Das Lebkuchenhaus, das niemand essen wollte

Das Lebkuchenhaus, das niemand essen wollte

Zusammenfassung: „Das Lebkuchenhaus, das niemand essen wollte" in drei Sätzen

Familie Prahl backt jedes Jahr ein Lebkuchenhaus, und jedes Jahr traut sich niemand, es anzuschneiden.

Im Januar wird es hart, im Februar staubig, und irgendwann wandert es in den Müll.

In diesem Jahr macht die Großmutter etwas anderes — und zwar am ersten Abend.

Das Lebkuchenhaus, das niemand essen wollte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Bei Familie Prahl wurde jedes Jahr ein Lebkuchenhaus gebaut.

Es war eine ernste Angelegenheit. Es gab eine Schablone aus Pappe, es gab Zuckerguss aus der Spritztüte, und es gab jedes Jahr genau einen Streit darüber, wer die Gummibärchen aufs Dach kleben darf.

Am Ende stand es auf der Kommode im Flur.

Es war schön.

Und dann passierte drei Monate lang gar nichts damit.

Es wurde angeschaut. Besuch wurde davor geführt. Zweimal wurde es fotografiert, einmal davon von der Seite, auf der der Zuckerguss besser gelungen war.

Gegessen wurde es nicht.
Familie Prahl baut das Lebkuchenhaus Denn keiner traute sich, es anzuschneiden.

„Das ist doch schade", sagte der Vater.

„Es sieht so schön aus", sagte die Mutter.

„Ich will das Dach", sagte der kleinste Sohn, wurde aber überstimmt.

Also blieb es stehen.

Im Januar wurde der Lebkuchen hart. Im Februar setzte sich Staub auf den Zuckerguss. Ende Februar fiel ein Gummibärchen ab, und im März, wenn niemand hinschaute, verschwand das Haus.

Man sprach nicht darüber, wohin.

Das lief seit elf Jahren so.

Wenn man die Prahls gefragt hätte, ob das eine gute Regelung sei, hätten alle Nein gesagt. Es hatte nur nie jemand gefragt, und Regelungen, nach denen niemand fragt, halten am längsten.
Das fertige Haus steht auf der Kommode im Flur In diesem Jahr war die Großmutter da.

Sie war zweiundsiebzig, hieß Gerda und hatte eine Art, Dinge zu tun, ohne vorher darüber abzustimmen.

Sie schaute sich das fertige Haus an. Sie ging einmal drum herum. Dann sagte sie: „Schön", holte ein Messer aus der Küche und schnitt das Dach ab.

Im Flur wurde es sehr still.

„Was machst du denn da?", rief die Mutter.

„Ich schneide den Kuchen an."

Der Vater machte den Mund auf. Dann sah er den kleinsten Sohn an, der bereits die Hände gehoben hatte, und machte den Mund wieder zu.

„Aber es ist doch erst der Zweite."

„Eben."

Sie sagte das nicht triumphierend. Sie sagte es, wie man etwas sagt, das man für offensichtlich hält, und schnitt dabei schon das nächste Stück.

„Aber wir haben ihn doch gerade erst —"

„Ja", sagte Gerda. „Deshalb ist er auch noch weich."
Im Februar liegt Staub auf dem Zuckerguss Sie legte das Dach auf einen Teller, brach es in Stücke und verteilte sie.

Der kleinste Sohn bekam das Stück mit den meisten Gummibärchen, weil er darauf bestanden hatte und weil Gerda fand, dass Beharrlichkeit belohnt gehört.

Es schmeckte gut.

Es schmeckte sogar sehr gut, weil frischer Lebkuchen nun mal weich ist und alter nicht, und das war den Prahls in elf Jahren nie aufgefallen.

Am nächsten Abend gab es die Vorderwand.

Am dritten die Seitenwände. Der Rest hielt noch bis zum vierten Advent, und am Ende blieb nur der Zuckerguss-Klecks auf dem Pappboden übrig, den niemand wollte.

Auf der Kommode im Flur stand ab da eine Kerze.

Die Mutter gab hinterher zu, dass sie am ersten Abend kurz sauer gewesen war. Ungefähr zwei Minuten lang.

Danach hatte sie ein Stück Dach gegessen und war es nicht mehr.
Gerda schneidet das Dach ab Die Moral von „Das Lebkuchenhaus, das niemand essen wollte"

Elf Jahre lang bewahren die Prahls etwas auf, das zum Essen gemacht ist, bis es weggeworfen werden muss. Sie tun das aus einem freundlichen Grund: Es ist schön, und Schönes macht man nicht kaputt.

Gerda macht es trotzdem kaputt — und zwar sofort, als es am besten schmeckt.

Für Kinder ist das eine sehr befriedigende Szene. Und für Erwachsene steckt dahinter eine Frage, die auch außerhalb von Lebkuchen gilt: Wofür heben wir Dinge eigentlich auf?
Alle essen vom Dach Seitdem machen sie es jedes Jahr so.

Das Haus wird gebaut, es steht einen Abend lang ganz da, alle schauen es an — und dann fängt jemand an.

Den Streit um die Gummibärchen gibt es übrigens immer noch. Der gehört dazu.

Gerda kommt inzwischen jedes Jahr am zweiten Advent. Sie baut nicht mit, weil sie Zuckerguss für eine Zumutung hält, aber sie ist da, wenn angeschnitten wird, und sie bekommt das erste Stück.

Das ist nicht offiziell beschlossen worden. Es macht nur niemand anders.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann bauen sie noch heute jedes Jahr eins.
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Gefahr, mit einer Szene zum Lachen in der Mitte. Sie endet an einem Adventsabend mit einer Kerze auf einer Kommode.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Lebkuchen – ein weicher Gewürzkuchen, den es vor allem im Winter gibt
  • Zuckerguss – die weiße süße Masse, mit der man Gebäck verziert und zusammenklebt
  • Schablone – eine Vorlage aus Pappe, nach der man etwas ausschneidet
  • Kommode – ein niedriger Schrank mit Schubladen
  • Beharrlichkeit – dranbleiben und nicht lockerlassen

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum traut sich elf Jahre lang niemand, das Haus anzuschneiden?
  • Warum schmeckt es am ersten Abend besser?
  • Hebt ihr etwas auf, das man eigentlich benutzen könnte?

Warum „Das Lebkuchenhaus, das niemand essen wollte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte kommt ohne Konflikt und ohne Schrecken aus. Sie eignet sich gut als Abendgeschichte nach einem Backnachmittag.

Der Schluss ist ruhig und kurz. Wer will, kann danach überlegen, was bei euch zu Hause aufgehoben wird und wofür.

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Häufige Fragen zu Das Lebkuchenhaus, das niemand essen wollte

Worum geht es in „Das Lebkuchenhaus, das niemand essen wollte"?

Familie Prahl baut jedes Jahr ein Lebkuchenhaus, das niemand anschneidet – bis es im März verschwindet. In diesem Jahr ist die Großmutter da.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Ist die Geschichte lustig?

Stellenweise ja – vor allem die Szene, in der Gerda einfach das Dach abschneidet.

Passt sie zum Backen im Advent?

Sehr gut. Sie ist eine passende Abendgeschichte nach einem Backnachmittag.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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