Der Nikolaus mit den falschen Schuhen

Der Nikolaus mit den falschen Schuhen

Zusammenfassung: „Der Nikolaus mit den falschen Schuhen" in drei Sätzen

Beim Nikolausbesuch in der Turnhalle erkennt Silvan an den Schuhen, wer unter dem Mantel steckt.

Er sagt es nicht.

Was er stattdessen macht, ist schwieriger und dauert den ganzen Nachmittag.

Der Nikolaus mit den falschen Schuhen – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Es waren blaue Laufschuhe mit einem gelben Streifen.

Sie schauten unter dem roten Mantel hervor, etwa fünf Zentimeter, und Silvan kannte sie, weil sie jeden Morgen im Flur des Hausmeisterbüros standen.

Silvan war acht und in dem Alter, in dem man solche Sachen bemerkt und in dem man noch nicht weiß, was man damit macht.

Neben ihm saßen die Kleinen aus der ersten Klasse und aus dem Kindergarten, sechzig Stück, und die guckten alle nach vorn, wo der Nikolaus gerade das Buch aufschlug.

Silvan guckte auf die Schuhe.

Dann guckte er nach links, und da saß sein Bruder Tobi, der fünf war und dem gerade der Mund offen stand.
Blaue Laufschuhe mit gelbem Streifen Der Satz lag ihm auf der Zunge, und er war ein guter Satz.

„Das ist Herr Radtke."

Vier Wörter, und der ganze Nachmittag wäre eine andere Sache gewesen. Alle hätten hingeguckt. Silvan hätte etwas gewusst, was die anderen nicht wussten, und das ist mit acht Jahren ungefähr die wertvollste Währung, die es gibt.

Er hat den Satz nicht gesagt.

Nicht, weil ihn jemand davon abgehalten hätte. Es war niemand da, der etwas gemerkt hätte.

Er hat auf seinen Bruder geguckt und dann auf die Schuhe und dann wieder auf seinen Bruder, und dann hat er den Mund zugelassen.

Das klingt nach nichts. Es war das Schwerste, was er an diesem Tag gemacht hat.
Sechzig Kinder gucken nach vorn Der Nachmittag dauerte noch vierzig Minuten.

In diesen vierzig Minuten hat Silvan dreimal fast etwas gesagt: als Tobi ihm ins Ohr flüsterte, ob der Nikolaus wirklich alles wisse; als ein Mädchen fragte, wo denn das Pferd sei; und als der Nikolaus beim Vorlesen aus dem Buch eine Stelle nicht entziffern konnte und „hmhm" machte.

Jedes Mal hat er den Mund aufgemacht und wieder zu.

Beim Rausgehen hat Herr Radtke — also der Nikolaus — ihm die Hand gegeben und dabei einen Moment länger hingeschaut als bei den anderen.

Silvan hat nicht gewusst, ob das etwas bedeutet.

Am nächsten Morgen stand im Flur des Hausmeisterbüros ein Becher heiße Schokolade, und daneben lag ein Zettel, auf dem stand: „Für den, der nichts gesagt hat."

Der Becher stand da bis zur zweiten Pause.

Dann hat Silvan ihn genommen.
Silvan guckt auf seinen Bruder Er hat es Tobi im Jahr darauf erzählt, als der sechs war und es von allein herausgefunden hatte.

Tobi war überhaupt nicht überrascht und ein bisschen beleidigt, weil er dachte, er sei der Letzte gewesen.

Silvan hat gesagt, alle finden es irgendwann heraus, und dass es darauf ankommt, wann.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann steht der Becher noch heute jeden Dezember im Flur.
Dreimal fast etwas gesagt Ein Moment länger hingeschaut Für den, der nichts gesagt hat Die Moral von „Der Nikolaus mit den falschen Schuhen"

Etwas zu wissen und es nicht zu sagen, ist eine Leistung, für die man selten gelobt wird — weil ja niemand merkt, dass man es getan hat.

Silvan hätte an diesem Nachmittag der Interessanteste im Raum sein können. Er hat sich stattdessen für seinen Bruder entschieden.

Herr Radtke hat es gemerkt, und das war Glück. Meistens merkt es niemand, und man muss trotzdem selbst wissen, dass es gut war.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Woran erkennt Silvan, wer unter dem roten Mantel steckt?

    An blauen Laufschuhen mit einem gelben Streifen, die etwa fünf Zentimeter unter dem Mantel hervorschauten. Er kannte sie, weil sie jeden Morgen im Flur des Hausmeisterbüros standen.

  2. 2Welchen Satz hätte Silvan sagen können, und warum sagt er ihn nicht?

    „Das ist Herr Radtke.“ Vier Wörter, und alle hätten hingeguckt. Aber links neben ihm saß sein Bruder Tobi, der fünf war und dem gerade der Mund offen stand — und da hat Silvan den Mund zugelassen.

  3. 3Wie oft hätte Silvan an diesem Nachmittag fast doch etwas gesagt?

    Dreimal: als Tobi ihm ins Ohr flüsterte, ob der Nikolaus wirklich alles wisse, als ein Mädchen fragte, wo denn das Pferd sei, und als der Nikolaus eine Stelle im Buch nicht entziffern konnte und „hmhm“ machte.

  4. 4Was steht am nächsten Morgen im Flur des Hausmeisterbüros?

    Ein Becher heiße Schokolade und daneben ein Zettel: „Für den, der nichts gesagt hat.“ Der Becher stand da bis zur zweiten Pause, dann hat Silvan ihn genommen.

  5. 5Wie reagiert Tobi, als er es ein Jahr später selbst herausfindet?

    Er war überhaupt nicht überrascht und ein bisschen beleidigt, weil er dachte, er sei der Letzte gewesen. Silvan hat ihm gesagt, alle finden es irgendwann heraus, und dass es darauf ankommt, wann.

Wörter aus der Geschichte

Turnhalle
der große Raum in der Schule, in dem man klettert, springt und Sport macht
Laufschuhe
leichte Sportschuhe zum Rennen
Währung
das, womit man bezahlt, hier gemeint als etwas sehr Wertvolles
entziffern
eine schwer lesbare Schrift mühsam herausbekommen
beleidigt
gekränkt, weil man etwas nicht schön findet, was jemand gemacht oder gesagt hat

Zum Weitererzählen

  • Warum ist es manchmal schwer, etwas für sich zu behalten, das man weiß?
  • Herr Radtke hat Silvan beim Rausgehen einen Moment länger angeschaut als den anderen. Was hat er sich wohl dabei gedacht?
  • Ist es schöner, etwas selbst herauszufinden, oder es gesagt zu bekommen?
  • Für wen würdest du etwas nicht verraten, obwohl du es weißt?
Passend zu dieser Geschichte

Band 5 – Ein Erfinderprinz beim Drachenrennen

Beim großen Drachenrennen gewinnt nicht der Schnellste, sondern der mit der besseren Idee. In Band 5 mischt sich ein Erfinder ein – für Kinder, die wissen wollen, wie Dinge funktionieren.

Oder gleich alle sechs Bände: 79,00 € statt 90,00 €

Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr. Der Konflikt findet im Kopf statt, und der Schluss ist ein Becher heiße Schokolade.

Warum „Der Nikolaus mit den falschen Schuhen" zum Einschlafen passt

Die Geschichte nimmt keine Position dazu ein, ob Kinder an den Nikolaus glauben sollen. Sie handelt davon, was man mit einem Wissen macht, das jemand anderem etwas wegnehmen würde.

Geeignet für ältere Geschwister, die gerade dahintergekommen sind. Sie werden darin nicht ermahnt, sondern gewürdigt.

Wenn „Der Nikolaus mit den falschen Schuhen" gefallen hat

Mehr davon unter Nikolausgeschichten und Weihnachtsgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Der Nikolaus mit den falschen Schuhen

Worum geht es in „Der Nikolaus mit den falschen Schuhen"?

Silvan erkennt beim Nikolausbesuch an den Laufschuhen, wer unter dem Mantel steckt – und behält es für sich, wegen seines kleinen Bruders.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Verrät die Geschichte, dass der Nikolaus verkleidet ist?

Für ältere Kinder ja – sie ist für die gemacht, die es ohnehin schon ahnen. Für jüngere Geschwister ist sie deshalb nicht die erste Wahl.

Passt die Geschichte in den Dezember?

Ja, sie spielt beim Nikolausbesuch in der Schule.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

Morgen Abend weiterlesen? Ritter Emil und Zauberer Henry gibt es gedruckt – sechs Bände zum Vorlesen ab vier Jahren, alle sechs zusammen 79,00 € statt 90,00 €.

Noch mehr Geschichten für heute Abend

Diese Geschichte ist eine von 214 kostenlosen Gute-Nacht-Geschichten auf emhema.de – alle zum Vorlesen und als PDF zum Ausdrucken.

  • Den 23. mit Kugelschreiber eingetragen

    Der längste Dezember

    7 Minuten Vorlesezeit

    Im Jahr, in dem Mattea zwölf wird, dauert der Dezember gefühlt neun Wochen. Es liegt daran, dass ihr Vater seit August in einer anderen Stadt arbeitet und erst am 23. kommt. Die drei...

  • Drei Wochen alt und über der Heizung

    Der Kranz, der zu früh brannte

    4 Minuten Vorlesezeit

    Am vierten Advent brennen vier Kerzen auf einem Kranz, der seit drei Wochen auf der Heizung steht. Als alle kurz in der Küche sind, fängt er an zu brennen. Was dann passiert, dauert ...

  • Neunzig Minuten, immer gleich

    Der zweite Advent bei Frau Kroll

    4 Minuten Vorlesezeit

    Jedes Jahr am zweiten Advent besucht Familie Doric die Nachbarin von gegenüber, und jedes Jahr findet Elin das schrecklich. In diesem Jahr fällt der Besuch aus, weil Frau Kroll im Kr...

  • Der Dezember ist der längste Monat

    Warten ist ein Beruf

    4 Minuten Vorlesezeit

    Am 2. Dezember erklärt Jost, dass Warten das Schlimmste sei, was es gibt. Sein Onkel, der bei der Bahn arbeitet, widerspricht ihm. Er zeigt ihm etwas, das Jost danach vier Wochen lan...

  • Der Kranz steht in der Mitte

    Das Wachs auf dem Tisch

    3 Minuten Vorlesezeit

    Am dritten Advent kippt eine Kerze um, und auf dem Esstisch liegt ein Fleck aus rotem Wachs. Der Tisch gehört der Familie seit vier Generationen. Was danach passiert, ist deutlich we...

  • Sechs Sorten auf dem Tisch

    Die Plätzchen, die keiner mochte

    3 Minuten Vorlesezeit

    Jedes Jahr backt Oma Rethmeier Anisplätzchen, und jedes Jahr isst sie niemand. In diesem Jahr sagt es ihr jemand. Was dann passiert, hätte niemand vorhergesehen.