Die Prinzessin und der Bote

Die Prinzessin und der Bote

Zusammenfassung: „Die Prinzessin und der Bote" in drei Sätzen

Jeden Freitag bringt ein Bote Briefe aufs Schloss, und Prinzessin Rike bekommt nie einen.

Nach acht Monaten fragt sie den Boten, warum das so ist.

Seine Antwort ist so einfach, dass sie sich dafür schämt — und danach ändert sie es.

Die Prinzessin und der Bote – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Der Bote kam freitags.

Er hieß Hannes, war neunzehn, ritt eine kleine graue Stute und brachte einen Ledersack voller Briefe.

Im Saal wurden sie verteilt.

Der König bekam sechs bis acht. Die Königin bekam vier. Rikes älterer Bruder, der in einer anderen Stadt studierte, schrieb jede Woche und bekam auch jede Woche Antwort.

Rike bekam keinen.

Nicht selten. Nie.
Der Bote Hannes kommt in den Hof Sie war elf, und es machte ihr mehr aus, als sie zugab.

Sie stand jeden Freitag dabei, mit einem Gesicht, das so tat, als wäre sie zufällig da, und ging danach wieder.

Manchmal fragte ihre Mutter: „Erwartest du was?"

„Nein", sagte Rike.

Das stimmte. Sie erwartete nichts. Sie hätte nur gern etwas erwartet.

Nach ungefähr acht Monaten, an einem Freitag im November, ging sie mit hinaus zum Hof, wo Hannes gerade seiner Stute den Sattelgurt lockerte.

Sie fragte ihn, ob es für sie wirklich nie etwas gebe.

Hannes schaute sie an.

Dann sagte er: „Prinzessin, ich bringe nur, was jemand aufgibt."
Im Saal werden die Briefe verteilt Rike sagte darauf nichts.

Sie ging hinein, setzte sich in ihr Zimmer und war ungefähr eine Stunde lang wütend — zuerst auf Hannes, dann auf die Sache allgemein, dann auf sich.

Denn er hatte recht, und zwar auf eine Art, die keine Diskussion zulässt.

Sie hatte in ihrem Leben zwei Briefe geschrieben. Beide zu Weihnachten, beide, weil man es ihr gesagt hatte.

Ihr Bruder bekam jede Woche einen Brief, weil er jede Woche einen schrieb.

Am Abend holte sie Papier.
Rike fragt Hannes im Hof Der erste Brief ging an ihre Großtante in Marburg, die sie zweimal gesehen hatte und von der sie nur wusste, dass sie Vögel mochte.

Sie schrieb sechs Sätze und fand alle sechs schlecht.

Sie schickte ihn trotzdem.

Der zweite ging an ein Mädchen, das sie im Sommer bei einem Fest kennengelernt hatte und mit dem sie einen ganzen Nachmittag lang über Pferde geredet hatte.

Der dritte an ihren Bruder, was überfällig war.

Dann wartete sie.

Der erste Freitag kam und brachte nichts, was sie erwartet hatte, weil Briefe nach Marburg drei Tage brauchen und zurück auch.

Der zweite Freitag brachte zwei.

Die Großtante hatte vier Seiten geschrieben, davon zwei über Vögel.
Der erste eigene Brief Die Moral von „Die Prinzessin und der Bote"

„Ich bringe nur, was jemand aufgibt." Das ist der ganze Satz, und Hannes meint ihn nicht einmal als Ratschlag — er beschreibt nur seine Arbeit.

Rike ist danach eine Stunde lang wütend, was ehrlich ist. Gute Ratschläge fühlen sich im ersten Moment fast nie gut an.

Für Kinder ab vier steckt darin etwas sehr Praktisches, und es gilt für Briefe, für Anrufe und für Einladungen: Was man bekommen will, muss meistens zuerst jemand losschicken.

Und dass zwei Leute nie geantwortet haben, gehört ausdrücklich in die Geschichte.
Zwei Briefe für Rike Es dauerte danach ungefähr ein Jahr, bis es normal war.

Rike schrieb inzwischen sieben oder acht Briefe im Monat, und sie bekam ungefähr genauso viele.

Nicht alle antworteten. Zwei Leute haben nie geschrieben, und einer hat nach dem zweiten Brief aufgehört.

Das gehört dazu und war weniger schlimm, als sie gedacht hatte.

Hannes brachte den Sack freitags weiterhin in den Saal, und irgendwann rief er beim Verteilen ihren Namen so oft wie die anderen.

Er hat nie wieder etwas dazu gesagt.

Rike hat später einmal geschrieben — in einem Brief natürlich —, dass dieser eine Satz von ihm der nützlichste gewesen sei, den ihr je jemand gesagt hat, und dass er ihn vermutlich gar nicht als Rat gemeint hatte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schreiben sie noch heute.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Wer kommt jeden Freitag aufs Schloss, und was bringt er mit?

    Der Bote Hannes, neunzehn Jahre alt. Er reitet eine kleine graue Stute und bringt einen Ledersack voller Briefe, die im Saal verteilt werden.

  2. 2Wer bekommt Post, und wer nicht?

    Der König bekommt sechs bis acht Briefe, die Königin vier, und Rikes älterer Bruder, der in einer anderen Stadt studiert, schreibt jede Woche und bekommt auch jede Woche Antwort. Rike bekommt keinen. Nicht selten — nie.

  3. 3Was antwortet Hannes, als Rike ihn im November endlich fragt?

    Er schaut sie an und sagt: „Prinzessin, ich bringe nur, was jemand aufgibt.“ Rike sagt darauf nichts, geht hinein und ist ungefähr eine Stunde lang wütend — zuerst auf Hannes, dann auf die Sache allgemein, dann auf sich.

  4. 4An wen schreibt Rike ihre ersten Briefe?

    Der erste geht an ihre Großtante in Marburg, die sie zweimal gesehen hat und von der sie nur weiß, dass sie Vögel mag — sechs Sätze, die sie alle schlecht findet und trotzdem abschickt. Der zweite an ein Mädchen, mit dem sie im Sommer einen ganzen Nachmittag über Pferde geredet hat. Der dritte an ihren Bruder, was überfällig war.

  5. 5Wie geht es Rike mit der Post nach etwa einem Jahr?

    Sie schreibt sieben oder acht Briefe im Monat und bekommt ungefähr genauso viele. Nicht alle antworten: Zwei Leute haben nie geschrieben, und einer hat nach dem zweiten Brief aufgehört. Das gehört dazu und war weniger schlimm, als sie gedacht hatte.

Wörter aus der Geschichte

Bote
jemand, dessen Aufgabe es ist, Nachrichten und Briefe zu bringen
Stute
ein weibliches Pferd
Sattelgurt
das breite Band, das den Sattel unter dem Bauch des Pferdes festhält
Ledersack
eine große Tasche aus festem Tierleder
Großtante
die Schwester von deiner Oma oder deinem Opa

Zum Weitererzählen

  • Rike sagt „Nein“, als ihre Mutter fragt, ob sie etwas erwartet — und das stimmt sogar. Warum sagt sie trotzdem nicht, wie es ihr geht?
  • Sie ist erst eine Stunde lang wütend auf Hannes und merkt dann, dass er recht hat. Kennst du das, dass ein wahrer Satz zuerst wehtut?
  • Ihre Großtante schreibt vier Seiten zurück, davon zwei über Vögel. Worüber würdest du vier Seiten schreiben können?
  • Wenn du heute jemandem einen Brief schicken dürftest — wem, und was würde im ersten Satz stehen?
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr. Es gibt eine Stelle, an der sich jemand schämt und wütend ist, und sie geht gut aus — die zweite Hälfte der Geschichte ist durchweg freundlich.

Warum „Die Prinzessin und der Bote" zum Einschlafen passt

Die Geschichte ist ein sehr guter Anlass, tatsächlich einen Brief oder eine Karte zu schreiben. Bei Kindern funktioniert das erfahrungsgemäß am nächsten Tag besser als am selben Abend.

Dass nicht alle antworten, steht ausdrücklich in der Geschichte. Das nimmt die Enttäuschung vorweg, die sonst kommt.

Wenn „Die Prinzessin und der Bote" gefallen hat

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Häufige Fragen zu Die Prinzessin und der Bote

Worum geht es in „Die Prinzessin und der Bote"?

Prinzessin Rike bekommt als Einzige im Schloss nie Post. Als sie den Boten fragt, warum, antwortet er: Ich bringe nur, was jemand aufgibt.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa vier Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Antworten am Ende alle?

Nein. Zwei Leute schreiben nie zurück, und das steht so in der Geschichte.

Eignet sie sich, um Kinder zum Briefeschreiben zu bringen?

Ja, und zwar ohne Aufforderung – die Geschichte macht die Sache von allein einleuchtend.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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