Die Prinzessin und der Bote

Die Prinzessin und der Bote

Zusammenfassung: „Die Prinzessin und der Bote" in drei Sätzen

Jeden Freitag bringt ein Bote Briefe aufs Schloss, und Prinzessin Rike bekommt nie einen.

Nach acht Monaten fragt sie den Boten, warum das so ist.

Seine Antwort ist so einfach, dass sie sich dafür schämt — und danach ändert sie es.

Die Prinzessin und der Bote – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Der Bote kam freitags.

Er hieß Hannes, war neunzehn, ritt eine kleine graue Stute und brachte einen Ledersack voller Briefe.

Im Saal wurden sie verteilt.

Der König bekam sechs bis acht. Die Königin bekam vier. Rikes älterer Bruder, der in einer anderen Stadt studierte, schrieb jede Woche und bekam auch jede Woche Antwort.

Rike bekam keinen.

Nicht selten. Nie.
Der Bote Hannes kommt in den Hof Sie war elf, und es machte ihr mehr aus, als sie zugab.

Sie stand jeden Freitag dabei, mit einem Gesicht, das so tat, als wäre sie zufällig da, und ging danach wieder.

Manchmal fragte ihre Mutter: „Erwartest du was?"

„Nein", sagte Rike.

Das stimmte. Sie erwartete nichts. Sie hätte nur gern etwas erwartet.

Nach ungefähr acht Monaten, an einem Freitag im November, ging sie mit hinaus zum Hof, wo Hannes gerade seiner Stute den Sattelgurt lockerte.

Sie fragte ihn, ob es für sie wirklich nie etwas gebe.

Hannes schaute sie an.

Dann sagte er: „Prinzessin, ich bringe nur, was jemand aufgibt."
Im Saal werden die Briefe verteilt Rike sagte darauf nichts.

Sie ging hinein, setzte sich in ihr Zimmer und war ungefähr eine Stunde lang wütend — zuerst auf Hannes, dann auf die Sache allgemein, dann auf sich.

Denn er hatte recht, und zwar auf eine Art, die keine Diskussion zulässt.

Sie hatte in ihrem Leben zwei Briefe geschrieben. Beide zu Weihnachten, beide, weil man es ihr gesagt hatte.

Ihr Bruder bekam jede Woche einen Brief, weil er jede Woche einen schrieb.

Am Abend holte sie Papier.
Rike fragt Hannes im Hof Der erste Brief ging an ihre Großtante in Marburg, die sie zweimal gesehen hatte und von der sie nur wusste, dass sie Vögel mochte.

Sie schrieb sechs Sätze und fand alle sechs schlecht.

Sie schickte ihn trotzdem.

Der zweite ging an ein Mädchen, das sie im Sommer bei einem Fest kennengelernt hatte und mit dem sie einen ganzen Nachmittag lang über Pferde geredet hatte.

Der dritte an ihren Bruder, was überfällig war.

Dann wartete sie.

Der erste Freitag kam und brachte nichts, was sie erwartet hatte, weil Briefe nach Marburg drei Tage brauchen und zurück auch.

Der zweite Freitag brachte zwei.

Die Großtante hatte vier Seiten geschrieben, davon zwei über Vögel.
Der erste eigene Brief Die Moral von „Die Prinzessin und der Bote"

„Ich bringe nur, was jemand aufgibt." Das ist der ganze Satz, und Hannes meint ihn nicht einmal als Ratschlag — er beschreibt nur seine Arbeit.

Rike ist danach eine Stunde lang wütend, was ehrlich ist. Gute Ratschläge fühlen sich im ersten Moment fast nie gut an.

Für Kinder ab vier steckt darin etwas sehr Praktisches, und es gilt für Briefe, für Anrufe und für Einladungen: Was man bekommen will, muss meistens zuerst jemand losschicken.

Und dass zwei Leute nie geantwortet haben, gehört ausdrücklich in die Geschichte.
Zwei Briefe für Rike Es dauerte danach ungefähr ein Jahr, bis es normal war.

Rike schrieb inzwischen sieben oder acht Briefe im Monat, und sie bekam ungefähr genauso viele.

Nicht alle antworteten. Zwei Leute haben nie geschrieben, und einer hat nach dem zweiten Brief aufgehört.

Das gehört dazu und war weniger schlimm, als sie gedacht hatte.

Hannes brachte den Sack freitags weiterhin in den Saal, und irgendwann rief er beim Verteilen ihren Namen so oft wie die anderen.

Er hat nie wieder etwas dazu gesagt.

Rike hat später einmal geschrieben — in einem Brief natürlich —, dass dieser eine Satz von ihm der nützlichste gewesen sei, den ihr je jemand gesagt hat, und dass er ihn vermutlich gar nicht als Rat gemeint hatte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schreiben sie noch heute.
Passend zu dieser Geschichte

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Gefahr. Es gibt eine Stelle, an der sich jemand schämt und wütend ist, und sie geht gut aus — die zweite Hälfte der Geschichte ist durchweg freundlich.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Bote – jemand, der Nachrichten und Briefe überbringt
  • Stute – ein weibliches Pferd
  • Sattelgurt – der Riemen, mit dem der Sattel festgemacht wird
  • aufgeben – einen Brief zur Post bringen, damit er verschickt wird
  • überfällig – etwas, das schon längst hätte passieren müssen

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum bekommt Rike keine Briefe?
  • Warum ist sie zuerst wütend auf Hannes?
  • Wem könntest du mal etwas schreiben?

Warum „Die Prinzessin und der Bote" zum Einschlafen passt

Die Geschichte ist ein sehr guter Anlass, tatsächlich einen Brief oder eine Karte zu schreiben. Bei Kindern funktioniert das erfahrungsgemäß am nächsten Tag besser als am selben Abend.

Dass nicht alle antworten, steht ausdrücklich in der Geschichte. Das nimmt die Enttäuschung vorweg, die sonst kommt.

Wenn „Die Prinzessin und der Bote" gefallen hat

Mehr davon unter Prinzessinnengeschichten und Freundschaftsgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Die Prinzessin und der Bote

Worum geht es in „Die Prinzessin und der Bote"?

Prinzessin Rike bekommt als Einzige im Schloss nie Post. Als sie den Boten fragt, warum, antwortet er: Ich bringe nur, was jemand aufgibt.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa vier Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Antworten am Ende alle?

Nein. Zwei Leute schreiben nie zurück, und das steht so in der Geschichte.

Eignet sie sich, um Kinder zum Briefeschreiben zu bringen?

Ja, und zwar ohne Aufforderung – die Geschichte macht die Sache von allein einleuchtend.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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