Die Prinzessin und die zwölf Kleider

Die Prinzessin und die zwölf Kleider

Zusammenfassung: „Die Prinzessin und die zwölf Kleider" in drei Sätzen

Prinzessin Adda besitzt zwölf Kleider und trägt seit anderthalb Jahren nur eins davon.

Es ist das älteste, hat einen Fleck und passt nicht mehr richtig.

Warum sie die anderen elf nicht anzieht, findet erst die Schneiderin heraus.

Die Prinzessin und die zwölf Kleider – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Adda hatte zwölf Kleider.

Sie hingen in einem Schrank, der so groß war wie ein kleines Zimmer, und jedes war für einen bestimmten Anlass gedacht: eins für Feiertage, eins für Besuch, eins für den Winter, eins, das man nicht schmutzig machen darf, und so weiter.

Sie trug eins.

Es war grün, es war das älteste, es hatte am Saum einen Fleck von etwas, das sich nicht mehr feststellen ließ, und an den Ärmeln war es inzwischen zu kurz.

Anderthalb Jahre lang.
Zwölf Kleider im Schrank und eins über dem Stuhl Man versuchte einiges.

Man hängte ihr ein anderes über den Stuhl. Sie hängte es zurück.

Man sagte ihr, das grüne sei zu klein. Sie sagte, es gehe schon.

Man drohte ihr, das grüne wegzugeben. Da wurde sie so still, dass es niemand tat.

Man fragte sie, ob sie die anderen hässlich finde. Sie sagte nein, und das stimmte — sie waren wirklich schön.

Ihre Mutter hat sich in dieser Zeit ziemlich geärgert, was verständlich ist, wenn im Schrank zwölf gute Kleider hängen und das Kind mit einem Fleck herumläuft.

Sie hat es trotzdem nicht erzwungen. Sie hat später gesagt, sie habe gespürt, dass da mehr dahintersteckt, sei aber nicht daraufgekommen, was.

Was niemand fragte, war das, was die Schneiderin fragte.
Adda im zu kurzen grünen Kleid Die Schneiderin hieß Bina und kam zweimal im Jahr aufs Schloss.

Sie kam nicht, um Adda zu erziehen. Sie kam, um zu messen, und Messen dauert, und während man misst, redet man.

Irgendwann sagte sie: „Das grüne ist wirklich zu kurz."

„Ja", sagte Adda.

„Warum trägst du es dann?"

Adda schwieg eine Weile.

Dann sagte sie: „In dem hier weiß ich, wie ich aussehe."

Bina hörte auf zu messen.
Bina misst und fragt Es war nämlich Folgendes.

Adda war elf und in dem Alter, in dem sich das eigene Aussehen jeden Monat ändert, ohne dass man etwas dazutut. Sie war innerhalb eines Jahres neun Zentimeter gewachsen. Ihr Gesicht sah anders aus als vorher.

Und jedes Mal, wenn sie etwas Neues anzog, sah sie in den Spiegel und wusste nicht, wer das ist.

Das grüne kannte sie.

In dem grünen war sie sich sicher.

Das ist keine Modefrage, sondern eine ganz andere Sache, und man kommt nicht darauf, solange man über Kleider redet.

Bina hat es sofort verstanden, weil sie selbst zwei Töchter hatte.

Sie hat auch nicht gesagt, das gebe sich wieder. Das stimmt zwar, hilft aber niemandem, der gerade mittendrin steckt.
Der Blick in den Spiegel Die Moral von „Die Prinzessin und die zwölf Kleider"

Alle im Schloss reden über Kleider, weil das Problem wie ein Kleiderproblem aussieht. Es ist keins.

Die Schneiderin fragt als Einzige „warum", statt zu erklären, was Adda tun soll — und die Antwort hat mit Stoff überhaupt nichts zu tun.

Für Kinder, die an einer Sache festhalten, die alle merkwürdig finden — ein Kleidungsstück, ein Kuscheltier, ein bestimmter Becher —, ist das eine sehr verständnisvolle Geschichte.

Und Binas Lösung ist gut, weil sie Adda nichts wegnimmt. Sie gibt ihr dasselbe noch einmal.
Derselbe Schnitt in Blau Adda im blauen Kleid Sie machte einen Vorschlag.

Sie sagte: „Ich näh dir dasselbe noch mal. In deiner Größe. Und dann noch mal in Blau, exakt gleich geschnitten."

Adda schaute sie an.

„Dasselbe?"

„Genau dasselbe. Anderer Stoff, gleicher Schnitt."

So machten sie es.

Adda trug danach drei Kleider — grün, blau und ein zweites grünes —, alle mit demselben Schnitt, und sie sahen an ihr alle gleich aus, was ja der Punkt war.

Ein Jahr später kam ein viertes dazu, das ein bisschen anders war.

Dann noch eins.

Mit vierzehn trug sie, was da war, und hat später nicht mehr genau gewusst, wann das aufgehört hat.

Die anderen elf hingen übrigens die ganze Zeit im Schrank und wurden nie getragen. Sie sind irgendwann an andere gegangen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann hängt das erste grüne noch heute da.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Wie viele Kleider hat Adda, und welches trägt sie?

    Zwölf, in einem Schrank so groß wie ein kleines Zimmer, jedes für einen bestimmten Anlass. Sie trägt eins: das grüne, das älteste, mit einem Fleck am Saum und an den Ärmeln inzwischen zu kurz — anderthalb Jahre lang.

  2. 2Was versuchen die Erwachsenen, damit Adda etwas anderes anzieht?

    Sie hängen ihr ein anderes über den Stuhl, sie hängt es zurück. Sie sagen, das grüne sei zu klein, sie sagt, es gehe schon. Sie drohen, es wegzugeben — da wird sie so still, dass es niemand tut. Und auf die Frage, ob sie die anderen hässlich finde, sagt sie nein, und das stimmt sogar.

  3. 3Was fragt die Schneiderin Bina, was sonst niemand gefragt hat?

    Sie sagt beim Messen: „Das grüne ist wirklich zu kurz.“ Adda stimmt zu. Dann fragt Bina: „Warum trägst du es dann?“ Adda schweigt eine Weile und sagt schließlich: „In dem hier weiß ich, wie ich aussehe.“ Da hört Bina auf zu messen.

  4. 4Warum hält Adda so an dem grünen Kleid fest?

    Sie ist elf und in einem Jahr neun Zentimeter gewachsen, ihr Gesicht sieht anders aus als vorher. Jedes Mal, wenn sie etwas Neues anzieht, schaut sie in den Spiegel und weiß nicht, wer das ist. Das grüne kennt sie — in dem grünen ist sie sich sicher.

  5. 5Welchen Vorschlag macht Bina, und wie geht es weiter?

    Sie näht dasselbe Kleid noch einmal, in Addas Größe, und dann noch einmal in Blau, exakt gleich geschnitten. Danach trägt Adda drei Kleider mit demselben Schnitt, die an ihr alle gleich aussehen, was ja der Punkt war. Ein Jahr später kommt ein viertes dazu, das ein bisschen anders ist.

Wörter aus der Geschichte

Anlass
der Grund, aus dem etwas stattfindet, zum Beispiel ein Fest oder Besuch
Saum
der umgenähte Rand ganz unten am Kleid
Schneiderin
eine Frau, deren Beruf es ist, Kleidung zu nähen
Stoff
das Gewebe, aus dem Kleidung gemacht wird
Schnitt
die Form, nach der ein Kleidungsstück zugeschnitten und genäht wird

Zum Weitererzählen

  • Addas Mutter ärgert sich, erzwingt es aber nicht. War das richtig?
  • Alle reden über Kleider, obwohl es gar nicht um Kleider geht. Woran könnte man so etwas merken?
  • Bina sagt nicht „das gibt sich wieder“, obwohl es stimmt. Warum hilft dieser Satz niemandem, der mittendrin steckt?
  • Hast du etwas, das du immer wieder anziehen oder dabeihaben möchtest — und was ist daran so gut?
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr und ohne Streit. Es geht um etwas, das viele Kinder kennen, und es wird freundlich gelöst — ohne dass jemand nachgeben muss.

Warum „Die Prinzessin und die zwölf Kleider" zum Einschlafen passt

Die Geschichte eignet sich gut für Kinder, die morgens nur ein bestimmtes Teil anziehen wollen. Sie nimmt das ernst, statt es zu einer Trotzfrage zu machen.

Binas Lösung — dasselbe noch einmal, in passender Größe — lässt sich zu Hause oft eins zu eins übernehmen und funktioniert erstaunlich gut.

Wenn „Die Prinzessin und die zwölf Kleider" gefallen hat

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Häufige Fragen zu Die Prinzessin und die zwölf Kleider

Worum geht es in „Die Prinzessin und die zwölf Kleider"?

Prinzessin Adda hat zwölf Kleider und trägt seit anderthalb Jahren nur das älteste. Die Schneiderin ist die Erste, die fragt, warum – und die Antwort hat mit Kleidern nichts zu tun.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Muss Adda am Ende nachgeben?

Nein. Sie bekommt dasselbe Kleid noch einmal, in ihrer Größe und in einer zweiten Farbe.

Passt die Geschichte, wenn mein Kind immer dasselbe anziehen will?

Ja, dafür ist sie geschrieben.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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