Das Pferd, das vor der Kirche wartete

Das Pferd, das vor der Kirche wartete

Zusammenfassung: „Das Pferd, das vor der Kirche wartete" in drei Sätzen

Die Geschichte vom geteilten Mantel wird immer aus der Sicht von Martin erzählt.

Es war aber noch jemand dabei, der die ganze Zeit stillgestanden hat.

Das Pferd.

Das Pferd, das vor der Kirche wartete – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 4 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Es hatte keinen Namen, jedenfalls keinen, den jemand aufgeschrieben hat.

Es war ein Armeepferd, mittelgroß, braun, mit einer hellen Stelle über dem linken Auge, und es kannte drei Dinge: den Weg zum Tor, den Weg zur Kaserne und den Geruch von Hafer.

An dem kalten Abend, an dem alles passierte, wollte es nach Hause.

Pferde wissen genau, wann Feierabend ist. Sie werden dann schneller, ohne dass man sie antreibt, und sie werden ärgerlich, wenn jemand anhält.

Vor dem Tor hielt jemand an.

Das Pferd stand still, weil es das gelernt hatte, aber es verstand nicht, warum.

Da saß ein Mann am Boden. Für ein Pferd ist ein Mann am Boden nichts Besonderes und schon gar nichts Trauriges. Es ist einfach ein Mann, der tiefer ist als sonst.
Braun, mittelgroß, helle Stelle über dem linken Auge Dann stieg Martin ab, und das war ungewöhnlich.

Man steigt nicht kurz vor dem Stall ab.

Das Pferd stand und wartete und hörte das Geräusch, das ein Schwert macht, wenn es aus der Scheide kommt — ein Geräusch, das es kannte und bei dem es normalerweise angespannt wurde.

Es passierte nichts.

Stattdessen: Stoff, der reißt. Ein langes, mühsames Geräusch, weil Wollstoff sich nicht sauber schneiden lässt.

Dann roch es Wolle und den Mann am Boden und die Hand seines Reiters, die kurz seinen Hals berührte, als er wieder aufstieg.

Es ging weiter Richtung Stall, jetzt schneller.

So weit die Version des Pferdes.
Der Reiter hält an einer unpassenden Stelle Wenn man die Geschichte von hier aus anschaut, sieht sie anders aus.

Kein Wunder, kein Licht vom Himmel, keine Musik. Ein Reiter hält an einer unpassenden Stelle an, macht etwas Umständliches, und danach reitet er in einem kaputten Mantel weiter.

Für alle, die dabei waren, war es kein großer Moment. Für die Soldaten in der Kaserne war es ein Grund zu lachen. Für den Mann am Tor war es eine halbe Decke.

Große Momente sehen von innen fast nie groß aus.

Man merkt es meistens erst viel später, oft erst, wenn es jemand aufschreibt, und manchmal gar nicht.
Man steigt nicht kurz vor dem Stall ab Das Pferd hat nichts gemerkt.

Es hat am nächsten Morgen Hafer bekommen wie immer, es hat den Weg zum Tor noch ein paar hundert Mal gemacht, und irgendwann war es zu alt für die Reiterei und kam auf eine Weide.

Auf Bildern von Sankt Martin steht es fast immer mit dabei, weiß und schön und mit erhobenem Kopf.

In Wirklichkeit war es braun, mittelgroß, hatte eine helle Stelle über dem linken Auge und wollte nach Hause.

Das ist auch in Ordnung.

Und wenn es nicht gestorben ist, dann steht es noch heute auf jedem zweiten Bild.
Eine Hand am Hals, dann geht es weiter Zurück Richtung Stall, jetzt schneller Irgendwann zu alt für die Reiterei Die Moral von „Das Pferd, das vor der Kirche wartete"

Die Geschichte erzählt dasselbe Ereignis von der langweiligsten Stelle aus — und wird dadurch genauer.

Wer dabei ist, sieht selten das Große. Man sieht das Anhalten, das Warten, das umständliche Schneiden und den Weg nach Hause.

Das heißt auch: Man kann bei etwas Wichtigem mitgemacht haben, ohne es zu bemerken. Vermutlich passiert das öfter, als man denkt.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was für ein Pferd ist es, und welche drei Dinge kennt es?

    Ein Armeepferd, mittelgroß und braun, mit einer hellen Stelle über dem linken Auge. Es kennt den Weg zum Tor, den Weg zur Kaserne und den Geruch von Hafer.

  2. 2Warum will das Pferd an diesem kalten Abend nicht anhalten?

    Es will nach Hause. Pferde wissen genau, wann Feierabend ist: Sie werden dann von allein schneller, und sie werden ärgerlich, wenn jemand anhält.

  3. 3Was findet das Pferd ungewöhnlich, als Martin absteigt?

    Dass man kurz vor dem Stall überhaupt absteigt. Das Pferd bleibt still stehen, weil es das gelernt hat, aber es versteht nicht, warum.

  4. 4Was hört und riecht das Pferd, während der Mantel geteilt wird?

    Zuerst das Geräusch, das ein Schwert macht, wenn es aus der Scheide kommt, und bei dem es sonst angespannt wird. Dann Stoff, der reißt, lang und mühsam, weil Wollstoff sich nicht sauber schneiden lässt. Danach riecht es Wolle, den Mann am Boden und die Hand seines Reiters an seinem Hals.

  5. 5Wie sieht das Pferd auf den Bildern aus, und wie war es wirklich?

    Auf Bildern von Sankt Martin steht es fast immer weiß und schön daneben, mit erhobenem Kopf. In Wirklichkeit war es braun und mittelgroß, hatte eine helle Stelle über dem linken Auge und wollte nach Hause.

Wörter aus der Geschichte

Armeepferd
ein Pferd, das für Soldaten arbeitet
Kaserne
das große Haus, in dem Soldaten wohnen
Hafer
ein Getreide, das Pferde besonders gern fressen
Scheide
die Hülle, in der ein Schwert steckt
Wollstoff
dicker Stoff aus Wolle, der schön warm hält

Zum Weitererzählen

  • Warum erzählt diese Geschichte alles aus der Sicht des Pferdes?
  • Für die Soldaten war es nur ein kaputter Mantel zum Lachen. Warum merkt man Wichtiges oft erst viel später?
  • Das Pferd hat nichts gemerkt. Kann man bei etwas Wichtigem dabei sein, ohne es zu bemerken?
  • Wenn du etwas teilen müsstest, das dich warm hält: Wie würdest du das machen?
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Vier ruhige Minuten aus der Sicht eines Tieres, das nur nach Hause will. Es kommt kein Kampf vor, und am Ende steht ein Pferd auf einer Weide.

Warum „Das Pferd, das vor der Kirche wartete" zum Einschlafen passt

Auf mittelalterlichen und neueren Darstellungen ist Martins Pferd fast immer weiß und prächtig. Das ist Bildsprache, kein Bericht — welche Farbe das Tier hatte, weiß niemand. Diese Geschichte macht daraus bewusst ein gewöhnliches braunes Armeepferd.

Der Perspektivwechsel eignet sich gut, um am zweiten Abend dieselbe Geschichte noch einmal zu erzählen, ohne dass es sich wie eine Wiederholung anfühlt.

Wenn „Das Pferd, das vor der Kirche wartete" gefallen hat

Mehr davon unter Sankt-Martin-Geschichten und Tiergeschichten für Kinder.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Das Pferd, das vor der Kirche wartete

Worum geht es in „Das Pferd, das vor der Kirche wartete"?

Die bekannte Sankt-Martin-Szene am Stadttor, erzählt aus der Sicht des Pferdes – das vor allem nach Hause und zum Hafer will.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund vier Minuten.

War Martins Pferd wirklich braun?

Das weiß niemand. Auf Bildern ist es fast immer weiß, aber das ist Bildsprache und kein Bericht.

Kann man die Geschichte nach der Mantelgeschichte lesen?

Genau dafür ist sie gedacht – dasselbe Ereignis noch einmal, aus einer anderen Ecke.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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