Der Koch der Seeschwalbe

Der Koch der Seeschwalbe

Zusammenfassung: „Der Koch der Seeschwalbe" in drei Sätzen

Auf der SEESCHWALBE gibt es an Bord nur noch Zwieback, Bohnen und eine halbe Zwiebel.

Der Koch Semmel kocht daraus vierzehn Tage lang etwas, das die Mannschaft freiwillig isst.

Sein Geheimnis ist kein Rezept, sondern eine Angewohnheit.

Der Koch der Seeschwalbe – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Auf einem Schiff geht das Essen irgendwann aus.

Das ist keine Katastrophe, sondern Rechnerei: Man weiß, wie lange man unterwegs ist, und nimmt entsprechend mit. Wenn der Wind schlecht steht, wird es eben knapp.

Im Herbst stand der Wind schlecht.

Nach drei Wochen war an Bord der SEESCHWALBE noch da: Zwieback, sehr viel. Getrocknete Bohnen, ein halber Sack. Salz. Eine halbe Zwiebel.

Und bis zum nächsten Hafen waren es vierzehn Tage.
Semmel schaut sich die letzten Vorräte an Der Koch hieß Semmel und war einundsechzig.

Er schaute sich die Vorräte an, sagte „hm" und fing an.

Am ersten Tag gab es Bohnen.

Am zweiten Tag gab es auch Bohnen, aber sie schmeckten anders, weil Semmel sie länger gekocht und einen Löffel Salzwasser dazugegeben hatte.

Am dritten Tag gab es Bohnen mit zerbröseltem Zwieback obendrauf, angeröstet, was so etwas Ähnliches ist wie eine Kruste.

Am vierten Tag rieb er die halbe Zwiebel über den Topf. Nur die Hälfte der Hälfte. Er hob den Rest auf.

Am fünften Tag gab es Bohnen kalt, was komisch klingt und an einem warmen Tag besser ist als Bohnen heiß.

Am sechsten Tag stampfte er sie und formte kleine Klöße daraus, die er in der Pfanne anbriet, bis sie außen fest waren.

Am siebten Tag gab es wieder ganz normale Bohnen, und die schmeckten nach den Klößen plötzlich gut.

Das war auch Absicht.
Bohnen, Tag um Tag anders gekocht Die Mannschaft aß.

Nicht begeistert, aber sie aß, und das ist bei vierzehn Tagen Bohnen ein Ergebnis.

Ein Matrose fragte irgendwann: „Wie machst du das?"

Semmel dachte nach.

„Ich mach jeden Tag was anderes damit."

„Es sind doch immer dieselben Bohnen."

„Ja", sagte Semmel. „Aber niemand isst gern zum vierzehnten Mal genau dasselbe. Und niemand merkt, dass es dasselbe ist, wenn es anders aussieht."

Er sagte das ohne Stolz. Für ihn war es kein Trick, sondern der Beruf.

„Und wenn dir nichts mehr einfällt?"

„Dann fällt mir was ein", sagte Semmel. „Ich bin einundsechzig."

Damit war das Gespräch beendet, und der Matrose ging wieder an Deck.
Die halbe Zwiebel wird eingeteilt Es gab noch etwas, das er machte.

Er deckte den Tisch.

Auf einem Schiff isst man aus der Schüssel, wo man gerade steht, und das ist auch in Ordnung. Semmel stellte trotzdem jeden Abend die Schüsseln in eine Reihe, legte die Löffel daneben und wartete, bis alle da waren.

Es dauerte zwei Minuten länger.

Die Mannschaft hat sich in diesen vierzehn Tagen nicht ein einziges Mal darüber beschwert, dass es Bohnen gab.

Sie hat sich über anderes beschwert: über den Wind, über eine undichte Stelle, über den Bootsmann. Über das Essen nicht.

Am fünfzehnten Tag liefen sie in den Hafen ein.

Semmel kaufte als Erstes zwei Kilo Zwiebeln.
Die Schüsseln stehen in einer Reihe Die Moral von „Der Koch der Seeschwalbe"

Semmel hat vierzehn Tage lang dieselben Bohnen. Er kann daran nichts ändern.

Was er ändern kann, ist wie sie aussehen, wie sie schmecken und wie sie auf den Tisch kommen — und das reicht, damit sich niemand beschwert.

Für Kinder steckt darin etwas Praktisches: Wenn man an einer Sache nichts ändern kann, kann man meistens trotzdem etwas an ihr ändern.

Und die zwei Minuten mit den Schüsseln in einer Reihe sind der eigentliche Kern. Es gibt Aufwand, der sich nicht rechnet und trotzdem lohnt.
Abendessen in der Kombüse Der Löffel am Nagel Später hat einer der Matrosen erzählt, das seien die besten vierzehn Tage seiner Fahrzeit gewesen.

Nicht wegen der Bohnen. Wegen der Reihe Schüsseln.

Auf der SEESCHWALBE wird bis heute abends der Tisch gedeckt, auch wenn es etwas Besseres gibt als Bohnen, was inzwischen fast immer der Fall ist.

Semmel ist mit dreiundsiebzig von Bord gegangen.

In der Kombüse hängt ein Löffel an einem Nagel, den benutzt niemand mehr.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann decken sie noch heute den Tisch.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was ist auf der SEESCHWALBE nach drei Wochen noch zu essen da?

    Sehr viel Zwieback, ein halber Sack getrocknete Bohnen, Salz und eine halbe Zwiebel. Und bis zum nächsten Hafen waren es noch vierzehn Tage.

  2. 2Was macht Semmel jeden Tag mit denselben Bohnen?

    Am zweiten Tag kocht er sie länger und gibt einen Löffel Salzwasser dazu, am dritten streut er zerbröselten Zwieback obendrauf, am vierten reibt er ein bisschen Zwiebel darüber. Am fünften gibt es sie kalt, am sechsten stampft er sie zu kleinen Klößen und brät sie an — und am siebten schmecken ganz normale Bohnen plötzlich gut.

  3. 3Was antwortet Semmel, als ein Matrose fragt, wie er das macht?

    „Ich mach jeden Tag was anderes damit.“ Und dann erklärt er es noch genauer: Niemand isst gern zum vierzehnten Mal genau dasselbe — und niemand merkt, dass es dasselbe ist, wenn es anders aussieht.

  4. 4Was macht Semmel jeden Abend zusätzlich, obwohl es niemand verlangt?

    Er deckt den Tisch. Auf einem Schiff isst man sonst aus der Schüssel, wo man gerade steht. Semmel stellt die Schüsseln in eine Reihe, legt die Löffel daneben und wartet, bis alle da sind. Das dauert zwei Minuten länger.

  5. 5Woran erinnert sich einer der Matrosen später am liebsten?

    Er hat erzählt, das seien die besten vierzehn Tage seiner Fahrzeit gewesen — nicht wegen der Bohnen, sondern wegen der Reihe Schüsseln. Auf der SEESCHWALBE wird bis heute abends der Tisch gedeckt, und in der Kombüse hängt ein Löffel an einem Nagel, den niemand mehr benutzt.

Wörter aus der Geschichte

Zwieback
hartes, trockenes Brot, das sehr lange haltbar bleibt
Kombüse
die Küche auf einem Schiff
Bootsmann
der Mann auf dem Schiff, der den Matrosen sagt, was zu tun ist
Mannschaft
alle Leute, die zusammen auf einem Schiff arbeiten
Vorräte
das Essen, das man aufhebt, weil man es später noch braucht

Zum Weitererzählen

  • Wie wäre es für dich, vierzehn Tage lang jeden Tag dasselbe zu essen?
  • Warum ist es schöner, wenn die Schüsseln in einer Reihe stehen, obwohl das Essen genau gleich schmeckt?
  • Semmel sagt, ihm falle schon noch etwas ein. Woher nimmt jemand so viel Zuversicht, glaubst du?
  • Wenn du für alle kochen dürftest und nur drei Sachen im Schrank hättest — was würdest du daraus machen?
Weil hier Piraten vorkommen

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten ohne Gefahr, ohne Sturm und ohne Kampf. Es geht ums Kochen, ums Tischdecken und darum, was Leute zusammenhält, wenn es nichts Besonderes gibt.

Warum „Der Koch der Seeschwalbe" zum Einschlafen passt

Die Geschichte kommt ohne Konflikt aus. Sie eignet sich für ruhige Abende und ist ein guter Anlass, über gemeinsame Mahlzeiten zu sprechen — ohne dass die Geschichte irgendetwas fordert.

Das Ende ist leise: ein Löffel an einem Nagel. Wer mag, hört genau dort auf.

Wenn „Der Koch der Seeschwalbe" gefallen hat

Mehr davon unter Meergeschichten für Kinder und Freundschaftsgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: In Band 6 von Ritter Emil & Zauberer Henry geht es aufs Meer und zu den Piraten.

Häufige Fragen zu Der Koch der Seeschwalbe

Worum geht es in „Der Koch der Seeschwalbe"?

Auf der SEESCHWALBE gibt es vierzehn Tage lang nur Bohnen und Zwieback. Der Koch Semmel schafft es trotzdem, dass sich niemand über das Essen beschwert.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Kommt ein Sturm oder ein Kampf vor?

Nein. In dieser Piratengeschichte passiert ausdrücklich nichts Gefährliches.

Was ist Semmels Geheimnis?

Er macht jeden Tag etwas anderes aus denselben Bohnen – und er deckt jeden Abend den Tisch.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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