Die Piratin, die nicht schwimmen konnte

Die Piratin, die nicht schwimmen konnte

Zusammenfassung: „Die Piratin, die nicht schwimmen konnte" in drei Sätzen

Kapitänin Rike führt die MÖWE seit elf Jahren und hat ein Geheimnis: Sie kann nicht schwimmen.

Als eine Kiste über Bord geht und ein Matrose hinterherspringt, muss sie sich entscheiden.

Was sie tut, hat mit Springen nichts zu tun — und ist trotzdem das Richtige.

Die Piratin, die nicht schwimmen konnte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Kapitänin Rike war die beste Seefahrerin weit und breit.

Sie las das Wetter an den Wolken ab, sie kannte jede Untiefe zwischen den Inseln, und sie konnte ein Schiff bei Nacht in einen Hafen bringen, in dem sie noch nie gewesen war.

Ihre Mannschaft folgte ihr überallhin.

Rike hatte allerdings ein Geheimnis, und das Geheimnis war ziemlich unpraktisch für jemanden, der auf einem Schiff arbeitet.

Sie konnte nicht schwimmen.

Kein bisschen. Sie ging unter wie ein Hufeisen.
Kapitänin Rike am Ruder der MÖWE Es hatte nie jemand gemerkt, weil es auf einem Schiff selten darauf ankommt.

Man ist ja an Bord. Genau dafür ist ein Schiff da.

Rike hatte trotzdem vorgesorgt. Sie kannte die Stelle, an der die Rettungsringe hingen, sie hatte drei zusätzliche unter der Bank auf dem Achterdeck, und sie war die Einzige an Bord, die den Wurfhaken wirklich beherrschte.

Man kann eine Schwäche auf zwei Arten behandeln: Man kann sie wegtrainieren, oder man kann sich sehr gut darauf vorbereiten.

Rike hatte sich für das Zweite entschieden, weil sie als Kind einmal fast ertrunken war und Wasser seitdem nicht mehr mochte.
Rike prüft die Rettungsringe auf dem Achterdeck An einem Nachmittag im August ging eine Kiste über Bord.

Es war eine große Kiste, in der Werkzeug war, und sie war nicht richtig festgezurrt, was hinterher jemand zugeben musste.

Sie fiel ins Wasser und trieb ab.

Und ein junger Matrose namens Fenn, der siebzehn war und begeistert und deshalb manchmal schneller als klug, sprang hinterher.

Es dauerte ungefähr vier Sekunden, bis alle merkten, dass das eine schlechte Idee war.

Die MÖWE fuhr mit sechs Knoten. Fenn war innerhalb einer halben Minute vierzig Meter hinter dem Schiff. Die Kiste hatte er nicht erreicht, und schwimmen konnte er zwar, aber gegen ein fahrendes Schiff schwimmt niemand an.
Die Kiste geht über Bord, Fenn springt hinterher Auf dem Deck wurde geschrien.

Zwei wollten hinterherspringen. Einer schrie, man solle wenden, was bei einem Segelschiff nicht in vier Sekunden geht.

Rike schrie nicht.

Sie sagte drei Sätze, in dieser Reihenfolge:

„Segel back. Ruder hart backbord."

„Du und du: Rettungsring, Leine dran, jetzt."

„Alle anderen: Augen auf Fenn. Keiner schaut weg."

Dann nahm sie selbst den Wurfhaken, ging an die Reling und wartete.

Ein Schiff, dessen Segel backstehen, wird langsam. Ein Schiff mit hart gelegtem Ruder dreht. Beides zusammen bedeutet: Nach ungefähr zwanzig Sekunden fährt die MÖWE nicht mehr von Fenn weg, sondern auf ihn zu.

Der Rettungsring flog. Er landete drei Meter neben ihm, was reicht.

Fenn kam zurück an Bord, nass, blass und sehr kleinlaut.
Fenn treibt hinter dem Schiff Die Moral von „Die Piratin, die nicht schwimmen konnte"

Rike springt nicht. Sie könnte auch nicht — und die Geschichte behauptet an keiner Stelle, dass sie es lernen müsste.

Was sie stattdessen tut, rettet Fenn tatsächlich: das Segel backstellen, das Ruder legen, den Ring werfen, und dafür sorgen, dass niemand wegschaut.

Für Kinder ist das eine ungewöhnliche Heldin, weil ihre Stärke nicht darin besteht, mutig ins Wasser zu springen, sondern darin, in vier Sekunden das Richtige zu sagen. Und es ist eine gute Erinnerung daran, dass Hinterherspringen fast nie hilft.
Der Rettungsring fliegt Abends auf dem Achterdeck Am Abend saß Rike mit ihm auf dem Achterdeck.

„Ich wollte die Kiste retten", sagte Fenn.

„Ich weiß."

„War dumm."

„Ja."

Sie schauten eine Weile aufs Wasser.

„Kapitänin", sagte Fenn dann, „warum seid Ihr nicht gesprungen?"

Rike überlegte, ob sie es sagen soll. Dann sagte sie es.

„Weil ich nicht schwimmen kann."

Fenn schaute sie an. Dann schaute er wieder aufs Wasser.

„Gut", sagte er nach einer Weile. „Sonst wärt Ihr auch da hinten gewesen, und dann hätte keiner das Ruder gelegt."

Das war ungefähr das Klügste, was Fenn an diesem Tag gesagt hat.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fährt die MÖWE noch heute.
Passend zu dieser Geschichte

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten mit einer spannenden Stelle in der Mitte, die schnell gelöst ist. Niemand kommt zu Schaden, und die Geschichte endet ruhig auf dem Achterdeck bei Sonnenuntergang.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Untiefe – eine Stelle im Meer, an der das Wasser flach ist und Schiffe auflaufen können
  • Achterdeck – das Deck im hinteren Teil eines Schiffs
  • Reling – das Geländer am Rand eines Schiffs
  • Segel back – die Segel so stellen, dass der Wind bremst statt schiebt
  • Knoten – das Tempo eines Schiffs – sechs Knoten sind etwa elf Kilometer pro Stunde

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum springt Rike nicht hinterher?
  • Was macht sie stattdessen, und warum hilft das?
  • Warum ist Hinterherspringen fast nie eine gute Idee?

Warum „Die Piratin, die nicht schwimmen konnte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte eignet sich gut, um über Wasser und Sicherheit zu sprechen — sie zeigt ganz nebenbei, dass man von Land oder Boot aus hilft und nicht durch Hinterherspringen.

Die aufregende Stelle ist kurz. Nach der Rettung wird die Geschichte leise und endet mit einem Gespräch bei Sonnenuntergang.

Wenn „Die Piratin, die nicht schwimmen konnte" gefallen hat

Mehr davon unter Meergeschichten für Kinder und Mutgeschichten.

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Häufige Fragen zu Die Piratin, die nicht schwimmen konnte

Worum geht es in „Die Piratin, die nicht schwimmen konnte"?

Kapitänin Rike führt ihr Schiff seit elf Jahren und kann nicht schwimmen. Als ein junger Matrose über Bord springt, rettet sie ihn – ohne selbst ins Wasser zu gehen.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Ertrinkt jemand?

Nein. Es wird kurz gefährlich, und dann ist es gelöst.

Lernt die Kapitänin am Ende schwimmen?

Nein. Die Geschichte findet das auch nicht nötig.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

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