Die Prinzessin, die nicht winken wollte

Die Prinzessin, die nicht winken wollte

Zusammenfassung: „Die Prinzessin, die nicht winken wollte" in drei Sätzen

Prinzessin Nore muss zweimal im Jahr auf einem Balkon stehen und einer Menschenmenge zuwinken.

Sie hasst das so sehr, dass ihr davon jedes Mal schlecht wird.

Wie das gelöst wird, hat nichts mit Mut zu tun und alles mit einer Absprache.

Die Prinzessin, die nicht winken wollte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Prinzessin Nore war acht.

Sie konnte gut klettern, sie kannte alle sechzig Räume der Burg mit verbundenen Augen, und sie hatte einmal einen Schwarm Bienen aus dem Speisesaal gelotst, indem sie ein Fenster aufmachte und wartete.

Vor einer Sache hatte sie trotzdem Angst.

Zweimal im Jahr — im Frühling und zum Erntedank — musste die Familie auf den Balkon.

Unten stand dann das ganze Städtchen, mehrere hundert Leute, und alle schauten hoch.

Und man musste winken.
Nore klettert auf der Burgmauer Nore war das nicht peinlich, und sie war auch nicht schüchtern.

Es war etwas anderes, und sie konnte es nicht gut erklären.

Sie hat es später einmal so beschrieben: Wenn dreihundert Leute gleichzeitig hochschauen, spürt man das. Es ist, als würde jemand die Hand auf einen legen, und man weiß nicht, wohin man gucken soll, weil man nirgendwohin gucken kann, ohne dass es jemand ist.

Ihr wurde davon jedes Mal schlecht.

Nicht ein bisschen mulmig. Richtig schlecht, mit kalten Händen und dem Gefühl, dass der Balkon schwankt.

Zweimal hatte sie es hinter sich gebracht. Beim dritten Mal war sie nach vier Minuten hineingegangen, und danach hatte es Ärger gegeben.
Der Balkon und die Menge unten Es wurde geredet.

Ihr Vater sagte, das gehöre dazu und es dauere nur zwanzig Minuten.

Ihre Tante sagte, sie solle sich vorstellen, dass da unten Kohlköpfe stehen, was ein sehr verbreiteter Rat ist und noch nie jemandem geholfen hat.

Der Hofmeister sagte, man könne die Sache ja verschieben, wenn Nore krank sei — und schaute sie dabei so an, dass klar war, wie er das meinte.

Nore sagte nichts, weil sie nicht wollte, dass jemand für sie lügt.

Dann fragte ihre Großmutter etwas.

Sie fragte: „Was genau ist das Schlimme?"
Nore steht vorn an der Brüstung Das war die erste Frage, die jemand gestellt hatte.

Nore überlegte lange.

„Dass ich da alleine stehe", sagte sie schließlich. „Und dass ich nicht weiß, wann es aufhört."

Ihre Großmutter nickte.

„Also zwei Sachen."

„Ja."

Die erste Sache lösten sie so: Nore stand nicht mehr vorn an der Brüstung, sondern eine Handbreit dahinter, zwischen ihrer Großmutter und ihrem Bruder. Das klingt nach nichts. Es ist der Unterschied zwischen exponiert und dazwischen, und den merkt man sofort.

Die zweite so: Sie zählten vorher ab.

Zwanzig Minuten sind für ein Kind unendlich. Also machten sie daraus etwas Zählbares — die Ansprache, dann das Lied, dann die drei Trompeten, dann winken, dann hinein.

Fünf Sachen.

Nore konnte das Programm auswendig, und sie wusste bei jedem Punkt, wie viele noch kommen.
Die Großmutter fragt nach Die Moral von „Die Prinzessin, die nicht winken wollte"

Alle geben Nore Ratschläge, und alle Ratschläge sind Varianten von „stell dich nicht so an" — freundlich verpackt, aber im Kern dasselbe.

Ihre Großmutter fragt stattdessen, was genau das Schlimme ist. Es stellt sich heraus, dass es zwei Sachen sind, und beide lassen sich ändern, ohne dass Nore sich ändern muss.

Für Kinder mit Auftrittsangst — vor der Klasse, beim Vorspielen, beim Geburtstagslied — ist das die brauchbarste Art von Hilfe: nicht Mut machen, sondern die Lage umbauen.

Und der Vater, der hinterher nichts sagt, macht ebenfalls etwas richtig.
Zwischen Großmutter und Bruder, eine Handbreit zurück Im Frühling stand sie wieder auf dem Balkon.

Es war nicht schön. Sie hat später gesagt, es sei immer noch schrecklich gewesen, aber schrecklich auf eine Art, die man aushält.

Sie schaute nicht in die Menge, sondern über sie hinweg zum Kirchturm, weil das die Großmutter ihr geraten hatte und weil es tatsächlich hilft.

Nach dem dritten Trompetenstoß wusste sie: Jetzt noch einmal winken, dann ist es vorbei.

Sie winkte.

Dann gingen sie hinein.

Ihr Vater sagte hinterher gar nichts dazu, was das Beste war, was er tun konnte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann steht sie noch heute zweimal im Jahr da oben, eine Handbreit hinter der Brüstung.
Passend zu dieser Geschichte

Band 1 – Die magische Rüstung der Drachenfelsen

Mut ist auch Emils Thema: In Band 1 findet er an den Drachenfelsen eine Rüstung, die nur trägt, wer sie sich verdient hat. Sein Bruder Henry löst mit Wissen, was Emil mit Mut allein nicht schafft.

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Gefahr. Die unangenehmste Stelle ist ein Kind, dem auf einem Balkon schlecht wird, und die wird nicht dramatisiert, sondern gelöst.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Brüstung – das Geländer an einem Balkon
  • Erntedank – das Fest im Herbst, an dem für die Ernte gedankt wird
  • Hofmeister – derjenige, der an einem Hof alles organisiert
  • exponiert – so, dass man ungeschützt im Blickfeld steht
  • Ansprache – eine kurze Rede vor vielen Leuten

Fragen zum Weitererzählen

  • Was genau ist für Nore das Schlimme?
  • Welche Ratschläge helfen ihr nicht — und warum?
  • Was hilft dir, wenn viele Leute dich anschauen?

Warum „Die Prinzessin, die nicht winken wollte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte eignet sich gut für Kinder, die vor Auftritten Angst haben. Sie verspricht nicht, dass es leicht wird — Nore sagt selbst, es sei immer noch schrecklich gewesen.

Der brauchbare Teil sind die zwei konkreten Änderungen: nicht vorn stehen, und vorher wissen, wie viele Programmpunkte noch kommen. Beides lässt sich zu Hause übertragen.

Wenn „Die Prinzessin, die nicht winken wollte" gefallen hat

Mehr davon unter Prinzessinnengeschichten und Mutgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: In Band 2 von Ritter Emil & Zauberer Henry müssen die beiden auch etwas tun, wovor ihnen mulmig ist.

Häufige Fragen zu Die Prinzessin, die nicht winken wollte

Worum geht es in „Die Prinzessin, die nicht winken wollte"?

Prinzessin Nore muss zweimal im Jahr auf einem Balkon vor mehreren hundert Menschen stehen, und ihr wird jedes Mal schlecht. Ihre Großmutter fragt als Erste, was genau das Schlimme ist.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Wird Nore am Ende mutig?

Nicht im üblichen Sinn. Sie sagt selbst, es sei immer noch schrecklich – nur eben auszuhalten.

Passt die Geschichte bei Auftrittsangst?

Ja. Sie enthält zwei konkrete Änderungen, die sich auf Schule und Vorspielen übertragen lassen.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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