Der Drache und der Leuchtturm

Der Drache und der Leuchtturm

Zusammenfassung: „Der Drache und der Leuchtturm" in drei Sätzen

Auf der Klippe steht ein Leuchtturm, dessen Licht seit dem großen Sturm nicht mehr angeht.

Der Drache Grunt, der auf derselben Klippe wohnt und den alle für mürrisch halten, setzt sich in der ersten dunklen Nacht oben auf den Turm und macht Feuer.

Er sitzt dort neunzehn Nächte lang, bis das Ersatzteil aus der Stadt kommt — und danach kommt der Leuchtturmwärter jeden Abend mit Tee vorbei.

Der Drache und der Leuchtturm – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Auf der Klippe über dem Meer standen zwei Dinge.

Ein Leuchtturm, weiß mit rotem Ring, und ein Drache.

Der Drache hieß Grunt und lebte in einer Felsspalte am Rand der Klippe. Er sagte selten etwas. Wenn Kinder aus dem Dorf heraufkamen und ihn ansahen, drehte er sich weg.

Die Leute im Dorf sagten: Der ist mürrisch.

Der Leuchtturmwärter hieß Ohle. Er war alt, hatte einen weißen Bart und einen einzigen Sessel oben in der Laterne, in dem er nachts saß und aufs Wasser schaute.

Die beiden hatten sich in achtzehn Jahren ungefähr vier Sätze gesagt.
Der Leuchtturm und die Felsspalte des Drachen auf der Klippe Im Oktober kam ein Sturm.

Er war so stark, dass er das Dach der Kirche abdeckte und einen Fischkutter auf den Strand setzte. Und er zerschlug oben in der Laterne die große Lampe.

Ohle kletterte am Morgen danach hinauf und sah sich die Bescherung an.

Glassplitter. Ein verbogenes Metallteil, das aussah wie ein trauriger Löffel. Und ein Docht, der nirgendwo mehr hineinpasste.

„Ersatzteil", sagte Ohle. „Aus der Stadt."

„Wie lange?", fragte der Bürgermeister von unten.

Ohle rechnete.

„Drei Wochen."

Drei Wochen ohne Licht. Und draußen fuhren jede Nacht Schiffe vorbei, und vor der Klippe lagen Felsen, die man nicht sieht.

Das Dorf beriet den halben Tag. Jemand schlug ein großes Feuer am Strand vor. Das Problem war: Ein Feuer am Strand steht unten. Ein Leuchtturm steht oben. Von See aus sieht das völlig verschieden aus, und wer sich danach richtet, fährt genau falsch.

Am Ende beschlossen sie, das Beste zu hoffen, was selten ein guter Beschluss ist.
Ohle findet die zerschlagene Lampe In der ersten Nacht saß das halbe Dorf am Hafen und schaute aufs schwarze Wasser.

Niemand sagte viel.

Um neun Uhr hörten sie ein Schaben und Kratzen von der Klippe her.

Es war Grunt.

Er kletterte am Leuchtturm hoch — außen, an der Wand, mit den Krallen im Mauerwerk —, und als er oben war, setzte er sich auf das Geländer der Galerie, wickelte den Schwanz um den Turm und holte tief Luft.

Dann machte er Feuer.

Nicht viel. Eine ruhige, gleichmäßige Flamme, so wie man einen Kamin brennen lässt.

Vom Hafen aus sah es aus, als wäre der Leuchtturm wieder an.
Grunt klettert außen am Leuchtturm hoch Grunt saß in dieser Nacht bis zum Morgengrauen.

In der zweiten Nacht auch.

Und in der dritten.

Am vierten Abend brachte Ohle ihm eine Decke hinauf, weil auf einer Klippe im Oktober auch ein Drache friert, wenn er stillsitzt.

Am fünften Abend brachte er Tee mit.

Am sechsten stellte er seinen Sessel neben Grunt auf die Galerie, was ziemlich umständlich war, weil ein Sessel schlecht durch eine Wendeltreppe passt.

Dann saßen sie zusammen da. Der eine schaute aufs Wasser. Der andere machte Feuer.

Sie redeten nicht viel. Aber es waren mehr Sätze als in achtzehn Jahren.

Einmal fragte Ohle: „Wird das nicht anstrengend?"

Grunt überlegte.

„Doch", sagte er.

Dann machte er weiter.
Grunt macht oben auf der Galerie Feuer Die Moral von „Der Drache und der Leuchtturm"

Achtzehn Jahre lang halten alle Grunt für mürrisch, weil er sich wegdreht. Niemand fragt sich, ob er vielleicht nur allein ist.

Als das Licht ausfällt, klettert er als Erster hoch. Nicht, weil ihn jemand bittet — es fragt ihn nämlich niemand.

Und das Beste an der Geschichte passiert erst danach: Ohle kommt weiter mit Tee, obwohl der Leuchtturm längst wieder funktioniert. Kinder verstehen an dieser Stelle sehr genau, worin der Unterschied liegt.
Ohle und Grunt sitzen mit Tee auf der Galerie Abends vor der Felsspalte, während sich das Licht dreht Nach neunzehn Nächten kam das Ersatzteil.

Ohle baute es ein, drehte den Docht hoch, und die große Lampe ging wieder an — hell, weiß, viel heller als ein Drache.

Grunt kletterte an diesem Abend nicht hinauf.

Er saß unten vor seiner Felsspalte und schaute aufs Meer, und es war ihm anzusehen, dass er nicht genau wusste, was er jetzt tun sollte.

Um acht Uhr hörte er Schritte.

Ohle kam den Klippenweg entlang, in einer Hand die Teekanne, in der anderen zwei Becher.

„Der Sessel steht noch oben", sagte er. „Aber unten sitzt es sich auch."

Seitdem sitzen sie jeden Abend zusammen vor der Felsspalte. Das Licht dreht sich über ihnen und macht seine Runden, und niemand muss dafür Feuer spucken.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann trinken sie noch heute Tee.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Warum geht das Licht im Leuchtturm plötzlich nicht mehr an?

    Im Oktober kommt ein Sturm, der sogar das Kirchendach abdeckt und einen Fischkutter auf den Strand setzt. Oben in der Laterne zerschlägt er die große Lampe — übrig bleiben Glassplitter, ein verbogenes Metallteil und ein Docht, der nirgendwo mehr hineinpasst.

  2. 2Warum ist ein großes Feuer am Strand keine gute Idee?

    Weil ein Feuer am Strand unten steht und ein Leuchtturm oben. Von See aus sieht das völlig verschieden aus, und wer sich danach richtet, fährt genau falsch.

  3. 3Was macht der Drache Grunt in der ersten dunklen Nacht?

    Um neun Uhr hören alle ein Schaben und Kratzen: Grunt klettert außen am Leuchtturm hoch, mit den Krallen im Mauerwerk. Oben setzt er sich auf das Geländer der Galerie, wickelt den Schwanz um den Turm und macht Feuer — eine ruhige, gleichmäßige Flamme, so wie man einen Kamin brennen lässt.

  4. 4Was bringt Ohle dem Drachen an den nächsten Abenden hinauf?

    Am vierten Abend eine Decke, weil auf einer Klippe im Oktober auch ein Drache friert, wenn er stillsitzt. Am fünften Tee. Und am sechsten schleppt er seinen Sessel hinauf, was umständlich ist, weil ein Sessel schlecht durch eine Wendeltreppe passt.

  5. 5Was passiert an dem Abend, als die neue Lampe endlich wieder brennt?

    Grunt klettert nicht mehr hinauf und sitzt etwas ratlos vor seiner Felsspalte. Um acht Uhr kommt Ohle den Klippenweg entlang, in einer Hand die Teekanne, in der anderen zwei Becher, und sagt: „Der Sessel steht noch oben. Aber unten sitzt es sich auch.“

Wörter aus der Geschichte

Leuchtturmwärter
der Mensch, der auf einen Leuchtturm aufpasst und sein Licht in Gang hält
Felsspalte
ein schmaler Riss im Felsen, in dem man wohnen kann wie in einer Höhle
Docht
die Schnur in einer Lampe oder Kerze, an der die Flamme brennt
Wendeltreppe
eine Treppe, die sich wie eine Schnecke nach oben dreht
mürrisch
schlecht gelaunt und wenig gesprächig

Zum Weitererzählen

  • Achtzehn Jahre lang halten alle im Dorf Grunt für mürrisch, weil er sich wegdreht. Was könnte noch dahinterstecken?
  • Niemand bittet Grunt, auf den Turm zu klettern. Warum macht er es wohl trotzdem?
  • Ohle kommt weiter jeden Abend mit Tee, obwohl der Leuchtturm längst wieder leuchtet. Was verändert das für Grunt?
  • Wenn du etwas könntest, was sonst niemand in deinem Ort kann — wobei würdest du damit helfen?
Weil hier ein Drache vorkommt

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten mit einem Sturm, der schon vorbei ist, wenn die Geschichte davon erzählt. Danach wird es nur noch ruhiger: ein Feuer über dem Meer, eine Decke, zwei Becher Tee.

Warum „Der Drache und der Leuchtturm" zum Einschlafen passt

Der Sturm wird erzählt, nicht erlebt – als etwas, das vorbei ist. Das macht die Geschichte auch für Kinder geeignet, die bei Unwetter empfindlich sind.

Das letzte Bild, ein sich drehendes Licht über zwei Teetrinkern, ist bewusst als Einschlafbild gebaut. Wer mag, liest die letzten Sätze besonders langsam.

Wenn „Der Drache und der Leuchtturm" gefallen hat

Mehr davon unter Meergeschichten für Kinder und Ritter- und Drachengeschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: In Band 6 von Ritter Emil & Zauberer Henry geht es aufs Meer, zu Piraten und in einen ordentlichen Sturm.

Häufige Fragen zu Der Drache und der Leuchtturm

Worum geht es in „Der Drache und der Leuchtturm"?

Ein Sturm zerschlägt die Lampe im Leuchtturm, und das Ersatzteil braucht drei Wochen. In der ersten dunklen Nacht klettert der Drache Grunt hinauf und macht selbst Feuer.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Kommt der Sturm in der Geschichte vor?

Nur als Erzählung. Wenn die Geschichte davon berichtet, ist er schon vorbei, und niemand ist zu Schaden gekommen.

Ist der Drache böse?

Nein. Alle halten ihn für mürrisch, weil er sich wegdreht – tatsächlich ist er einfach allein.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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