Die Flaschenpost, die sechs Jahre unterwegs war

Die Flaschenpost, die sechs Jahre unterwegs war

Zusammenfassung: „Die Flaschenpost, die sechs Jahre unterwegs war" in drei Sätzen

Ein Junge wirft auf Sylt eine Flasche mit einem Zettel ins Wasser und vergisst sie.

Sechs Jahre später findet sie ein Mann an einem Strand in Norwegen.

Der Brief, den er zurückschreibt, kommt an eine Adresse, an der niemand mehr wohnt — und trotzdem an.

Die Flaschenpost, die sechs Jahre unterwegs war – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Jonas war acht, als er die Flasche ins Wasser warf.

Es war im Juli auf Sylt, an einem Tag mit ablandigem Wind — also Wind, der vom Land aufs Meer hinausweht. Sein Vater hatte das vorher geprüft, weil eine Flaschenpost bei auflandigem Wind nach zwanzig Minuten wieder am Strand liegt.

In der Flasche steckte ein Zettel.

Darauf stand: „Hallo, ich bin Jonas, ich bin acht. Wenn du das findest, schreib mir mal." Darunter die Adresse und die Bitte, das Datum dazuzuschreiben.

Er hatte den Korken mit Wachs abgedichtet, was sein Vater ihm gezeigt hatte.

Dann warf er sie, so weit er konnte, was ungefähr sechs Meter waren.
Jonas wirft die Flasche ins Wasser Die ersten Wochen wartete er.

Er fragte täglich nach der Post, dann alle paar Tage, dann fragte er nicht mehr.

Nach einem halben Jahr sprach niemand mehr davon.

Das ist der normale Ausgang. Die meisten Flaschenposten werden nie gefunden. Sie treiben, sie versinken, sie zerbrechen, oder sie landen an einer Küste, an der nie jemand entlanggeht.

Von hundert kommen vielleicht zwei zurück.

Was in diesen sechs Jahren mit der Flasche passiert ist, weiß niemand genau.

Man kann es ungefähr rekonstruieren.
Der Zettel und der abgedichtete Korken Vor Sylt läuft eine Strömung nach Norden.

Sie ist Teil eines großen Kreisels, der in der Nordsee gegen den Uhrzeigersinn läuft: an der niederländischen Küste hoch, an Dänemark entlang, dann nach Norden Richtung Norwegen und schließlich wieder hinaus in den Atlantik.

Eine treibende Flasche macht ungefähr fünfzehn bis zwanzig Kilometer am Tag, wenn Wind und Strömung mitspielen, und tagelang gar nichts, wenn nicht.

Sechs Jahre sind für die Strecke Sylt–Norwegen sehr lang.

Vermutlich hat sie eine Weile irgendwo gelegen — in einem Priel, unter Tang, in einer Bucht — und ist dann bei einem Sturm wieder losgekommen.

So etwas kommt oft vor. Flaschenposten sind selten die ganze Zeit unterwegs.
Die Flasche treibt auf offener See Gefunden hat sie ein Mann namens Odd Nilsen.

Er ging im Oktober an einem Strand südlich von Bergen spazieren, wie jeden Sonntag, und sah zwischen Steinen etwas Grünes.

Der Zettel war noch lesbar. Das Wachs hatte gehalten.

Odd Nilsen war siebenundsechzig und fand die Sache großartig. Er schrieb noch am selben Abend einen Brief, auf Deutsch, das er in der Schule gelernt und danach nie gebraucht hatte, mit mehreren Fehlern, die den Brief besser machten.

Er schrieb, wo er die Flasche gefunden hat, an welchem Tag, und dass er hoffe, es gehe Jonas gut.

Dann schickte er ihn an die Adresse auf dem Zettel.

Dort wohnte Familie Rehder.
Odd Nilsen findet sie am Strand Die Moral von „Die Flaschenpost, die sechs Jahre unterwegs war"

Der Teil, an den man beim Flaschenpostwerfen denkt, ist das Meer. Der Teil, der tatsächlich entscheidet, sind Menschen.

Die Flasche hat sechs Jahre gebraucht, und das ist beeindruckend. Aber angekommen ist der Brief nur, weil ein Siebenundsechzigjähriger sich die Mühe gemacht hat zu schreiben, und weil eine fremde Frau in einem fremden Haus nicht „unbekannt verzogen" draufgeschrieben hat.

Für Kinder ist das eine gute Geschichte über Wahrscheinlichkeiten: Es klappt selten. Und wenn es klappt, dann meistens, weil mehrere Leute nacheinander etwas mehr gemacht haben als nötig.
Er schreibt am selben Abend Sechs Jahre später kommt der Brief an Jonas' Familie war vier Jahre vorher umgezogen.

Frau Rehder öffnete den Brief nicht — man öffnet fremde Post nicht —, aber sie las den Absender und sah die norwegische Briefmarke, und das machte sie neugierig genug, um nicht einfach „unbekannt verzogen" draufzuschreiben.

Sie fragte im Haus. Jemand erinnerte sich an den Namen. Über zwei Ecken fand sie heraus, dass die Familie in eine andere Stadt gezogen war, und sie schickte den Brief mit einem Zettel weiter, auf dem stand: „Der lag noch bei uns im Kasten. Sah wichtig aus."

Jonas war vierzehn, als der Brief ankam.

Er hat sich zuerst nicht erinnert und dann doch.

Er hat zurückgeschrieben, und Odd Nilsen hat noch einmal geantwortet, und daraus wurden über die Jahre elf Briefe.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schreiben sie noch heute.
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Gefahr. Es passiert nichts Schlimmes, und die Geschichte wird von Absatz zu Absatz freundlicher — am Ende stehen elf Briefe.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Flaschenpost – eine Nachricht in einer Flasche, die man ins Meer wirft
  • ablandig – Wind, der vom Land aufs Meer hinausweht – auflandig ist umgekehrt
  • Strömung – die Bewegung des Wassers in eine bestimmte Richtung
  • Priel – eine tiefere Rinne im Watt
  • unbekannt verzogen – der Vermerk auf Post, deren Empfänger weggezogen ist

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum kommen die meisten Flaschenposten nie an?
  • Wer alles hat dafür gesorgt, dass dieser Brief ankommt?
  • Was würdest du auf deinen Zettel schreiben?

Warum „Die Flaschenpost, die sechs Jahre unterwegs war" zum Einschlafen passt

Die Angaben zur Nordseeströmung stimmen: Sie läuft gegen den Uhrzeigersinn, an Dänemark entlang Richtung Norwegen. Eine Flaschenpost von Sylt nach Norwegen ist plausibel.

Wer selbst eine werfen will: Der Wind muss ablandig sein, sonst liegt die Flasche gleich wieder da. Am besten wirft man sie von einem Schiff, und der Korken muss wirklich dicht sein.

Wenn „Die Flaschenpost, die sechs Jahre unterwegs war" gefallen hat

Mehr davon unter Meergeschichten für Kinder und Freundschaftsgeschichten für Kinder.

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Häufige Fragen zu Die Flaschenpost, die sechs Jahre unterwegs war

Worum geht es in „Die Flaschenpost, die sechs Jahre unterwegs war"?

Ein Achtjähriger wirft auf Sylt eine Flaschenpost ins Meer. Sechs Jahre später findet sie ein Mann in Norwegen – und der Brief zurück findet eine Adresse, an der die Familie längst nicht mehr wohnt.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Kommen Flaschenposten wirklich an?

Selten. Von hundert kommen vielleicht zwei zurück – das steht auch so in der Geschichte.

Ist die Strömung richtig beschrieben?

Ja. In der Nordsee läuft eine Strömung gegen den Uhrzeigersinn an Dänemark entlang Richtung Norwegen.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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