Die Prinzessin, die den Wald zählte

Die Prinzessin, die den Wald zählte

Zusammenfassung: „Die Prinzessin, die den Wald zählte" in drei Sätzen

Prinzessin Hedde nimmt sich mit neun vor, alle Bäume im Schlosswald zu zählen.

Sie schafft in vier Jahren dreitausendeinhundertzwölf, und dann hört sie auf.

Was aus den Zetteln geworden ist, erfährt sie erst als Erwachsene.

Die Prinzessin, die den Wald zählte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Der Schlosswald war groß.

Wie groß, wusste niemand genau. Es gab eine Karte von 1740, auf der der Wald als grüne Fläche eingezeichnet war, ohne Zahlen, und ansonsten wusste man: Er reicht bis zum Bach, und dahinter fängt der nächste an.

Hedde war neun und fragte beim Essen, wie viele Bäume dort stehen.

Niemand wusste es.

Ihr Onkel sagte: „Viele."

Das war die Art von Antwort, die Hedde nicht mochte.

Am nächsten Morgen ging sie los.
Hedde geht mit Papierstreifen in den Wald Sie machte es ordentlich, was bei einer Neunjährigen erstaunlich ist.

Sie nahm ein Bündel Papierstreifen und ein Stück Kohle mit, teilte den Wald mit den Wegen in Stücke ein und fing im ersten Stück an.

Für jeden Baum ein Strich.

Wenn ein Stück fertig war, schrieb sie oben auf den Zettel, welches Stück es war, faltete ihn und legte ihn zu Hause in eine Kiste.

Sie zählte nur Bäume, die dicker waren als ihr Arm. Junge Bäume zählte sie nicht, weil sie sonst nie fertig geworden wäre und weil sie irgendwo eine Grenze ziehen musste.

Das erste Stück hatte zweihundertsechs Bäume.

Sie brauchte dafür einen Nachmittag und zwei Tage.
Für jeden Baum ein Strich Sie zählte vier Jahre lang.

Nicht jeden Tag. Manchmal wochenlang nicht, im Winter fast nie, und im Sommer manchmal jeden Nachmittag.

Die Erwachsenen fanden es zuerst niedlich, dann merkwürdig und irgendwann normal, was die übliche Reihenfolge ist.

Nach vier Jahren stand in der Kiste eine Zahl: dreitausendeinhundertzwölf.

Das war nicht der ganze Wald. Es waren neunzehn von siebenundzwanzig Stücken.

Mit dreizehn hörte Hedde auf.

Sie hat nie erzählt, warum. Vermutlich aus demselben Grund, aus dem Dreizehnjährige mit vielem aufhören: Es kam anderes.

Die Kiste blieb im Schrank.
Die Kiste mit den gefalteten Zetteln Sechzehn Jahre später wurde im Schlosswald gefällt.

Es ging um eine große Fläche im Norden — die Stücke elf bis fünfzehn, wenn man Heddes Einteilung nimmt —, und es gab Streit darüber, wie viel dort überhaupt steht und was das wert ist.

Der Förster behauptete das eine, ein Händler behauptete das andere, und niemand konnte etwas beweisen.

Hedde war fünfundzwanzig und erinnerte sich an die Kiste.

Sie holte sie aus dem Schrank.

Die Zettel waren noch da, gefaltet, mit Kohle beschriftet, ein bisschen verwischt an den Rändern.

Stück elf: 188. Stück zwölf: 240. Stück dreizehn: 197. Stück vierzehn: 151. Stück fünfzehn: 224.

Zusammen tausend Bäume, gezählt von einer Zehnjährigen, sechzehn Jahre alt und trotzdem die genaueste Angabe, die es gab.
Streit über den Wald im Norden Die Moral von „Die Prinzessin, die den Wald zählte"

Hedde macht etwas, das keinen erkennbaren Zweck hat, und sie macht es vier Jahre lang ordentlich. Dann hört sie mittendrin auf.

Beides ist wichtig. Die Geschichte lobt sie nicht dafür, dass sie durchhält — sie hält ja nicht durch.

Was sechzehn Jahre später zählt, ist etwas anderes: dass sie sauber gearbeitet hat. Die Zettel sind beschriftet, die Stücke sind eingeteilt, die Regel steht fest.

Für Kinder ab vier steckt darin ein guter Gedanke: Sorgfalt lohnt sich manchmal viel später, und man weiß vorher nie, wofür.
Hedde holt die Kiste hervor Der Förster zählt nach Der Händler war nicht begeistert.

Er sagte, ein Kind könne sich verzählt haben.

Der Förster ging daraufhin mit zwei Männern in Stück vierzehn und zählte nach. Es dauerte anderthalb Tage.

Sie kamen auf hundertsiebenundfünfzig.

Heddes Zahl war sechzehn Jahre alt und lag um sechs Bäume daneben, und in der Zwischenzeit waren nachweislich mehrere Bäume nachgewachsen und ein paar umgefallen.

Danach wurde nach ihren Zahlen verhandelt.

Die Kiste steht heute noch da. Sie ist nie ganz voll geworden, weil acht Stücke fehlen, und Hedde hat sie auch als Erwachsene nicht fertig gezählt.

Sie hat gesagt, das sei in Ordnung. Man muss nicht alles zu Ende machen, was man anfängt — es reicht, wenn man es ordentlich macht, solange man dabei ist.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann steht die Kiste noch heute im Schrank.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was fragt Hedde mit neun beim Essen, und welche Antwort bekommt sie?

    Sie fragt, wie viele Bäume im Schlosswald stehen. Niemand weiß es. Ihr Onkel sagt: „Viele.“ Das war die Art von Antwort, die Hedde nicht mochte — am nächsten Morgen ging sie los.

  2. 2Wie geht Hedde beim Zählen vor?

    Sie nimmt ein Bündel Papierstreifen und ein Stück Kohle mit, teilt den Wald mit den Wegen in Stücke ein und macht für jeden Baum einen Strich. Ist ein Stück fertig, schreibt sie oben auf den Zettel, welches es war, faltet ihn und legt ihn zu Hause in eine Kiste.

  3. 3Welche Regel gibt Hedde sich, welche Bäume sie zählt?

    Nur Bäume, die dicker sind als ihr Arm. Junge Bäume zählt sie nicht — sonst wäre sie nie fertig geworden, und irgendwo musste sie eine Grenze ziehen.

  4. 4Warum wird die alte Kiste sechzehn Jahre später plötzlich wichtig?

    Im Norden des Schlosswalds soll gefällt werden, und es gibt Streit darüber, wie viel dort überhaupt steht. Der Förster behauptet das eine, ein Händler das andere, und niemand kann etwas beweisen. Da erinnert sich Hedde an ihre Zettel.

  5. 5Was passiert, als der Händler sagt, ein Kind könne sich verzählt haben?

    Der Förster geht mit zwei Männern in Stück vierzehn und zählt nach, anderthalb Tage lang. Sie kommen auf hundertsiebenundfünfzig — Heddes Zahl war hunderteinundfünfzig, sechzehn Jahre alt und lag nur um sechs Bäume daneben. Danach wurde nach ihren Zahlen verhandelt.

Wörter aus der Geschichte

Förster
jemand, dessen Beruf es ist, sich um einen Wald zu kümmern
Händler
jemand, der Sachen kauft und weiterverkauft
Papierstreifen
schmale, längliche Stücke Papier
Kohle
ein schwarzes Stück verbranntes Holz, mit dem man schreiben und zeichnen kann
gefällt
wenn Bäume mit der Säge oder der Axt umgelegt werden

Zum Weitererzählen

  • Die Erwachsenen finden Heddes Zählen zuerst niedlich, dann merkwürdig und irgendwann normal. Warum wohl in dieser Reihenfolge?
  • Hedde hört mit dreizehn mittendrin auf und hat nie erzählt, warum. Was denkst du, war der Grund?
  • Hedde sagt, man müsse nicht alles zu Ende machen, was man anfängt. Bist du derselben Meinung?
  • Wenn du etwas zählen könntest, das noch niemand gezählt hat — was wäre das?
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Vier Minuten ohne Gefahr und ohne Aufregung. Es geht ums Zählen, ums Aufschreiben und darum, dass jemand mittendrin aufhört — und das ist ausdrücklich in Ordnung.

Warum „Die Prinzessin, die den Wald zählte" zum Einschlafen passt

Die Geschichte lobt ausdrücklich nicht das Durchhalten. Für Kinder, die viel anfangen und wenig beenden, ist das eine ungewohnte und meistens willkommene Botschaft.

Sie eignet sich gut, um über Ordnung zu sprechen — nicht als Tugend, sondern als etwas, das sich irgendwann auszahlt.

Wenn „Die Prinzessin, die den Wald zählte" gefallen hat

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Häufige Fragen zu Die Prinzessin, die den Wald zählte

Worum geht es in „Die Prinzessin, die den Wald zählte"?

Die neunjährige Hedde zählt vier Jahre lang die Bäume im Schlosswald und hört mit dreizehn auf. Sechzehn Jahre später sind ihre Zettel die genaueste Angabe, die es gibt.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa vier Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

Zählt sie den ganzen Wald?

Nein. Acht von siebenundzwanzig Stücken bleiben ungezählt – auch als Erwachsene.

Ist die Geschichte eine Durchhaltegeschichte?

Nein, ausdrücklich nicht. Es geht um Sorgfalt, nicht ums Durchhalten.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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