Die Laterne, die zweimal ausging

Die Laterne, die zweimal ausging

Zusammenfassung: „Die Laterne, die zweimal ausging" in drei Sätzen

Jost hat drei Nachmittage an seiner Laterne gebastelt, einem Igel aus Pappe mit sechzig aufgeklebten Stacheln.

Beim Umzug geht die Kerze aus, bevor sie um die erste Ecke sind, und danach noch einmal.

Ein Mädchen, das er nicht kennt, macht dann etwas, an das er sich noch Jahre später erinnert.

Die Laterne, die zweimal ausging – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Die Laterne war ein Igel.

Das muss man erklären, weil man es sonst nicht erkennt. Jost hatte einen Luftballon aufgeblasen, Kleister angerührt, Zeitungsschnipsel daraufgeklebt und drei Tage gewartet.

Dann hatte er den Ballon zerstochen, ein Loch für die Kerze geschnitten und sechzig Stacheln aus brauner Pappe einzeln aufgeklebt.

Sechzig ist keine Schätzung. Er hatte sie geschnitten und dabei mitgezählt, weil das Schneiden sonst nicht auszuhalten war.

Am Elfte-November-Abend war es kalt und windig, und die Straße vor dem Kindergarten war voller Leute mit Laternen.

Seine Mutter zündete die Kerze an und schob sie ins Loch.

Der Igel leuchtete von innen. Die Stacheln warfen sechzig kleine Schatten nach außen.

Es sah sehr gut aus.
Der Igel aus Pappmaché mit sechzig Stacheln Es sah genau achtzig Meter lang sehr gut aus.

Dann kamen sie um die Ecke in die Bahnhofstraße, und in der Bahnhofstraße steht der Wind immer, weil sie geradeaus zum Fluss führt.

Die Kerze ging aus.

Nicht langsam, sondern sofort, so wie eine Kerze ausgeht, wenn jemand pustet.

Jost blieb stehen. Hinter ihm blieb eine Familie stehen, dann noch eine.

Seine Mutter kramte nach dem Feuerzeug, was in einer Jackentasche mit Handschuhen darin länger dauert, als man denkt, und der Zug ging derweil weiter.

Als die Kerze wieder brannte, war der Abstand zu den anderen schon groß.

Sie liefen schneller, um aufzuschließen, und beim Schnellerlaufen ging die Kerze wieder aus.
Der Zug sammelt sich vor dem Kindergarten Beim zweiten Mal sagte Jost nichts.

Er ging einfach weiter, mit einem dunklen Igel an einem Stock, mitten in einem Zug aus lauter leuchtenden Sternen, Monden, Fledermäusen und einem Feuerwehrauto.

Ein dunkler Igel im Laternenumzug ist ungefähr das Traurigste, was es gibt.

Seine Mutter fragte, ob sie es noch einmal versuchen sollten, und Jost schüttelte den Kopf, weil er wusste, wie es ausgeht.

Man kann in einer Windstraße dreimal anzünden. Beim vierten Mal ist der Docht zu kurz und die Finger sind zu kalt, und dann steht man da und alle warten.

Neben ihm lief ein Mädchen, das er nicht kannte. Sie war vielleicht ein Jahr älter und hatte eine ganz einfache Laterne, so eine runde aus dem Supermarkt, rot, ohne irgendetwas.

Sie schaute auf seinen Igel.

Dann blieb sie stehen, hielt ihre Laterne an, machte den Deckel auf und hielt sie schräg an das Loch in seinem Igel, bis die Kerze übersprang.

„Meine geht nicht aus", sagte sie. „Ich weiß auch nicht, warum."

Und dann lief sie den Rest des Wegs neben ihm her, ohne dass darüber noch einmal gesprochen wurde.
In der Bahnhofstraße steht der Wind Die Kerze im Igel hielt bis zum Feuer auf dem Marktplatz.

Dort gab es Brezeln an einem Stand, und die Blaskapelle spielte drei Lieder, von denen zwei dieselbe Melodie hatten.

Jost stand mit seinem Igel am Feuer, und ein paar Leute sagten, dass die Laterne gut sei.

Auf dem Heimweg trug seine Mutter den Stock, weil ihm der Arm wehtat, und der Igel schaukelte und leuchtete und ging nicht mehr aus.

Wie das Mädchen hieß, hat er nie herausgefunden.

Er hat sie im Jahr darauf noch einmal gesucht, im ganzen Zug, aber da war sie nicht dabei.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leuchtet der Igel noch heute jeden November.
Ein dunkler Igel mitten im Laternenzug Das Feuer springt von einer Laterne zur anderen Am Martinsfeuer auf dem Marktplatz Die Moral von „Die Laterne, die zweimal ausging"

Das Mädchen hat nichts hergegeben. Ihre Kerze war hinterher genauso hell wie vorher — Feuer wird nicht weniger, wenn man es weitergibt.

Es hat sie nur einen Moment gekostet, in dem sie stehen blieb, während alle anderen weitergingen.

Das ist meistens der ganze Preis. Nicht das, was man abgibt, sondern das Anhalten.

Und deshalb passt die Geschichte zum 11. November, auch wenn kein Pferd und kein Mantel darin vorkommen.
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Gefahr. Etwas geht schief, jemand hilft, und der Schluss ist ein Heimweg mit einer Laterne, die nicht mehr ausgeht.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Kleister – ein dicker Klebstoff aus Mehl oder Pulver und Wasser, zum Basteln mit Papier
  • Pappmaché – Papierschnipsel mit Kleister über einen Ballon geklebt; getrocknet wird es hart
  • Laternenumzug – ein Zug von Kindern mit Laternen durch die Straßen, meist im November
  • Blaskapelle – eine Musikgruppe mit Trompeten, Posaunen und einer Trommel
  • Martinsfeuer – ein großes Feuer am Ende des Umzugs, oft auf einem Platz

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum sagt Jost nichts, als die Kerze zum zweiten Mal ausgeht?
  • Was hat das Mädchen verloren, als sie ihm Feuer gab?
  • Hat dir schon mal jemand geholfen, den du gar nicht kanntest?

Warum „Die Laterne, die zweimal ausging" zum Einschlafen passt

Das Feuerweitergeben funktioniert wirklich so — deshalb ist es bei vielen Umzügen ausdrücklich erlaubt, an fremden Laternen anzuzünden. Wer mit echten Kerzen geht, sollte trotzdem ein Feuerzeug dabeihaben; in Windstraßen geht auch die beste Laterne aus.

Die Geschichte eignet sich für Kinder, denen beim Basteln etwas kaputtgeht oder misslingt. Sie behauptet nicht, dass es dann egal ist — sie zeigt nur, dass es weitergeht.

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Häufige Fragen zu Die Laterne, die zweimal ausging

Worum geht es in „Die Laterne, die zweimal ausging"?

Jost hat drei Nachmittage an einer Igellaterne gebastelt. Beim Umzug geht die Kerze zweimal aus – bis ein fremdes Mädchen anhält und ihm Feuer gibt.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Passt die Geschichte zum Laternenumzug?

Ja. Sie spielt am Abend des 11. November und erklärt nebenbei, warum man an einer fremden Laterne anzünden darf.

Kommt Sankt Martin darin vor?

Nicht als Person. Es geht um dasselbe – jemand teilt etwas, ohne dass es ihn etwas kostet.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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