Der Ritter, der Angst vor Gänsen hatte

Der Ritter, der Angst vor Gänsen hatte

Zusammenfassung: „Der Ritter, der Angst vor Gänsen hatte" in drei Sätzen

Ritter Hobert ist groß, stark und vor gar nichts bange — außer vor Gänsen.

Als er ausgerechnet durch das Dorf Gänsebach reiten muss, wählt er lieber einen Umweg von zwei Tagen.

Erst ein sechsjähriges Mädchen namens Wenka bringt ihm bei, wie man an einer Gans vorbeigeht.

Der Ritter, der Angst vor Gänsen hatte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Ritter Hobert war ein sehr mutiger Mann.

Er hatte im Sturm auf einem Turmdach gestanden. Er war einem Bären begegnet und hatte einfach höflich gegrüßt. Er schlief im Wald, ohne Feuer, und fand das gemütlich.

Vor genau einer Sache hatte Hobert Angst.

Vor Gänsen.

Nicht vor Schwänen, nicht vor Enten, nicht vor Hühnern. Nur vor Gänsen.

Es hatte damit angefangen, dass ihn als kleiner Junge eine ins Knie gezwickt hatte. Das ist ungefähr dreißig Jahre her und tat damals ziemlich weh.

Er wusste selbst, dass das albern war. Er sagte es auch niemandem. Aber wenn irgendwo eine Gans stand und den Hals lang machte, dann wurde Hobert innerlich sehr klein.
Ritter Hobert steht im Sturm auf einem Turmdach Im Sommer bekam er einen Auftrag: Er sollte einen Brief zur Burg Rabenstein bringen.

Der Weg dorthin führte durch ein Dorf.

Das Dorf hieß Gänsebach.

Hobert schaute lange auf die Karte. Dann suchte er einen anderen Weg. Es gab einen: über den Berg, durch das Moor und einmal um den See herum.

Er dauerte zwei Tage länger.

Hobert nahm ihn.

Am ersten Tag regnete es. Am zweiten Tag verlor er im Moor fast einen Stiefel und musste ihn mit beiden Händen wieder herausziehen, wobei das Moor ein Geräusch machte, als wäre es beleidigt.

Am Abend des zweiten Tages saß er nass, hungrig und mit einem Schuh voller Moorwasser am Ufer des Sees und sagte laut zu seinem Pferd: „Das kann so nicht weitergehen."

Das Pferd war derselben Meinung.
Hobert sitzt nass und müde am Seeufer Also ritt Hobert am nächsten Morgen doch nach Gänsebach.

Am Ortseingang stand ein Zaun, und hinter dem Zaun standen elf Gänse.

Sie schauten ihn an. Alle gleichzeitig.

Hobert hielt das Pferd an, ungefähr dreißig Schritte vorher, und tat so, als müsste er dringend seinen Sattelgurt prüfen.

Er prüfte ihn sehr lange.

„Willst du da lang?", fragte eine Stimme.

Auf dem Zaunpfahl saß ein Mädchen, ungefähr sechs Jahre alt, mit einem Stock in der Hand und einem Grashalm im Mund.

„Ich überlege", sagte Hobert.

„Du hast Angst", sagte das Mädchen.

Hobert überlegte, ob er das abstreiten sollte. Er entschied sich dagegen.

„Ja."

„Ich bin Wenka", sagte das Mädchen und sprang vom Zaun. „Komm mal her."
Elf Gänse hinter dem Zaun am Ortseingang von Gänsebach Wenka erklärte es ihm.

„Wenn du wegläufst, kommen sie hinterher. Das ist das Einzige, was Gänse wirklich können."

„Und wenn ich nicht weglaufe?"

„Dann läufst du eben."

„Das ist dasselbe Wort."

„Nein", sagte Wenka geduldig. „Weglaufen ist schnell. Laufen ist normal. Gänse merken den Unterschied sofort."

Sie zeigte es ihm. Sie ging an dem Zaun entlang, ganz normal, ohne schnell zu werden und ohne stehen zu bleiben. Die Gänse machten ein bisschen Lärm und blieben, wo sie waren.

„Jetzt du."

Hobert stieg ab. Er war einen Kopf größer als der Zaun und ungefähr viermal so schwer wie alle elf Gänse zusammen, und trotzdem klopfte sein Herz.

Er machte den ersten Schritt.

Die Gänse zischten.

Er machte den zweiten.

Eine kam bis an den Zaun und machte den Hals lang.

Hobert blieb nicht stehen. Er lief auch nicht schneller. Er ging einfach weiter, so wie Wenka es gezeigt hatte, und nach vierzehn Schritten war er vorbei.

Hinter ihm wurde es still.
Wenka erklärt Hobert, wie man an Gänsen vorbeigeht Die Moral von „Der Ritter, der Angst vor Gänsen hatte"

Hobert ist mutig genug für Bären und Türme im Sturm — und macht wegen elf Gänsen einen Umweg von zwei Tagen. Genau so funktioniert Angst: Sie hält sich nicht daran, was eigentlich gefährlich ist.

Wenka lacht ihn nicht aus. Sie zeigt ihm, wie man geht.

Für Kinder mit einer eigenen kleinen Angst — Hunde, Dunkelheit, Rutschen — ist das eine gute Nachricht: Der Trick ist meistens nicht, keine Angst mehr zu haben, sondern zu wissen, was man tun soll.
Hobert geht ruhig an den Gänsen vorbei „Und?", fragte Wenka.

Hobert setzte sich auf einen Stein, weil ihm ein bisschen die Knie zitterten.

„Gut", sagte er.

Er brachte den Brief noch am selben Tag nach Rabenstein, zwei Tage früher als geplant.

Auf dem Rückweg nahm er wieder den Weg durch Gänsebach. Nicht, weil er musste. Es war einfach der kürzere.

Wenka saß auf ihrem Zaunpfahl und winkte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann geht Ritter Hobert noch heute an Gänsen vorbei, ohne schneller zu werden.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Wovor hat Ritter Hobert Angst, obwohl er sonst vor gar nichts bange ist?

    Vor Gänsen. Nicht vor Schwänen, nicht vor Enten, nicht vor Hühnern — nur vor Gänsen. Als kleiner Junge hatte ihn eine ins Knie gezwickt, das ist ungefähr dreißig Jahre her und tat damals ziemlich weh.

  2. 2Warum reitet Hobert über den Berg, durch das Moor und um den See herum?

    Der Weg zur Burg Rabenstein führte durch ein Dorf, und das Dorf hieß Gänsebach. Der Umweg dauerte zwei Tage länger, und Hobert nahm ihn trotzdem.

  3. 3Wie geht es ihm am Abend des zweiten Tages?

    Nass, hungrig und mit einem Schuh voller Moorwasser sitzt er am Ufer des Sees und sagt laut zu seinem Pferd: „Das kann so nicht weitergehen.“ Das Pferd war derselben Meinung.

  4. 4Was bringt Wenka ihm am Zaun bei?

    Den Unterschied zwischen Weglaufen und Laufen: „Weglaufen ist schnell. Laufen ist normal. Gänse merken den Unterschied sofort.“ Sie geht es ihm vor, ganz normal, ohne schneller zu werden und ohne stehen zu bleiben.

  5. 5Wie geht Hobert an den elf Gänsen vorbei?

    Die Gänse zischen, eine kommt bis an den Zaun und macht den Hals lang. Hobert bleibt nicht stehen und läuft auch nicht schneller, und nach vierzehn Schritten ist er vorbei. Danach setzt er sich auf einen Stein, weil ihm ein bisschen die Knie zittern.

Wörter aus der Geschichte

Moor
ein sehr nasser, weicher Boden, in dem man leicht einsinkt
Sattelgurt
der breite Riemen, der den Sattel unter dem Pferdebauch festhält
Zaunpfahl
einer der dicken Pfosten, die einen Zaun tragen
gezwickt
mit dem Schnabel oder den Fingern fest gekniffen
zischten
machten ein scharfes Geräusch wie Luft, die aus einem Reifen entweicht

Zum Weitererzählen

  • Warum hilft es Hobert, dass Wenka ihn nicht auslacht?
  • Wenka sagt, Gänse merken den Unterschied sofort. Woran merkt man wohl, dass jemand Angst hat?
  • Auf dem Rückweg nimmt Hobert wieder den Weg durch Gänsebach. Warum wohl?
  • Wovor bist du ein bisschen bange, und was würde dir helfen, daran vorbeizugehen?
Weil hier ein Ritter vorkommt

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Bösewicht. Die spannendste Stelle sind vierzehn Schritte an einem Zaun entlang — und danach setzt sich ein sehr großer Ritter auf einen Stein, weil ihm die Knie zittern.

Warum „Der Ritter, der Angst vor Gänsen hatte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte eignet sich für Kinder, die selbst gerade eine kleine Angst haben. Hobert wird nicht ausgelacht, und seine Angst wird auch nicht wegdiskutiert – er lernt nur, wie man geht.

Am Ende steht kein Triumph, sondern ein Ritter mit weichen Knien auf einem Stein. Das ist ehrlicher und funktioniert vor dem Einschlafen besser als ein Jubelschluss.

Wenn „Der Ritter, der Angst vor Gänsen hatte" gefallen hat

Mehr davon unter Mutgeschichten für Kinder und Rittergeschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: In Band 2 von Ritter Emil & Zauberer Henry müssen die beiden auch etwas tun, wovor ihnen vorher mulmig ist.

Häufige Fragen zu Der Ritter, der Angst vor Gänsen hatte

Worum geht es in „Der Ritter, der Angst vor Gänsen hatte"?

Ritter Hobert fürchtet weder Bären noch Stürme, aber vor Gänsen macht er einen Umweg von zwei Tagen. Ein sechsjähriges Mädchen bringt ihm bei, wie man an ihnen vorbeigeht.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Wird der Ritter für seine Angst ausgelacht?

Nein. Wenka nimmt ihn ernst und zeigt ihm einfach, was er tun kann.

Passt die Geschichte, wenn mein Kind Angst vor Tieren hat?

Ja. Sie zeigt, dass Angst nichts mit Größe zu tun hat – und dass man trotzdem vorbeikommt.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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