Zweiundsiebzig Kastanien

Zweiundsiebzig Kastanien

Zusammenfassung: „Zweiundsiebzig Kastanien" in drei Sätzen

An einem Oktobernachmittag sammelt Tomke zweiundsiebzig Kastanien, weil man das eben macht.

Zu Hause weiß niemand, wohin damit.

Was sechs Wochen später mit ihnen passiert, ist der eigentliche Teil der Geschichte.

Zweiundsiebzig Kastanien – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Kastanien liegen im Oktober auf dem Boden, und dann sammelt man sie.

Man weiß nicht genau, warum. Es ist einer der wenigen Punkte, an denen sich alle Kinder einig sind, und es hört ungefähr mit zehn auf und kommt mit dreißig wieder, wenn man selbst welche dabeihat.

Tomke war sechs.

Sie sammelte an einem Nachmittag im Park zweiundsiebzig Stück, in der Kapuze ihrer Jacke, weil sie keine Tasche dabeihatte.

Die frisch aufgesprungenen sind die besten. Sie glänzen und fühlen sich an wie poliert.

Nach drei Tagen ist das weg. Sie werden matt und ein bisschen faltig, und das ist jedes Jahr aufs Neue eine kleine Enttäuschung, an die man sich nie gewöhnt.
Tomke sammelt Kastanien im Park Zu Hause legte sie sie auf die Fensterbank.

Ihre Mutter fragte, was daraus werden solle.

Tomke sagte: „Weiß nicht."

Das ist die ehrliche Antwort. Kinder sammeln Kastanien nicht für etwas — sie sammeln sie, weil sie da sind.

Nach einer Woche waren sie stumpf und ein bisschen schrumpelig.

Nach zwei Wochen räumte jemand sie in eine Schüssel.

Nach drei stand die Schüssel im Flur.

Nach vier fragte Tomkes Vater vorsichtig, ob man sie nicht wegwerfen könne, und Tomke sagte sehr deutlich Nein.

Er fragte danach noch zweimal, in größeren Abständen, weil man das als Vater so macht. Die Antwort blieb dieselbe.
Eine frisch aufgesprungene Kastanie Anfang Dezember kam der Kindergarten mit einer Bitte.

Sie brauchten Kastanien.

Nicht ein paar — viele, für ein Projekt, bei dem die Kinder Tiere basteln sollten: Kastanien, Streichhölzer, ein Bohrer, und daraus werden Spinnen, Hunde, Männchen mit sechs Beinen und Sachen, die sich nicht benennen lassen.

Die Erzieherin schrieb, sie habe leider zu spät daran gedacht und im Dezember lägen keine mehr.

Tomke brachte am nächsten Morgen zweiundsiebzig Kastanien mit.

Sie waren stumpf, schrumpelig und vollkommen brauchbar, weil man zum Bohren keine glänzenden braucht.
Die Fensterbank voller Kastanien Sie reichten für die ganze Gruppe.

Es entstanden neunzehn Tiere, von denen vier umfielen, und eins hatte elf Beine, weil ein Junge namens Mo fand, dass elf besser ist als sechs.

Tomkes Mutter hat später gesagt, dieser Vormittag habe ihre Haltung zu Sammelsachen dauerhaft verändert.

Sie räumt seitdem im Herbst nichts mehr weg, was ein Kind gesammelt hat, jedenfalls nicht vor Weihnachten.

Die Schüssel steht inzwischen jedes Jahr im Flur.

Manchmal wird nichts daraus. Dann fliegen die Kastanien im Januar auf den Kompost, und das ist auch in Ordnung.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sammeln sie noch heute jeden Oktober.
Die Schüssel im Flur Basteln im Kindergarten Die fertigen Kastanientiere auf dem Tisch Die Moral von „Zweiundsiebzig Kastanien"

Tomke sammelt ohne Zweck, was Erwachsene aushalten müssen und meistens schlecht aushalten.

Sechs Wochen später ist der Zweck plötzlich da, und zwar von außen — den hätte niemand planen können.

Für Kinder ist das eine gute Bestätigung: Man muss nicht wissen, wofür.

Und der ehrlichste Satz steht ganz am Schluss: Manchmal wird nichts daraus, und dann kommen die Kastanien im Januar auf den Kompost. Auch das ist in Ordnung, und die Geschichte tut nicht so, als sei jedes Sammeln am Ende nützlich.
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr und ohne Streit. Der größte Konflikt ist die Frage, ob man eine Schüssel Kastanien wegwerfen darf — und die wird deutlich mit Nein beantwortet.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Kastanie – die glänzende braune Frucht der Rosskastanie
  • Kapuze – die Mütze, die am Kragen einer Jacke hängt
  • stumpf – nicht mehr glänzend
  • Erzieherin – jemand, der in einer Kita mit Kindern arbeitet
  • Kompost – der Haufen im Garten, auf dem Pflanzenreste zu Erde werden

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum sammelt Tomke die Kastanien?
  • Warum sind stumpfe Kastanien zum Basteln genauso gut?
  • Was hast du schon einmal gesammelt, ohne zu wissen, wofür?

Warum „Zweiundsiebzig Kastanien" zum Einschlafen passt

Die Geschichte ist ein guter Anlass, Sammelsachen bis Weihnachten stehen zu lassen. Zum Basteln braucht man ohnehin keine glänzenden — eher im Gegenteil, denn frische Kastanien sind zu hart.

Der letzte Absatz sagt ausdrücklich, dass manchmal nichts daraus wird. Das gehört dazu und macht die Geschichte glaubwürdiger.

Wenn „Zweiundsiebzig Kastanien" gefallen hat

Mehr davon unter Naturgeschichten für Kinder und kurze Geschichten unter vier Minuten.

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Häufige Fragen zu Zweiundsiebzig Kastanien

Worum geht es in „Zweiundsiebzig Kastanien"?

Tomke sammelt im Oktober zweiundsiebzig Kastanien ohne Grund. Sechs Wochen später braucht der Kindergarten genau so viele.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Passt sie in den Herbst?

Ja, besonders im Oktober, wenn die Kastanien fallen.

Werden die Kastanien am Ende immer gebraucht?

Nein. Die Geschichte sagt ausdrücklich, dass manchmal nichts daraus wird.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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