Der Stern, der nicht leuchten konnte

Der Stern, der nicht leuchten konnte

Zusammenfassung: „Der Stern, der nicht leuchten konnte" in drei Sätzen

Ganz oben am Weihnachtsbaum sitzt ein Blechstern, der kein eigenes Licht hat.

Er hält sich deshalb für überflüssig — bis er merkt, was er den ganzen Dezember über macht, ohne es zu wissen.

Am Ende sind es die Kerzen unter ihm, die ihn brauchen, und nicht umgekehrt.

Der Stern, der nicht leuchten konnte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Ganz oben auf dem Weihnachtsbaum saß ein Stern.

Er war aus Blech, sechszackig, ein bisschen verbogen an einer Spitze, und es gab ihn in dieser Familie seit sechsundvierzig Jahren.

Unter ihm hingen Lichter.

Kleine warme Lichter an einer Kette, die den ganzen Baum hinunterlief und die abends angingen, wenn jemand den Stecker in die Dose steckte.

Der Stern leuchtete nicht.

Er konnte es nicht. Er hatte keine Birne, kein Kabel, keinen Docht. Er saß einfach da und war ein Stern aus Blech.
Der Blechstern auf der Spitze des Weihnachtsbaums Das machte ihm zu schaffen.

„Ich bin oben", sagte er einmal zu der obersten Lichterkette. „Und ich mache nichts."

„Du sitzt oben", sagte die Lichterkette. „Das ist doch was."

„Sitzen kann jeder."

Die Lichterkette blinkte kurz, was bei ihr Achselzucken bedeutet, und leuchtete weiter.

Der Stern schaute den Baum hinunter.

Überall glomm etwas. Die Kugeln warfen kleine Lichtpunkte an die Decke. Das Lametta glitzerte. Sogar die Krippenfiguren unten hatten eine Kerze bekommen.

Nur er saß da, dunkel wie ein Küchenlöffel.

„Früher", sagte er nach einer Weile, „gab es hier oben mal eine Kerze."

„Ja", sagte die Lichterkette. „Und dann hat sie den Vorhang angezündet."

„Trotzdem."

„Sie hat den Vorhang angezündet", wiederholte die Lichterkette, weil manche Argumente nur durch Wiederholung besser werden.
Der ganze Baum leuchtet – nur der Stern nicht Am dreiundzwanzigsten Dezember kam ein Kind ins Zimmer.

Es war klein, etwa vier, und es war eigentlich schon im Bett gewesen. Es hatte sich noch einmal herausgeschlichen, was in dieser Woche fast jeden Abend vorkam.

Es stellte sich vor den Baum, mit nackten Füßen auf dem kalten Boden, legte den Kopf in den Nacken und schaute nach oben.

Es schaute nicht auf die Lichter.

Es schaute auf den Stern.

Eine ganze Weile. Dann sagte es leise, mehr zu sich selbst als zu jemandem: „Da ist er noch."

Dann ging es wieder ins Bett.

Der Stern hatte in sechsundvierzig Jahren viele Leute vor diesem Baum stehen sehen. Er hatte nur nie darauf geachtet, wohin sie schauen.
Das Kind schaut nachts nach oben Der Stern dachte die halbe Nacht darüber nach.

Am nächsten Abend passierte es wieder, mit einem anderen Familienmitglied. Der Vater kam herein, drehte eine Kugel gerade, trat einen Schritt zurück und schaute nach oben.

Und am Heiligabend, als alle im Zimmer saßen, schaute jeder von ihnen mindestens einmal ganz nach oben.

Da verstand der Stern, was er machte.

Er leuchtete nicht. Er zeigte, wo oben ist.

Ein Baum ohne Spitze ist ein Busch. Erst der Stern macht daraus etwas, das nach oben zeigt, und jeder, der davorsteht, schaut ihm nach, ohne dass jemand es sagen muss.

Es ist eine stille Arbeit. Man merkt sie nur, wenn sie fehlt.

Einmal, vor vielen Jahren, war er beim Schmücken heruntergefallen und drei Tage lang nicht wieder hochgekommen, weil die Leiter im Keller stand.

In diesen drei Tagen hatte der Baum ausgesehen wie etwas, das noch nicht fertig ist. Alle hatten es gemerkt, und niemand hatte gewusst, warum.
Am Heiligabend schaut jeder einmal ganz nach oben Die Moral von „Der Stern, der nicht leuchten konnte"

Der Stern vergleicht sich den ganzen Dezember über mit den Lichtern und kommt dabei schlecht weg. Das ist eine Rechnung, die nicht aufgehen kann, weil er etwas völlig anderes macht.

Was er macht, sieht man erst, wenn man den Leuten zuschaut, die vor dem Baum stehen: Sie schauen alle nach oben.

Für Kinder ist das ein guter Gedanke — dass es Aufgaben gibt, die man nicht sieht, solange sie erledigt werden. Und für den Abend ist es eine der ruhigsten Geschichten, die wir haben.
Alle Lichter aus – der Stern sitzt im Dunkeln Später an diesem Abend gingen die Kerzen aus.

Erst die unteren, dann die mittleren. Jemand löschte sie mit einem kleinen Hütchen an einem Stiel, und mit jeder Kerze wurde es im Zimmer dunkler.

Zum Schluss war nur noch die Lichterkette an.

Dann zog jemand den Stecker.

Es war vollkommen dunkel im Zimmer, und in dieser Dunkelheit saß der Stern ganz oben und war genauso dunkel wie alles andere und zum ersten Mal in diesem Dezember vollkommen einverstanden damit.

Draußen fiel Schnee.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzt er noch heute jedes Jahr da oben.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Wie sieht der Stern ganz oben auf dem Baum aus, und wie lange gibt es ihn schon?

    Er ist aus Blech, sechszackig und an einer Spitze ein bisschen verbogen. In dieser Familie gibt es ihn seit sechsundvierzig Jahren.

  2. 2Warum ist der Stern den ganzen Dezember über unglücklich?

    Er kann nicht leuchten: keine Birne, kein Kabel, kein Docht. Unter ihm glitzert alles — die Lichterkette, die Kugeln, das Lametta — und er sitzt da, dunkel wie ein Küchenlöffel, und sagt: „Ich bin oben. Und ich mache nichts.“

  3. 3Was antwortet die Lichterkette, als der Stern von der Kerze von früher erzählt?

    Sie sagt trocken: „Und dann hat sie den Vorhang angezündet.“ Und als der Stern „Trotzdem“ sagt, wiederholt sie den Satz einfach noch einmal, weil manche Argumente nur durch Wiederholung besser werden.

  4. 4Was macht das kleine Kind am dreiundzwanzigsten Dezember?

    Es schleicht sich noch einmal aus dem Bett, stellt sich mit nackten Füßen auf den kalten Boden vor den Baum und legt den Kopf in den Nacken. Es schaut nicht auf die Lichter, sondern auf den Stern, und sagt ganz leise: „Da ist er noch.“

  5. 5Was versteht der Stern an Heiligabend, als alle im Zimmer nach oben schauen?

    Dass er zwar nicht leuchtet, aber zeigt, wo oben ist. Ein Baum ohne Spitze ist ein Busch — erst der Stern macht daraus etwas, dem alle mit den Augen nach oben folgen.

Wörter aus der Geschichte

Blech
dünnes Metall, aus dem man Dosen oder Sterne machen kann
sechszackig
mit sechs Spitzen ringsherum
Docht
die kleine Schnur mitten in einer Kerze, die brennt
Lametta
dünne glänzende Streifen, die man über die Zweige hängt
Krippenfiguren
die kleinen Figuren im Stall unter dem Weihnachtsbaum

Zum Weitererzählen

  • Einmal ist der Stern drei Tage lang nicht wieder hochgekommen, und alle haben gemerkt, dass etwas fehlt, ohne zu wissen was. Kennst du dieses Gefühl?
  • Am Ende ist es vollkommen dunkel im Zimmer, und der Stern ist zum ersten Mal einverstanden. Woran liegt das wohl?
  • Das Kind sagt nur vier Wörter: „Da ist er noch.“ Was meint es damit?
  • Wenn du etwas ganz oben auf einen Weihnachtsbaum setzen dürftest — was wäre das?
Wenn heute nach oben geschaut wurde

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten, in denen fast nichts passiert. Die Geschichte wird von Absatz zu Absatz dunkler und ruhiger und endet in einem vollkommen dunklen Zimmer mit Schnee vor dem Fenster.

Warum „Der Stern, der nicht leuchten konnte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte hat keinen Höhepunkt und keinen Schrecken. Sie eignet sich besonders für die Abende im Dezember, an denen ohnehin schon viel Aufregung war.

Der letzte Absatz ist bewusst als Einschlafbild gebaut: dunkles Zimmer, Schnee vor dem Fenster. Wer langsam liest, braucht danach nichts mehr.

Wenn „Der Stern, der nicht leuchten konnte" gefallen hat

Mehr davon unter Weihnachtsgeschichten für Kinder und Sternen- und Mondgeschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden – ein Band pro Weihnachten reicht für sechs Jahre.

Häufige Fragen zu Der Stern, der nicht leuchten konnte

Worum geht es in „Der Stern, der nicht leuchten konnte"?

Auf der Spitze des Weihnachtsbaums sitzt ein Blechstern ohne eigenes Licht. Er hält sich für überflüssig – bis er merkt, dass alle, die vor dem Baum stehen, zu ihm hochschauen.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Ist die Geschichte aufregend?

Nein, ausdrücklich nicht. Sie ist eine der ruhigsten Geschichten auf dieser Seite.

Passt sie in die Adventszeit?

Ja, den ganzen Dezember über – sie spielt vom Anfang des Monats bis Heiligabend.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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