiner Sack aus Stoff oder Leder, hier voller Goldmünzen
  • heimlich – so, dass niemand es sieht oder erfährt

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum will Nikolaus nicht, dass jemand erfährt, wer geschenkt hat?
  • Der Vater erzählt es trotzdem weiter. War das richtig?
  • Habt ihr schon mal etwas verschenkt, ohne es zu sagen?

Warum „Nikolaus von Myra und die drei Beutel" zum Einschlafen passt

Was gesichert ist: Ein Bischof namens Nikolaus lebte im 4. Jahrhundert in Myra. Sein Todestag, der 6. Dezember, ist seit dem frühen Mittelalter der Nikolaustag.

Die Geschichte mit den drei Beuteln ist eine Legende und lässt sich nicht überprüfen. Sie ist aber der Grund für den Brauch — deshalb wird heimlich geschenkt und nicht offen.

Der Nikolaus ist nicht der Weihnachtsmann. Wer das erklären möchte, findet dazu bei uns eine eigene Geschichte.

Wenn „Nikolaus von Myra und die drei Beutel" gefallen hat

Mehr davon unter Nikolausgeschichten und Weihnachtsgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Nikolaus von Myra und die drei Beutel

Worum geht es in „Nikolaus von Myra und die drei Beutel"?

Ein Vater in Myra hat drei Töchter und kein Geld. Dreimal liegt morgens ein Beutel Gold im Haus – und beim dritten Mal bleibt er wach.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Hat Nikolaus wirklich gelebt?

Ja. Ein Bischof namens Nikolaus lebte im 4. Jahrhundert in Myra, in der heutigen Türkei. Die Geschichte mit den Beuteln ist eine Legende.

Warum ist Nikolaus am 6. Dezember?

Weil das sein Todestag ist, ungefähr im Jahr 343.

Warum stellt man Stiefel raus?

Weil in der Legende heimlich geschenkt wird. Der Stiefel vor der Tür macht genau das nach.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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