Der Tag vor dem ersten Schultag

Der Tag vor dem ersten Schultag

Zusammenfassung: „Der Tag vor dem ersten Schultag" in drei Sätzen

Am Tag vor der Einschulung ist im Haus alles fertig: der Ranzen, die Schultüte, die Kleidung auf dem Stuhl.

Nur Ilvi ist nicht fertig, weil sie eine Frage hat, die sie niemandem stellt.

Gestellt wird sie schließlich um halb zehn abends, im Dunkeln, und beantwortet wird sie sehr kurz.

Der Tag vor dem ersten Schultag – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Am Tag vor dem ersten Schultag war alles vorbereitet.

Der Ranzen stand im Flur. Er war dunkelblau mit gelben Streifen, und Ilvi hatte ihn seit drei Wochen zwölfmal auf- und wieder abgesetzt.

Die Schultüte lag oben auf dem Schrank, damit sie nicht heimlich hineinschaut, und Ilvi hatte trotzdem herausgefunden, dass sie oben auf dem Schrank liegt.

Die Kleidung hing über dem Stuhl.

Die Brotdose stand gespült auf dem Küchentisch, obwohl noch nichts drin war.

An der Wand in der Küche hing seit einer Woche ein Zettel mit dem Ablauf, den die Schule geschickt hatte: acht Uhr Aula, Begrüßung, ein Lied, dann Aufruf der Klassen.

Ilvis Vater hatte ihn zweimal vorgelesen.

Es war alles fertig.
Alles steht bereit im Flur Ilvi war es nicht.

Sie war den ganzen Tag über zu leise gewesen, was ihrer Mutter aufgefallen war und was ihr Vater für Aufregung hielt.

Es war keine Aufregung.

Ilvi freute sich tatsächlich. Sie wollte lesen lernen, seit sie fünf war, und sie hatte eine bestimmte Vorstellung davon, wie das sein wird — nämlich dass es einmal geht und dann für immer.

Was sie beschäftigte, war etwas anderes, und sie hatte den ganzen Tag nicht gewusst, wie man das fragt, ohne dass es albern klingt.

Dreimal hatte sie angesetzt. Einmal beim Mittagessen, einmal im Auto und einmal beim Zähneputzen, und jedes Mal war stattdessen etwas anderes herausgekommen — beim Zähneputzen die Frage, ob man in der Schule aufs Klo darf.

Man darf, hatte ihr Vater gesagt.

Damit war das Thema wieder erledigt gewesen, ohne dass es je dran war.
Die Schultüte oben auf dem Schrank Um halb zehn stand sie noch einmal in der Tür.

Ihre Mutter war schon im Bad.

„Mama."

„Du solltest schlafen."

„Ja."

Ilvi blieb stehen.

Ihre Mutter machte den Wasserhahn zu, weil sie am Ton gehört hatte, dass da noch etwas kommt.

„Was ist?"

Ilvi schaute auf den Boden.

Dann fragte sie: „Wo bist du morgen?"
Ilvi steht um halb zehn in der Tür Das war die Frage.

Nicht: Was passiert in der Schule. Nicht: Was ist, wenn ich niemanden kenne. Nicht: Was ist, wenn ich etwas nicht kann.

Sondern: Wo bist du.

Kinder fragen so etwas oft, und Erwachsene hören manchmal darüber hinweg, weil die Frage nach nichts klingt.

Sie klingt nach nichts, weil die Antwort selbstverständlich scheint: Ich bin natürlich da.

Für ein Kind, das zum ersten Mal in einen Raum geht, in dem keiner von zu Hause ist, ist „natürlich da" aber keine Auskunft. Da ist ein Zustand. Ein Kind will einen Ort.

Ilvis Mutter setzte sich auf den Wannenrand und beantwortete sie genau.

Sie sagte: „Um acht bin ich mit dir in der Aula. Um Viertel nach neun gehst du mit deiner Klasse in den Raum, und ich warte im Schulhof. Ich stehe an der Ecke bei dem großen Baum. Um zehn kommst du wieder raus, und da stehe ich immer noch."

Dann sagte sie: „Ich gehe zwischendurch nirgends hin."

Ilvi nickte.

Dann ging sie ins Bett und schlief nach ungefähr vier Minuten ein.
Die Mutter erklärt den Ablauf genau Die Moral von „Der Tag vor dem ersten Schultag"

Alle bereiten das Sichtbare vor: Ranzen, Tüte, Brotdose, Kleidung über dem Stuhl.

Ilvis Frage betrifft nichts davon. Sie will wissen, wo ihre Mutter ist — nicht ob, sondern wo.

Die Antwort, die hilft, ist keine Beruhigung, sondern ein Plan mit Uhrzeiten und einem Baum. Kinder können mit „das wird schon" wenig anfangen und mit „ich stehe an der Ecke bei dem großen Baum" sehr viel.

Für den Abend vor der Einschulung ist das die eigentliche Vorbereitung.
Der Blick zurück in der Aula Die Ecke bei dem großen Baum Am nächsten Morgen lief alles so, wie es beschrieben worden war.

Um Viertel nach neun ging Ilvi mit ihrer Klasse durch eine Tür, und bevor sie hindurchging, drehte sie sich einmal um.

Ihre Mutter stand in der Aula und hob die Hand.

Um zehn kam Ilvi wieder heraus, und ihre Mutter stand an der Ecke bei dem großen Baum, genau da.

Ilvi hat später nicht erzählt, was in der Schule war.

Sie hat erzählt, dass ihre Mutter da gestanden hat.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann steht sie noch heute an dieser Ecke.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was ist am Tag vor dem ersten Schultag schon alles vorbereitet?

    Der dunkelblaue Ranzen mit den gelben Streifen steht im Flur, die Schultüte liegt oben auf dem Schrank, die Kleidung hängt über dem Stuhl und die gespülte Brotdose steht auf dem Küchentisch. An der Wand hängt der Zettel mit dem Ablauf, den der Vater schon zweimal vorgelesen hat.

  2. 2Woran merken die Eltern, dass mit Ilvi etwas ist?

    Sie ist den ganzen Tag zu leise. Der Mutter fällt es auf, und der Vater hält es für Aufregung — dabei ist es keine. Ilvi freut sich sogar und will endlich lesen lernen.

  3. 3Wie oft hat Ilvi versucht zu fragen, und was ist stattdessen herausgekommen?

    Dreimal setzt sie an: beim Mittagessen, im Auto und beim Zähneputzen. Jedes Mal kommt etwas anderes heraus — beim Zähneputzen die Frage, ob man in der Schule aufs Klo darf. Man darf, sagt ihr Vater, und damit ist das Thema wieder erledigt.

  4. 4Was fragt Ilvi schließlich um halb zehn, und was antwortet ihre Mutter?

    Sie fragt: „Wo bist du morgen?“ Ihre Mutter setzt sich auf den Wannenrand und antwortet ganz genau: um acht gemeinsam in der Aula, um Viertel nach neun geht Ilvi mit ihrer Klasse in den Raum, und sie selbst wartet im Schulhof an der Ecke bei dem großen Baum. „Ich gehe zwischendurch nirgends hin.“

  5. 5Was erzählt Ilvi später von ihrem ersten Schultag?

    Nicht, was in der Schule war. Sie erzählt, dass ihre Mutter dagestanden hat — in der Aula, wo sie beim Umdrehen die Hand gehoben hat, und um zehn an der Ecke bei dem großen Baum, genau da.

Wörter aus der Geschichte

Ranzen
die feste Tasche mit Riemen, die Schulkinder auf dem Rücken tragen
Schultüte
die große bunte Tüte mit Überraschungen, die man am ersten Schultag bekommt
Aula
der große Saal in der Schule, in dem sich alle versammeln
Schulhof
der Platz draußen vor der Schule, auf dem in der Pause gespielt wird
Brotdose
die kleine Box, in der das Pausenbrot mit in die Schule kommt

Zum Weitererzählen

  • Ilvi hat ihre Frage dreimal nicht herausgebracht. Was macht es manchmal so schwer, etwas zu fragen?
  • Die Mutter antwortet mit Uhrzeiten und einem Baum statt mit „das wird schon“. Warum hilft das wohl mehr?
  • Ilvi stellt sich vor, dass Lesen einmal geht und dann für immer. Wie stellst du dir das vor?
  • Wenn du morgen irgendwohin gehen müsstest, wo du niemanden kennst — was würdest du vorher wissen wollen?
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Gefahr und ohne Aufregung. Sie eignet sich ausdrücklich für den Abend vor der Einschulung — und endet damit, dass alles genau so kommt, wie es angekündigt war.

Warum „Der Tag vor dem ersten Schultag" zum Einschlafen passt

Die Geschichte ist als Vorlesegeschichte für den Abend vor der Einschulung gedacht. Wenn Ihr Kind danach dieselbe Frage stellt, lohnt sich dieselbe Art von Antwort: Uhrzeiten und ein konkreter Ort.

Sie behauptet nicht, dass Schule leicht wird. Über die Schule selbst steht bewusst fast nichts drin.

Wenn „Der Tag vor dem ersten Schultag" gefallen hat

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Häufige Fragen zu Der Tag vor dem ersten Schultag

Worum geht es in „Der Tag vor dem ersten Schultag"?

Am Abend vor der Einschulung ist alles vorbereitet. Ilvi hat trotzdem eine Frage, und sie lautet nicht, was in der Schule passiert, sondern wo ihre Mutter sein wird.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren, also genau zur Einschulung.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Macht die Geschichte Angst vor der Schule?

Nein. Über den Unterricht selbst steht fast nichts darin – es geht um den Abend davor.

Eignet sie sich für den Abend vor der Einschulung?

Ja, dafür ist sie geschrieben.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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