Die Laterne, die zweimal ausging

Die Laterne, die zweimal ausging

Zusammenfassung: „Die Laterne, die zweimal ausging" in drei Sätzen

Jost hat drei Nachmittage an seiner Laterne gebastelt, einem Igel aus Pappe mit sechzig aufgeklebten Stacheln.

Beim Umzug geht die Kerze aus, bevor sie um die erste Ecke sind, und danach noch einmal.

Ein Mädchen, das er nicht kennt, macht dann etwas, an das er sich noch Jahre später erinnert.

Die Laterne, die zweimal ausging – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Die Laterne war ein Igel.

Das muss man erklären, weil man es sonst nicht erkennt. Jost hatte einen Luftballon aufgeblasen, Kleister angerührt, Zeitungsschnipsel daraufgeklebt und drei Tage gewartet.

Dann hatte er den Ballon zerstochen, ein Loch für die Kerze geschnitten und sechzig Stacheln aus brauner Pappe einzeln aufgeklebt.

Sechzig ist keine Schätzung. Er hatte sie geschnitten und dabei mitgezählt, weil das Schneiden sonst nicht auszuhalten war.

Am Elfte-November-Abend war es kalt und windig, und die Straße vor dem Kindergarten war voller Leute mit Laternen.

Seine Mutter zündete die Kerze an und schob sie ins Loch.

Der Igel leuchtete von innen. Die Stacheln warfen sechzig kleine Schatten nach außen.

Es sah sehr gut aus.
Der Igel aus Pappmaché mit sechzig Stacheln Es sah genau achtzig Meter lang sehr gut aus.

Dann kamen sie um die Ecke in die Bahnhofstraße, und in der Bahnhofstraße steht der Wind immer, weil sie geradeaus zum Fluss führt.

Die Kerze ging aus.

Nicht langsam, sondern sofort, so wie eine Kerze ausgeht, wenn jemand pustet.

Jost blieb stehen. Hinter ihm blieb eine Familie stehen, dann noch eine.

Seine Mutter kramte nach dem Feuerzeug, was in einer Jackentasche mit Handschuhen darin länger dauert, als man denkt, und der Zug ging derweil weiter.

Als die Kerze wieder brannte, war der Abstand zu den anderen schon groß.

Sie liefen schneller, um aufzuschließen, und beim Schnellerlaufen ging die Kerze wieder aus.
Der Zug sammelt sich vor dem Kindergarten Beim zweiten Mal sagte Jost nichts.

Er ging einfach weiter, mit einem dunklen Igel an einem Stock, mitten in einem Zug aus lauter leuchtenden Sternen, Monden, Fledermäusen und einem Feuerwehrauto.

Ein dunkler Igel im Laternenumzug ist ungefähr das Traurigste, was es gibt.

Seine Mutter fragte, ob sie es noch einmal versuchen sollten, und Jost schüttelte den Kopf, weil er wusste, wie es ausgeht.

Man kann in einer Windstraße dreimal anzünden. Beim vierten Mal ist der Docht zu kurz und die Finger sind zu kalt, und dann steht man da und alle warten.

Neben ihm lief ein Mädchen, das er nicht kannte. Sie war vielleicht ein Jahr älter und hatte eine ganz einfache Laterne, so eine runde aus dem Supermarkt, rot, ohne irgendetwas.

Sie schaute auf seinen Igel.

Dann blieb sie stehen, hielt ihre Laterne an, machte den Deckel auf und hielt sie schräg an das Loch in seinem Igel, bis die Kerze übersprang.

„Meine geht nicht aus", sagte sie. „Ich weiß auch nicht, warum."

Und dann lief sie den Rest des Wegs neben ihm her, ohne dass darüber noch einmal gesprochen wurde.
In der Bahnhofstraße steht der Wind Die Kerze im Igel hielt bis zum Feuer auf dem Marktplatz.

Dort gab es Brezeln an einem Stand, und die Blaskapelle spielte drei Lieder, von denen zwei dieselbe Melodie hatten.

Jost stand mit seinem Igel am Feuer, und ein paar Leute sagten, dass die Laterne gut sei.

Auf dem Heimweg trug seine Mutter den Stock, weil ihm der Arm wehtat, und der Igel schaukelte und leuchtete und ging nicht mehr aus.

Wie das Mädchen hieß, hat er nie herausgefunden.

Er hat sie im Jahr darauf noch einmal gesucht, im ganzen Zug, aber da war sie nicht dabei.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leuchtet der Igel noch heute jeden November.
Ein dunkler Igel mitten im Laternenzug Das Feuer springt von einer Laterne zur anderen Am Martinsfeuer auf dem Marktplatz Die Moral von „Die Laterne, die zweimal ausging"

Das Mädchen hat nichts hergegeben. Ihre Kerze war hinterher genauso hell wie vorher — Feuer wird nicht weniger, wenn man es weitergibt.

Es hat sie nur einen Moment gekostet, in dem sie stehen blieb, während alle anderen weitergingen.

Das ist meistens der ganze Preis. Nicht das, was man abgibt, sondern das Anhalten.

Und deshalb passt die Geschichte zum 11. November, auch wenn kein Pferd und kein Mantel darin vorkommen.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Wie hat Jost seine Igel-Laterne gebaut?

    Er hat einen Luftballon aufgeblasen, Kleister angerührt, Zeitungsschnipsel daraufgeklebt und drei Tage gewartet. Dann hat er den Ballon zerstochen, ein Loch für die Kerze geschnitten und sechzig Stacheln aus brauner Pappe einzeln aufgeklebt.

  2. 2Warum geht die Kerze in der Bahnhofstraße aus?

    In der Bahnhofstraße steht der Wind immer, weil sie geradeaus zum Fluss führt. Die Kerze geht nicht langsam aus, sondern sofort — so, wie eine Kerze ausgeht, wenn jemand pustet.

  3. 3Was passiert, als die Kerze zum zweiten Mal ausgeht?

    Jost sagt nichts mehr. Er geht einfach weiter, mit einem dunklen Igel an einem Stock, mitten in einem Zug aus leuchtenden Sternen, Monden, Fledermäusen und einem Feuerwehrauto.

  4. 4Was macht das fremde Mädchen neben ihm?

    Sie schaut auf seinen Igel, bleibt stehen, hält ihre einfache rote Laterne an, macht den Deckel auf und hält sie schräg an das Loch, bis die Kerze überspringt. „Meine geht nicht aus“, sagt sie. „Ich weiß auch nicht, warum.“

  5. 5Wie geht der Abend für Jost aus?

    Die Kerze im Igel hält bis zum Feuer auf dem Marktplatz, wo es Brezeln gibt und die Blaskapelle spielt. Ein paar Leute sagen, die Laterne sei gut. Wie das Mädchen hieß, hat Jost nie herausgefunden.

Wörter aus der Geschichte

Kleister
ein dicker Kleber aus Mehl und Wasser zum Papierkleben
Zeitungsschnipsel
kleine, abgerissene Stücke Zeitungspapier
Docht
der Faden mitten in der Kerze, der brennt
Blaskapelle
eine Gruppe von Leuten, die auf Trompeten und ähnlichen Instrumenten spielt
Stacheln
die spitzen Dinger, die einem Igel auf dem Rücken stehen

Zum Weitererzählen

  • Warum schüttelt Jost den Kopf, als seine Mutter noch einmal anzünden will?
  • Das Mädchen bleibt stehen, während alle anderen weitergehen. Was kostet sie das?
  • Wann hat dir schon einmal jemand geholfen, ohne dass er dich kannte?
  • Wenn du eine Laterne bauen dürftest, die niemand sonst hat — was für ein Tier wäre sie?
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr. Etwas geht schief, jemand hilft, und der Schluss ist ein Heimweg mit einer Laterne, die nicht mehr ausgeht.

Warum „Die Laterne, die zweimal ausging" zum Einschlafen passt

Das Feuerweitergeben funktioniert wirklich so — deshalb ist es bei vielen Umzügen ausdrücklich erlaubt, an fremden Laternen anzuzünden. Wer mit echten Kerzen geht, sollte trotzdem ein Feuerzeug dabeihaben; in Windstraßen geht auch die beste Laterne aus.

Die Geschichte eignet sich für Kinder, denen beim Basteln etwas kaputtgeht oder misslingt. Sie behauptet nicht, dass es dann egal ist — sie zeigt nur, dass es weitergeht.

Wenn „Die Laterne, die zweimal ausging" gefallen hat

Mehr davon unter Laternengeschichten und Sankt-Martin-Geschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Die Laterne, die zweimal ausging

Worum geht es in „Die Laterne, die zweimal ausging"?

Jost hat drei Nachmittage an einer Igellaterne gebastelt. Beim Umzug geht die Kerze zweimal aus – bis ein fremdes Mädchen anhält und ihm Feuer gibt.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Passt die Geschichte zum Laternenumzug?

Ja. Sie spielt am Abend des 11. November und erklärt nebenbei, warum man an einer fremden Laterne anzünden darf.

Kommt Sankt Martin darin vor?

Nicht als Person. Es geht um dasselbe – jemand teilt etwas, ohne dass es ihn etwas kostet.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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