Der Pirat, der seekrank wurde

Der Pirat, der seekrank wurde

Zusammenfassung: „Der Pirat, der seekrank wurde" in drei Sätzen

Bruno wollte sein Leben lang Pirat werden, und an seinem ersten Tag an Bord wird ihm schlecht.

Er hält es sechs Wochen lang aus, ohne es jemandem zu sagen.

Als es herauskommt, reagiert die Mannschaft anders, als er befürchtet hat.

Der Pirat, der seekrank wurde – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Bruno hatte schon als Kind Pirat werden wollen.

Er hatte Bilder von Schiffen an die Wand gehängt. Er hatte Knoten geübt, bis er sie im Dunkeln konnte. Er hatte gelernt, wie man Sterne liest, und er konnte alle vierzehn Segel eines Vollschiffs beim Namen nennen.

Mit neunzehn heuerte er auf der ROTEN LISE an.

Am ersten Tag lag das Schiff noch im Hafen, und alles war wunderbar.

Am zweiten Tag fuhren sie raus.

Und nach ungefähr vierzig Minuten wusste Bruno, dass etwas nicht stimmt.
Bruno träumt als Kind vom Piratenleben Seekrank zu sein ist schwer zu beschreiben, wenn man es nicht kennt.

Es fängt im Bauch an und geht dann in den Kopf. Man wird blass. Man will sich hinsetzen und gleichzeitig aufstehen. Alles riecht plötzlich sehr stark, besonders Essen.

Bruno hielt sich an der Reling fest und schaute auf den Horizont, weil er gelesen hatte, dass das hilft.

Es half ein bisschen.

Nach zwei Stunden ging es ihm besser. Am nächsten Tag wieder schlecht. Am dritten besser.

So ging das sechs Wochen.

Er sagte niemandem etwas.
Bruno hält sich an der Reling fest Er hatte einen guten Grund dafür, jedenfalls kam er ihm gut vor.

Ein Pirat, dem auf See schlecht wird, ist eine Witzfigur. So etwas spricht sich herum. In jedem Hafen würde jemand sagen: Ach, das ist doch der.

Also arbeitete Bruno.

Er arbeitete sogar besonders viel, weil er dachte, dass es nicht auffällt, solange er nicht stehen bleibt. Er kletterte in die Wanten, er nahm jede Wache, und wenn ihm schlecht war, ging er nach vorn zum Bugspriet, wo niemand hinschaut.

Nach sechs Wochen wurde er dort von der Bootsfrau erwischt.

Sie hieß Rega, war vierzig und stand plötzlich hinter ihm.

„Wie lange?", fragte sie.

Bruno überlegte kurz, ob er lügen soll.

„Sechs Wochen."
Vorn am Bugspriet, wo niemand hinschaut Rega setzte sich auf die Ankerwinde.

„Weißt du, wie lange es bei mir gedauert hat?"

Bruno schaute hoch.

„Vier Monate", sagte Rega. „Bei Sturm noch acht Jahre danach."

„Bei Euch?"

„Bei mir."

Sie zeigte mit dem Daumen nach hinten Richtung Deck.

„Der Steuermann sitzt bei schwerer See vor der Wache eine halbe Stunde ganz still auf seiner Kiste. Frag ihn mal warum. Der Koch isst bei Wind nichts Warmes. Der Kapitän" — sie machte eine Pause — „der Kapitän hat einen Eimer unter dem Kartentisch. Seit vierzehn Jahren."

Bruno sagte eine Weile gar nichts.

„Und keiner redet drüber?"

„Doch", sagte Rega. „Jetzt gerade."
Rega setzt sich auf die Ankerwinde Die Moral von „Der Pirat, der seekrank wurde"

Brunos Problem ist nicht die Seekrankheit. Die geht von allein vorbei, wie meistens.

Sein Problem sind die sechs Wochen, in denen er glaubt, der Einzige zu sein — dabei hat der halbe Kahn dasselbe, bis hinauf zum Kapitän mit dem Eimer unter dem Kartentisch.

Für Kinder ist das eine gute Geschichte über eine Sorte Peinlichkeit, die sie sehr gut kennen: etwas nicht zu können, was angeblich alle können. Und die Antwort der Geschichte ist nicht „reiß dich zusammen", sondern „sag es jemandem".
Jahre später fragt Bruno selbst Danach wurde es besser, und zwar aus zwei Gründen.

Der eine war, dass Bruno sich mit der Zeit tatsächlich gewöhnte, so wie sich fast alle gewöhnen. Nach dem vierten Monat war es nur noch bei Sturm schlimm. Nach zwei Jahren merkte er es kaum.

Der andere Grund war der wichtigere.

Er musste es nicht mehr verstecken.

Wenn ihm schlecht war, sagte er es, und dann übernahm jemand seine Wache und er die nächste dafür. Das ist alles, was nötig war, und es hatte ihn sechs Wochen gekostet, das herauszufinden.

Bruno ist übrigens später Kapitän geworden.

Er hat auf seinem Schiff nie etwas dazu angeordnet. Er hat nur, wenn ein neuer Matrose blass am Bugspriet stand, gefragt: „Wie lange?"

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fragt er noch heute.
Passend zu dieser Geschichte

Band 6 – Die Piratenbrüder

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Gefahr, ohne Sturm und ohne Kampf. Die schwierigste Stelle ist ein Gespräch an der Ankerwinde, und das geht gut aus.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • anheuern – sich als Matrose auf einem Schiff anstellen lassen
  • Reling – das Geländer am Rand eines Schiffs
  • Wanten – die Seile, an denen man zum Mast hinaufklettert
  • Bugspriet – die Stange, die vorn am Schiff nach vorn ragt
  • Bootsfrau – diejenige, die die Arbeiten der Mannschaft einteilt

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum sagt Bruno sechs Wochen lang nichts?
  • Was ändert sich nach dem Gespräch mit Rega?
  • Kennst du etwas, das du nicht kannst und wovon du denkst, dass alle anderen es können?

Warum „Der Pirat, der seekrank wurde" zum Einschlafen passt

Die Geschichte eignet sich gut für Kinder, die etwas verstecken, weil es ihnen peinlich ist. Sie verspricht keine schnelle Heilung — Bruno braucht Monate — sondern nimmt den Druck weg.

Das Ende springt viele Jahre nach vorn und ist ruhig. Ein guter Punkt zum Aufhören.

Wenn „Der Pirat, der seekrank wurde" gefallen hat

Mehr davon unter Meergeschichten für Kinder und Mutgeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: In Band 6 von Ritter Emil & Zauberer Henry geht es zu den Piraten.

Häufige Fragen zu Der Pirat, der seekrank wurde

Worum geht es in „Der Pirat, der seekrank wurde"?

Bruno wollte sein Leben lang Pirat werden – und wird an Bord seekrank. Sechs Wochen lang sagt er es niemandem, weil er glaubt, der Einzige zu sein.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Wird Bruno ausgelacht?

Nein. Genau das befürchtet er – und genau das passiert nicht.

Ist die Geschichte eklig?

Nein. Seekrankheit wird beschrieben, aber sehr zurückhaltend.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

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