Der Apfel ganz oben

Der Apfel ganz oben

Zusammenfassung: „Der Apfel ganz oben" in drei Sätzen

Der Baum im Garten trägt in diesem Jahr über zweihundert Äpfel, und zweihundert davon werden gepflückt.

Einer bleibt hängen, weil er ganz oben in der Spitze sitzt, wo keine Leiter hinreicht.

Über diesen einen Apfel entsteht ein Streit, der zwei Wochen dauert.

Der Apfel ganz oben – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es war ein Boskop, was man daran erkennt, dass er nicht schön ist. Boskop-Äpfel sind rau, oft rostbraun gefleckt und sehen aus, als hätte jemand sie schon einmal benutzt.

Sie sind trotzdem die besten Kuchenäpfel, die es gibt, und deshalb steht in vielen alten Gärten ein Boskop.

Die Ernte ging über ein ganzes Wochenende. Kisten, Leiter, ein Pflücker an einer Stange, ein Eimer, in den man die Äpfel legt und nicht wirft, weil geworfene Äpfel Druckstellen bekommen und Druckstellen faulen.

Am Sonntagabend waren die Kisten voll und der Baum leer.

Bis auf einen.
Ein Boskop trägt über zweihundert Äpfel Er saß in der obersten Spitze, an einem Trieb, der so dünn war, dass keine Leiter dorthin durfte.

Der Pflücker an der Stange reichte nicht. Man hätte den Ast abschneiden können, aber das macht man bei einem Apfelbaum im Herbst nicht, weil eine frische Schnittstelle vor dem Winter schlecht heilt.

Ines wollte ihn haben.

Ihr Vater sagte: Lass ihn hängen.

Sie sagte: Warum.

Er sagte: Weil er nicht drankommt.

Das ist keine Antwort auf ein Warum, sondern eine Wiederholung der Frage, und Ines war zwölf und in dem Alter, in dem einem das auffällt.
Äpfel legt man, man wirft sie nicht Sie hat es in zwei Wochen mit sechs Sachen versucht.

Mit einem Besenstiel, an den sie den Pflücker gebunden hat, was zu schwer wurde und wackelte. Mit einem Tennisball, was funktionierte, aber den Apfel so traf, dass er nicht fiel, sondern nur schaukelte. Mit einem Seil über den Ast, wodurch der ganze Baum wackelte und drei Blätter herunterkamen. Mit dem Gartenschlauch. Mit Warten auf Wind. Mit dem Nachbarn, der eine längere Leiter hat und sagte, er stelle sie nicht an einen so dünnen Trieb.

Der Apfel hing weiter.

Im November fielen die Blätter, und dann sah man ihn von der Straße aus: ein einzelner roter Punkt ganz oben in einem kahlen Baum.

Nachbarn sprachen sie darauf an. Ines fand das schrecklich.
Der eine ganz oben in der Spitze Anfang Dezember kam Frost, und nach dem Frost kam Wind.

Am Morgen des sechsten Dezember lag der Apfel im Gras.

Er war weich, an einer Seite braun und hatte einen Frostriss. Man konnte ihn nicht mehr essen und auch nicht mehr backen.

Ines hat ihn trotzdem aufgehoben und drei Tage auf die Fensterbank gelegt, bis ihre Mutter fand, dass er jetzt reiche.

Sie hat die Kerne herausgeholt und in einen Topf mit Erde gesteckt, was im Dezember nicht funktioniert, und es hat auch nicht funktioniert.

Im Februar hat sie es noch einmal probiert, mit Kernen aus einem Apfel aus der Kiste im Keller.

Der eine ist aufgegangen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann steht er noch heute hinten an der Hecke und trägt seit vier Jahren.
Sechs Versuche in zwei Wochen Im November sieht man ihn von der Straße Der Baum an der Hecke trägt seit vier Jahren Die Moral von „Der Apfel ganz oben"

Zweihundert Äpfel lagen in Kisten im Keller. Um die ging es keine Sekunde.

So funktionieren Menschen: Was man hat, zählt nicht, und was gerade nicht geht, wird zwei Wochen lang zum Mittelpunkt.

Man kann das albern finden. Man kann aber auch sehen, was am Ende daraus geworden ist — nämlich ein Baum an der Hecke, den es ohne diesen einen unerreichbaren Apfel nicht gäbe.
Passend zu dieser Geschichte

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr. Es gibt einen Ärger, der zwei Wochen dauert, und am Ende wächst etwas — im Wortsinn.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Boskop – eine alte Apfelsorte; raue Schale, sehr gut zum Backen
  • Druckstelle – eine Beule im Apfel, an der er später zu faulen anfängt
  • Trieb – ein junger, dünner Zweig
  • Frostriss – ein Riss, der entsteht, wenn etwas gefriert und wieder auftaut
  • Pflücker – ein Korb an einer langen Stange zum Obstpflücken

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum ist Ines gerade dieser eine Apfel so wichtig?
  • Ihr Vater sagt „weil er nicht drankommt". Ist das eine Antwort?
  • Was wolltest du schon mal unbedingt haben, obwohl du genug hattest?

Warum „Der Apfel ganz oben" zum Einschlafen passt

Beides stimmt und lässt sich im eigenen Garten prüfen: Äpfel werden gelegt, nicht geworfen, weil Druckstellen die Lagerung ruinieren. Und größere Schnitte am Apfelbaum macht man nicht im Spätherbst, sondern im Winter oder Spätsommer, weil frische Wunden sonst schlecht verheilen.

Apfelkerne keimen tatsächlich erst nach einer Kältephase — deshalb klappt der Februar-Versuch und der im Dezember nicht. Aus Kernen wird allerdings nie dieselbe Sorte; welcher Apfel am Ende daran wächst, weiß niemand vorher.

Wenn „Der Apfel ganz oben" gefallen hat

Mehr davon unter Herbstgeschichten für Kinder und Naturgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Der Apfel ganz oben

Worum geht es in „Der Apfel ganz oben"?

Zweihundert Äpfel sind geerntet, einer bleibt in der Baumspitze hängen. Um diesen einen geht zwei Wochen lang alles.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Kann man aus Apfelkernen wirklich einen Baum ziehen?

Ja, aber die Kerne brauchen erst eine Kältephase – deshalb klappt es im Februar und nicht im Dezember. Es wird allerdings nie dieselbe Sorte daraus.

Passt die Geschichte in den Herbst?

Ja, sie beginnt mit der Apfelernte im Oktober.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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