Die Piratin, die nicht schwimmen konnte

Die Piratin, die nicht schwimmen konnte

Zusammenfassung: „Die Piratin, die nicht schwimmen konnte" in drei Sätzen

Kapitänin Rike führt die MÖWE seit elf Jahren und hat ein Geheimnis: Sie kann nicht schwimmen.

Als eine Kiste über Bord geht und ein Matrose hinterherspringt, muss sie sich entscheiden.

Was sie tut, hat mit Springen nichts zu tun — und ist trotzdem das Richtige.

Die Piratin, die nicht schwimmen konnte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Kapitänin Rike war die beste Seefahrerin weit und breit.

Sie las das Wetter an den Wolken ab, sie kannte jede Untiefe zwischen den Inseln, und sie konnte ein Schiff bei Nacht in einen Hafen bringen, in dem sie noch nie gewesen war.

Ihre Mannschaft folgte ihr überallhin.

Rike hatte allerdings ein Geheimnis, und das Geheimnis war ziemlich unpraktisch für jemanden, der auf einem Schiff arbeitet.

Sie konnte nicht schwimmen.

Kein bisschen. Sie ging unter wie ein Hufeisen.
Kapitänin Rike am Ruder der MÖWE Es hatte nie jemand gemerkt, weil es auf einem Schiff selten darauf ankommt.

Man ist ja an Bord. Genau dafür ist ein Schiff da.

Rike hatte trotzdem vorgesorgt. Sie kannte die Stelle, an der die Rettungsringe hingen, sie hatte drei zusätzliche unter der Bank auf dem Achterdeck, und sie war die Einzige an Bord, die den Wurfhaken wirklich beherrschte.

Man kann eine Schwäche auf zwei Arten behandeln: Man kann sie wegtrainieren, oder man kann sich sehr gut darauf vorbereiten.

Rike hatte sich für das Zweite entschieden, weil sie als Kind einmal fast ertrunken war und Wasser seitdem nicht mehr mochte.
Rike prüft die Rettungsringe auf dem Achterdeck An einem Nachmittag im August ging eine Kiste über Bord.

Es war eine große Kiste, in der Werkzeug war, und sie war nicht richtig festgezurrt, was hinterher jemand zugeben musste.

Sie fiel ins Wasser und trieb ab.

Und ein junger Matrose namens Fenn, der siebzehn war und begeistert und deshalb manchmal schneller als klug, sprang hinterher.

Es dauerte ungefähr vier Sekunden, bis alle merkten, dass das eine schlechte Idee war.

Die MÖWE fuhr mit sechs Knoten. Fenn war innerhalb einer halben Minute vierzig Meter hinter dem Schiff. Die Kiste hatte er nicht erreicht, und schwimmen konnte er zwar, aber gegen ein fahrendes Schiff schwimmt niemand an.
Die Kiste geht über Bord, Fenn springt hinterher Auf dem Deck wurde geschrien.

Zwei wollten hinterherspringen. Einer schrie, man solle wenden, was bei einem Segelschiff nicht in vier Sekunden geht.

Rike schrie nicht.

Sie sagte drei Sätze, in dieser Reihenfolge:

„Segel back. Ruder hart backbord."

„Du und du: Rettungsring, Leine dran, jetzt."

„Alle anderen: Augen auf Fenn. Keiner schaut weg."

Dann nahm sie selbst den Wurfhaken, ging an die Reling und wartete.

Ein Schiff, dessen Segel backstehen, wird langsam. Ein Schiff mit hart gelegtem Ruder dreht. Beides zusammen bedeutet: Nach ungefähr zwanzig Sekunden fährt die MÖWE nicht mehr von Fenn weg, sondern auf ihn zu.

Der Rettungsring flog. Er landete drei Meter neben ihm, was reicht.

Fenn kam zurück an Bord, nass, blass und sehr kleinlaut.
Fenn treibt hinter dem Schiff Die Moral von „Die Piratin, die nicht schwimmen konnte"

Rike springt nicht. Sie könnte auch nicht — und die Geschichte behauptet an keiner Stelle, dass sie es lernen müsste.

Was sie stattdessen tut, rettet Fenn tatsächlich: das Segel backstellen, das Ruder legen, den Ring werfen, und dafür sorgen, dass niemand wegschaut.

Für Kinder ist das eine ungewöhnliche Heldin, weil ihre Stärke nicht darin besteht, mutig ins Wasser zu springen, sondern darin, in vier Sekunden das Richtige zu sagen. Und es ist eine gute Erinnerung daran, dass Hinterherspringen fast nie hilft.
Der Rettungsring fliegt Abends auf dem Achterdeck Am Abend saß Rike mit ihm auf dem Achterdeck.

„Ich wollte die Kiste retten", sagte Fenn.

„Ich weiß."

„War dumm."

„Ja."

Sie schauten eine Weile aufs Wasser.

„Kapitänin", sagte Fenn dann, „warum seid Ihr nicht gesprungen?"

Rike überlegte, ob sie es sagen soll. Dann sagte sie es.

„Weil ich nicht schwimmen kann."

Fenn schaute sie an. Dann schaute er wieder aufs Wasser.

„Gut", sagte er nach einer Weile. „Sonst wärt Ihr auch da hinten gewesen, und dann hätte keiner das Ruder gelegt."

Das war ungefähr das Klügste, was Fenn an diesem Tag gesagt hat.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fährt die MÖWE noch heute.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was kann Kapitänin Rike besonders gut, und welches Geheimnis hat sie?

    Sie liest das Wetter an den Wolken ab, kennt jede Untiefe zwischen den Inseln und bringt ein Schiff bei Nacht in einen fremden Hafen. Ihr Geheimnis ist ziemlich unpraktisch für jemanden auf einem Schiff: Sie kann nicht schwimmen, kein bisschen. Sie geht unter wie ein Hufeisen.

  2. 2Wie hat Rike sich auf ihre Schwäche vorbereitet?

    Sie kennt die Stelle, an der die Rettungsringe hängen, hat drei zusätzliche unter der Bank auf dem Achterdeck und ist die Einzige an Bord, die den Wurfhaken wirklich beherrscht. Wegtrainieren wollte sie es nicht, weil sie als Kind fast ertrunken ist.

  3. 3Was passiert an dem Nachmittag im August, und warum wird es gefährlich?

    Eine große Kiste mit Werkzeug geht über Bord, weil sie nicht richtig festgezurrt war. Der siebzehnjährige Matrose Fenn springt hinterher. Die MÖWE fährt mit sechs Knoten, und schon nach einer halben Minute ist Fenn vierzig Meter hinter dem Schiff — gegen ein fahrendes Schiff schwimmt niemand an.

  4. 4Welche drei Sätze sagt Rike, während auf dem Deck geschrien wird?

    „Segel back. Ruder hart backbord.“ Dann: „Du und du: Rettungsring, Leine dran, jetzt.“ Und zuletzt: „Alle anderen: Augen auf Fenn. Keiner schaut weg.“ Danach nimmt sie selbst den Wurfhaken, geht an die Reling und wartet.

  5. 5Was antwortet Fenn am Abend, als Rike ihm ihr Geheimnis verrät?

    Er schaut sie an, schaut wieder aufs Wasser und sagt nach einer Weile: „Gut. Sonst wärt Ihr auch da hinten gewesen, und dann hätte keiner das Ruder gelegt.“ Das war ungefähr das Klügste, was Fenn an diesem Tag gesagt hat.

Wörter aus der Geschichte

Untiefe
eine Stelle im Meer, wo das Wasser so flach ist, dass ein Schiff auflaufen kann
Achterdeck
der hintere Teil des Decks auf einem Schiff
Wurfhaken
ein Haken an einer Leine, den man wirft, um etwas heranzuziehen
Reling
das Geländer außen am Schiff, damit niemand hinunterfällt
Knoten
so misst man auf See, wie schnell ein Schiff fährt

Zum Weitererzählen

  • Rike hat ihre Schwäche nicht wegtrainiert, sondern sich sehr gut vorbereitet. Was hättest du an ihrer Stelle gemacht?
  • Fenn springt hinterher, ohne nachzudenken. Kann man in vier Sekunden überhaupt klug sein?
  • Rike sagt „Keiner schaut weg“. Warum ist das vielleicht der wichtigste ihrer drei Sätze?
  • Gibt es etwas, das du nicht so gut kannst wie andere — und was hilft dir dabei am meisten?
Weil hier Piraten vorkommen

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier Minuten mit einer spannenden Stelle in der Mitte, die schnell gelöst ist. Niemand kommt zu Schaden, und die Geschichte endet ruhig auf dem Achterdeck bei Sonnenuntergang.

Warum „Die Piratin, die nicht schwimmen konnte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte eignet sich gut, um über Wasser und Sicherheit zu sprechen — sie zeigt ganz nebenbei, dass man von Land oder Boot aus hilft und nicht durch Hinterherspringen.

Die aufregende Stelle ist kurz. Nach der Rettung wird die Geschichte leise und endet mit einem Gespräch bei Sonnenuntergang.

Wenn „Die Piratin, die nicht schwimmen konnte" gefallen hat

Mehr davon unter Meergeschichten für Kinder und Mutgeschichten für Kinder.

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Häufige Fragen zu Die Piratin, die nicht schwimmen konnte

Worum geht es in „Die Piratin, die nicht schwimmen konnte"?

Kapitänin Rike führt ihr Schiff seit elf Jahren und kann nicht schwimmen. Als ein junger Matrose über Bord springt, rettet sie ihn – ohne selbst ins Wasser zu gehen.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Ertrinkt jemand?

Nein. Es wird kurz gefährlich, und dann ist es gelöst.

Lernt die Kapitänin am Ende schwimmen?

Nein. Die Geschichte findet das auch nicht nötig.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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