Der Stern, der sein Licht verlegt hatte

Der Stern, der sein Licht verlegt hatte

Zusammenfassung: Der kleine Stern Piet findet eines Abends sein Licht nicht mehr. Der Mond weiß, wo es geblieben ist — bei einem Kind in einem Haus mit blauem Dach.

Der Stern, der sein Licht verlegt hatte – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 3 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Ganz oben, wo es sehr still ist, wohnte ein Stern namens Piet. Piet war kein besonders großer Stern. Er stand am Rand, ein bisschen abseits, dort wo der Himmel schon fast dunkel bleibt. Aber jeden Abend, wenn die Sonne unterging, machte Piet sein Licht an. Immer pünktlich. Immer zuverlässig.

Bis zu diesem einen Abend.

Piet tastete überall. Er suchte hinter der Wolke. Er suchte unter dem Mond. Er schüttelte sich, so wie man eine Tasche schüttelt.

Nichts.

„Ich habe mein Licht verlegt“, sagte Piet.
Kleiner Stern sucht mit besorgtem Gesicht nach seinem Licht Der Mond drehte sich zu ihm um. Der Mond war alt und hatte schon viel gesehen.

„Wo hast du es zuletzt gehabt?“, fragte er.

„Gestern Abend. Da hat es noch funktioniert.“

„Und was hast du seitdem gemacht?“
Alter freundlicher Mond mit weisem Gesicht am Nachthimmel Piet dachte nach. „Ich habe zugesehen“, sagte er langsam. „Unten, in dem Haus mit dem blauen Dach. Da ist ein Kind, das nicht einschlafen kann. Ich habe die ganze Nacht hingeschaut.“

Der Mond nickte. „Die ganze Nacht?“

„Die ganze Nacht.“

„Dann ist dein Licht nicht weg“, sagte der Mond. „Dann ist es nur unten.“ Piet verstand das nicht.

„Schau selbst“, sagte der Mond.
Kind schläft mit der Decke bis ans Kinn gezogen Also schaute Piet nach unten, zu dem Haus mit dem blauen Dach. Und da war ein Fenster. Und an dem Fenster stand ein Kind im Schlafanzug und drückte die Nase an die Scheibe.

Und das Kind sagte, so leise, dass eigentlich niemand es hören konnte: „Der kleine da am Rand. Der ist mein Lieblingsstern.“

Piet spürte etwas Warmes.

Es fing in der Mitte an und wurde größer und größer, und dann leuchtete er. Heller als am Abend davor. Heller als je zuvor.

Das Kind am Fenster machte große Augen.

„Da bist du ja“, flüsterte es. Und dann ging es ins Bett und zog die Decke bis ans Kinn und schlief innerhalb von zwei Minuten ein, was sonst nie passierte. Piet leuchtete die ganze Nacht.
„Ich habe es nicht verlegt“, sagte er irgendwann zum Mond.

„Nein“, sagte der Mond. „Man verlegt so etwas nicht. Man vergisst nur manchmal, wofür man es anhat.“

Dann wurde es still da oben, so still wie immer.

Und unten, im Haus mit dem blauen Dach, träumte ein Kind von einem kleinen Stern am Rand, der genau für dieses eine Fenster leuchtete.

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