Das Einhorn, das nicht müde werden wollte

Das Einhorn, das nicht müde werden wollte

Zusammenfassung: Das Einhorn Lumi will abends nie schlafen gehen. Auf einem letzten leisen Gang durch die Dämmerung fragt es Eichhörnchen, Enten und Glühwürmchen, wie sie das machen — und schläft dabei selbst ein.

Das Einhorn, das nicht müde werden wollte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Am Rand des Waldes, dort wo das Gras noch weich ist und die Grillen abends ihre Lieder üben, wohnte ein kleines Einhorn. Es hieß Lumi und hatte eine Mähne in der Farbe von Zuckerwatte.

Lumi liebte den Tag. Sie liebte das Springen über den Bach. Sie liebte es, wie das Sonnenlicht sich in ihrem Horn brach und kleine Regenbögen auf die Steine malte.

Nur eines mochte Lumi überhaupt nicht: schlafen gehen.

„Ich bin kein bisschen müde“, sagte sie jeden Abend zu ihrer Mutter. „Nicht ein einziges bisschen.“

Und jeden Abend antwortete ihre Mutter: „Dann schau dir noch an, wie der Wald einschläft. Aber leise.“

Also ging Lumi leise durch die Dämmerung.

Zuerst kam sie an der alten Eiche vorbei. Dort saß ein Eichhörnchen und schob die letzte Nuss in sein Nest. „Gute Nacht, Lumi“, sagte das Eichhörnchen und rollte sich zu einer Kugel zusammen. Sein Schwanz legte sich über seine Nase wie eine Decke.

„Wie machst du das?“, fragte Lumi. „Einfach so einschlafen?“

„Ich denke an etwas Schönes vom heutigen Tag“, sagte das Eichhörnchen. „Heute war es die dritte Nuss. Sie war besonders rund.“

Lumi ging weiter.
Eichhörnchen rollt sich in seinem Nest zusammen und schläft ein Am Bach traf sie die Enten. Sie schwammen langsamer und langsamer, bis sie kaum noch schwammen. Eine steckte den Kopf unter den Flügel. „Wie macht ihr das?“, fragte Lumi.

„Wir hören dem Wasser zu“, sagte die Entenmutter. „Es sagt immer dasselbe. Das ist sehr angenehm.“
Entenfamilie treibt langsam auf einem Bach in der Dämmerung Lumi lauschte. Das Wasser machte glucks und dann wieder glucks und dann noch einmal glucks. Es war wirklich sehr angenehm.

Sie ging weiter, ein kleines bisschen langsamer als vorher.
Kleines Einhorn schläft im hohen Gras einer Wiese Auf der Wiese standen die Glühwürmchen in der Luft wie winzige Laternen. Eines nach dem anderen wurde dunkler.

„Wir gehen nicht aus“, sagte ein Glühwürmchen, als Lumi fragte. „Wir machen nur Pause. Morgen leuchten wir wieder.“

„Versprochen?“

„Versprochen.“

Lumi legte sich ins Gras. Nur einen Moment, dachte sie. Nur um zu sehen, ob es stimmt.
Über ihr drehte sich der Himmel ganz langsam. Ein Stern kam heraus, dann noch einer, dann so viele, dass Lumi das Zählen aufgab.

Sie dachte an die dritte Nuss, die besonders rund gewesen war. Sie hörte das Wasser glucks machen, weit weg. Sie sah zu, wie die Glühwürmchen Pause machten.

Und dann dachte sie an das Schönste vom heutigen Tag: wie das Sonnenlicht in ihrem Horn einen Regenbogen gemacht hatte, direkt auf einen Stein. Als Lumis Mutter sie fand, schlief sie schon fest. Ihre Mähne war voller Grashalme.

Die Mutter legte sich neben sie und deckte sie mit ihrem Hals zu, so wie das Eichhörnchen es mit seinem Schwanz gemacht hatte.

„Gute Nacht, Lumi“, sagte sie leise.

Und irgendwo im Gras leuchtete ein einzelnes Glühwürmchen noch einmal kurz auf. Wie ein Versprechen für morgen.

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