Das Kostüm, das niemand erkannte

Das Kostüm, das niemand erkannte

Zusammenfassung: „Das Kostüm, das niemand erkannte" in drei Sätzen

Für den Faschingsdienstag baut Ruben drei Wochen lang ein Kostüm, auf das er sehr stolz ist.

In der Schule fragen ihn siebzehn Leute, was er sein soll.

Wie der Tag ausgeht, hängt an einer einzigen Person.

Das Kostüm, das niemand erkannte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Ruben war neun und hatte eine Idee.

Er wollte nicht Pirat sein und nicht Ninja und nicht Skelett, weil das jedes Jahr drei bis vier Kinder sind.

Er wollte ein Briefkasten sein.

Er hatte den Gedanken im Januar gehabt, ohne besonderen Anlass, und danach hatte er drei Wochen daran gearbeitet: ein Karton, gelb gestrichen, mit einem Schlitz vorn, einem aufgemalten Posthorn und einem Ausschnitt für den Kopf.

Unten hatte er ein Klappfach, das man wirklich öffnen konnte.

Es war handwerklich richtig gut geworden.
Ruben baut im Januar am Karton Am Faschingsdienstag zog er ihn in der Umkleide an.

Die erste Frage kam nach vierzig Sekunden.

„Was bist du?"

„Briefkasten."

„Ach so."

Das war die freundliche Variante.

Es gab auch die andere: hochgezogene Augenbrauen, ein Blick von oben nach unten und ein „aha", das mehr sagt als ein ganzer Satz.

Bis zur zweiten Stunde hatten ihn siebzehn Leute gefragt.

Er zählte irgendwann mit, weil ihm nichts anderes einfiel.

Es half nicht, dass sein Kostüm ein Alltagsgegenstand war. Ein Drache wird erkannt, weil alle wissen, wie ein Drache aussieht. Einen Briefkasten hat jeder tausendmal gesehen und trotzdem nie angeschaut.

Genau das war ja der Reiz gewesen, als er die Idee hatte.
Der fertige gelbe Briefkasten Was Ruben nicht eingeplant hatte, war das Sitzen.

Ein Karton, der bis über die Knie geht, lässt sich nicht auf einen Stuhl bringen.

Er stand also in der zweiten Stunde hinten im Raum, was auffällt, und in der dritten zog er den Karton aus und legte ihn auf die Fensterbank.

Da lag er dann.

Gelb, mit Posthorn, mit einem Klappfach, das man wirklich öffnen konnte, und in der Pause hat jemand eine Papierkugel hineingeworfen.

Nicht böse. Eher, weil ein Schlitz eben ein Schlitz ist.

Ruben hat sie herausgeholt und nichts gesagt.

In der großen Pause stand er am Zaun und hätte gern nach Hause gehen wollen, ohne das jemandem zu sagen, weil man mit neun so etwas nicht sagt.
Faschingsdienstag im Schulflur In der vierten Stunde kam Frau Ossenberg.

Sie unterrichtete Kunst und war an diesem Tag als Bauarbeiterin verkleidet, was ungefähr so aufwendig war wie eine Warnweste.

Sie sah den Karton auf der Fensterbank.

Dann ging sie hin, hob ihn hoch, drehte ihn zweimal und sagte, ziemlich laut, weil sie eine laute Stimme hatte:

„Wer hat das gemacht?"

Ruben meldete sich, ohne besondere Begeisterung.

Frau Ossenberg schaute sich die Kanten an, die Klappe, die Bemalung.

Dann sagte sie: „Das Klappfach ist auf Gehrung geschnitten."

Ruben nickte.

„Wie lange?"

„Drei Wochen."
Ruben steht hinten im Raum Die Moral von „Das Kostüm, das niemand erkannte"

Ruben macht alles richtig und hat einen schlechten Tag. Beides gleichzeitig, und die Geschichte behauptet nicht, dass sich das eine ins andere auflöst.

Siebzehn Leute verstehen es nicht. Das lässt sich nicht wegerklären, und die Papierkugel im Schlitz war nicht mal böse gemeint.

Was den Tag rettet, ist eine einzige Person, die sich die Kanten anschaut.

Für Kinder ab sechs ist das eine wichtige Erfahrung: Man braucht nicht siebzehn. Einer, der genau hinschaut, reicht.
Der Karton liegt auf der Fensterbank Frau Ossenberg schaut sich die Kanten an Sie hat ihn nicht gelobt.

Sie hat ihn gefragt, ob sie ihn behalten dürfe, für den Kunstraum, weil sie so etwas als Beispiel brauche, wenn sie erklärt, was der Unterschied zwischen einer Idee und einer ausgeführten Idee ist.

Ruben hat ihn ihr gegeben.

Er steht heute noch dort, auf einem Schrank, gelb, mit Posthorn.

Ruben ist inzwischen erwachsen und hat nie wieder ein Kostüm gebaut.

Er baut anderes.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann steht der Briefkasten noch heute auf dem Schrank.
Passend zu dieser Geschichte

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Gefahr, aber mit einem schlechten Tag. Es wird niemand ausgelacht und niemand gemobbt — es versteht nur fast keiner, und das reicht schon, um einen Tag zu verderben.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Fasching – die Zeit vor der Fastenzeit, in der man sich verkleidet – auch Karneval genannt
  • Posthorn – das gelbe Horn-Zeichen der Post
  • Gehrung – ein schräger Schnitt, damit zwei Kanten sauber zusammenpassen
  • ausgeführt – wirklich gemacht, nicht nur gedacht
  • Warnweste – die gelbe Weste, die man auf Baustellen trägt

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum will Ruben kein Pirat sein?
  • Warum ist der Tag trotzdem schwierig?
  • Was macht Frau Ossenberg anders als die siebzehn?

Warum „Das Kostüm, das niemand erkannte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte löst den schlechten Tag nicht auf. Für Kinder, die etwas Eigenes machen und dafür nicht verstanden werden, ist genau das der wichtige Teil.

Frau Ossenberg lobt ausdrücklich nicht. Sie stellt Fragen und schaut sich die Arbeit an — das wirkt bei Kindern oft mehr als ein Lob.

Wenn „Das Kostüm, das niemand erkannte" gefallen hat

Mehr davon unter Mutgeschichten für Kinder und Fünf-Minuten-Geschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Das Kostüm, das niemand erkannte

Worum geht es in „Das Kostüm, das niemand erkannte"?

Ruben baut drei Wochen lang ein Briefkasten-Kostüm für den Faschingsdienstag. In der Schule fragen ihn siebzehn Leute, was er sein soll.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Wird Ruben gemobbt?

Nein. Niemand ist gemein – es versteht nur fast keiner, was er sein soll, und auch das ist unangenehm genug.

Geht die Geschichte gut aus?

Halb. Der Tag bleibt schwierig, aber eine Person schaut genau hin – und das ändert etwas.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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