Das Rentier, das Höhenangst hatte

Das Rentier, das Höhenangst hatte

Zusammenfassung: „Das Rentier, das Höhenangst hatte" in drei Sätzen

Das Rentier Pelle kann fliegen wie alle anderen — es traut sich nur nicht höher als zwei Meter.

In der Nacht vor Heiligabend probieren die anderen sieben alles: Mutmachen, Vormachen, Anschubsen.

Was am Ende hilft, ist ein sehr einfacher Trick, den ein sechsjähriges Kind auf einem Dach erfindet.

Das Rentier, das Höhenangst hatte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Rentiere können fliegen. Das ist bekannt.

Was weniger bekannt ist: Sie müssen es nicht besonders mögen.

Pelle zum Beispiel mochte es überhaupt nicht.

Er konnte es. Er stieß sich ab, die Beine liefen weiter, und dann war er in der Luft, ganz normal, wie alle anderen auch.

Nur höher als zwei Meter ging er nicht.

Zwei Meter, das ist ungefähr so hoch wie eine Tür plus ein Stück. Für ein Rentier, das über Dächer soll, ist das nicht besonders viel.
Pelle fliegt tief, die anderen sieben kreisen hoch oben Im Dezember wurde geübt.

Die anderen sieben Rentiere zogen ihre Runden über dem Hof, hoch, immer höher, bis sie nur noch Punkte waren.

Pelle flog darunter her, in zwei Metern Höhe, und passte auf, dass er nicht gegen den Zaun kam.

„Komm hoch!", riefen die anderen von oben.

„Gleich!", rief Pelle.

Er kam nicht hoch.

Sie probierten alles. Blitz erklärte ihm, dass Luft überall gleich sei, oben wie unten, was stimmt und trotzdem nicht hilft. Donner flog dreißigmal vor, um zu zeigen, wie einfach das ist. Und Bolle, der praktisch dachte, versuchte es einmal mit Anschubsen.

Das ging so schlecht aus, dass danach niemand mehr darüber sprach.

Am schlimmsten war der gut gemeinte Satz, den Pelle in diesen Wochen ungefähr zweihundertmal hörte: „Du musst dich einfach trauen."

Wenn Trauen so einfach wäre, hätte er sich ja getraut.
Der Weihnachtsmann setzt sich zu Pelle hinter den Stall Am Tag vor Heiligabend saß Pelle allein hinter dem Stall.

Der Weihnachtsmann kam vorbei, setzte sich neben ihn auf die Kiste und sagte eine Weile nichts.

„Muss ich mit?", fragte Pelle.

„Nein", sagte der Weihnachtsmann. „Wir sind acht. Es geht auch mit sieben."

Pelle schaute auf seine Hufe.

„Ich will aber mit."

„Das ist etwas anderes", sagte der Weihnachtsmann.

Er nahm eine Handvoll Schnee, drückte ihn zu einer Kugel und ließ sie wieder auseinanderfallen.

„Weißt du, was ich in achtzig Jahren gelernt habe? Wer nicht mit will, den kriegt man auch nicht hoch. Wer mit will, kriegt es irgendwann selber hin. Man kann es nur nicht vorher wissen."

Er stand auf, klopfte sich den Schnee von der Hose und sagte: „Dann komm halt mit. Wir schauen mal."
Pelle läuft unter dem Schlitten die Straße entlang In der Nacht ging es los.

Sieben Rentiere zogen den Schlitten, und Pelle lief unten mit, dicht über der Straße, was erstaunlich gut funktionierte, solange es geradeaus ging.

Beim vierten Haus wurde es schwierig. Das Haus stand am Hang, der Schlitten musste auf ein hohes Dach, und unten war kein Weg mehr, nur eine Hecke.

Pelle blieb auf dem Nachbardach stehen und schaute hinüber.

Auf diesem Dach saß ein Kind.

Es war ungefähr sechs, hatte eine Mütze auf und offenbar die Absicht, in dieser Nacht wach zu bleiben, um alles genau zu sehen. Es erschrak kein bisschen.

„Warum fliegst du so tief?", fragte es.

„Ich mag hoch nicht."

Das Kind dachte nach.

„Dann guck doch nicht runter", sagte es. „Guck auf das Rentier vor dir."
Das Kind auf dem Dach gibt Pelle einen Rat Die Moral von „Das Rentier, das Höhenangst hatte"

Die anderen Rentiere machen alles, was man üblicherweise macht: erklären, vormachen, anschieben. Nichts davon hilft, weil Angst sich weder überzeugen noch vorführen lässt.

Das Kind auf dem Dach fragt nicht einmal nach dem Grund. Es gibt Pelle nur etwas zum Anschauen.

Für Kinder mit einer eigenen Angst ist das die brauchbarste Art von Hilfe: nicht „hab keine Angst", sondern „schau da hin". Und der Schluss lässt Pelle ausdrücklich so, wie er ist – allein fliegt er weiter tief.
Pelle steigt und schaut nur auf das Rentier vor ihm „Warum?", fragte Pelle.

„Weil unten alles klein wird", sagte das Kind. „Und wenn was klein wird, merkt man, wie hoch man ist. Ein Rentier wird nicht kleiner."

Pelle schaute das Kind an. Es zog die Mütze zurecht und sah aus, als wäre das eine ganz normale Sache, die man eben weiß.

Es klingt zu einfach, und es war auch zu einfach.

Aber Pelle probierte es.

Er stieß sich ab, und statt nach unten zu schauen, schaute er auf Bolles Hinterteil, das direkt vor ihm war, mit dem kleinen weißen Fleck am Schwanz.

Der weiße Fleck stieg. Pelle stieg mit.

Er merkte es erst, als der Kirchturm neben ihm war und nicht mehr über ihm.

Da guckte er kurz doch nach unten, erschrak, guckte schnell wieder auf den weißen Fleck und war wieder in Ordnung.

So flogen sie die ganze Nacht.

Am Morgen, als es hell wurde, war Pelle so müde wie noch nie und ziemlich zufrieden. Er kann seitdem hoch fliegen, wenn jemand vor ihm ist.

Ganz allein fliegt er immer noch lieber tief, und das ist auch völlig in Ordnung.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fliegen sie noch heute zu acht.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was kann Pelle, und was traut er sich nicht?

    Fliegen kann er ganz normal: Er stößt sich ab, die Beine laufen weiter, und dann ist er in der Luft. Nur höher als zwei Meter geht er nicht, und das ist für ein Rentier, das über Dächer soll, nicht besonders viel.

  2. 2Was probieren die anderen Rentiere, um Pelle zu helfen?

    Blitz erklärt ihm, dass Luft überall gleich ist, oben wie unten. Donner fliegt dreißigmal vor, um zu zeigen, wie einfach das ist. Und Bolle versucht es einmal mit Anschubsen, was so schlecht ausgeht, dass danach niemand mehr darüber spricht.

  3. 3Was sagt der Weihnachtsmann am Tag vor Heiligabend zu Pelle?

    Erst, dass Pelle nicht mitmuss, es gehe auch mit sieben. Als Pelle sagt, er wolle aber mit, sagt der Weihnachtsmann: „Dann komm halt mit. Wir schauen mal.“

  4. 4Welchen Tipp gibt das Kind auf dem Dach?

    „Dann guck doch nicht runter. Guck auf das Rentier vor dir.“ Denn unten wird alles klein, und daran merkt man, wie hoch man ist. Ein Rentier aber wird nicht kleiner.

  5. 5Woran merkt Pelle, dass er hoch geflogen ist?

    Er schaut die ganze Zeit auf Bolles Hinterteil mit dem kleinen weißen Fleck am Schwanz. Erst als der Kirchturm neben ihm ist und nicht mehr über ihm, merkt er es.

Wörter aus der Geschichte

Höhenangst
das flaue Gefühl im Bauch, wenn man weit oben ist
Hufe
die harten Füße von Rentieren, Pferden und Kühen
Kirchturm
der hohe spitze Turm, der zu einer Kirche gehört
Schlitten
ein Fahrzeug ohne Räder, das über den Schnee gleitet
Heiligabend
der Abend des vierundzwanzigsten Dezember, an dem Weihnachten gefeiert wird

Zum Weitererzählen

  • Warum hilft der Satz „Du musst dich einfach trauen“ überhaupt nicht?
  • Das Kind auf dem Dach fragt gar nicht erst nach dem Grund. Warum ist das vielleicht besser?
  • Am Ende fliegt Pelle allein immer noch lieber tief. Findest du das schlimm?
  • Gibt es etwas, das du dich noch nicht traust? Was könnte dir dabei helfen?
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Gefahr. Es gibt einen kurzen Schrecken, als Pelle doch nach unten schaut, und der ist nach einem Satz vorbei. Danach fliegt der Schlitten nur noch ruhig durch die Nacht.

Warum „Das Rentier, das Höhenangst hatte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte eignet sich gut für Kinder mit einer eigenen kleinen Angst. Pelle wird nicht geheilt und nicht ausgelacht – er bekommt einen Trick und darf sonst bleiben, wie er ist.

Das Ende ist ein müdes, zufriedenes Rentier am Morgen. Ein guter Punkt, um aufzuhören.

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Häufige Fragen zu Das Rentier, das Höhenangst hatte

Worum geht es in „Das Rentier, das Höhenangst hatte"?

Das Rentier Pelle kann fliegen, traut sich aber nicht höher als zwei Meter. In der Weihnachtsnacht gibt ihm ein Kind auf einem Dach einen sehr einfachen Rat.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Kommt der Weihnachtsmann vor?

Ja, in einer kurzen ruhigen Szene hinter dem Stall.

Wird Pelles Angst am Ende geheilt?

Nicht ganz. Er fliegt hoch, wenn jemand vor ihm ist – allein bleibt er lieber tief, und die Geschichte findet das in Ordnung.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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