Der letzte Badetag

Der letzte Badetag

Zusammenfassung: „Der letzte Badetag" in drei Sätzen

Am 3. September macht das Freibad in Wittlage zum letzten Mal auf, und alle wissen es.

Es sind achtzehn Grad Luft und neunzehn Grad Wasser, was ungefähr das Gegenteil von Badewetter ist.

Es kommen hundertvierzig Leute.

Der letzte Badetag – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 8 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Das Freibad Wittlage macht Mitte Mai auf und Anfang September zu.

Es ist kein großes Bad. Ein Becken mit fünfzig Metern, ein Nichtschwimmerbecken, eine Rutsche, eine Liegewiese mit drei Bäumen, und ein Kiosk, an dem es Pommes gibt, die nach nichts Besonderem schmecken und die trotzdem alle essen.

Der letzte Tag steht seit Mai am Eingang.

3. September. Danach wird das Wasser abgelassen.

Es steht auf einem laminierten Zettel, der über den Sommer wellig wird, und jedes Jahr fragt im August jemand an der Kasse, ob das wirklich stimmt.

Es stimmt jedes Jahr.
Das Freibad Wittlage an einem grauen Septembertag Der 3. September war ein Mittwoch, und das Wetter war nicht gut.

Achtzehn Grad, bedeckt, mit Wind aus Nordwest.

Das Wasser hatte neunzehn Grad, weil ein Becken die Wärme länger hält als die Luft.

Der Bademeister hieß Herr Dettmer, war seit einundzwanzig Jahren da und rechnete mit ungefähr zwanzig Leuten.

Um zwölf waren es sechzig.

Um zwei waren es hundertvierzig, was für dieses Bad an einem Mittwoch im September vollkommen absurd ist.

Herr Dettmer hat das nachher nachgerechnet, weil er es selbst nicht glaubte. Er hat die Kassenzettel gezählt. Es waren hundertvierundvierzig, plus die Dauerkarten, die nicht mitgezählt werden.
Das Schild mit dem letzten Tag Es waren nicht die üblichen Leute.

Es waren auch die, die den ganzen Sommer nicht da gewesen waren.

Zwei Männer Mitte fünfzig, die sich am Beckenrand darüber unterhielten, dass sie hier früher jeden Tag gewesen sind. Eine Frau mit einem Handtuch, das sie eindeutig nicht für sich mitgebracht hatte, sondern für jemanden, der nicht mitgekommen war.

Eine ganze Klasse, die sich das offenbar abgesprochen hatte.

Und sehr viele Kinder, die eigentlich um diese Zeit Hausaufgaben machen.

Ein Vater sagte am Kiosk zu einem anderen, er sei seit 2017 nicht mehr hier gewesen. Der andere sagte, bei ihm sei es noch länger her.

Beide waren an diesem Tag mit ihren Kindern da, und beide erzählten denselben Satz, den Väter in Freibädern erzählen: dass sie hier schwimmen gelernt haben.

Alle waren da, weil es der letzte Tag war.

Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass dasselbe Bad im Juli bei achtundzwanzig Grad an manchen Tagen halb leer war.
Hundertvierzig Leute bei achtzehn Grad Man merkte es an den Kleinigkeiten.

Zum Beispiel daran, dass niemand am Ende ging, ohne sich noch einmal umzudrehen. Das macht man an einem normalen Julitag nicht. Man packt zusammen und geht.

Niemand beschwerte sich über das Wetter. Es war zu kalt, und alle wussten es, und es sagte niemand.

Die Rutsche hatte den ganzen Nachmittag eine Schlange, obwohl sie seit Jahren dieselbe Rutsche ist.

Am Kiosk gab es um halb vier keine Pommes mehr, und Herr Dettmers Kollegin ging in den Supermarkt und holte welche, was sie sonst nie tut.

Ein Mädchen von vielleicht sieben stand eine Viertelstunde am Beckenrand und schaute ins Wasser, ohne hineinzugehen. Ihre Mutter hat sie nicht gedrängt. Danach ist sie doch gesprungen, ohne Anlauf und ohne Ankündigung.

Und die Leute blieben.

Normalerweise leert sich ein Freibad ab vier. An diesem Tag waren um fünf noch hundertzehn Leute da.
Zwei Männer am Beckenrand Um zehn vor sechs stand Herr Dettmer am Beckenrand und schaute zu.

Er hat später erzählt, dass ihm in diesem Moment eingefallen sei, wie viele Leute er in einundzwanzig Jahren hier schwimmen gesehen hat. Kinder, die inzwischen ihre eigenen Kinder mitbringen. Ein paar, die nicht mehr da sind.

Er hat gesagt, das sei keine besonders traurige Rechnung. Es sei einfach eine sehr große Zahl.

Um sechs war es vorbei.

Die Leute gingen langsam. Auf dem Parkplatz standen um halb sieben noch Autos, weil Leute redeten, die sich sonst nicht treffen.

Herr Dettmer schloss um Viertel nach sieben ab.

Vorher ging er noch einmal die Runde, wie jeden Abend: Umkleiden, Duschen, hinter dem Kiosk, unter den drei Bäumen auf der Liegewiese.

Er fand zwei Handtücher, eine Schwimmbrille, einen einzelnen Badeschuh und ein Buch, das jemand liegen gelassen hatte und das bis heute nicht abgeholt wurde.

Alles kam in die Fundkiste. Die Fundkiste kommt im Mai wieder heraus.

In der Woche darauf wurde das Wasser abgelassen. Das dauert zwei Tage, und am Ende steht man vor einem leeren Betonbecken mit einem Abfluss in der Mitte, und es sieht immer kleiner aus, als man es in Erinnerung hat.

Das Füllen dauert übrigens deutlich länger als das Ablassen. Zweitausend Kubikmeter Wasser laufen nicht schnell ein, und man kann dabei zuschauen, wie der Wasserstand pro Stunde ein paar Zentimeter steigt.

Im Mai wird es wieder gefüllt.

Herr Dettmer sagt, das sei der eigentliche Tag im Jahr — wenn das Wasser hineinläuft und man zusehen kann, wie das Becken sich füllt.

Da kommt allerdings nie jemand.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann machen sie noch heute jedes Jahr Anfang September zu.
Schlange an der Rutsche Die Moral von „Der letzte Badetag"

Im Juli, bei achtundzwanzig Grad, war das Bad halb leer. Am 3. September, bei achtzehn Grad, kommen hundertvierzig Leute.

Der Unterschied ist nicht das Wetter. Der Unterschied ist, dass es das letzte Mal ist.

Für Kinder ab sechs ist das eine gute Beobachtung über Menschen, und sie stimmt für sehr viel mehr als für Schwimmbäder.

Und der schönste Satz steht ganz am Ende: Der Tag, an dem das Wasser wieder hineinläuft, ist für Herrn Dettmer der eigentliche — und da kommt nie jemand.
Das leere Becken im Herbst Um halb sechs machte Herr Dettmer die Durchsage.

Er machte sie eine halbe Stunde früher als nötig, weil er wusste, dass es dauert.

„Liebe Gäste, das Freibad schließt heute um achtzehn Uhr. Und dann bis nächstes Jahr."

Der zweite Satz stand nicht im Text, den er sonst benutzt.

Er hat ihn auch nicht geplant. Er hat später gesagt, es sei ihm herausgerutscht, und danach sei es zwei Sekunden lang sehr still gewesen, was in einem Freibad mit hundertzehn Leuten schwer hinzukriegen ist.

Danach passierte etwas, das er in einundzwanzig Jahren nicht erlebt hatte: Es sprangen noch einmal fast alle hinein.

Nicht organisiert, nicht auf Kommando. Es fing an einer Ecke an, und dann ging es einmal durchs Becken.

Auch die zwei Männer Mitte fünfzig, die vorher zwei Stunden lang am Rand gestanden und geredet hatten.

Einer von ihnen ist mit Anlauf gesprungen, was man in diesem Alter nicht mehr oft macht.

Es war neunzehn Grad und es war Viertel vor sechs und die Sonne war seit Stunden weg.
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Acht Minuten ohne Gefahr und ohne Konflikt. Sie ist stellenweise wehmütig — es geht schließlich darum, dass etwas zu Ende geht — und endet trotzdem freundlich.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Freibad – ein Schwimmbad unter freiem Himmel, nur im Sommer geöffnet
  • Nichtschwimmerbecken – der flache Bereich für alle, die noch nicht schwimmen können
  • Bademeister – derjenige, der im Schwimmbad aufpasst
  • Durchsage – eine Ansage über Lautsprecher
  • Liegewiese – die Wiese im Freibad, auf der man liegt

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum kommen am letzten Tag mehr Leute als im Hochsommer?
  • Warum springen um Viertel vor sechs noch einmal fast alle hinein?
  • Warum kommt niemand, wenn das Wasser im Mai wieder eingelassen wird?

Warum „Der letzte Badetag" zum Einschlafen passt

Die Geschichte eignet sich gut für das Ende der Sommerferien oder für den Tag, an dem das Freibad in Ihrer Gegend schließt. Sie tröstet nicht — sie beschreibt.

Der letzte Absatz ist ein guter Gesprächsanlass: Warum kommen alle zum Abschied und niemand zum Anfang? Kinder haben darauf oft bessere Antworten als Erwachsene.

Wenn „Der letzte Badetag" gefallen hat

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Häufige Fragen zu Der letzte Badetag

Worum geht es in „Der letzte Badetag"?

Am 3. September schließt das Freibad Wittlage für das Jahr. Es sind achtzehn Grad und bedeckt – und es kommen hundertvierzig Leute.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund acht Minuten.

Ist die Geschichte traurig?

Wehmütig eher als traurig. Es passiert nichts Schlimmes – etwas geht nur zu Ende.

Passt sie zum Ferienende?

Ja, sehr gut – besonders, wenn das Freibad in Ihrer Gegend gerade schließt.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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