Die Prinzessin, die Radfahren lernte

Die Prinzessin, die Radfahren lernte

Zusammenfassung: „Die Prinzessin, die Radfahren lernte" in drei Sätzen

Prinzessin Lu bekommt zum Geburtstag ein Fahrrad und fällt am ersten Nachmittag elfmal hin.

Am zweiten Tag will sie nicht mehr.

Am dritten kommt der Gärtner vorbei und sagt einen einzigen Satz.

Die Prinzessin, die Radfahren lernte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Prinzessin Lu wurde sechs und bekam ein Fahrrad.

Es war blau, hatte eine Klingel und war das erste Fahrrad, das es auf diesem Schloss jemals gegeben hatte, weil ihr Vater die Dinger für eine Modeerscheinung hielt.

Am Nachmittag ging sie damit auf den Hof.

Der Hof ist gepflastert, was Erwachsene für praktisch halten und Kinder mit einem neuen Fahrrad nicht.

Beim ersten Versuch kam sie zwei Meter.

Beim zweiten drei.

Sie hatte niemanden, der es ihr zeigte. Ihre Eltern konnten es nicht, weil es die Dinger zu ihrer Zeit noch nicht gab, und die Stallburschen hätten es gern versucht, wussten aber genauso wenig.

Sie musste es also selbst herausfinden, wie fast alle beim ersten Fahrrad im Ort.
Lu und das neue blaue Fahrrad Insgesamt fiel sie an diesem Nachmittag elfmal hin.

Zweimal davon richtig — mit aufgeschürftem Knie und einmal mit der Handfläche, was am meisten wehtut, weil Handflächen auf Pflaster nichts abkönnen.

Am Abend saß sie mit zwei Pflastern am Tisch und sagte nichts.

Am nächsten Morgen stand das Fahrrad im Hof.

Lu ging daran vorbei.

Sie ging mittags noch einmal daran vorbei und tat so, als hätte sie es nicht gesehen, was schwierig ist, wenn etwas blau ist und mitten auf dem Hof steht.
Wackeln auf dem Pflaster Am dritten Tag kam der Gärtner.

Er hieß Ossian, war ungefähr siebzig, und er kam nicht wegen des Fahrrads — er kam wegen der Rosen an der Südwand.

Er sah Lu auf der Treppe sitzen und das Fahrrad im Hof stehen.

Dann sagte er: „Elfmal? Dann fehlen noch ungefähr zwanzig."

Lu schaute hoch.

„Was?"

„Ungefähr dreißig braucht jeder", sagte Ossian. „Manche vierzig. Ich hab damals zweiundfünfzig gebraucht, aber ich hatte auch ein schlechtes Rad."

„Und wie geht es dann?", rief Lu ihm hinterher.

Ossian blieb kurz stehen.

„Genauso", sagte er. „Nur öfter."

Dann ging er zu seinen Rosen.
Abends mit zwei Pflastern am Tisch Das war alles, was er gesagt hat.

Es hat trotzdem funktioniert, und zwar aus einem einzigen Grund: Bis dahin hatte Lu geglaubt, dass Hinfallen bedeutet, dass es nicht klappt.

Ab jetzt bedeutete Hinfallen, dass sie weiterkommt.

Sie zählte ab dem Nachmittag mit. Sie sagte die Zahl jedes Mal laut, was ziemlich albern klang und ihr sehr half.

Fünfzehn. Neunzehn. Dreiundzwanzig.

Bei sechsundzwanzig fuhr sie einmal quer über den ganzen Hof, ohne dass jemand festhielt, und war so überrascht darüber, dass sie gegen den Brunnen fuhr.

Siebenundzwanzig.

Bei einunddreißig war es vorbei. Sie fuhr, und man konnte nicht mehr sagen, wann sie es gelernt hatte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fährt sie noch heute.
Das Fahrrad steht allein im Hof Ossian sagt einen Satz Bei einunddreißig fährt sie Die Moral von „Die Prinzessin, die Radfahren lernte"

Ossian sagt keinen Mutmachsatz. Er sagt eine Zahl.

Und die Zahl ändert alles, weil sie aus dem Hinfallen etwas anderes macht: nicht mehr den Beweis, dass es nicht geht, sondern die Strecke, die man ohnehin zurücklegen muss.

Für Kinder, die gerade etwas Schwieriges lernen — Radfahren, Schwimmen, Schleife binden —, ist das eine der brauchbarsten Geschichten, die es gibt.

Und Ossians zweiundfünfzig sind wichtig. Der Erwachsene in dieser Geschichte war nicht besser, sondern schlechter als das Kind.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was bekommt Prinzessin Lu zum sechsten Geburtstag, und warum ist das etwas Besonderes?

    Ein blaues Fahrrad mit einer Klingel. Es ist das erste Fahrrad, das es auf diesem Schloss jemals gegeben hat, weil ihr Vater die Dinger für eine Modeerscheinung hielt.

  2. 2Warum muss Lu das Radfahren ganz allein herausfinden?

    Es gibt niemanden, der es ihr zeigen kann. Ihre Eltern können es nicht, weil es die Dinger zu ihrer Zeit noch nicht gab, und die Stallburschen hätten es gern versucht, wussten aber genauso wenig.

  3. 3Wie läuft der erste Nachmittag auf dem gepflasterten Hof?

    Beim ersten Versuch kommt sie zwei Meter, beim zweiten drei. Insgesamt fällt sie elfmal hin, zweimal davon richtig — einmal mit aufgeschürftem Knie und einmal mit der Handfläche, was am meisten wehtut. Am Abend sitzt sie mit zwei Pflastern am Tisch und sagt nichts.

  4. 4Was sagt der alte Gärtner Ossian, als er Lu auf der Treppe sitzen sieht?

    „Elfmal? Dann fehlen noch ungefähr zwanzig.“ Ungefähr dreißig brauche jeder, manche vierzig — er selbst habe damals zweiundfünfzig gebraucht, aber er hatte auch ein schlechtes Rad. Und auf Lus Frage, wie es dann gehe, sagt er nur: „Genauso. Nur öfter.“

  5. 5Warum hilft dieser eine Satz so sehr?

    Bis dahin hatte Lu geglaubt, Hinfallen bedeute, dass es nicht klappt. Ab jetzt bedeutet Hinfallen, dass sie weiterkommt. Sie zählt laut mit — fünfzehn, neunzehn, dreiundzwanzig —, bei sechsundzwanzig fährt sie einmal quer über den Hof und ist so überrascht, dass sie gegen den Brunnen fährt. Bei einunddreißig war es vorbei.

Wörter aus der Geschichte

Modeerscheinung
etwas, von dem man glaubt, es sei nur kurz beliebt und bald wieder vorbei
gepflastert
mit vielen kleinen Steinen ausgelegt, so wie ein alter Hof oder eine alte Straße
Stallburschen
junge Männer, die sich um die Pferde im Stall kümmern
Gärtner
jemand, dessen Beruf es ist, Blumen und Pflanzen zu pflegen
Pflaster
in dieser Geschichte zweierlei: der Steinboden im Hof und das Ding, das man auf ein Aua klebt

Zum Weitererzählen

  • Am zweiten Tag geht Lu am Fahrrad vorbei und tut so, als hätte sie es nicht gesehen. Kennst du das Gefühl?
  • Ossian sagt keinen Mutmachsatz, sondern eine Zahl. Warum hilft das mehr als „Du schaffst das schon“?
  • Ossian brauchte zweiundfünfzig Versuche, mehr als Lu. Findest du es gut, dass er das zugibt?
  • Was war das Letzte, das du lernen wolltest und das nicht sofort klappte — und wie oft bist du dabei hingefallen?
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr. Es gibt aufgeschürfte Knie und einen Tag, an dem gar nichts geht — und dann einen Satz, der die Sache dreht.

Warum „Die Prinzessin, die Radfahren lernte" zum Einschlafen passt

Die Zahl ist der Trick dieser Geschichte, und er funktioniert auch außerhalb davon: Wer weiß, dass etwa dreißig Versuche dazugehören, hört beim elften seltener auf.

Ossians eigene zweiundfünfzig sind wichtig zum Vorlesen. Kinder merken sehr genau, ob ein Erwachsener sich als Vorbild aufspielt oder nicht.

Wenn „Die Prinzessin, die Radfahren lernte" gefallen hat

Mehr davon unter Mutgeschichten für Kinder und Prinzessinnengeschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Die Prinzessin, die Radfahren lernte

Worum geht es in „Die Prinzessin, die Radfahren lernte"?

Prinzessin Lu fällt am ersten Nachmittag elfmal hin und will aufgeben. Der Gärtner sagt ihr, dass ungefähr dreißig Stürze dazugehören – und das ändert alles.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Verletzt sich jemand ernsthaft?

Nein. Es gibt aufgeschürfte Knie und Handflächen, mehr nicht.

Passt die Geschichte, wenn mein Kind gerade Radfahren lernt?

Ja, sehr gut – und ebenso beim Schwimmen, Schleifebinden oder allem, was viele Versuche braucht.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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