Die Katze, die den Mond einfangen wollte

Die Katze, die den Mond einfangen wollte

Zusammenfassung: Die Katze Motte will den Mond fangen. Sie springt, sie klettert, sie landet im Teich — und findet am Ende etwas Besseres als das Fangen.

Die Katze, die den Mond einfangen wollte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 3 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Es gab einmal eine Katze, die hieß Motte, und Motte wollte den Mond. Nicht ansehen. Nicht bewundern. Haben.

Motte hatte in ihrem Leben schon vieles gefangen: Fliegen, Papierkugeln, einen Schuhbändel, einmal fast einen Vogel, was ihr hinterher leidtat. Aber nichts hatte sie so beschäftigt wie diese runde weiße Scheibe, die jede Nacht am Himmel stand und einfach nichts tat.

In der ersten Nacht sprang sie vom Gartenzaun.

Sie sprang sehr hoch. Für eine Katze ihrer Größe außerordentlich hoch. Der Mond blieb, wo er war.
Katze springt vom Gartenzaun hoch in Richtung Mond In der zweiten Nacht kletterte sie auf das Garagendach. Von dort sah der Mond genauso weit weg aus wie vom Zaun, was Motte sehr ärgerte. In der dritten Nacht kletterte sie auf den Kirschbaum, ganz nach oben, bis die Äste dünn wurden und schwankten. Der Mond sah von dort nicht näher aus. Er sah nur ein bisschen anders aus, weil ein Zweig davorhing. In der vierten Nacht setzte sie sich hin und dachte nach, was Katzen selten tun.

In der fünften Nacht ging sie zum Teich.

Und da lag er.

Der Mond, im Wasser, direkt vor ihren Pfoten. Ganz nah. Zum Greifen. Motte machte sich flach. Sie zog die Schultern zusammen. Sie wackelte einmal mit dem Hinterteil, wie Katzen es tun, bevor sie springen. Dann schlug sie zu.
Nasse Katze sitzt im Gartenteich, der Mond zerbricht in Wellen Das Wasser war kalt und ging ihr bis an die Brust, und der Mond zerbrach in hundert zappelnde Stücke.

Motte saß im Teich und war sehr, sehr nass.
Person trägt am frühen Morgen eine feuchte Katze zurück ins Haus Sie ging langsam wieder an Land. Sie schüttelte sich. Sie leckte sich das linke Vorderbein trocken, dann das rechte, dann alles andere, was eine Weile dauerte.

Und während sie das tat, wurde das Wasser hinter ihr wieder ruhig. Als Motte fertig war, drehte sie sich um.

Da lag er wieder. Ganz.

Motte sah ihn lange an.

Dann legte sie sich ans Ufer, die Pfoten unter der Brust, den Schwanz um sich herum, und sah zu, wie der Mond im Wasser lag und nichts tat. Und irgendwann begriff sie etwas, wofür Katzen normalerweise zu stolz sind: Manche Dinge sind nicht dazu da, dass man sie fängt. Manche sind dazu da, dass man neben ihnen sitzt.
Motte schlief am Teichufer ein.

Am Morgen fand ihr Mensch sie dort, ziemlich feucht und ziemlich zufrieden, und trug sie ins Haus.

Und in der nächsten Nacht ging Motte wieder zum Teich. Nicht zum Springen.

Nur zum Danebensitzen.

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